Rishis – Weise und Seher. Begründer von Hinduismus & Yoga

Rishis

Valmiki in Haridwar

Die Rishis begründeten das Yoga und den Hinduismus. Im Westen werden weise und bedeutsame Menschen gerne als große „Denker“ bezeichnet, in Indien hingegen ist die Rede von den großen „Sehern“, die also durch Einsicht der Wahrheit zur Weisheit gekommen sind.

Rishis legten die Wurzeln des Hinduismus

Für die Geschichte des Yoga  und dem Ursprung des Hinduismus sind diese Meister sehr bedeutsam. Im Gegensatz zu den 4 anderen Weltreligionen ist der Hinduismus (Sanathana Dharma) nicht von Religionsstiftern begründet worden, sondern historisch gewachsen und von sehr vielen verschiedenen Meistern entdeckt und erläutert worden.

Diese wichtigen Meister werden als Rishis bezeichnet und sie haben die Wurzeln der modernen indischen Spiritualität, des Hinduismus und Yoga gelegt. Sie haben dabei die tiefen Wahrheiten durch Innenschau erkannt und formuliert, dabei entstanden die Veden und viele weitere Quelltexte indischer Spiritualität. Viele verschiedene Rishis haben im alten Indien gelebt, meistens waren sie eher normale Familienmenschen und keine Asketen.

Hinduismus und Yoga wurde von vielen Rishis begründet…

नारायणं पद्मभुवं वशिष्ठं शक्तिं च तत्पुत्रं पराशरं च व्यासं शुकं गौडपादं महान्तं गोविन्दयोगीन्द्रं अथास्य शिष्यम् श्री शंकराचार्यं अथास्य पद्मपादं च हस्तामलकं च शिष्यम् तं तोटकं वार्त्तिककारमन्यान् अस्मद् गुरून् सन्ततमानतोऽस्मि
(Advaita Guru Parampara Stotram)

Die Saptarishis – Sieben große Rishis

In der indischen Astrologie wird das Sternenbild der Plejaden, das Siebengestirn, auch mit den Saptarishis gleichgesetzt, wobei jeder Stern einem Rishi entspricht. In diesem Zusammenhang wird auch der Morgenstern als Arundhati bezeichnet, das war die Frau des Rishi Vasishta, die als eine der heiligsten Frauen des alten Indiens gilt und sogar den 7 Rishis Unterricht gab.

In verschiedenen zusammenhängen ist die Rede von den großen sieben Rishis, den Saptarishis. Wobei es hier verschiedene Aufzählungen gibt:

  • die älteste Aufzählung kommt aus der Jaiminiya Brahmana (2.218-221), 6.Jhd.v.Chr.:
    Vashista, Bharadvaja, Jamadagni, Gautama, Atri, Vishvamitra, und Agastya
  • im Shatapatha Brahmana und im Brihadaranyaka Upanishad (2.2.4) werden die gleichen genannt:
    Atri, Bharadvaja, Gautama, Jamadagni, Kashyapa, Vashista, Vishvamitra
  • Im Krishna Yajurveda bei den Sandhya-Vandana Mantras sind es die folgenden:
    Angiras, Atri, Bhrigu, Gautama, Kashyapa, Kutsa, Vashista
  • und im Mahabharata wieder andere:
    Marichi, Atri, Pulaha, Pulastya, Kratu, Vashista, Kashyapa

unterschiedliche Arten von Rishis begründeten Yoga und Hinduismus

  • Brahmarishis leben in Abgeschiedenheit und gehören zur Brahmanenkaste, wie zB Vasishta
  • Rajarishis meist Könige mit weltlichen Aufgaben die strenge Askese betrieben, wie zB Janaka
  • Devarishis sind göttlicher Natur und inspirieren die Menschen, wie zB Narada Muni
  • Maharishi Bezeichnung der Saptarishis, Namenszusatz großer Meister, zB Ramana Maharshi

Vortrag: Anekdoten über die Rishis

Das Sanatana Dharma bzw. der Hinduismus ist uralt und die Quellen sind unklar, damit weiß man auch nicht genau wie sich das Yoga entwickelt hat. Klar ist jedoch, dass es keinen Religionsstifter gab wie bei den anderen Weltreligionen, sondern viele Meister die frühern Wurzeln von Yoga und Hinduismus gelegt haben. Diese sind als die Rishis bekannt, was wörtlich „Seher“ bedeutet, und sie haben sehr unterschiedliche Ideen und Einsichten gehabt. In diesem Satsang Vortrag stelle ich einige der wichtigsten Rishis vor und gebe ein paar passende Anekdoten zur Yoga Geschichte zum besten.

Die wichtigsten Rishis im Hinduismus

Hier möchte ich nun einnige der wichtigsten und bekanntesten Rishis des alten indien aufzählen, allesamt haben sie interessante und zum Teil lustige Geschichten erlebt:

  • Agasthya Muni wurde durch den Samen des Sonnengottes Mitra gezeugt, der diesen aus Versehen beim Anblick der schönen Urvashi in einen Topf ergoss, daher wird er auch der Topfgeborene genannt. Er gilt als Begründer der südindischen Siddha-Medizin (ein komplettes uraltes Heil-Systhem) und Vater der Tamil-literatur. Manche behaupten er habe durch sein Elexir Bhoopati Kuligai den Tod überwunden und über 5000 Jahre gelebt. Agasthya hat als erster das Lalitha Sahasranama von Vishnu empfangen.
  • Ashtavakra war schon im Mutterleib ein großer Gelehrter der seinen Vater telepathisch bei den Rezitationen korrigierte, dieser wurde sauer und trat seiner Frau in den Leib. Daher kam Ashtavakra mit Acht krummen Gliedern auf die Welt, was auch die Bedeutung seines Namens ist. Er war der Guru des Königs Janaka und des Weisen Yajnavalkya und der Autor des wichtigen Vedanta Textes Ashtavakra Gita.
  • Atri Muni war ein wichtiger Autor des RigVeda und Vater von drei sehr berühmten Söhnen die er mit der Heiligen Anasuya bekam: Dattatreya (Inkarnation von Brahma-Vishnu-Shiva in einer Gestalt, Autor des AvadhutGita) , Durvasa (äusserst Cholerischer Rishi, Zettelte einen Streit mit Dämonen an der zum Quirlen des Milchozeans führte) und Soma (ein Pflanzengott dessen physische Manifestation psychoaktive Wirkungen hat und die leider ausgerottet ist, oder auch Patanjali, Autor der Yogasutras mit anderem Namen). Er taucht in vielen alten Texten auf und wird manchmal als Göttlich und anderswo als Menschlich beschrieben.
  • Bharadvaja war der Sohn von Devarishi Brihaspati, dem Guru und Priester der Götter und er gilt als einer der Begründer des Ayurveda. Seine Mutter war zugleich doppelt schwanger von Brihaspati und dem Ehemann „Utatuhyas“, der rechtmässige weil eheliche Sohn „kickte“ Bharadvaja frühzeitig aus dem Mutterleib. Er hat tausende Jahre die Veden studiert um festzustellen, dass er nur einen Bruchteil dessen erfasst hat. Er war einer der Lehrer von Rama und Sita die ihn in seinem Ashram in Prayag besuchten, dieser ist heute noch bestehend in Allahabad.
  • Durvasa Muni war ein cholerischer Rishi der hohes ansehen genoss und als Inkarnation Shivas gilt, dieser soll laut Brahmandapurana nach einem Streit mit Brahma seine ganze Wut in Durvasas Mutter gegeben haben, so bedeutet der Name auch „jemand mit dem schwer zu leben ist“. Er taucht in vielen Texten und Geschichten auf und war z.B. derjenige der Kunti das besondere Mantra gab mit dem sie Götter herbeirufen konnte um mit ihnen Kinder zu zeugen, daraus entstanden die Pandavabrüder des Mahabharata, auch hatte er mit dem Quirlen des Milchozeans zu tun.
  • Sri Kapila war der Begründer der Samkhya Philosophie und wird in der Bhagavad Gita (10.26) als perfektes Wesen bezeichnet. Er baute die Stadt Kapilavastu in der Buddha aufgewachsen ist und er war durch seinen Fluch verantwortlich für die Niederkunft des himmlischen Flusses Ganga. König Bhagirati konnte die Seelen seiner von Kapila getöteten Ahnen nur befreien, indem er durch Askese die Flussgöttin zwang zur Erde zu fliessen.  Er lehrte das Bhakti Yoga und verfasste das verlorene gegangene Samkhyasutra.
  • Valmiki war zunächst ein gefürchteter Räuber namens Ratnakar, der einer Tages Rishi Narada auflauerte, jedoch von diesem überlistet wurde. Ratnakar setzte sich mit dem Mantra „Ma-Ra“ hin, welches sich zu „Ra-Ma“ wandelte, daraufhin verfiel er in tiefe Meditation und Samadhi. Lange Zeit hatte er sein Bewusstsein nicht mehr in dieser Welt und die Ameisen bauten einen großen Hügel um ihn herum auf, danach wurde er zum Weisen Valmiki, was „Ameisenhügel“ bedeutet. Er gilt als erster Sanskrit Lyriker und Verfasser des Ramayana Epos.
  • Vasishta taucht bereits in den ältesten Texten der Inder auf, im RigVeda und wird als großer Brahmarishi beschrieben der über starke Kräfte verfügt. Er war der Hüter der wunscherfüllenden Kuh Kamadhenu, der Lehrer von Gott-inkarnation Rama und des Rishis Vishvamitra, und der Mann der großen Heiligen Arundhati. Über ihn wurde von Rishi Valmiki der Text „Yoga-Vasishta“ verfasst, ein Grundlagenwerk des Advaita-Vedanta. Vor einigen Jahren wurde in Delhi eine kupferne Darstellung seiner Kopfes gefunden der in 3 westlichen Universitäten geprüft und auf das Jahr 3700v.Chr. geschätzt wurde.
  • VedaVyasa gilt als Ordner und Schreiber (nicht Autor) der Veden und vieler Purana Texte sowie des Mahabharata, wobei er selbst auch oft in den Geschichten auftaucht. Er gilt als teil-Inkarnation Vishnus und als einer, der den Tod überwunden hat. Er war der Sohn von Satyavati und Parashara, Autor des Vishnupurana, und Vater von Shukadeva dem Autor des Shrimad Bhagavatam. Es ist unklar ob es sich bei den vielen Vyasas in verschiedenen Texten um ein und den selben Vyasa handelt, oder ob es ein besonderer Titel ist, Vyasa bedeutet wörtlich „Arrangeur“.
  • Vishvamitra war zunächst sehr ambitionierter König der gerne in die geschichte eingehen wollte, als er eines Tages auf Rishi Vasishta traf, wandelte sich sein Leben. Er wollte gerne die wunscherfüllende Kuh von Vasishta bekommen, dieser durfte sie aber niemandem geben, da nur ein Brahmarishi die Fähigkeiten hat mit einer solchen Kuh umzugehen. Er wurde so sauer auf Vasishta, dass er sich für viele Jahre in die Berge zurückzog um Askese zu betreiben und auch ein Brahmarishi zu werden, was er nach langem hin und her auch schaffte. Am Ende hat er das Gayatri Mantra empfangen und der Welt hinterlassen.
  • Yajnavalkya ist eine wichtige Figur in vielen Upanishaden und u.a. Autor der für das frühe Vedanta wichtige Brihadaranyaka Upanishad sowie der Yoga Yajnavalkya und dem Yajnavalkya Smriti, welches die Essenz für die hinduistischen Grundregeln enthält. Sein Lehrer Vaisampayana wurde einst sauer auf ihn und er bat ihn das gelernte Wissen über das Yajurveda zurückzugeben, also kotzte Yajnavalkya es wie befohlen seinem Guru vor die Füsse. Die anderen Schüler verwandelten sich in Rebhüner und aßen alles auf, was natürlich als eine Metapher zu verstehen ist. Rebhuhn heißt „Tittri“ im Sanskrit, so ist das Taittirīya Yajurveda sowie das Taittirīya Upanishad auf diese Geschichte zurückzuführen.
  • Hier noch ein ausführlicher Artikel über Rishi Narada Muni
    Rishis

    Die Ganga teilt sich in Haridwar in 7 Ströme, dort steht der „Saptarishi Ashram“

    Rishis

    Dattatreyas Geburtsort

    Rishis

    Anasuya Devi Mandir, Anasuya: Rishika, Atri Munis Frau & Dattatreyas Mutter

    Rishis

    Rishi Vyasa, seine Höhle bei Badrinath

 

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About Narada

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