Bhagavad Gita Essenz – 7 Topverse über Atman, das Selbst

Vrindavan, Heilige Kühe, Hare krsna

Vrindavan, Heilige Kühe, Hare krsna



Viele der großen deutschen Dichter und Denker der letzten 200 Jahre waren inspiriert von den uralten Lehren der Bhagavad Gita. Tatsächlich kann man viele Parallelen zwischen den Grundlagen des Hinduismus im allgemeinen und dem Advaita Vedanta im besonderen zu den Aussagen vieler Denker und Dichter ziehen. Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Hegel und andere waren sehr inspiriert durch die Bhagavad Gita und haben sie sehr gelobt. Ich denke jeder der sich auf der Suche nach Sinn und tiefen Einsichten ist sollte sich mit diesem fundamentalen Werk des Hinduismus befassen. Da der Zugang zunächst mal einige Hürden enthält, wie zB die Nutzung von Krieg als eine Metapher und einer sehr poetischen Sprache, habe ich versucht mehrere Zusammenfassungen zu formulieren zum Verstehen spezieller Themen die in der Bhagavad Gita auftauchen.

„Das Tiefste und Erhabenste, was die Welt aufzuweisen hat.“
Wilhelm von Humboldt

Die Bhagavad Gita befasst sich mit vielen spirituellen Grundfragen, unter anderem mit der Frage nach dem Wesen des eigenen Selbst und der Beziehung des Individuums zu Gott durch Bhakti. Die Gita ist das Grundlagenwerk des Hinduismus und von mehreren verschiedenen Indischen Denkschulen, so auch des Advaita Vedanta welches sich mit dem Erkennen des wahren Selbst befasst. In diesem Artikel möchte ich die wichtigsten Verse zur Erklärung des Atman auflisten und diese kommentieren.

7 Top Verse der Bhagavad Gita über das Selbst – Atman

II.12 „Es gab nie eine Zeit, da Ich nicht war, oder du, oder auch diese Herrscher, und in Wahrheit werden wir auch in Zukunft niemals aufhören zu sein.“

II.24 „Dieses Selbst kann nicht zerschnitten, verbrannt, befeuchtet oder getrocknet werden. Es ist ewig, alldurchdringend, fest, unverrückbar und ohne Anfang und Ende.“

III.17 „Aber für den Menschen, der sich nur im Selbst erfreut, der Zufriedenheit im Selbst findet und im Selbst Genüge hat, für den gibt es nichts zu tun.“

III.43 „Erkenne also Das, was dem Verstand überlegen ist, sei durch das Selbst beherrscht, und dann töte, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, den schwer zu schlagenden Feind in Gestalt des Wunsches.“

IV.38 „Wahrlich, es gibt in dieser Welt keine Läuterung, die der Erkenntnis vergleichbar ist. Wer im Yoga vollkommen ist, findet sie zur rechten Zeit im Selbst.“

V.20 „Wer Brahman kennt, ruht mit unerschütterlichem und ungetäuschtem Verstand in Brahman und wird nicht jubeln, wenn ihm Angenehmes widerfährt, noch bekümmert sein, wenn ihm Unangenehmes zustößt.“

XIII.22 „Und dieser höchste Purusha, Oh Arjuna, kann erreicht werden durch unerschütterliche und ausschließliche Hingabe an Ihn, in Dem alle Wesen weilen, und Der all dies durchdringt“

Kommentare zu den 7 Topversen der Bhagavad Gita über das Salbst – Atman

II.12 „Es gab nie eine Zeit, da Ich nicht war, oder du, oder auch diese Herrscher, und in Wahrheit werden wir auch in Zukunft niemals aufhören zu sein.“

Eine der wesentlichen und schwierig zu akzeptierenden Tatsachen über das Selbst so wie es im Advaita Vedanta und im Kontext der Bhagavad Gita verstanden wird ist, dass der Atman ewig ist. Das wahre Selbst ist ja laut Advaita Lehre identisch mit dem was wir als Gott bezeichnen können, allerdings ist es hier wichtig die beiden Begriffe ins rechte Licht zu rücken. Der Atman ist das unpersönliche Selbst jenseits von allem was als Objekt erfahren werden kann, als Brahman bezeichnen wir das alldurchdringende Bewusstsein jenseits aller Eigenschaften bzw. die Erfahrung der Einheit. Je nach dem wie wir es also betrachten und definieren wollen ist demnach Gott identisch mit dem wahren Selbst, und das ist beides schon immer da gewesen und wird auch immer sein. Vergänglich ist der Körper, die Gedanken und das Selbstbild, aber das was dem zugrunde liegt ist unvergänglich.

II.24 „Dieses Selbst kann nicht zerschnitten, verbrannt, befeuchtet oder getrocknet werden. Es ist ewig, alldurchdringend, fest, unverrückbar und ohne Anfang und Ende.“

Das Selbst ist unberührt von allen Handlungen und es ist unveränderlich, um dieses deutlich zu machen nennt er einzelne Eigenschaften die ich kurz erläutern möchte.

es kann…

  • nicht zerschnitten werden- niemand kann das Selbst physisch verändern
  • nicht verbrannt werden- keine physikalische Kraft berührt das Selbst
  • nicht befeuchtet & getrocknet werden- es ist unberührt von allen Veränderungen

Es ist

  • ewig- es hat keinen zeitlichen Anfang und kein Ende
  • alldurchdringend- es ist der Urgrund von allem was ist
  • fest und unverrückbar- es kann in keiner Weise verändert werden
  • ohne Anfang & Ende – es ist überall und hat keine Mitte

III.17 „Aber für den Menschen, der sich nur im Selbst erfreut, der Zufriedenheit im Selbst findet und im Selbst Genüge hat, für den gibt es nichts zu tun.“

Wenn wir einmal erkannt haben was dieses eine Selbst ist und diese Erkenntnis zu einer unumstösslichen Erfahrung geworden ist, brauchen wir nurnoch das zu tun was gerade anliegt. Wr hören also auf immer irgendetwas zu wollen oder Handlungen mit einem Ziel auszuführen, wir fliessen in absolutem Einklang mit der Umgebung durch den Augenblick und es gibt für uns als Mensch (also als Individuum) nichts mehr zu tun, weil wir alles nurnoch in Harmonie für und mit der Schöpfung tun.

III.43 „Erkenne also Das, was dem Verstand überlegen ist, sei durch das Selbst beherrscht, und dann töte, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, den schwer zu schlagenden Feind in Gestalt des Wunsches.“

Das Selbst ist „dem Verstand überlegen“, es ist also weder der Körper, noch die Gefühle, noch der Verstand, es ist jenseits dessen und dem zu Grunde liegend. Wir lassen uns leider allzuoft von Körper, Gefühl und Verstand leiten und leiden darunter, Krishna empfiehlt hier das Einheitbewusstsein bzw. das Selbst immer die Grundlage aller Handlungen udn Entscheidungen sein zu lassen. Der Feind des Selbst ist zugleich sein freund, das Ego. Entscheidend ist wie wir damit umgehen und das wir uns davon nicht dominieren lassen, die Manifestation des Ego ist der Wunsch. Immer wenn wir einen Wunsch erfüllen entstehen wieder mindestens zwei neue, nur wenn wir durch Meditation die Quelle der Wünsche finden können wir ihre Macht mildern.

IV.38 „Wahrlich, es gibt in dieser Welt keine Läuterung, die der Erkenntnis vergleichbar ist. Wer im Yoga vollkommen ist, findet sie zur rechten Zeit im Selbst.“

Es gibt viele Wege um zu Gott oder zum Selbst zu gelangen bzw sich seiner Göttlichen Natur und seines wahren Selbst bewusst zu werden, die Bhagavad Gita nennt eine ganze Reihe davon, vor allem Karma-, Bhakti- und Jnana- Yoga. Krishna sagt in diesem Vers, dass die Erkenntnis die beste Methode der Läuterung ist. Tatsächlich kann man sich das im täglichen Leben anschauen, wenn man etwas wirklich erkannt hat wird es unerschütterlich. Dieses Erkennen ist eine Praxis der man sich widmen kann, es hat allerdings nur wenig zu tuen mit dem aufnehmen von Informationen, es gibt einen Unterschied zwischen Wissen und Weisheit. Es geht darum  sich selbst zu erforschen und zu hinterfragen und dazu die Methoden aus den heiligen Schriften zu benutzen, so wie Jesus gesagt hat: „und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh.8.32)

V.20 „Wer Brahman kennt, ruht mit unerschütterlichem und ungetäuschtem Verstand in Brahman und wird nicht jubeln, wenn ihm Angenehmes widerfährt, noch bekümmert sein, wenn ihm Unangenehmes zustößt.“

Dies bedeutet nicht, dass ein Leben nach der Erleuchtung dann langweilig und trocken wird, im Gegenteil. Wenn wir die wahre Natur unseres Wesenskerns erkannt haben und Wissen: wir sind das unsterbliche, gewöhnliche, alldurchdringende, unveränderliche, unberührbare  und ewige Selbst, dann sind wir zugleich mit allem verbunden und über allem stehend, dann beginnt erst das wahre Leben. Da Brahman bzw. Atman der Urgrund allen Seins ist, wird man vollkommenen Gleichmut entwickeln wenn man es erkannt hat, alle Erfahrungen werden dann gleichwertig voller Freude sein, da Freude unsere wahre Natur ist.

XIII.22 „Und dieser höchste Purusha, Oh Arjuna, kann erreicht werden durch unerschütterliche und ausschließliche Hingabe an Ihn, in Dem alle Wesen weilen, und Der all dies durchdringt“

Mit Purusha ist wohl an dieser Stelle das wahre Selbst bzw. Gott gemeint, wenn man sich ganz Gott und der Suche nach dem Selbst (was nicht gefunden werden kann) hingibt, so verspricht es Krishna hier, wird man es erreichen. Ich selbst glaube nicht, dass „Erleuchtung“ so weit weg ist, sondern das es nur eine Veränderung der Perspektive ist, wir sind ja schliesslich bereits das Selbst und weilen bereits in Gott. Es geht letztendlich nur um Erkenntnis die dann zu Erfahrung wird….

Hari Om Tat sat!

Krishna, Vasudeva, Gopala, Govinda, Krishna mit Flöte und Kuh

Krishna, Vasudeva, Gopala, Govinda, Krishna mit Flöte und Kuh

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