Bhagavad Gita Essenz – 7 Topverse über Gott und das Göttliche

 

Die Bhagavad Gita ist der wichtigste Text des Hinduismus und auch das am weitesten verbreitete Buch aus Indien. Es enthält die Quintessenz der Lehren des alten Indiens und ist das Standartwerk zum Studium des Hinduismus und der Hintergründe des Yoga. Die Bhagavad Gita ist das am dritt häufigsten verbreitete Buch der Welt, nach dem Ikeakatalog und der Bibel. Die Bhagavad Gita befasst sich vorwiegend mit drei klassischen Yoga Wegen: Bhakti Yoga, Karma Yoga und Jnana Yoga. Es ist ein Dialog zwischen Gott und Mensch bzw. Lehrer und Schüler, genauer gesagt zwischen der Vishnu Inkarnation Krishna und dem Helden und Krieger Arjuna. In den 700 Versen der Gita sind unglaublich viele tiefgründige Aussagen über verschiedenste Aspekte des Lebens, ich versuche in der Serie „Top Verse der Bhagavad Gita“ verschiedene Themen zu beleuchten mithilfe ausgewählter Verse des Textes.

„Gott“ ist zunächst nur ein Wort, um die Bedeutung streiten sich die Menschen seit es sie und ihn gibt. Ich möchte generell keine konkrete Form von Gott favorisieren, da ich denke dass Gott sowieso unbegreiflich, unfassbar und unbeschreiblich ist. In den verschiedensten spirituellen Traditionen werden unterschiedliche Namen und Formen von Gott favorisiert, entscheidend ist aus meiner Sicht zu sehen, dass sich Gott auf unendlich viele Weisen dem Menschen offenbaren kann. Im Hinduismus sind die Namen und Formen für das eine Göttliche Prinzip sehr vielfältig, in der Bhagavad Gita offenbart sich Gott dem Menschen als Krishna, darüber hinaus gibt es unzählige weitere wie zb Ganesha, Shiva und Hanuman. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig zu erkennen, dass auch Krishna nur eine mögliche Erscheinungsform ist und nicht die Einzige. So wie es im Islam formuliert wird:

„Laillahailallah“

Es gibt nur die eine Göttliche wirklichkeit, nur den einen Gott und nichts anderes. Allerdings hat der Hinduismus nicht die Beschränkung, dass man sich kein Bild von Gott machen soll, allerdings das Problem dass es unendlich viele Weisen gibt Gott zu benennen…

7 Top Verse der Bhagavad Gita über Gott und das Göttliche

II.17 „Erkenne Das als unzerstörbar, Welches all das durchdringt. Niemand kann die Zerstörung des Unvergänglichen bewirken.“

IV.11 „In der Weise, in der die Menschen zu Mir kommen, werden sie von Mir belohnt; auf jede Weise beschreiten die Menschen Meinen Weg, Oh Arjuna“

V.15 „Gott übernimmt weder Schuld noch Verdienst von einem Menschen; Wissen ist von Unwissenheit umhüllt, dadurch werden die Wesen getäuscht.“

VII.24 „Die Törichten meinen, Ich, das Unmanifestierte, hätte Erscheinungsformen, da sie Mein höheres unveränderliches und überaus erhabenes Wesen nicht kennen.“

VIII.07 „Daher denke alle Zeit nur an Mich und kämpfe. Wenn Geist und Verstand fest auf Mich gerichtet (in Mich versenkt) sind, wirst du ohne Zweifel allein zu Mir kommen.“

IX.04 „Die ganze Welt ist erfüllt von Mir und Meinem nichtmanifesten Aspekt; alle Wesen existieren in Mir, Ich jedoch bin nicht in ihnen.“

XVIII.56 „Wenn er alle Handlungen ausführt, nachdem er zu Mir Zuflucht gesucht hat, erlangt er durch Meine Gnade den ewigen unzerstörbaren Seinszustand.“

Kommentare zu den 7 Top Versen der Bhagavad Gita über Gott und das Göttliche

II.17 „Erkenne Das als unzerstörbar, Welches all das durchdringt. Niemand kann die Zerstörung des Unvergänglichen bewirken.“

Eine der wesentlichen Grundlagen des indischen Denkens ist die Gleichheit von Atman und Brahman, also die Annahme dass das Göttliche und das wahre Selbst tatsächlich identisch sind, konkret formuliert wird dieses im Advaita Vedanta. Hiermit ist keineswegs gemeint, dass der Mensch gleich Gott ist oder andersherum, sondern es geht um den innersten Karn des Individuums jenseits der Persönlichkeit. Gott hat viele Namen und Formen, ist aber eigendlich unbeschreiblich und jenseits aller Konzepte, Gott ist unvorstellbar und durchdringt alles was ist. Am ehesten kann Gott mit dem Raum verglcihen werden, beides durchdringt alles und ist Urgrund von dem was ist. Gott ist aber nicht der Raum, es liegt dem Raum zugrunde. Gott ist Ursprung von allem und Schöpfer der Evolution, allerdings ist er keine Person oder Wesenheit sondern eben die Intelligenz die alles erschafft. Daher ist er – sie – es unkaputtbar.

IV.11 „In der Weise, in der die Menschen zu Mir kommen, werden sie von Mir belohnt; auf jede Weise beschreiten die Menschen Meinen Weg, Oh Arjuna“

Gott ist immer und überall, Gott ist das was allem zugrunde liegt und es liegt an uns ob wir uns dem Göttlichen zuwenden oder ob wir uns davon abwenden. Je nach dem wie wir mit Gottes Schöpfung (die selbstverständlich als Evolution zu verstehen ist) umgehen und ihr gegenüber eine innere Haltung der Hingabe haben, wird sich Gott uns auf individuelle Weise offenbaren. Gott ist gar nicht so abstrakt wie man vielleicht denkt, wir sind immer in direkter Verbindung mit Gott, die Frage ist nur ob wir uns dessen bewusst sind und ob wir es sein wollen. Wenn wir beispielsweise an die Form Gottes glauben die im Christentum vermittelt wird, so wird es sich uns womöglich als Jesus Christus offenbaren. Wenn wir Anhänger der Lehren des Advaita Vedanta sind, werden wir Gott als unpersönliche und formlose Essenz des Seins erkennen. Egal welchen Weg wir wählen, entscheidend ist sich für Gott, also für Liebe und Hermonie zu entscheiden.

V.15 „Gott übernimmt weder Schuld noch Verdienst von einem Menschen; Wissen ist von Unwissenheit umhüllt, dadurch werden die Wesen getäuscht.“

Gott ist neutral, er richtet nicht und er ist auch nicht zornig oder strafend. Gott ist einfach nur die Essenz des Seins, das Bewusstsein welches das Universum durchdringt. Weder trägt er unsere Schuld, noch belohnt er uns für unsere guten Taten. Oft wird die Gerechtigkeit des Karma Prinzips mit Gott gleich gesetzt, aber wir sind nur selbst für unser Schiksal verantwortlich. Der Mensch glaubt selbst der Handelnde zu sein dabei ist er nur fälschlicher Weise mit seinem Körper-Geist Komplex identifiziert. Eigendlich sind wir nur das reine Gewahrsein indem all die Handlungen ablaufen, sobald wir das realisieren generieren wir kein neues Karma mehr. Schuld und Verdienst ist Frucht unserer Handlungen und sie folgen quasi natürlichen Gesetzmäßigkeiten. Wir können zwar Gott um hilfe bitten und uns dem Göttlichen Willen hingeben, sind aber dennoch selbst verantwortlich für die Dinge die uns wiederfahren. Solange unser wahres und wissendes Selbst (Gott) verüllt ist von unserer fälschlichen Identifikation mit dem Wahrnehmbaren sind wir getäuscht und erkennen nicht die Göttliche Natur unseres Seins.

VII.24 „Die Törichten meinen, Ich, das Unmanifestierte, hätte Erscheinungsformen, da sie Mein höheres unveränderliches und überaus erhabenes Wesen nicht kennen.“

Auch wenn Gott dem Menschen wie oben in IV.11 gesagt auf individuelle Weisen erscheint, so hat er dennoch im Grunde genommen keine konkrete Form, da er alles ist und alles enthält. Vor etwa 5000 Jahren hat Gott sich den Menschen in Form von Sri Krishna offenbart und seine wesentlichen Aussagen sind in der Bhagavad Gita für die Nachwelt konserviert worden. Aber Krishna ist nur eine von unendlich vielen Manifestationen des einen Gottes, es wäre vermessen zu meinen Gott würde sich auf eine Form beschränken. Gott ist jenseits aller Namen, Formen und Eigenschaften, er die formlose eine Wirklichkeit die unveränderlich und erhaben ist.

VIII.07 „Daher denke alle Zeit nur an Mich und kämpfe. Wenn Geist und Verstand fest auf Mich gerichtet (in Mich versenkt) sind, wirst du ohne Zweifel allein zu Mir kommen.“

Um zu Gott zu kommen und damit in die Erfahrung oder Erkenntnis der Einheit fest zu sein brauchen wir uns bloß ganz auf Gott auszurichten. Krishna verspricht uns in diesem Vers, dass wir zu ihm kommen werden wenn wir Geist und Verstand auf ihn ausrichten. Allezeit an Gott zu denken und in seinem Geiste zu handeln ist der Weg um zu ihm zu kommen, letztlich ist es unerheblich was wir tuen, solange wir es für ihn tun. Natürlich sollten unsere Handlungen konstruktiv und wohlwollend sein, denn die Welt ist Gottes Körper, aber entscheidend ist die innere Ausrichtung auf Gott. Hingabe an Gott ist wohl der einzige Weg um das Göttliche wirken zu lassen, dieses Bhakti führt zur reinen Liebe zu Gott.

IX.04 „Die ganze Welt ist erfüllt von Mir und Meinem nichtmanifesten Aspekt; alle Wesen existieren in Mir, Ich jedoch bin nicht in ihnen.“

Die Welt ist die physische Manifestation Gottes, Gott ist die Weltenseele die nicht erfahrbar ist, nur intuitiv erkennbar und die Welt ist der grobstoffliche Ausdruck dessen. Der „nichtmanifeste Aspekt“ ist dieses Brahman oder selbst welches allem zu Grunde liegt, alle Wesen existieren in diesem. Dann sagt Krishna aber „ich jedoch bin nicht in ihnen“ was darauf hindeutet, dass das unbegrenzte nicht zu begrenzen ist. So wie der Computer im Raum existiert, aber der Raum sich nicht auf die Maße des Computers begrenzen lässt, so existieren wir in Gott aber Gott ist eben weit mehr als das was wir im inneren entdecken.

XVIII.56 „Wenn er alle Handlungen ausführt, nachdem er zu Mir Zuflucht gesucht hat, erlangt er durch Meine Gnade den ewigen unzerstörbaren Seinszustand.“

Zu Gott zuflucht suchen ist keine einmalige Angelegenheit, wir müssen es immer und immer wieder tun um in den „unzerstörbaren Seinszustand“ zu kommen. Die Essenz des Bhakti Yoga ist in diesem wunderbaren Satz formuliert, es geht darum sich ganz Gott hinzugeben, ihm zu vertrauen und alles zu akzeptieren was wir von ihm bekommen. Obwohl wir wie oben gesagt selbst für unser zukünftiges Schiksal verantwortlich sind, ist die Befreiung letztlich ein Akt der Gnade. Jede Handlung wird durch den Handelnden vollzogen, um das zu erkennen was diesem zugrunde liegt, brauchen wir hilfe von „aussen“. Die Bhagavad Gita empfiehlt sozusagen, dass wir uns zum Instrument Gottes, zum Kanal für das Göttliche machen.

Ganz im Sinne der Worte Jesu im Vater Unser:

„Dein Wille geschehe!“

 

Krishna und Arjuna auf der Kutsche

Krishna und Arjuna auf der Kutsche

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