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Die Gunas- Wirkkräfte und Eigenschaften der Natur

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Triguna

 

 

 

 

 

 

 

 Die Gunas – eines der zentralen Konzepte im Advaita Vedanta und Yoga

Das Wort Guna bedeutet ursprünglich “Faden”, “Schnur” oder “Sehne eines Bogens” und aus diesen ist das materielle Universum sozusagen gewoben. Gunas sind die drei Grundlegenden Kräfte aus denen die Welt und alles was erfahrbar ist besteht. Dieses Konzept entstammt der uralten Sâmkhya- Philosophie und wurde nach und nach von vielen verschiedenen Systemen und Denkschulen übernommen. Sâmkhya bedeutet wörtlich “das, was sich auf Überlegung, Berechnung, Aufzählung bezieht“, es ist eines der 6 orthodoxen Philosophiesysteme Indiens und hat vor allem den Ansatz alle Erfahrungsebenen der Welt aufzuzählen und daher Klarheit zu schaffen. Das Konzept der Gunas besagt, dass alles innerhalb der erfahrbaren Welt von diesen drei Kräften gelenkt wird. Die verschiedenen spirituellen Traditionen haben festgestellt, dass das Guna-Modell sehr hilfreich ist um geistig-energetische Vorgänge zu verstehen. Daher hat die Kenntnis der Gunas im Yoga einen hohen Stellenwert. Im Vedanta wurde dieses Konzept auch übernommen, jedoch mit einem leicht veränderten Zusammenhang: Im Sâmkhya sind die Gunas wirklich, im Vedanta nur Teil der Illusion der Maya.

Die drei Gunas sind im Einzelnen:

Tamas steht für Trägheit, Dunkelheit und Dumpfheit und ist die Wirkkraft welche uns wie eine Wolke verblendet und von der Erkennntis der Wirklichkeit fernhält.

Rajas steht Rastlosigkeit, Bewegung, Tatkraft und ist die Wirkkraft, welche uns durch die Unruhe und Projektion von der höchsten Erkenntnis entfernt.

Sattwa steht für Klarheit, Reinheit und Harmonie und ist die Wirkkraft welche uns durch die Neutralität zur Erkenntnis des Selbst führen kann.

Das Guna welches wir durch unsere Denkweise füttern, wird stärker. Es gilt die Aufmerksamkeit mehr und mehr dem Sattwa-Guna zu schenken, um dadurch zur Erkenntnis zu kommen.

In der Sâmkhya-Philosophie geht es im Wesentlichen um eine Trennung zwischen Purusha und Prakriti:

Prusha = das absolute Bewusstsein, die Urseele, der ewige,  der metaphysische Weltgeist, das kosmische Selbst, das unveränderliche, das Subjekt.

Prakriti = die Natur, das Benennbare, das sich Manifestierende, das Wahrnehmbare, das ursächliche Entstehen, der Ursprung der Materie, Objekt.

Die Prakriti ist immer eine Kombination der dreifachen Natur und kann sehr verschiedene Gewichtung haben. Ziel des ganzen spirituellen Weges ist die Erkenntnis des Selbst bzw. die Verwirklichung des Göttlichen, in den Worten der  Sâmkhya- Philosophie das überwinden der Prakriti und eins werden mit Purusha. Um sich von der Verhaftung mit der manifesten Welt zu lösen (uns natürlich dennoch Teil von ihr zu bleiben) gilt es sich immer mehr auf Sattwa auszurichten, denn nur in einem Sattwigen Geist ist die Verwirklichung möglich. Pures Sattwa ist allerdings nicht möglich und auch nicht erstrebenswert, zumal das Leben nunmal aus allen drei Qualitäten gewebt ist. Es gilt sich von den Einflüssen durch Tamas und Rajas zu lösen, denn beide ermöglichen keinen klaren Blick auf die wahre allem zugrundeliegende Wirklichkeit, Purusha.Wir wollen die Welt und den geist erforschen und alle Erfahrungen losgelöst Wahrnehmen und geniessen. Jedoch birgt die Welt die Gefahr des sich Verlierens in Sinnesfreuden. Geniessen ist super, aber um zum wahren Selbst zu kommen gilt es, ein neutraler Beobachter der Erfahrungen zu sein. Tamas wird durch Rajas und Rajas durch Sattwa überwunden, von Sattwa aus können wir alle drei Gunas überwinden und das jenseitige unbeschreibliche Ewige verwirklichen.

Viele Yogis neigen dazu Tamas und Rajas zu verteufeln, jedoch sind sie Teil der Welt. Ich schlage folgenden Leitsatz zum Umgang mit den Gunas vor:

“Nutze die Stabilität und Bodenständigkeit von Tamas

und die Bewegung und Veränderung von Rajas

um zur Klarheit und Reinheit des Sattwa im Geist zu kommen,

sind alle drei im Gleichgewicht kannst du deine wahre Natur erkennen!”

Swami Sivananda sagt zu den Gunas:

“Durch das in Schach halten von rajas und tamas könnt ihr sattwa steigern. Wenn das sattwa gesteigert ist, wird der Geist ruhig wie die Flamme einer Lampe an einem windstillen Platz. Wer sattwig ist, kann wahre Konzentration und Meditation ausüben und leicht in samadhi eintreten. Ein rajasiger Mensch liebt die Macht und Sinnes-Objekte, ein tamasiger Mensch führt auf Grund seiner Unwissenheit brutale Handlungen aus. Sattwa kann nicht für sich selbst stehen. Es ist vermischt mit dem störenden rajas und tamas. Wenn es ein Übergewicht von satva gibt, können rajas und tamas kontrolliert werden. Dennoch lauern sie ständig im Geist. Wo es eine Steigerung von sattwa gibt, ist Glanz, Helligkeit, Freude, Reinheit, Stärke, Frieden und Erleuchtung. Eure wichtige Pflicht ist es, sattwa zu steigern und die Sinne und den Geist zu kontrollieren. Andere Pflichten sind nur zweitrangig. Nur ein vernünftiger Mensch kann diesen Punkt verstehen.”

Der große Meister Ramakrishna sagt über die Gunas:

“Nur Sattva zeigt den Weg zu Gott. Es erzeugt Tugenden wie Mitgefühl, Rechtschaffenheit, Hingabe. Sattva ist wie die letzte Stufe einer Treppe zur Dachterasse. Danach kommt die Dachterasse. Das höchste Brahman ist das wahre Zuhause des Menschen. Aber man kann es nicht erlangen ohne die drei Gunas zu überwinden.”

Zum besseren Verständnis hier ein schönes Beispiel von der Seite Ramakrishna.de:

“In einem Geschäft gibt es drei Verkäufer, Tamas, Rajas und Sattva. Ein Kunde kommt: Tamas preist ihm einen minderwertigen Ladenhüter an und macht ihm Angst davor, ein anderes Produkt zu kaufen. Rajas redet auf den Kunden ein, zeigt ihm endlos viele Produkte und glänzt mit seinem Wissen. Sattva hört dem Kunden zu und weist leise auf ein besseres Angebot eines Mitbewerbers hin.”

In der Bhagavad Gita sind viele Verse dem korrekten Verständnis der Gunas gewidmet. Hier dazu eine kleine Auswahl, so ist zB der 17.Vers im 14 Kapitel sehr schön:

“Aus Sattwa entsteht Erkenntnis, und Gier entsteht aus Rajas; Unachtsamkeit, Täuschung und auch Unwissenheit entstehen aus Tamas.”

Und weiter im 18. Vers:

“Wer in Sattwa ist, bewegt sich nach oben, die Rajassigen befinden sich in der Mitte; und die Tamassigen, die der Funktion der niedrigsten Guna unterliegen, gehen nach unten.”

Im 17. Kapitel Verse 7-11 ist die Rede von den drei Arten der Speisen:

  1. Milde Speise, voll Saft und Geschmack, beruhigend, bekömmlich und frisch ist beliebt bei Menschen in denen Sattva vorwiegt. Diese Speisen beleben und spenden Energie, Stärke und Gesundheit und bringen Freude sowohl körperlich als auch geistig.
  2. Extrem scharfe, bittre, beißende, saure, salzige, scharf gewürzte Speisen werden von Menschen bevorzugt, in denen Rajas vorherrscht. Sie verursacht Verstimmung des Körpers und des Geistes und schlechte Gesundheit oder Krankheit.
  3. Speise, die schal und geschmacklos, verdorben und unrein ist, wird von Menschen mit einer Disposition zu Tamas, geschätzt.

Im 18. Kapitel, 19-22 geht es dann um die Erkenntnis aus dem Blickwinkel der Gunas:

“Das, was den Menschen die unzerstörbare Wirklichkeit in allen Wesen erkennen lässt, die in all den getrennten Wesen nicht getrennt ist – wisse, dies ist sattvige Erkenntnis. Erkenntnis jedoch, die in allen Wesen unterschiedliche Wesenheiten oder bestimmte von einander verschiedene Arten sieht – diese Erkenntnis erkenne als rajasig. Das jedoch, was ohne Verstehen, ohne Grundlage in der Wahrheit und oberflächlich an einer einzigen Wirkung hängt, so als wäre sie das Ganze – wird tamasig genannt.”

Shiva wird meistens mit einem Dreizack (Trishul) abgebildet,

dieser steht symbolisch für die Beherrschung der drei Gunas.

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Shiva

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soweit einige Ausführungen über die Gunas.

 

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