Erfahrungsbericht: Vipassana Retreat im Haus der Stille

Haus der Stille

Haus der Stille

Vor vielen Jahren habe ich bereits ein intensives 10-tägiges Schweigeseminar gemacht und dabei eine tiefe Wandlung erlebt, und so wollte ich mich im Frühjahr mal wieder so richtig in meine Meditation vertiefen…

Gute Erfahrungen bei Goenkas Vipassana

Damals, ich glaube es war im Jahr 2008, hatte ich in der Organisation von Goenka ein Vipassana-Retreat gemacht und war sehr begeistert, zum einen von der Methodik und zum andern auch von der gesamten Organisationsstruktur. Ich war dazu ins „Dhamma Dvara“ nach Triebel in Sachsen gereist und im tiefen Schweigen wurde ich mehr und mehr zum sagenhaften „inneren Beobachter“. Die Methodik des Vipassana ist wirklich ein sehr hilfreiches Vehikel um zum wahren „Selbst“ zu finden, die Buddhisten würden allerdings sagen zum „nicht-Selbst“. Die Organisation des Retreats war wirklich unglaublich gut durchgeführt, es war ein idealer Rahmen um sich ganz auf die Technik einzulassen. Die Vipassana Methode nach SN Goenka bzw. seinem Lehrer Sayagyi U Ba Khin wird bei den Retreats weltweit identisch gelehrt, gewährleistet durch ein ausgeklügeltes System von Tonband-Vorträgen, Checklisten und hervorragend ausgebildeten Lehrern.

Vipassana bei der Goenka Organisation für mich nicht mehr möglich

Nur leider wurde ich von der Organisation nicht mehr zugelassen für weitere Retreats, über die Begründung kann man verschiedener Meinung sein: Es werden nur Teilnehmer zugelassen die sich ganz auf diese Methode einlassen, und keine anderen Praktiken ausüben. Wenn man genauer hinschaut, ist es durchaus nachvollziehbar, denn die Methodiken gehen sehr tief und ein halbwegs „sicheres“ Üben lässt sich nur gewährleisten wenn man z.B. keine Energiepraktiken nebenbei übt. Da ich Yoga, Meditation und vedisches Wissen unterrichte, wurde ich also nicht für ein weiteres Vipassana Retreat angenommen.Und so musste ich mich also nach alternativen umsehen um mich in einem geeigneten Rahmen der „Einsichts-Meditation“ zu widmen.

Suche nach einem Retreat Ort

Im Süden der Republik gibt es viele Buddhistische Zentren die auch zum Teil längere Schweigeretreats anbieten, einige davon sind eher offen gestaltet, also in einem Rahmen der noch individuelle Praxis zulässt. Allerdings waren diese allesamt über die Ostertage ausgebucht, sodass ich bei meiner Suche auf das „Haus der Stille“ bei Hamburg gestoßen bin.

Das Haus der Stille in Roseburg

Von Hamburg aus fährt man etwa eine Stunde nach Büchen und von dort in den kleinen Ort Roseburg, wo das Haus der Stille leicht zu finden ist. Das Haus wird schon seit über 50 Jahren als Ort der Buddhistischen Praxis vom gleichnamigen Verein betrieben und hat eine entsprechende Strahlkraft. Die Liste an Lehrern die in der Vergangenheit im Haus der Stille lehrten ist wirklich beeindruckend, so z.B.:

  • Lama Angarika Govinda
  • Der 16. Karmapa
  • Toni Packer

Und so sind es auch heute noch namhafte und renommierte Lehrer die das Haus der Stille mit ihrer Anwesenheit ehren. Das Haus der Stille liegt zwar am Rande eines Wohngebietes, aber man bekommt davon quasi nichts mit, ich habe nur ein Mal ein Auto vorbei fahren sehen. Beeindruckend ist der riesige Garten mit verschiedenen Seen, wo man achtsam auf Trampelpfaden umherlaufen kann. Die Zimmer sind einfach aber funktional, es ist alles gut durchorganisiert und man fühlt sich willkommen im Haus. Besonders zu erwähnen ist noch das hervorragende vegetarische Essen welches liebevoll für die bis zu 40 Gäste frisch zubereitet wird.

Vipassana mit Wolfgang Seifert

Das von mir besuchte Seminar wurde betitelt mit

„Intensives Vipassana Schweigeseminar- Kein Weg, kein Ziel– grenzenlose Weite“

Und es wurde durchgeführt von Wolfang Thadeus Seifert, einem sehr erfahrenen Meditationslehrer und Schüler. Wolfgang unterrichtet seit über 35 Jahren Vipassana und er hat sich neben der Buddhistischen Lehre auch sehr intensiv mit Mystik der Weltreligionen befasst, in seinen Vorträgen schöpft er aus seinem tiefen Wissen über die verschiedenen Traditionen. Besonders ist er verbunden mit den Lehren von Nisargadatta Maharaj und Ramana Maharshi, welche er auf eine ganz eigene Weise mit der Buddhistischen Praxis verbindet. Wolfgang Seifert sagt über seine Kurse:

„Das wichtigste, das ich vermitteln will, ist die Bedeutung der Beharrlichkeit der Praxis im Alltag, das Bemühen um Versöhnung mit sich und den Menschen und durch Metta das Herz zu öffnen. Weiterhin versuche ich, die mystischen Aussagen verschiedener Religionen auf integraler Weise weiterzugeben.“

Und genau unter dieser Vorgabe hat er das Seminar durchgeführt, ich bin wirklich begeistert sowohl vom Haus, als auch von Wolfgang Seifert als Lehrer. Seine tiefsinnigen Antworten auf Fragen und seine wunderbaren Vorträge waren eine große Inspiration für mich, zumal er stets den Bogen spannte zu anderen Traditionen und viele Konzepte aus dem Advaita Vedanta eingebrachte.

Ablauf des Vipassana Retreats

Die Tage begannen sehr früh, bereits um 5 Uhr wurde die erste Meditation mit dreimaligem Klangschalengong eingeläutet, aber durch die tiefe Entspannung in der Meditation ist ein solcher Tagesablauf gut zu überstehen.

Der Tagesplan war wie folgt:

  • 5-8 Meditation, unterbrochen von zwei 10-Minütigen Pausen bei denen man achtsam im Kreis durch den Raum ging.
  • 8 Frühstück, anschliessend ca. 45 Minuten Mithilfe im Haus
  • 9:45 Meditation
  • 10:45 Yogastunde
  • 11:45 Meditation
  • 12:45 Mittagessen
  • 15-17 Meditation mit achtsam gehen
  • 17 Frage und Antwort
  • 18 Abendessen
  • 19:45 Meditation
  • 20:45 Vortrag
  • ca. 21:30 Ende

Somit waren es insgesamt über 8 Stunden Meditation am Tag, abgerundet durch wunderbare Yogastunden die sehr auf achtsames Spüren ausgerichtet waren und die inspirierenden Vorträge.

Methodik der Vipassana Meditation

Am ersten Abend gab es eine kurze Anleitung zur Meditation und dann während der ganzen Woche keine weiteren Worte mehr in der Meditation. Die Vipassana Methode ist denkbar einfach, es geht nur um das Beobachten bzw. Wahrnehmen der unterschiedlichen Erfahrungen im Bewusstsein. Gefühle, Gedanken, Müdigkeit, Geräusche, Atem… alles Objekte die man beobachten kann, entscheidend ist eine akzeptierende Grundhaltung und ein kontinuierliches wieder ausrichten auf die Wahrnehmung.Wenn man mit dem Geist abschweift sollte man sich einfach immer wieder auf den Atem ausrichten.

Ich glaube dieses wohlwollende und gleichmütige Wahrnehmen ist ein entscheidender Schlüssel um zu einem erweiterten Bewusstsein und letztendlich zur Spirituellen Freiheit zu kommen. Desweiteren glaube ich, dass man nichts weiter benötigt um Glück und Wahrheit zu erleben und zu erkennen als die Fähigkeit losgelöst zu betrachten.

Vipassana Meditation normalerweise kostenlos!

Besonders bemerkenswert finde ist die Tatsache, dass Buddhistische Lehrer, zumindest in der Theravada Tradition, kein Honorar verlangen für lehrende Tätigkeit. Für das Retreat gab es feste Kosten für Unterkunft und Verpflegung und man konnte eine Spende nach Wahl entrichten an den Lehrer, was bei mir ein sehr gutes Gefühl hinterlassen hat. Für die Buddhistische Lehre zu Spenden wird als großer Segen für beide Seiten betrachtet.

Damals bei meinem ersten Kurs in der Goenka Tradition war die Kostenstruktur auch sehr schön geregelt: Der Kurs den man macht wurde bereits von jemandem bezahlt und man wird am Ende motiviert selbst eine Spende abzugeben um jemand anderem einen Vipassana Kurs zu ermöglichen.

Hier Vipassana Techniken zum Ausprobieren:

Vipassana im Haus der Stille

Vipassana im Haus der Stille

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About Narada

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