der Gott der Bibel im Licht des Advaita Vedanta

Der Gott der Simpsons


Sicherlich gibt es keinen schwierigeren Begriff als „Gott“. Seit dieses Konzept kursiert, gibt es immer wieder erbitterte philosophische Diskussionen und Krige über die Definition des Wortes, weil die Menschen damit sehr unterschiedliches verbinden. Zwar soll das Konzept „Gott“ helfen das Leben im Einklang zu leben, aber es führt leider allzuoft zu Trennung und Schmerz. Das Studium der Bibel führt leider allzu selten zu Klarheit und Offenheit, so ist meine Erfahrung und Beobachtung. Im Gegenteil, die vielen Metaphern und seltsamen Aussagen führen zu verzerrten Weltbildern und zu schrägen formen des Dogmatismus. Aus meinem Blickwinkel des Advaita Vedanta möchte ich gerne die zentralen Bibelbegriffe über Gott und seine Eigenschaften beleuchten und vielleicht dadurch etwas Klarheit zum Thema bieten. Das Advaita Vedanta ist eine Lehre aus dem Hinduismus die das Individuum zur Erkenntnis seiner wahren göttlichen Natur verhelfen soll. Dazu wird ein System verwendet, welches sehr klar und ohne umschweife die Wirklichkeit beschreibt und dabei eben auch unterstützung bietet um „Gott“ zu verstehen. Meiner bescheidenen Meinung nach, geht es eben nicht darum an Gott zu glauben, sondern Gott tatsächlich zu erfahren bzw. zu erkennen, und aus diesem Wissen heraus ein Leben im Einklang zu führen.

Begriffe im Advaita Vedanta die man als „Gott“ verstehen kann:

  • Brahman -das alldurchdringende kosmische Bewusst-Sein jenseits aller Namen, Formen und EIgenschaften, die Einheit allen Seins.
  • Atmandas wahre Selbst jenseits der Persönlichkeit welches eins mit allem ist, das reine Subjekt welches nicht als Objekt erfahrbar ist.
  • Ishvara – wörtlich „das höchste Wesen“ jedoch ist es nicht wesenhaft sondern eine intelligente Kraft die im pantheistischen Sinne Ursache und Wirkung allen Seins beinhaltet, das Kausalfeld.
  • Bhagavan – die persönliche und wesenhafte Erscheinung des einen welches unzähliche Eigenschaften, Namen und Formen annehmen kann wie zB Shiva, Ganesha, Krishna etc.

Wobei hier nochmals klar zu sagen ist, dass es in der Denkweise des Advaita Vedanta und den meisten Strömungen des Hinduismus nur ein Gott oder Göttliches Prinzip existiert, dieses aber in unendlich vielen Erscheinungsformen. Auch der Gott der Christenheit ist ja nicht eins sondern drei, „es“ wird betrachtes als Trinität  die eben drei Weisen hat zu wirken.

Worte für Gott in der Bibel und Gedanken aus dem Advaita Vedanta dazu:

  • Elohim – „der Starke, Mächtige“ (1. Mose 1,1) Ist ethymologisch eng verwandt mit dem Wort „Allah“ im Arabischen (auch Jesus nannte seinen Vater Allah in aramäischer Sprache), Gott ist größer und mächtiger als der Mensch, da „es“ alles durchdringt und bestimmt. Also Ishwara als equivalent ist die Intelligenz hinter der Schöpfung die zB eine Eichel zur Eiche werden lässt, in diesem Sinne bestimmt Gott als „Elohim“ die ganze Schöpfung.
  • Adonaj – „der Herr“ (2. Mose 4,10.13) Dieser Begriff ist wie der Meister eines Sklaven zu verstehen, Mensch ist also dem Herrn und Gott untergeordnet. Zwar sagt das Advaita Vedanta, dass Gott letztlich alles ist, aber um es zu erfahren oder zu erkennen müssen wir wohl durch Demut und Hingabe gegenüber Gott und seiner Schöpfung unsere Grenzen des Persönlichen überwinden. Um Gott als das eine unpersönliche zu erkennen ist es hilfreich „es“ als Person zu verstehen, also Bhagavan.
  • El Elyon – „der Allerhöchste“ (1. Mose 14,20) Gott ist das höchste, feinste und schönste was es gibt und eben auch zugleich ganz gewöhnlich- in dem Sinne, dass „es“ omnipräsent und überall zu finden ist, so wie das Brahman im Advaita Vedanta. Leider scheint Gott in der Bibel immer so weit weg zu sein, so wie auch der Begriff des „allerhöchsten“ impliziert, das wir es kaum erreichen können.
  • Jahwe – “Ich bin” (2. Mose 3,13-14) Eine der zentralen Aussagen und Methoden des Advaita Vedanta ist das „Ich Bin“ welches den Atman-Aspekt Gottes unterstreicht. Die Erinnerung an die reine Essenz jenseits aller Erfahrungen und Färbungen durch das Wiederholen und Reflektieren der Formel. Das „Ich Bin“ ist der Samen aus dem heraus alles weiter entstehen kann, es ist ein Mantra mit dem man sich auf die Qualität des Atman ausrichtet: Sat und Chit, also Existanz und Gewahrsein. Gott hat diese heilige Formel aus dem brennenden Dornbusch zu Moses gesagt, wohl damit die Menschen eine Methode haben sich an ihr wahres Sein zu erinnern welches die bewusste Existenz an sich ist, darin liegt das höchste Glück.
  • El Schaddaj – „der allmächtige“ (1. Mose 17,1) Die Allmacht Gottes zeigt uns Menschen, dass wir etwas bzw. jemanden haben der größer ist als wir und dem wir uns hingeben können. Wobei wir zumindest scheinbar einen freien Willen haben der letztlich von Gott gespeist wurde, so weit geht seine Allmacht. Wobei Gott aber nicht seine Macht ausspielt sondern man kann sagen Gott ist die Gesetztmässigkeit hinter allem, Gott ist die Summe der Regeln nach denen alles funktioniert und diese kann der Mensch freilich nie verstehen.
  • El Olam – „der ewige“ (Jesaja 40,28) Gott im vedantischen Sinne als Brahman ist die Bewusstheit die allem zugrunde liegt, also das Bewusste Sein an sich aus dem heraus die Evolution enstand wurde bzw. die darin stattfindet. Da Gott Urgrund allen seins ist, hat es weder Anfang noch Ende, ist also demnach ewig.
  • Zebaoth – Herr der Herscharen (Jesaja 6.5) Gott ist auch für die Himmlischen Wesen das Maß aller Dinge und Ziel aller Sehnsucht, Gott Herrscht sozusagen über alles und jeden. Im Hinduismus gibt es Ganesha, den elefantenköpfigen Gott der auch als „Herr der Herscharen“ übersetzt und betrachtet wird.

„Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.“ (Jakobus 1, 17)

 Aussagen über Gott aus der Bibel mit Advaita Vedanta Interpretation

  • Gott ist ewig (5. Mose 33,27; Psalm 90,2; 1. Timotheus 1,17) also „es“ war schon immer und wird auch immer sein, da „es“ der Urgrund von allem ist.
  • Gott ist unwandelbar (Maleachi 3,6; 4. Mose 23,19; Psalm 102,27-28) Gott ist unberührt von allem hin und her in der Welt, da „er“ das Sein an sich ist.
  • Gott ist unvergleichlich (2. Samuel 7,22; Psalm 86,8; Jesaja 40,25; Matthäus 5,48) zwar gibt es viele Gleichnisse um Gott näher zu kommen, jedoch gleicht ihm nichts.
  • Gott ist unergründlich (Jesaja 40,28; Psalm 145,3; Römer 11,33-34) im Advaita Vedanta wird gesagt „du kannst das Selbst nicht zu einem Objekt machen“, ebenso ist Gott nicht als Objekt erfahrbar.
  • Gott ist gerecht (5. Mose 32,4; Psalm 18,31) da Gott auch die Summe aller Gesetzmäßigkeiten ist, ist er nicht strafend und bevorzugt niemanden.
  • Gott ist allmächtig (Offenbarung 19,6; Jeremia 32,17.27) Gott hat alles im Griff, „es“ ist die Intelligenz hinter der Schöpfung und nichts kommt ihm gleich.
  • Gott ist allgegenwärtig (Psalm 139,7-13; Jeremia 23,23) Es gibt keinen Ort der nicht von der Göttlichen Präsenz durchdrungen ist, da er überall und immer ist.
  • Gott ist allwissend (Psalm 139,1-5; Sprüche 5,21) Gott ist sogar das „Wissen“ an sich, ihm entgeht nichts.
  • Gott ist souverän (Psalm 93,1; 95,3; Jeremia 23,20) im Wortsinne „über allem stehend“ ist „es“ die Kraft und die Herrlichkeit hinter der Welt der Erscheinungen.
  • Gott ist Wahrheit (Psalm 117,2; 1. Samuel 15,29) Wenn man den Begriff „Gott“ recht versteht und ggf sogar sein Wesen erkennt wird deutlich, dass „es“ die unumstössliche Wahrheit ist. Diese schliesst keine anderen Meinungen aus sondern liegt diesen zugrunde.
  • Gott ist heilig (Jesaja 6,3; Habakuk, 1,13; 2. Mose 3,2.4.5; Hebräer 12,29) als Ableitung des Wortes „Heil, Ganz“ deutet es auf die Perfektion der Schöpfung hin und darauf das auch der Mensch in seinem wahren Wesen Heil und Vollständig ist.
  • Gott ist gnädig (2. Mose 3,7; Psalm 31,20; 1. Petrus 1,3; Johannes 3,16; 17,3) zwar ist Gott nicht strafend oder zornig sondern folgt gesetzmäßigkeiten, jedoch wird er den aufrichtigen menschen mit Herz auch belohnen und sich zu erkennen geben.

Ganesha

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About Narada

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