Bhagavad Gita Essenz – 7 Topverse zu Bhakti Yoga

Arjuna und Krishna

 

Die Bhagavad Gita ist nach dem Ikea Katalog (tatsächlich) un der Bibel (inzwischen an 2. Stelle!) das am weitesten verbreitete Buch der Welt, und eben auch das wichtigste Werk der Indischen Philosophie.

Neben der Philosophie des Karma und Jnana Yoga wird in der Gita auch recht ausführlich das Bhakti Yoga behandelt, welches ich nun anhand einiger Verse erläutern möchte. Bhakti Yoga ist der Weg zu Gott über die Liebe bzw. über das Gefühl, das Herz und die Hingabe. Ich habe die aus meiner bescheidenen Sicht wichtigsten 7 Verse zum Bhakti Yoga herausgesucht um damit zu erklären worum es dabei geht und wie man in der Praxis Bhakti kultivieren kann.

Möge es Dir helfen Deine persönliche Beziehung zu Gott zu vertiefen und allumfassende und bedingungslose Liebe zu entwickeln!

Zur Erläuterung des Begriffs „Gott“ sei hier der Vers 1.2.11 des Śrīmad Bhāgavatam Zitiert:

“Die Weisen welche die absolute Wahrheit entdeckten, benannten diese nonduale Wirklichkeit auf drei Arten: Brahman, Paramātmā oder Bhagavān.”

Gott ist also zugleich das absolute Unpersönliche, das innerste Selbst als auch höchste Wesenheit. Vor allem ist Gott jenseits aller Konzepte und kann individuell unterschiedlich Erfahren und Erkannt werden.

Die Essenz des Bhakti Yoga in 7 Bhagavad Gita Versen:

XI.55 „Wer alles um Meinetwillen tut, in Mir das Höchste sieht, Mir ergeben ist, keine Verhaftung kennt und keines Geschöpfes Feind ist, kommt zu Mir.“

VII.16 „Vier Arten von tugendhaften Menschen verehren Mich, nämlich die Leidenden, die nach Wissen Suchenden, die nach Wohlstand Strebenden und die Weisen.“

IX.34 „Hefte deinen Geist auf Mich, sei Mir ergeben, opfere Mir, verneige dich vor Mir. Wenn du so gänzlich mit Mir verbunden bist und ich dein höchstes Ziel bin, wirst du zu Mir kommen“

VI.30 „Wer überall Mich und alles in Mir sieht, kann niemals von Mir getrennt werden und auch Ich werde nicht von ihm getrennt.“

VII.21 „Welche Form ein Verehrer mit Vertrauen zu verehren wünscht, Ich mache eben diesen seinen Glauben fest und unerschütterlich.“

XII.05 „Schwieriger ist es für Menschen, deren Geist auf das Nichtmanifeste gerichtet ist; denn das Ziel, das Nichtmanifeste, ist für den Verkörperten sehr schwer zu erreichen.“

XVIII.65 „Richte deinen Geist auf Mich, sei Mir ergeben, opfere Mir und verneige dich vor Mir. Du wist zu Mir gelangen; wahrlich Ich gebe dir das Versprechen, denn du bist Mir lieb.“

7 Versen der Bhagavad Gita zum Bhakti Yoga

XI.55 „Wer alles um Meinetwillen tut, in Mir das Höchste sieht, Mir ergeben ist, keine Verhaftung kennt und keines Geschöpfes Feind ist, kommt zu Mir.“

Die Bhagavad Gita ist ein Dialog zwischen Meister und Schüler, ja sogar zwischen Gott und Mensch. Die Gottinkarnation Krishna lehrt dem Krieger Arjuna den spirituellen Weg und erläutert diesen von verschiedenen Standpunkten aus. Dabei spricht Krishna aus der Perspektive Gottes bzw. des höchsten Selbst. Wenn Krishna also von „Sich“ und „Mein“ spricht, ist damit der Blickwinkel die „Essenz des Seins“, des „Wesentlichen hinter den Wesen“ oder des „höchsten Bewusstseins“ welches nicht zu beschreiben ist, gemeint. Bhakti Yoga bedeutet eine persönliche Beziehung über das Herz mit Gott zu leben und darüber hinaus Gott in allem und jedem zu sehen. Um dieses „eine“ zu erfahren oder dort hin zu kommen, empfiehlt Krishna in diesem Vers 5 Punkte.

5 Punkte zur Entwicklung von Bhakti

  • Alles um Seinetwillen tun, also rein altruistisch alles Gott zu weihen.
  • in ihm das Höchste sehen, also nur Gott als Weg und Ziel zu sehen.
  • sich ihm ergeben, also seinen Willen durch sich wirken zu lassen.
  • keine Verhaftungen kennen, also an nichts in der Welt hängen.
  • keines Geschöpfes Feind sein, also jeden als Verkörperung des einen sehen.

Dieses klingt wie eine riesengroße Aufgabe, jedoch wird Bhakti Yoga als der einfachste der Yoga Wege bezeichnet, weil wir uns im Grunde einfach nur an Gott und die Liebe wenden müssen. Wenn wir uns ganz Gott hingeben wird unsere Liebe zur Schöpfung unermesslich und wir bekommen mehr als wir uns wünschen könnten, da wir nichts mehr erwarten.

VII.16 „Vier Arten von tugendhaften Menschen verehren Mich, nämlich die Leidenden, die nach Wissen Suchenden, die nach Wohlstand Strebenden und die Weisen.“

Es gibt verschiedene Motive um ernsthaft nach Gott zu suchen bzw. Gott zu verehren. Jedes Motiv ist ok, denn jeder hat seine eigene Geschichte und einen Grund weshalb er zu Gott geht oder gehen will. Entscheidend ist, dass man aus welchem Motiv auch immer seine Liebe zu Gott immer klarer und reiner werden lässt. Zunächst ist die Liebe ganz zart und labil wie ein kleines Pflänzchen, nach und nach wird sie jedoch unerschütterlich und kraftvoll wie ein großer Baum. Aus der kleinen Liebe zu einer Person (Partner, Kind etc.) kann die Liebe immer größer werden und zB in eine Form des Göttlichen projeziert sein, bis sie irgendwann allumfassend und bedingungslos wird und man Gott in allem und jedem sehen und lieben kann.

4 Wege zum Bhakti Yoga

Manch einer strebt nach Gott aus reinem Leidensdruck, weil das Leben in der „normalen Welt“ mit aller Sinnlosigkeit keine tiefe Freude mehr bringt. Mancher kommt zur Gottesliebe, weil er zur letzten Erkenntnis und zum höchsten Wissen kommen möchte. Viele kommen zur Suche nach Gott, weil sie nach Wohlstand streben und sich selbige von Gott erhoffen. Aber die wertvollsten Gottsucher sind jene, die weise sind und erkennen, dass Gott Weg und Ziel des Lebens ist.

Alle Vier sind tugendhaft, so Krishna, und sie werden durch aufrichtige Liebe zu Gott finden.

IX.34 „Hefte deinen Geist auf Mich, sei Mir ergeben, opfere Mir, verneige dich vor Mir. Wenn du so gänzlich mit Mir verbunden bist und ich dein höchstes Ziel bin, wirst du zu Mir kommen

Es geht letztlich im Bhakti Yoga nicht darum was wir tun, sondern darum, das wir es aus Liebe und für Gott tun. Es geht im Bhakti Yoga um das kultivieren einer individuellen Gefühls Beziehung zu Gott und eben darum, dass wir die Herzensenergie ganz auf Gott in allen Namen und Formen sowie jenseits aller Namen und Formen ausrichten.

Im Bhakti ist die Intention entscheidend, nicht die Handlung

Gott nimmt jede Gabe an, wenn sie nur mit aufrichtigem Glauben bzw. „Hingabe und reinem Geist“ wie in Vers IX.29 gegeben wird. Wir müssen also nichts großartiges vollbringen, keine goldenen Tempel bauen um Gott zu gefallen, wir müssen bloß diese aufrichtige Hingabe kultivieren.

Der Begriff „Opfern“ ist in unserer Kultur eher negativ belegt, hiermit ist gemeint etwas darzubringen, etwas zu verschenken. Es geht nicht um das Objekt der Darbringung, sondern um den Geist in dem es geschieht. Gott möchte sozusagen nur unsere Liebe und ihm ist es egal auf welche Weise sie zum Ausdruck gebracht wird.

VI.30 „Wer überall Mich und alles in Mir sieht, kann niemals von Mir getrennt werden und auch Ich werde nicht von ihm getrennt.“

Gott sitzt nicht auf einer Wolke, ist nicht an einem fernen Ort und weilt auch nicht in einer anderen Dimension, er ist immer und überall. Gott ist der Urgrund von allem und durchdringt alles, die Welt ist die physische Manifestation des Göttlichen.

Bhakti Yoga bedeutet anzuerkennen, dass alles Gott ist und wir mit allem und jedem entsprechend respekt- und liebevoll umgehen dürfen. Getrennt zu sein von Gott ist eine Entscheidung für eine Illusion die wir treffen können, diese lässt uns leiden. Ebenso können wir uns entscheiden in allem Gott oder das Göttliche zu sehen, das macht vieles Leichter und Sinnvoller. Ich denke Gott ist jenseits von allen Konzepten und Vorstellungen und unvorstellbar sowie unbenennbar. Daher können wir, um uns Gott zu nähern, unsere eigene Phantasie sowie unseren Verstand benutzen und für das Wort „Gott“ unser eigenes Modell einsetzen. Das Wort „Gott“ können wir also als eine Variable sehen für das was wir uns darunter vorstellen, alles andere sind auch nur Worte und versuche der Annäherung. Gott ist nur ein Wort, entscheidend ist was du draus machst!

VII.21 „Welche Form ein Verehrer mit Vertrauen zu verehren wünscht, Ich mache eben diesen seinen Glauben fest und unerschütterlich.“

Gott gibt es wie erwähnt in allen erdenklichen Namen und Formen und jenseits aller Namen und Formen. Diesem Vers entnehme ich ganz klar, dass es letztlich keine Rolle spielt welcher Form oder welchem Namen von Gott man sich zuwendet, entscheidend ist die Intention und die Aufrichtigkeit.

Bhakti bedeutet Hingabe an Gott, unabhängig davon welches Konzept von Gott wir mögen!

Krishna, Vishnu, Rama, Shiva, Durga, Kali, Surya, Laxmi oder Hanuman sind Namen für das selbe Göttliche universelle Prinzip, ebenso wie Adonaj, Jehova, Elohim, Allah, Jah oder Manitou das Selbe bedeuten. Auch kann man es atheistisch ausdrücken und „Das große Geheimnis“, „die mysteriöse Kraft“, „die alldurchdringende Energie“ oder wie auch immer. Es gibt Interpretationen der Gita in denen gesagt wird dieser Vers deute darauf hin, dass alles ausser Krishnaverehrung ein irrweg sei. Ich jedoch möchte die Bhagavad Gita als universelles Werk betrachten welches verbindet statt zu trennen. Letztlich kommt es nur darauf an, dass die Hingabe authentisch und aus vollem Herzen fliesst und es ist nebensächlich wohin sich die Gottesliebe richtet, denn alles ist Gott!

XII.05 „Schwieriger ist es für Menschen, deren Geist auf das Nichtmanifeste gerichtet ist; denn das Ziel, das Nichtmanifeste, ist für den Verkörperten schwer zu erreichen.“

Im Bhakti Yoga geht es darum, sich Gott mit Namen und Formen auf verschiedene Weisen zu zuwenden. Auch wenn man weiß, dass letztlich alles Gott ist, und es nichts gibt was nicht Gott ist, wählen wir ein Symbol für Gott aus. Im Bhakti Yoga wählt man also sozusagen eine Form und einen Namen aus, um sich dieser ganz hinzugeben.

Aus meiner Sicht spielt es dabei keine Rolle wie man sich Gott vorstellt, solange es das höchste Ideal ist, und die Liebe dazu aufrichtig. Im Gegensatz dazu ist es schwieriger sich an das absolute und unmanifeste Göttliche zu wenden, da es nicht greifbar oder verstehbar ist. Mit dem formlosen Brahman können wir keine persönliche Beziehung wie im Bhakti aufbauen, wir können uns nicht vor dem Nichtmanifesten verneigen und es ist sehr schwer die Liebe direkt auf „Alles“ auszurichten. Im Bhakti Yoga wählen wir eine Form, auch wenn wir ggf. an das Formlose glauben, um die Liebe langsam auszudehnen. Zuerst richten wir die Liebe auf ein Objekt stellvertretend für Gott, dann dehnen wir die Liebe aus, mehr und mehr. Bis die Liebe allumfassend und bedingungslos wird. Dann können wir auch evtl das Nichtmanifeste erreichen, aber es ist eben einfacher über das Manifeste.

XVIII.65 „Richte deinen Geist auf Mich, sei Mir ergeben, opfere Mir und verneige dich vor Mir. Du wist zu Mir gelangen; wahrlich Ich gebe dir das Versprechen, denn du bist Mir lieb.“

Bhakti Yoga ist ganz einfach und benötigt keinerlei Vorkenisse oder besondere Fähigkeiten. Lediglich der aufrichtige Wunsch sein Herz für die Liebe zu Gott zu öffnen ist Weg und Praxis des Bhakti Yoga. Krishna nennt hier nochmals die Essenz des Bhaktiyoga in vier einfachen Punken, um es nochmal ganz deutlich zu machen. Er gibt auch das Versprechen, das diese Punkte vollkommen ausreichend sind um zu Gott zu gelangen.

Essenz des Bhakti Yoga

  1. Richte deinen Geist auf Mich – also so oft wie möglich an Gott denken und alle Gedanken und Gefühle ausrichten auf Gott bzw. unsere Vorstellung davon.
  2. sei Mir ergeben – sich dem Göttlichen Willen hingeben, also das „Gottgegebene“ Schiksal akzeptieren und sich dem Hingeben was gerade da ist, es als Prassad annehmen.
  3. opfere Mir – Dankbarkeit gegenüber Gott pflegen und alles alltägliche Handeln Gott darbringen sowie Dinge mi Hingabe für Gott tuen die keinen weltlichen Zweck haben.
  4. verneige dich vor Mir – Sich vor Gott und seiner Schöpfung verneigen und respektvoll sein, versuchen Gott in allem zu sehen und sich jederzeit innerlich vor der Welt zu verneigen.

 

Mögen wir alle auf die ein oder andere Weise lernen, allumfassend und bedingungslos zu Lieben!

Mögen wir alle erkennen das Gott nicht verschieden von uns ist!

Mögen wir sehen das es nur einen Gott gibt in unendlich vielen Formen und Namen!

Jay Shri Krishna!

Im Namen des Vaters!

Hara Hara Mahadev!

La Illaha il Allah!

 

Facebook Kommentare

comments

About Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und koche für Geld. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)