Bhagavad Gita Essenz – 7 Topverse über die Gunas

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Krishna und Arjuna auf der Kutsche

Krishna und Arjuna auf der Kutsche



Derzeit arbeite ich an einer Serie über die gloreiche Bhagavad Gita und möchte jeweils sieben Verse dieses heiligen Textes des Hinduismus zu bestimmten Themenschwerpunkten vorstellen. In der Bhagavad Gita stellt Krishna seinem Schüler Arjuna von verschiedenen Standpunkten die Grundlagen der spirituellen Weltsicht dar. Eine wichtige Lehre der Bhagavad Gita ist das Konzept der drei Gunas, der Wirkkräfte oder Eigenschaften der Natur. Dieses Guna Modell wird auch in vielen anderen klassischen Texten der Yoga Philosophie verwendet und es ist eine der Grundlagen des indischen Denkens. In verschiedenen philosophischen Schulen des Hinduismus wie zB dem Samkhya, dem Vedanta, dem Tantra und dem Yoga ist dieses Modell entscheidend um zu verstehen wie die Welt funktioniert und wie der Mensch mit ihr verbunden ist. Ich hoffe mit meinen ausgewählten sieben Versen die richtigen gefunden zu haben um ein tieferes verstehen der Gunas zu ermöglichen. Zur vertiefung in das Modell der Gunas möchte ich meinen Artikel „Gunas- Die Wirkkräfte der Natur“ Empfehlen.

Die Top 7 Verse der Bhagavad Gita zu den Gunas:

XIV.9: „Sattwa lässt einen nach Freude streben und Rajas nach Aktivität, während Tamas, welches die Weisheit verhüllt, zu Irrtümern verleitet und einen zu Schlaf und Trägheit führt.“

II.45: „Die Veden sprechen von den drei Eigenschaften der Natur: erhebe dich über die Eigenschaften. Befreie dich von den Gegensatzpaaren und weile in Sattva, frei von den Gedanken an Erlangen und Behalten, und ruhe fest im Selbst.“

III.5: „Wahrlich, niemand kann auch nur für einen Augenblick untätig verweilen; denn in der Tat wird jeder Mensch durch die aus der Natur geborenen Eigenschaften hilflos zum Handeln getrieben.“

VII.13: „Von diesen Naturgegebenheiten getäuscht, die aus den drei Eigenschaften der Natur erwachsen, weiß diese Welt nicht, dass Ich Mich von ihnen unterscheide und unveränderlich bin.“

XIV.20: „Der Verkörperte, der die drei Gunas transzendiert hat, aus denen sich der Körper entwickelt hat, ist frei von Geburt, Tod, Verfall und Schmerz und erreicht Unsterblichkeit.“

XVIII.40: „Es gibt kein Wesen auf der Erde und auch nicht im Himmel unter den Göttern, das frei ist von den drei Eigenschaften der Natur.“

III.27: „Alle Handlungen sind in allen Fällen nur aus den Eigenschaften der Natur geschmiedet. Der Mensch, dessen Geist von Ichbewusstsein getrübt ist, denkt: Ich bin der Handelnde“

Arjuna und Krishna

Arjuna und Krishna

Zum Verständnis der Gunas: Erläuterungen der 7 Verse der Bhagavad Gita:

XIV.9: „Sattwa lässt einen nach Freude streben und Rajas nach Aktivität, während Tamas, welches die Weisheit verhüllt, zu Irrtümern verleitet und einen zu Schlaf und Trägheit führt.“

In diesem Vers beschreibt Krishna die drei Gunas, die direkte Übersetzung ist etwa:

  • Sattwa – Sein, Existenz, Realität
  • Rajas –  Handung, Wandel, Leidenschaft
  • Tamas – Dunkel, Träge, Bewölkt

Und diese Kräfte bewirken im einzelnen:

  • Sattwa ist die Wirkkraft welche uns durch die Neutralität zur Erkenntnis des Selbst führen kann.
  • Rajas ist die Wirkkraft, welche uns mit Unruhe und Projektion von der höchsten Erkenntnis entfernt.
  • Tamas ist die Wirkkraft welche uns verblendet und von der Erkennntis der Wirklichkeit fernhält.

Wir werden zu jeder Zeit und in allen Bereichen von diesen drei Eigenschaften gesteuert und leben dabei in der Illusion alles im Griff zu haben. Die Gunas lenken jede unserer Handlungen und auch unser Denken und Fühlen. Es ist wichtig dieses Prinzip zu verstehen um sich klar zu machen wie sehr jeder Mensch durch die Gunas bestimmt wird. Das wechselspiel von Rajas und Tamas ist bei den meisten Menschen dominierend und verhindert die Klarheit die wir benötigen um unser wahres Wesen zu erkennen.

II.45: „Die Veden sprechen von den drei Eigenschaften der Natur: erhebe dich über die Eigenschaften. Befreie dich von den Gegensatzpaaren und weile in Sattva, frei von den Gedanken an Erlangen und Behalten, und ruhe fest im Selbst.“

Das Konzept der Gunas ist so alt wie die Veden selbst, also weit über 4500 Jahre besteht es in der indischen Geisteswelt.

Das Wort „Guna“ bedeutet Seil, Faden oder Strick, was auf zweierlei hindeutet:

  1. Ein Faden aus dem das ganze manifeste Universum gewoben ist.
  2. Ein Strick der das Selbst an die manifeste Welt bindet.

Die Gunas werden allerdings meistens übersetzt mit „Eigenschaften der Natur“ oder auch „Wirkkräfte“. Krishna sagt bereits im Vers, dass es darum geht sich über die Eigenschaften zu erheben. Also zu erkennen was jenseits der Gunas liegt, nämlich das wahre Selbst. Das Selbst ist unberührt von den aktivitäten die durch die Gunas bestimmt werden, das Selbst ist konstant und handelt nicht. Um dieses zu erkennen, müssen wir die identifikation mit dem Handelnden aufgeben, wir müssen aufhören zu glauben was wir denken und zu meinen unsere Erfahrungen seien bedeutsamer als das Bewusstsein in dem sie stattfinden. Die „Gegensatzpaare“ ist das ständige auf und ab im Leben, sind wir damit identifiziert, verlieren wir uns in der Erfahrungsebene. Auch unser ständiges bestreben von Erlangen und Behalten verstrickt uns immer weiter in die Ebene der Gunas. Nur Sattwa kann uns helfen zur klarheit zu kommen und „fest im Selbst zu ruhen“.

III.5: „Wahrlich, niemand kann auch nur für einen Augenblick untätig verweilen; denn in der Tat wird jeder Mensch durch die aus der Natur geborenen Eigenschaften hilflos zum Handeln getrieben.“

Die Gunas sind die Kräfte aus denen alles manifeste êntstehen und die alles manifeste durchdringen und bestimmen. Sie erzeugen unsere Gedanken, Gefühle, Empfindungen und auch unser Schiksal. Aus diesem Blickwinkel gesehen, haben wir keinen freien Willen, weil alles aus den Impulsen der Gunas entsteht. Wir werden immer und unermüdlich angetrieben durch die Kräfte der Gunas, so ist nunmal die Natur der Dinge. „untätig Verweilen“ bedeutet hier, dass wir zwar still sitzen können, aber immer Impulse da sind zu Handeln, diese treiben uns hilflos an. Da ist auch nichts schlimmer dran, es geht nur darum zu sehen, dass wir letztlich nicht die Kontrolle haben, sondern wir quasi ein Spielball der Kräfte in uns sind.

VII.13: „Von diesen Naturgegebenheiten getäuscht, die aus den drei Eigenschaften der Natur erwachsen, weiß diese Welt nicht, dass Ich Mich von ihnen unterscheide und unveränderlich bin.“

Wir sind durch diese Kräfte gefangen und getäuscht weil wir nicht einfach über die Kräfte hinaus gehend erkennen können wer wir jenseits der Gunas eigendlich sind. Das wahre Selbst jedoch ist unabhängig von den Kräften der Natur, es ist unberührt davon und unveränderlich. Das Selbst ist das reine Bewusstsein jenseits aller veränderungen und das Gewahrsein welches erfährt. Die Gunas verwickeln uns in der Welt der Erfahrungen und binden unseren Geist an diese veränderliche Ebene. Das Selbst jedoch ist unveränderlich, also unberührt von den Gunas, es unterscheidet sich von der Welt der Gunas. Entscheidend ist also zu verstehen, dass das Selbst zwar Urgrund der Existenz ist, also das Bewusstsein welches alles durchdringt, aber zugleich die Ebene der veränderlichen Erfahrungen übersteigt.

XIV.20: „Der Verkörperte, der die drei Gunas transzendiert hat, aus denen sich der Körper entwickelt hat, ist frei von Geburt, Tod, Verfall und Schmerz und erreicht Unsterblichkeit.“

Ziel des spirituellen Weges ist das Transzendieren der Kräfte also das hinauswachsen über die Eigenschaften der Natur. Dabei geht es mehr um ein Erkennen als ein Erfahren, es geht um das wahre Selbst. Dieses ist „frei von Geburt, Tod, Verfall und Schmerz“, also unberührt von alles Veränderungen, unvergänglich, ungeboren und unabhängig von der existenz des Körpers.

XVIII.40: „Es gibt kein Wesen auf der Erde und auch nicht im Himmel unter den Göttern, das frei ist von den drei Eigenschaften der Natur.“

Auch wenn wir das Selbst erkannt haben, wirken die Kräfte unerlässlich in uns, das Selbst jedoch ist nicht mehr an sie gebunden. Auch ein erleuchteter Meister wird durch die Kräfte der Gunas gelenkt, aber er hat wahrlich erkannt was das Selbst ist. Es gibt Unterschiede im Bezug auf die Befreiung, es gibt Meister die das Selbst erkannt haben und offensichtlich dem Wechselspiel der Gunas ausgeliefert sind. Aber es gibt Meister eben auch die einen sehr hohen Grad an Sattwa erreicht haben, also eine große reinheit und klarheit die durch alles hindurch strahlen kann.

III.27: „Alle Handlungen sind in allen Fällen nur aus den Eigenschaften der Natur geschmiedet. Der Mensch, dessen Geist von Ichbewusstsein getrübt ist, denkt: Ich bin der Handelnde“

Die Gunas sind quasi Beginn und Ende jeder objektbezogenen Wahrnehmung, sie durchdringen alles was wir als Objekt erfahren können und das Ziel eines jeden spirituellen Weges ist letztlich „tri-guṇa-rahitaṃ“ zu werden, also jenseits der Gunas „über den Dingen“ zu stehen. Wenn wir erkennen, dass unser wahres Selbst handlungslos ist, sind wir nichtmehr dem auf und ab des Lebens ausgeliefert.

Ich habe mal einen knappen Satz formuliert der womöglich hilft das ganze einfach zu verstehen:

“Nutze die Stabilität und Bodenständigkeit von Tamas

und die Bewegung und Veränderung von Rajas

um zur Klarheit und Reinheit des Sattwa im Geist zu kommen,

sind diese drei im Gleichgewicht kannst du deine wahre Natur erkennen!”

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