Hinduismus – mysteriöse Weltreligion erklärt…

Heilige Kuh Hinduismus

Heilige Kühe im Hinduismus

Der Hinduismus mit seinen vielen Göttern, Ritualen, sakralen Texten, Asketen und heiligen Kühen ist für aussenstehende nur schwer zugänglich.

Bedeutung des Hinduismus – Einheit in Vielfalt

Der Hinduismus definiert sich heute gerne als “Vielheit in der Einheit” und es bestehen ihm gegenüber viele Vorurteile

In diesem Artikel möchte ich gerne einige grundlegende Konzepte des Hinduismus vorstellen, da diese Religion auf mich eine große Faszination ausübt und ich mich seit vielen Jahren damit befasse. Ich möchte dazu die wichtigsten Begriffe und Konzepte des Hinduismus kurz vorstellen, in der Hoffnung damit etwas Einblick in das Mysterium der Indischen Religion zu bieten.

“Der Hinduismus ist ein unerbittliches Streben nach Wahrheit. Der Hinduismus ist die Religion der Wahrheit. Wahrheit ist Gott.” Mahatma Gandhi

Indien ist riesig und unglaublich bunt, seine Geschichte geht weit in die Vergangenheit zurück und es war das wohlhabendste Land der Welt, bis die Europäer es besetzt und augebeutet haben und mit ihrer Kultur das empfindliche Gleichgewicht störten. Die Indische Kultur ist grundlegend anders als die westliche und sie wirkt auf viele sehr befremdlich.

über das Wort “Hinduismus”

Der Begriff Hinduismus ist sehr schwammig und ist eher ein kläglicher Versuch die Vielfalt indischer Spiritualität zu vereinheitlichen. Das Wort leitet sich ab aus einer uralten Bezeichnung für den indischen Subkontinent aus dem alt-Persischen. Damals hat man einfach alle Menschen die an und hinter dem FlussIndus” bzw. Skrt. “Sindhu” im heutigen Pakistan liegen als Hindus bezeichnet, davon leitet sich dann auch das Wort „Indien“ und „Inder“ ab. Im arabischen wurde das Wort “al-hind” benutzt, welches dann später auch von den westlichen Besatzern und Missionaren benutzt wurde.

Hinduismus

Hari Ki Pauri: Zentraler Ort des Hinduismus

Das Wort Hinduismus wurde später vor allem gebräuchlich um die indischen Religionen (also die, welche nicht muslimisch sind) zu benennen. Die Inder bezeichnen ihr Land selbst als “Bharata Varsha” das Land Bharatas, des ersten Königs der das große Indien vereinte. Die Bezeichnung für ihre Religion ist “Sanathana Dharma” was etwa “ewige Rechtschaffenheit” bedeutet und die kosmische Ordnung bzw. universelle Gesetzmäßigkeit meint.

In der indischen Verfassung werden alle Religionen die auf indischem Boden entstanden als Hinduismus bezeichnet, also auch zB der Buddhismus. Das Wort “Hinduismus” leitet sich vom Fluss Indus im heutigen Pakistan ab der im Altertum eine Barriere für Einwanderer darstellte.

die Vielfalt des Hinduismus:

Der Begriff Hinduismus ist sehr verwirrend, da unter dem Namen höchst unterschiedliche Gruppierungen, Sekten, Lehren, Traditionen, Religionsgemeinschaften, Stammeskulturen, Kulte und konkurrierende Überzeugungen zusammengefasst werden.

  • Manche beten zu finsteren Dämonen, andere zur höchsten Göttlichen Mutter.
  • Gott existiert in tausende zT konkurierenden Formen und ist jenseits aller Formen.
  • Ritualisten können Tagelange Zeremonien auswendig rezitieren und jede Handbewegung ist einstudiert.
  • Yogis ziehen sich zum Teil für Jahrzehnte zur Kontemplation in einsame Höhlen zurück.
  • Asketen stehen Jahrelang auf einem Bein oder rollen 1000km durchs Land um das Ego zu Unterwerfen.
  • Aghoris leben auf Krematorienplätzen, beschwören Geister und betteln mit Totenköpfen.
  • hochkastige Brahmanen sind gelehrte und sehr feine und reinliche Menschen.
  • Eine Minderheit von Tantrikern nutzt Sex als spirituelle Praxis, allgemein sind Hindus eher prüde.
  • manche Shivaverehrer rauchen Hasch als Gebet, andere Hindus verachten Drogen.

Was ist Hinduismus?

…fragte ich die Soziologen. Hinduismus? Das sind viele Kasten und ein kompliziertes soziales Geflecht!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die Ethnologen. Hinduismus? Das sind sehr viele verschiedene Völker mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen und Praktiken!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die Philosophen. Hinduismus? Hinduismus ist die Einheit von Atman und Brahman!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die Religionswissenschaftler. Hinduismus? Das ist der Glaube an viele Götter und gleichzeitig der Glaube an einen Gott!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die Indologen. Hinduismus? Das sind viele heilige und sehr alte Texte in Sanskrit!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die alten, ehrwürdigen Brahmanen. Hinduismus? Das ist der Veda und das Opfer!

Was ist Hinduismus?, fragte ich einige Gläubige. Hinduismus ist die schmerzhafte, die unerfüllte und doch erfüllende Liebe zu Krishna!

Was ist Hinduismus?, fragte ich die Yogis. Hinduismus? Ommmmmm!

Was ist Hinduismus?, fragte ich schließlich den Mystiker. Hinduismus? Weiß ich nicht, aber das weiß ich genau!

(Q.: Johanna Buß, Hinduismus für Dummies, Weinheim 2009, S. 34)

Was der Hinduismus nicht hat

  • Der Hinduismus hat nicht wie die anderen großen Weltreligionen einen Religionsstifter auf den alles zurückzuführen ist, sondern es gab ganz viele verschiedene Begründer. Die sogenannten Rishis waren die alten Seher und Weise die verschiedenste Lehren hinterlassen haben auf die sich der Hinduismus aufgebaut hat.
  • Der Hinduismus hat nicht wie die anderen Weltreligionen ein besonderes Buch welches allen Gläubigen als Grundlage ihres Denkens dient, es gibt sehr viele unterschiedliche Texte die als heilig angesehen werden und die von den verschiedenen Sekten als Grundlage betrachtet werden.
  • Es gibt im Hinduismus keine Authorität, keinen Anführer der Glaubensfragen klärt und die Gläubigen anleitet. Es gibt sehr viele Heilige und Würdenträger die jeweils Anhänger haben und hoch geachtet werden, jedoch werden sie nicht von den anderen Sekten als Authorität anerkannt.
  • Der Hinduismus kennt kein Glaubensbekenntnis und keine Einheitliche Lehre die von allen Anhängern akzeptiert wird, die Ansichten klaffen zum Teil sehr weit auseinander und seit Urzeiten sind die verschiedenen Lehren ein Thema von philosophischen Disputen.

Götter des Hinduismus

Man kennt im Hinduismus Millionen von “Göttern” die allesamt sehr bunt und mit vielfältigen Symbolen dargestellt werden. Es gibt allerdings diesbezüglich viele falsche Vorstellungen und daher schwierigkeiten die Konzepte des Hinduismus in das westliche Denken zu integrieren. Letztendlich gibt es auch im Hinduismus nur einen Gott, nur ein Göttliches Prinzip welches für alle Menschen zugänglich und universell ist. Dieser eine Gott hat je nach Blickwinkel unendlich viele Namen, Formen und Eigenschaften und das Göttliche kann dem Menschen auf unterschiedliche Weisen erscheinen. Im Hinduismus wird Brahman als das alldurchdringliche kosmische Einheits-Bewusstsein verstanden, also Gott jenseits aller Namen, Formen und EIgenschaften. Gott kann aber auch konkrete Namen, Formen und Eigenschaften haben, es wird dann Ishwara genannt. Da Gott unendlich groß ist, ist auch die Zahl der Erscheinungsformen unendlich. Allah, Jehova, Shiva, Ganesha und wie auch immer man “es” nennen mag, sie stehen nicht in Konkurenz zueinander, sondern sie sind eins.

Kali Hinduismus

Göttin Kali

Phasen der Geschichte des Hinduismus

Es gibt verschiedene Konzepte darüber wie die Entstehung des Hinduismus wissenschaftlich betrachtet wird, eine alternative zu den von mir genutzten 5 Phasen ist zB die Einteilung in: Brahmanische Zeit, Klassische Zeit, Islamische Zeit und Moderne Zeit. Ich nutze das folgende Konzept, da es eng verwoben ist mit der Entstehung der klassischen Texte die auch für das Yoga eine große Rolle spielen.

  1. Vedische Periode es ist unklar wie weit in die Vergangenheit der Hinduismus zurückreicht, aber deutlich ist, dass es eine Hochkultur gab die sehr weit entwickelt war. Damals waren vor allem die Naturkräfte als Göttlich verehrt und Rituale mit Feuer standen im Mittelpunkt.
  2. Upanishaden Zeitab dem 8. Jhd.v.Chr. wurden die philosophischen Lehrtexte der Upanishaden formuliert und die Suche nach einer konkret erfahrbaren göttlichen Wirklichkeit wurde stets wichtiger.
  3. Puranische Phase um Chsisti Geburt herum entstanden die Puranatexte und mit ihnen wurden andere Aspekte von Gott (zB Krishna, Shiva) populär. Der Hinduismus wie er heute weit verbreitet ist hatte in dieser Zeit seinen Ursprung.
  4. Islamische Herrschaft ab dem Jahr 711 n.Chr. wurde Indien schrittweise von musilimischen Einwanderern erobert und die beiden Kulturen haben sich gegenseitig teils bekriegt aber auch befruchtet. Mit Ankunft der englischen Besatzer war die Herrschaft der Muslims über Indien beendet.
  5. Neo-Hinduismus seit dem 19.Jhd. haben verschiedene Gurus den Hinduismus neu definiert und bestimmte Aspekte (zB die Universalität) mehr in den Vordergrund gerückt.
  6. ??? So wie alle großen Religionen steht auch der Hinduismus vor der Aufgabe sich den Anforderungen der modernen Zeit anzupassen und sich mehr zu öffnen. Alle Religionen haben den selben universellen Kern, nur die Form ist verschieden.

Der Hinduismus, bzw. das was als solcher bezeichnet wird, gilt als die älteste aktive Religion der Welt. Tatsächlich kann man die alten Texte nur sehr schwierig datieren, weil durch das subtropische Klima die alten Palmblätter auf denen sie eingeritzt wurden sehr schnell vergammeln. Die heiligen Texte wurden seit urzeiten auswendig gelernt und so von Generation zu Generation weiter gegeben. Anhand von Geologischen Angaben und Beschreibungen von Sternenkonstellationen und Mondfinsternissen kann man das Alter auf über 3000 v.Chr. datieren. Die Inder selbst gehen davon aus, dass es ihre Religion schon immer gab…

Hinduismus: Ein Gott oder viele Götter ?

Meistens wird Hinduismus als Polytheismus (Vielgötterei) bezeichnet, was oberflächlich betrachtet auch wohl so ist. Jedoch sind sich “die Hindus” einig, dass es nur einen Gott gibt, dieses eine Göttliche kann aber unendlich viele Formen annehmen. Viele Hindus halten ihre Lieblingsform oder Aspekt von Gott für die einzig richtige und werten andere ab. Daher entsteht von aussen der Eindruck es geht um viele Götter die in Konkurenz zueinander stehen. In Mythologischen Geschichten in denen unterschiedliche Götter mit- und gegeneinander spielen, geht es um die konkurierenden Eigenschaften.

grundlegende Konzepte aus dem Hinduismus:

  • Samsara Der Kreislauf der Wiedergeburten; Quasi ein fundamentales Konzept aller Strömungen des Hinduismus ist die Annahme des Reinkarnationsgedankens. Also die Idee, dass wir nicht Körper, Geist oder Gefühle sind, sondern das unberührte Selbst bzw. die Seele.
  • Moksha Ziel aller Religiösen bzw. spirituellen Praxis ist die Befreiung der Individuellen Seele aus Swamsara, also die Erkenntnis der Wirklichkeit und das verschmelzen mit dem höchsten Göttlichen. Wobei es auch Strömungen gibt deren höchstes Ziel zB der totale Dienst an das Göttliche ist, was der Befreiung gleich kommt.
  • Karma Zur Hinduistischen Idee von der Befreiung der Seele oder des Selbst, gehört auch dieser Begriff der wörtlich Handlung bedeutet. Es geht letztlich um das Kausalprinzip: Alles was geschieht, hatte zuvor eine Ursache, und wird auch wieder eine Wirkung nach sich ziehen. Befreiung heisst so zu handeln, dass keine neuen Samen für künftige Früchte gesät werden.
  • Dharma Dieser vielschichtige Begriff lässt sich mit Rechtschaffenheit, Talent, Gesetzmäßigkeit, Pflicht, Lebensaufgabe, und ähnliches meint. Dem Dharma zu folgen heißt, sich in der kosmischen Ordnung einzufügen und seine eigene Aufgabe zu erfüllen.
  • Ahimsa Es gibt kaum einheitliche ethische und moralische Gebote in der indischen Glaubenswelt, ausser dem Ideal der Gewaltlosigkeit bzw. des nicht-Verletzens. Letztlich lassen sich davon alle anderen Regeln ableiten. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele vegetarier wie in Indien.
  • Heilige Kühe Aus dem Ideal der Gewaldlosigkeit geht die indische Weise des Umgangs mit Tieren hervo, in Indien laufen nciht nur Kühe frei herum, sondern auch alle anderen Tiere. Die besondere Stellung der Kuh geht vor allem aus der wichtigkeit der Milch hervor, aber auch aus Mythologischen Geschichten.
  • Varnas (Kasten) In der Indischen Gesellschaft gibt es ein religiös motiviertes Elitedenken von verschiedenen sozialen Gruppen, welches historisch gewachsen ist. Ursprünglich ging es nur darum zwischen verschiedenen Aufgaben im Volk zu unterscheiden, woraus im laufe der Zeit ein Unterdrückungsinstrument der oberen Schichten wurde.
  • Götter Von aussen betrachtet könnte man meinen es gib eine Unzahl an Göttern im Hinduismus, was es für den westlichen Geist schwierig macht einen Zugang zu finden. Jedoch gibt es auch im Hinduismus nur ein Göttliches Prinzip bzw. einen Gott, mit ganz vielen Formen, Namen und Eigenschaften.
  • Avatare Wenn das Göttliche sich auf der Erde manifestiert bzw. Gott unter uns inkarniert spricht man von einem Avatar. Witziger Weise ist ein Avatar auch die Figur auf dem Bildschirm bei einem Computerspiel, also quasi vekörpern wir uns wie Gott in einer niederen Dimension…

„Wohin immer ich blicke, sehe ich die Menschen im Namen der Religion streiten […] Aber sie denken nie daran, dass Er, der Krishna genannt wird, auch Shiva heißt und den Namen der Shakti, von Jesus und Allah ebenso trägt – derselbe Rama mit tausend Namen.“ Ramakrishna

Vortragsabschrift über Hinduismus:

Bekanntlich ist das Yoga aus Indien und uralt. Und wegen diesen beiden Tatsachen ist es so, dass das Yoga sehr eng verwoben ist mit dem Hinduismus. Und der Hinduismus ist für uns Westler ein großes Mysterium. Es gibt viele Vorurteile dem gegenüber und auch viele Berührungsängste. Und wenn man beginnt, sich mit dem Yoga zu beschäftigen, dann merkt man schnell, dass das Yoga sehr eng verwoben ist mit dem Hinduismus und dass vieles, was wir aus dem hinduistischen Zusammenhang kennengelernt haben oder irgendwo erfahren haben, dann auch im Yoga umgesetzt wird.

Yoga & Hinduismus

Wir wollen das Yoga als universelles Prinzip verstehen, immer kritisch hinterfragen und schauen, was die einzelnen Aspekte, die wir über Yoga lernen, in einem größeren Zusammenhang betrachtet, für Gemeinsamkeiten haben mit all den anderen spirituellen Lehren. Denn es geht hier im Yoga nicht darum, irgendeinen Glauben zu haben oder irgendwelchen Aussagen von irgendwelchen alten Männern hinterherzulaufen, sondern es geht darum, eigene Erfahrungen zu machen. Yoga ist eine Erfahrungswissenschaft, wo wir mit bestimmten Methoden, mit bestimmten Empfehlungen zu eigenen Erfahrungen kommen.

Das ist das eine, was ganz wichtig ist, dass wir hier keinen Glauben lehren im Yoga, sondern einen Erfahrungsweg. Aber trotzdem ist das Yoga eben nicht zu trennen vom hinduistischen Glauben. Und wenn wir ins Yoga tiefer eintauchen wollen, dann ist es auch gut, wenn wir uns mal ein bisschen mit dem Hinduismus beschäftigen und schauen, was es damit auf sich hat.

Das Wort Hinduismus

Zunächst mal das Wort „Hinduismus“ ist kein Wort, welches die Hindus erfunden haben, sondern das Wort Hinduismus kommt von Einwanderern. Es ist so, der indische Subkontinent ist quasi hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Also der Großteil des indischen Subkontinents ist vom Ozean umgeben. Oben der Himalaya mit den Sechstausendern, westlich davon Wüste und östlich davon Dschungel, also ziemlich undurchdringbares Gebiet. Und so konnte sich Indien im Laufe der über 70 000 Jahre Geschichte, also es gibt Ausgrabungen, die bis ins Paläolithikum zurückgehen, 70 000 Jahre Geschichte auf dem indischen Subkontinent, so konnte sich der indische Kontinent sehr autark entwickeln, weil durch diese hermetische Abriegelung kaum Völkerwanderungen von außen da waren.

Und wenn Völker aus dem Westen eingedrungen sind, dann immer über den Khyber Pass. Der Khyber Pass im heutigen Pakistan ist einer der ganz wenigen Wege durch den Himalaya hindurch nach Indien gewesen. Schon Alexander der Große ist damals mit seiner Armee dort durch den Himalaya bis zum Indus. Später und früher folgten auch schon die Perser diesem Weg, sie sind dabei aber immer nur vorgestoßen bis zum Fluss Indus, sie haben dann so gesagt: „Ja, ja, da hinter dem Indus, da wohnen die anderen“, oder so. Und daraus hat sich dann entwickelt, dass die aus dem Wort des Indus Hindus gemacht haben im Laufe der Zeit. Und auch das Wort Indien ist eine Ableitung davon, von diesem Wort Indus, von dem Fluss, der durch das heutige Pakistan fließt und auch gar nicht mehr so ein großer Fluss heute ist.

Jedenfalls daher kommt dieses Wort Hinduismus, es ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für alle indischen Religionen. Also in der indischen Verfassung ist es zum Beispiel so festgehalten, dass alle Religionen, die auf indischem Boden ihren Ursprung haben, als Hinduismus bezeichnet werden. Also die sind so, dass da auch Buddhismus und so weiter als Hinduismus bezeichnet wird. Gut, da kann man sich jetzt darüber streiten, das ist natürlich noch mal eine eigenständige Weltreligion.

Die Indologen benutzen ungerne diesen Begriff „Hinduismus“ da er so unscharf ist und so vieles damit gemeint sein kann. Sie sprechen manchmal von Hindu-Traditionen oder ähnlichen Begriffen oder differenzieren das etwas genauer. Ich will da gleich ein bisschen zu kommen, was alles unter diesen Begriff fällt.

Ursprünge des Hinduismus

Die Inder selber benutzen für ihre Religion das Wort Sanatana Dharma. Und Sanatana Dharma heißt so viel wie, Sanatana, das Ewige, und Dharma, Gesetzmäßigkeit. Dharma hat viele mögliche Übersetzungen, aber in dem Zusammenhang macht es Sinn zu sagen, es heißt die ewig gültige Gesetzmäßigkeit. Denn der „Hinduismus“ ist eben uralt, er geht zurück tatsächlich auf 6000 Jahre Geschichte mindestens. Man hat archäologische Ausgrabungen gemacht, auch im Indus-Tal, dort hat man eine alte Hochkultur ausgegraben, die eben vor 6 000 Jahren bereits fließendes Wasser hatten. Und anhand der architektonischen Strukturen konnte man feststellen, dass die auch demokratische Strukturen hatten. Es gab also keinen Herrscherpalast, sondern es gab Versammlungsräume im Zentrum dieser Stätte. Und daher kann man Rückschlüsse ziehen, dass es dort auch demokratische Strukturen gab. Oder man kann auch sagen, dass es eine matriarchale Struktur war.
Und dort, bei diesen Ausgrabungen hat man zum Beispiel Siegel gefunden mit dem Gott Rudra drauf. Rudra, das ist so der Ur-Shiva, es ist sozusagen eine Form von Shiva, die dort auf alten Siegeln gefunden wurde. Und die ältesten Texte der Inder, das Rigveda, da werden zum Beispiel bestimmte Sternenkonstellationen beschrieben und Mondfinsternisse, da kann man genau zurückrechnen, da kommt man auch auf Daten, ungefähr 4 000 Jahre vor Christus. Also so eine lange Geschichte hat das.

Sanathana Dharma: ewige Religion

Die Inder selber sagen, der Hinduismus ist nicht entstanden, sondern den gab es schon immer. Und diese Weisheiten, die in den Veden transportiert werden, die sind schon immer sozusagen im feinstofflichen Bereich präsent gewesen und von den alten Rishis sozusagen nur in Form von Worten manifestiert worden.
Hinduismus meint dann ganz viele verschiedene Richtungen. Wenn wir zum Beispiel überlegen, in Indien gibt es diese Asketen, die haben Dreadlocks, die laufen nackt durch die Gegend, die reiben ihren Körper mit Asche ein und die rauchen Haschisch. Es sind meistens Verehrer von Shiva, das hat so ein bisschen was Freakiges, Schmuddeliges, Aussätziges, wenn wir so darüber nachdenken.

Gleichzeitig gehört zum Hinduismus aber auch zum Beispiel der Brahmane, der sehr auf Reinlichkeit bedacht ist, der so rituelle Waschungen mit sich jeden Tag macht, der sich mit feinen Ölen einschmiert und hochgebildet ist und zum Beispiel alte Text auswendig lernt, die zum Teil 100 000 Verse haben. Es gibt also Traditionen, wo Menschen ganze Bücher auswendig lernen. Da brauchen die zum Teil sieben Jahre, um so einen klassischen Text auswendig zu lernen und zu rezitieren. Also so weit driftet das auseinander zwischen diesen Asketen und diesen hochgebildeten Leuten.

Verdienste des Hinduismus

Und die indischen Wissenschaften, die aus dem Hinduismus entstanden sind, die indische Musik zum Beispiel. Wir haben gerade den Altamira die Tablas spielen sehen, da gibt es also unglaublich fortschrittliche Musikwissenschaft. Da werden auf den Trommeln 24 Siebenundzwanzigstel-Rhythmen gespielt und bei den Melodieläufen gibt es lauter Halb- und Vierteltöne und das ist alles ganz genau wissenschaftlich ausgeklügelt. Oder die Inder wussten schon viele hundert Jahre vor Kopernikus, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht andersrum. Und so hat die indische Wissenschaft ganz viele Errungenschaften, von denen der moderne Mensch heute noch profitiert, gehabt.

Übrigens ist Indien, wenn wir an Indien denken, dann denken wir auch viel an Armut und Elend. Aber bis die Engländer in Indien die Macht übernommen haben, war Indien nicht nur das reichste, sondern auch das wohlhabendste Land der Welt. Dort wurde der unermessliche Reichtum auch einigermaßen gerecht verteilt. Dort gab es nicht diese Massenarmut wie heute, sondern die haben ein System gehabt, was gut funktioniert hat, wo auch an die Armen eben gut gedacht wurde. Dieses Gleichgewicht, was der indische Subkontinent eben lange, lange Zeit hatte, was auch nicht durch die Moslems zerstört wurde, die viele, ich glaube, über 1 000 Jahre dann auch die Kontrolle hatten im indischen Subkontinent, wurde eigentlich erst dann zerstört, als die westliche Kultur dort sozusagen alles beeinflusst hat.

Vielfalt der Hinduismus

Im Hinduismus gibt es weder ein einheitliches Glaubensbekenntnis, noch eine Institution, die das Ganze irgendwo regelt, noch gibt es einen Religionsstifter, sondern man kann sagen, der Hinduismus hat sich organisch entwickelt. Es gab viele, viele Rishis, also Weise, die die Grundlagen des heutigen Hinduismus so definiert haben, aber das sind alles ganz viele verschiedene philosophische Ansätze, die dann sozusagen zusammengefasst werden unter dem Wort Hinduismus. Auch gibt es dort nicht irgendwelche Autoritäten, die sagen, wo es langgeht so wie der Vatikan oder Ähnliches, sondern das ist sozusagen etwas, was organisch wächst.

Phasen & Geschichte des Hinduismus

Der Hinduismus hat sich in der Geschichte auch immer wieder gewandelt und neu erfunden und angepasst an aktuelle Ereignisse. Man kann sagen, die Geschichte des Hinduismus, die kann man so in fünf Teile einteilen.

  1. Der erste Teil, das ist die vedische Zeit, wo die alten vedischen Texte im Vordergrund standen, da wurde sehr viel mit Ritualen gearbeitet. Dort waren die Menschen überzeugt, dass sie die Götter zufriedenstellen können, wenn sie die Rituale korrekt ausführen und dadurch die Gunst bekommen und dadurch von ihrem Elend befreit werden.
  2. In der zweiten Phase, die Phase der Upanishaden, da wurde das Ganze schon etwas tiefgründiger, dass man nicht nur Rituale ausführen muss, sondern dass es darum geht, ein tiefes Verständnis zu entwickeln für die Wirkweisen des Universums und eben durch eine innere Transformation voranzuschreiten.
  3. Und die dritte Phase ist die puranische Zeit, das ist dann so nach Christi Geburt. Durch die puranischen Texte, das sind also auch eine ganze Reihe von Büchern, die sich um die Götter und um Gott drehen. Durch diese Zeit sind eigentlich erst die modernen Götter entstanden, die heute so bekannt sind. Also die Verehrung von Vishnu, die Verehrung von Shiva, die Verehrung von Ganesha und so weiter ist erst entstanden durch diese puranische Zeit, wo sich das Pantheon, also der Götterhimmel völlig gewandelt hat.

Vedische und Puranische Zeit des Hinduismus

Im alten Indien, in der vedischen Zeit, da waren das Naturkräfte, die von den Menschen verehrt wurden. Da gab es den Gott Agni, der wichtigste Gott in der vedischen Zeit, das ist der Feuergott, dann den Windgott, den Wassergott und den Sonnengott. Das sind also so archaische Urkräfte, die dort verehrt wurden. Durch die puranische Zeit sind dann mehr und mehr abstrakte Götter in den Mittelpunkt gerutscht, die nicht mehr mit konkreten Kräften der Natur zu tun hatten, sondern wo das schon etwas tiefer, philosophischer wurde.

Seit dieser Zeit stehen drei Götter im Vordergrund, das ist Vishnu, Shiva und die göttliche Mutter. Vishnu, das ist der erhaltende Aspekt und Shiva ist der Aspekt der Vergänglichkeit. Man hat erkannt, alles, was es im Universum gibt, entsteht, existiert eine Weile und vergeht dann wieder. Und diese Trinität drückt sich aus in Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma wird ja nicht verehrt. Brahma, der Schöpferaspekt, der bei uns im Christentum so im Vordergrund steht, der wird in Indien gar nicht verehrt, weil man sagt: „Ja, ja, der Schöpfer, der hat ja schon seinen Job erledigt. Warum sollen wir den jetzt noch verehren? Viel wichtiger ist es, die zu verehren, mit denen wir noch zu tun haben.“

Und da gibt es das Dritte, so, wie es bei uns die Protestanten und die Katholiken gibt, so gibt es, im Hinduismus, kann man sagen, die Vaishnavas, die Vishnu verehren, die Shaivas, die Shiva verehren, das sind so die beiden Hauptströmungen. Und da gibt es aber noch die Shaktas, das sind die, die das Prinzip der göttlichen Mutter verehren. Also die göttliche Mutter, die auch viele Gestalten haben kann, die steht letztlich für alles, was manifest und erfahrbar ist. Also eigentlich das ganze Universum ist eine unmittelbare Manifestation der göttlichen Mutter. Und dann gibt es eben noch unzählige weitere Untergruppierungen und philosophische Strömungen und Sekten und so weiter und so fort, die alle dann unter dem Dach des Hinduismus ihr eigenen Wege gehen. Aber so ein paar Gemeinsamkeiten gibt es doch unter den vielen Gruppierungen.

Ach so, ich war noch dabei, die verschiedenen Phasen des Hinduismus zu nennen. Also die vedische Zeit, die upanischadische Zeit, die puranische Zeit, das sind so die Wurzeln oder der Stamm des Hinduismus.

4.   Die islamische Zeit begann etwa ab dem 8. Jahrhundert, damals wurde der indische Subkontinent von Moslems, wie sagt man, die sind da eingelaufen, haben die Kontrolle übernommen. Es gab dann Kriege und große Streitigkeiten, aber im Großen und Ganzen hat das 1 000 Jahre dann ganz gut funktioniert, dass der Hinduismus und der Islam parallel existierten, weil die sich im Großen und Ganzen mit einem sehr großen Respekt begegnet sind. Aber durch diese Konkurrenz, die dann dort entstanden ist, hat sich der Hinduismus auch mehr dahingehend verändert, dass die Lehren mehr im Geheimen weitergegeben wurden. Beispielsweise die Tradition des Hatha Yoga und Kundalini Yoga, was ja heute am weitesten verbreitet ist, ist eigentlich eine Geheimlehre, die gar nicht so zugänglich gewesen ist. Die ist dann so ab dem 10. Jahrhundert entstanden.

5.   Gut, nachdem die Engländer dann dort waren und dieses alte System nach und nach auch auseinander bröckelte, gab es dann, beginnend im 19. Jahrhundert, die Phase des Neo-Hinduismus, in der wir uns auch heute noch befinden. Und dort gibt es eben immer wieder so Reformbestrebungen, zum Beispiel durch Swami Dayananda, der die Arya Samaj gegründet hat im 19. Jahrhundert, nicht zu verwechseln mit dem Vedanta-Meister Swami Dayananda, das ist ein anderer gewesen. Im 19. Jahrhundert gab es so Reformbewegungen, die den Hinduismus wieder zurück zum Ursprung bringen wollten. Es wurde zum Beispiel immer wieder betont, dass es nicht um Vielgötterei geht, sondern es nur einen Gott gibt, nur der hat eben viele Namen und Formen. Eine andere Form des Neo-Hinduismus ist auch, das, was von Ramakrishna begründet wurde. Die Schüler von Ramakrishna haben die Ramakrishna-Mission gegründet und die wollten ähnlich wie die christlichen Missionare die Lehren des Vedanta, die als Kern des Hinduismus gelten, in die ganze Welt bringen.

Vorurteile gegenüber dem Hinduismus

Gut, und dann gibt es so ein paar Dinge, wenn wir an Hinduismus denken, dann fallen die uns sofort ein. Das ist zum Beispiel die Geschichte mit den heiligen Kühen. Gut, für uns etwas befremdlich, wenn wir auf der Hauptverkehrsstraße eine Kuh liegen sehen, da würden wir sofort die Polizei rufen, in Indien fährt man einfach vorsichtig dran vorbei und nimmt noch den Segen der Kuh entgegen.

Hinduismus und die Heilige Kuh

Was hat es damit auf sich, mit heiligen Kühen? Ich glaube, eine Kuh strahlt eine besondere Gelassenheit aus. Sie braucht nur ein bisschen Gras und frisches Wasser. Und sie produziert Brennstoff, man sagt, man kann eigentlich alles von der Kuh verwerten für den Haushalt. Der Kuhfladen wird getrocknet und ist wunderbarer Brennstoff. Der Kuhfladen wird frisch auch benutzt, um tatsächlich Wohnräume zu reinigen. Und zwar, ein Kuhfladen ist steril, man kann den Kuhfladen nehmen, und das wird seit Urzeiten so gemacht, und damit die Wände und den Fußboden einschmieren und dann warten, bis es trocken ist. Und das Ganze wieder zusammenkehren und rausbefördern und dann ist die Wohnung steril. So hat man seit Urzeiten in Indien die Wohnungen sauber gemacht, weil es dann richtig sauber ist. Klingt ein bisschen befremdlich, gebe ich gerne zu, ich würde jetzt persönlich nicht auf diese Weise mein Zimmer reinigen, würde ich wahrscheinlich auch Ärger mit meiner Frau kriegen, aber funktioniert.

Gut, Kuh-Urin ist wichtig für die ayurvedische, ja, für die ayurvedische Medizin, wird auch als etwas Besonderes betrachtet. Ich erinnere mich an eine Freundin, die in Indien war und da stehen ja überall Kühe und irgendwo ging sie lang, da hat eine Kuh angefangen, Wasser zu lassen. Und da kamen drei Frauen um die Ecke und die rannten dorthin und haben das mit den Händen aufgefangen, um das dann frisch zu trinken und haben sich gefreut.

Wie gesagt, es gibt einige befremdliche Dinge an dieser Kultur, mit der wir zunächst mal nichts anfangen können, aber wir können uns ja das rausnehmen, was für uns stimmig ist. Und diese Dinge müssen wir jetzt nicht unbedingt annehmen. Gut, also das mit der heiligen Kuh, die hat eine besondere Ausstrahlung und man kann eben alles von der Kuh verwenden, Milch natürlich auf unzählige Weisen. Und man sagt auch, dass der Mensch, bevor er seine erste menschliche Geburt bekommt, eine Inkarnation als Kuh durchläuft. Also man kann sich sozusagen klarmachen, dass jede Kuh, mit der man zu tun hat oder die man auf der Straße trifft, kann später mal unser Nachfahre werden. Entsprechend respektvoll kann man dann mit dieser Kuh umgehen.

Ahimsa und Vegetariertum

Und es ist natürlich so, dass im Hinduismus, in der indischen Kultur als eine der wichtigsten ethischen Grundregeln die Gewaltlosigkeit steht. Und entsprechend wird sich vegetarisch ernährt. In Indien gibt es die meisten Vegetarier weltweit. Und zwar wegen dieses Prinzips von Ahimsa.

Als ich zum ersten Mal nach Indien geflogen bin, da haben wir vorher unseren Flug gebucht und dann hatten wir die Wahl zwischen verschiedenen Gerichten auf dem Flug bei Aeroflot. Und wir wollten erst vegetarisch ankreuzen und dann gab es aber noch die Option „Hindu-Meal“, haben wir gesagt: „Oh, lecker, dann können wir direkt indisch essen auf dem Flug“, nur leider, „Hindu-Meal“ war dann mit Hähnchen. Ein bisschen doof, hätte ich jetzt nicht gedacht, aber es sind nicht alle Hindus Vegetarier, aber ein großer Teil. Also Vorsicht, wenn ihr nach Indien fliegt, nehmt lieber das vegetarische Essen.

Ganges und Kasten: Befremdliches am Hinduismus

Gut, über andere Dinge, wenn wir an Hinduismus denken, die erst mal komisch sind, ist zum Beispiel die Sache mit dem Fluss Ganges. Ihr habt sicherlich alle schon mal Dokumentationen darüber gesehen und davon gehört, dass das eine Kloake ist, dass die ganzen Abwässer da reinkommen, nicht nur menschliche Abwässer, sondern, was das Schlimme ist, ganz viele Industrieabwässer. Also der Fluss ist tatsächlich toxisch, nicht wegen der menschlichen Abwässer, sondern vor allem wegen der industriellen physikalischen Flüssigkeiten, die da einfach reinkommen.

Ich bin da auch sehr skeptisch gewesen, ich dachte, na ja, was soll da schon Besonderes an diesem Fluss sein, ich habe vorher an der Wupper gelebt, wenn es in Deutschland einen heiligen Fluss gibt, dann muss es ja die Wupper sein. Aber im Vergleich zum Ganges ist das was anderes. Ich habe mit da hingesetzt und meditiert und in der Meditation dann Zugang bekommen zu diesem Fluss und gespürt, dass da wirklich eine besondere Kraft von ausgeht. Ich war da sehr skeptisch. Und nachdem ich da ein paar Mal meditiert habe, habe ich dann auch ein heiliges Bad drin genommen. Man sagt, alle Sünden sind einem vergeben, wenn man da ein Bad drin nimmt. Aber man sagt auch, die Sünden, so lange fallen die kurz vom Körper ab, solange man im Ganges ist, aber wenn man sich wieder anzieht, mit den Klamotten, die man anzieht, sind die dann wieder da. Gut, ich kann euch verraten, es hat wirklich eine besondere Kraft. Natürlich ist der schmuddelig, also hinter Rishikesh flussabwärts würde ich persönlich auch da jetzt nicht meinen kleinen Finger reinstecken. Aber so in Rishikesh, wo das Wasser gerade noch aus dem Himalaya kommt und keine Industrie vorher ist, würde ich empfehlen, bedenkenlos da reinzuspringen und einfach zu spüren.

Samsara

Gut, ein paar Kernkonzepte noch, worauf letztlich sich die ganze Hindugemeinschaft einigt. Das ist zum Beispiel die Sache mit der Wiedergeburt. Man geht davon aus, dass die Seele durch einen Kreislauf geht, das nennt sich Samsara. Und so lange wir noch Ursache-Wirkungsketten, also Karma, haben, so lange sind wir gezwungen, immer wiedergeboren zu werden. Und das Ziel des spirituellen Weges ist die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Und das ist in allen Hindutraditionen so. Auch die Dschainas, auch die Buddhisten gehen letztlich von diesem Konzept aus, dass es Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten gibt und dass dann das Ziel die Befreiung daraus ist. Gut, es gibt bestimmte Strömungen auch, die sagen, wir wollen gar nicht befreit werden, wir wollen nur Gott dienen. Aber auch die sagen, es gibt diesen Kreislauf, in dem wir feststecken. So lange, wie wir eben noch ichidentifizierte Handlungen ausführen.

Kastenwesen

Gut, sehr befremdlich für uns Westler ist dann auch noch das Kastensystem. Und dieses Kastensystem, so wie auf der Welt alle religiösen Systeme im Laufe der Zeit korrumpiert werden und als Unterdrückungsinstrument benutzt werden, ist eben ein schönes Beispiel dafür. Genau, wie das Christentum auch in der Vergangenheit verwendet wurde, um soziale Gruppen zu unterdrücken, genau so ist eben im Hinduismus das Kastensystem ein Mittel, was die herrschende Gesellschaftsschicht etabliert und verändert hat, um an der Macht zu bleiben und die anderen zu unterdrücken.

Ursprünglich ist in den heiligen Texten eigentlich nur die Rede davon, dass es einfach unterschiedliche Arten von Menschen gibt. Es gibt solche, die sind eher geboren, um Priester zu sein, es gibt solche, die eher geboren sind zum Krieger oder Herrscher. Und es gibt solche, die eher als Händler geboren sind und es gibt Leute, die eher befähigt sind, Landwirtschaft zu betreiben. Das sind so die vier Wichtigsten. Und ursprünglich geht es einfach darum, dass eine Gesellschaft eben aus diesen vier verschiedenen Arten von Menschen bestehen sollte und daraus ist das, was wir heute als Kastensystem kennen, gemacht worden. Und das ist selbstverständlich verwerflich und nicht in Ordnung, dass religiöse Dinge so für Unterdrückung benutzt werden.

Gut, und so gibt es eine ganze Reihe von Konzepten aus dem Hinduismus. Wenn man sich ein bisschen näher damit beschäftigt, dann kann man da für sich Erkenntnisse draus ziehen. Und ich glaube, es ist sehr wichtig, gerade in der heutigen Zeit, dass wir uns immer wieder auch trauen, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu gucken, was machen eigentlich die anderen. Und da nicht so viele Berührungsängste zu haben, sondern immer zu schauen, wo sind da eigentlich die Parallelen.

Shivalingam im Kujjar-Puri TempelIch bin zum Beispiel jetzt gerade zwei Tage bei so einem Sufi-Treffen gewesen und habe mich ein bisschen intensiver mit dem Islam beschäftigt und habe einfach für mich festgestellt, dass es auch eine sehr authentische Weise einfach ist, Bhakti zu leben. Und wenn man so ein bisschen über die Hemmschwellen hinausgeht, dann stellt man fest, dass andere Systeme eben auch funktionieren und letztlich auf dasselbe hinauswollen.

Ich glaube, der Kern aller Religionen ist die Liebe, Das finden wir eben im Hinduismus, im Islam, im Christentum und in allen spirituellen Wegen. Das sollte auch immer im Mittelpunkt stehen., Wenn es das nicht tut, dann läuft irgendwas verkehrt!

Hinduismus und Indisches Denken:

Ich hoffe ich habe mit meinen Artikeln den Kern getroffen und nicht noch mehr Verwirrung gestiftet, mögen alle Religionen ihre universelle Wahrheit zugänglich machen und die Menschen erkennen, dass es nur verschiedene Konzepte für die eine transzendente Wahrheit sind!

Heilige am Wegesrand

Sadhus am Wegesrand

Weiterführendes über Hinduismus und Indische Philosophie:
Filme aus dem Netz über Indien und Hinduismus:
Einige Orte die für den Hinduismus wichtig sind:
Shivalingam Kujjar-Puri

Shivalingam Kujjar-Puri

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