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Gedanken über die Hare Krishna Bewegung

Krishna und Narada Muni

(Nachtrag 9.2.12. Ich möchte gerne kurz einige Aussagen in diesem Artikel relativieren: Ich halte Bhakti- die Hingabe und Demut gegenüber dem Göttlichen für die wichtigste Tugend auf dem spirituellen Weg. Für mich ist das Leben des Bhakti Aspektes bei den Hare Krishna Bewegten absolut vorbildlich, und das Werk von Prabhupada und die vielen Früchte des Hare Krishna Movements möchte ich keineswegs Schmälern. Es liegt mir und meiner Überzeugung fern, mich über andere zu Stellen. Ich möchte keineswegs Menschen die auf dem Weg zu sich selbst oder zu Gott sind ungefragt belehren. Für mich steht ausser Frage: Der Weg des Bhakti, so wie es in der Hare Krishna Bewegung gelebt & gelehrt wird, ist ein Weg der sicherlich zum höchsten Ziel führen wird, genau wie viele andere Wege auch. Ich freue mich immer sehr wenn ich Krsna-Devotees treffe, sie sind herzlich und tief spirituell. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für das anheben des Bewusstseins der Menschheit. Jedoch ist meine Intention mit diesem Artikel, einige Philosophische Punkte aufzuzeigen, die ich so nicht hinnehmen kann. Und so bitte ich darum, meinen Artikel nicht als generelle Kritik oder Abrechnung zu verstehen, sondern als wohlwollende Anregung zum Nachdenken. In diesem Sinne, Hare Krsna!)

Bei meinem Indienbesuch 2011 und auch vorher bereits ab und zu mal, hatte ich Begegnungen mit sogenennten Devotees oder Gottgeweihten der ISKCON- der „Internationale Gesellschaft für Krishna Bewusstsein“. Die authentisch gelebte Hingabe, die schönen Gesänge und vor allem das köstliche Prassadam (gesegnetes Essen) haben mich durchaus Begeistert. Auch meine Begegnung mit Saccinandana Swami, einem der führenden Köpfe der Bewegung, hat mich sehr erhoben. Gerne würde ich jederzeit auch wieder in einen Hare Krishna Tempel gehen, und mich von der tollen Bhakti-Energie erheben lassen. Allerdings habe ich mich etwas mit den Lehren und Ansichten der Hare Krishna Jünger beschäftigt, und bin erschrocken darüber!

Wenn man sich mit den Devotees unterhält, wird einem selbst als spiritueller Mensch mit (Hinduistischem-) Yoga Hintergrund schnell vermittelt, dass man auf einem Holzweg ist. Für die Hare Krishna`s ist klar: nur der ihre Weg ist der richtige, alle anderen führen in die Irre! Allein diese Tatsache finde ich äusserst bedenklich. In anbetracht der religiösen Konflikte weltweit, und dem dringenden Bedarf an Frieden und Einigkeit der Menschen, um den Planeten für künftige Generationen zu erhalten, ist solches Denken mehr als kontraproduktiv! Ich möchte gerne im einzelnen noch Philosophische Schwachpunkte der Ideologie der ISKCON aufzeigen. Wie gesagt finde ich vieles äusserst positiv an der Lebensweise und bin vor allem durch Saccinandana Swami sehr inspiriert. Aber diese Dinge möchte ich hier gerne loswerden!

Radha und Krishna

Hare Krishna !

Ich möchte hier gar nicht auf die (belegten) Geschichten (vorwiegend aus den Achzigern) von Mord, Drogenschmuggel, Kindesmissbrauch, Betrug und ähnlichem eingehen, sondern mich auf Weltanschauliches beziehen.

Mich stört es grundsätzlich wenn irgendwelche Menschen sich und ihre Ideen für etwas besseres halten als andere, elitäres gehabe spaltet und trennt und kann (wie ich meine) auch nicht im Sinne eines liebenden Gottes sein.

Die Hare Krishna Gesellschaft hält klar ihren Weg für den allein seeligmachenden. So sagt der ISKCON-Gründer Srila Prabhupada in „Wie es ist“ (allein der Name dieses Magazins ist überheblich…)

„Gute Menschen werden sich der Bewegung für Krishna-Bewußtsein anschließen und schlechte Menschen nicht. Wir geben eindeutige Richtlinien, wie man ein guter Mensch wird“

Ich denke wir müssen einander zuhören lernen und andere Meinungen Integrieren um Frieden zu kultivieren. Im Kommentar zum Shrimad Bhagavatam heisst es:

„Unsere Bewegung für Krishna-Bewusstsein ist (…) allumfassend. Die Menschheit sollte sie sehr ernst nehmen und nach ihren Prinzipien handeln, um der Welt Frieden zu bringen.“

Achso, ja. Klingt für mich genau so schlimm wie fundamentalistische Christen die sagen:

„Wenn alle Menschen an Jesus glauben, wird es endlich Frieden geben!“

Und was ist mit den anderen?

Offenbar wird vom Benutzen des gesunden Menschenverstandes abgeraten:

„Diesen Anweisungen sollte man widerspruchslos folgen.“
„Der Pfad der Religion wird direkt vom Herrn festgelegt. Deshalb können einem gedankliche Spekulationen oder trockene Argumente nicht helfen, auf den richtigen Pfad zu gelangen.“

Beides aus der „Bhagavad Gita wie sie ist“. Naklar, im Buch steht die absolute Wahrheit, der Guru interpretiert sie sich zurecht und ohne sein Gehirn zu benutzen kommt man dann schnell zur Glückseeligkeit… unkritischer Gehorsam ist offenbar erwünscht!
Leider enden dann Diskussionen mit Krishnas immer in todschlag-Argumenten wie:

„So steht es aber in der Gita!“ oder „Das hat Krishna so gesagt!“

Ok… das kann man dann wohl nur so stehen lassen, schade!

Stichwort Frauenfeindlichkeit:

„Man kann klar sagen, dass das Begriffsvermögen einer Frau dem eines Mannes stets unterlegen ist. In den westlichen Ländern regen sich gegenwärtig Stimmen, die verlangen, der Mann und die Frau sollten als gleich betrachtet werden; doch aus diesem Vers geht hervor, dass die Frau stets weniger intelligent ist als der Mann.“

Aus dem Kommentar zur Shrimad Bhagavatam. Also das steht da so, dann muss es auch so sein!

Aus ihrem natürlichen Mangel an Intelligenz folgt, dass Frauen auch nicht sehr vertrauenswürdig sind. Wird in der Gita erklärt, und im Shrimad Bhagavatam:

„Für eine Frau ist es daher das beste, den Anweisungen ihres Ehemannes zu gehorchen.“

Uiuiui… das ist aber ganricht im Sinne der modernen Gleichberechtigung!

Auch der Umgang mit Sexualität ist für mich mehr als Fragwürdig. Man soll sich idealerweise komplett jeglicher sexueller Aktivität entziehen und wenn überhaupt, dann nur zur Zeugung von Kindern. Hochzeiten werden oft arrangiert und enden häufig in der Trennung. Sicher ist es aus spiritueller Sicht wichtig, sich der Sexualität nicht auszuliefern, sondern einen gesunden Umgang damit zu bekommen. Unbestritten.

„Wer der Sexualität frönt, kann nur schwer verstehen, welche Schätze jenseits davon auf ihn warten.“

Krishna und Arjuna (in Rishikesh)

heisst es auf der deutschen ISKCON Homepage. Das ist sicher richtig, nur kann man zölibat nicht erzwingen. Dazu ist aus meiner Sicht zwingend eine Innerer Reife erforderlich. Dann kann der Wunsch nach Enthaltsamkeit vielleicht gedeihen. Zumal wir im Westen einen ganz anderen Zugang zu unserer Sexualität haben als es im alten Indien üblich war. Ausserdem braucht es Wege (Prktiken) die sexuelle Kraft zu Sublimieren, und da reicht sicher nicht allein das Hare-Krsna Chanten!

Ein Freund von mir war in den 70er und 80er Jahren ein Teil der Hare Krishna Bewegung, er wurde damals von Srila Prabhupada umgewollt mit einer Fremden verheiratet, das ganze ging natürlich schief und endete in eine, trauma für alle beteiligten, leider leiden die Kinder die aus der Ehe hervorgingen bis heute unter der nicht funktionierenden längst getrennten Beziehung.

Auch stört mich, dass für alle Argumente immer die Bhagavad Gita Zitiert wird. Ich liebe die Gita, aber: auf dem spirituellen Weg kommt es doch wohl auf Erfahrung an, nicht auf auswendig gelernten Phrasen? Die Bhagavad Gita wird sehr starr interpretiert, die Aussagen werden einfach als wahr akzeptiert.

Ist nicht die Wahrheit jenseits von Worten?

Wird es uns frei machen, wenn wir den Worten irgendeines Buches folgen, statt unserem Herzen?

Die Bhagavad Gita wird meiner Meinung nach auch nicht „Wie sie ist“ (so der Untertitel der Übersetzung) interpretiert, es wird Beispielsweise das Wort Bhakti (=Hingabe/ Demut) immer mit „Dienst“ übersetzt, was schlichtweg falsch ist! Auch das Wort „Yoga“ wird irreführend übersetzt mit „Krishna-Bewusstsein“. Natürlich ist jede Übersetung immer auch eine Interpretation, aber solche Fehler sind stark Meinungsbildend und verzerrend.

Im „Beginners Guide to Krsna Consciousness“ heisst es:

„Krishna-Bewusstsein ist keine neue „Hindu-Sekte“ oder eine „andere Meinung“, sondern eine Philosophische und Wissenschaftliche Präsentation für die Wiederspiritualisierung der ganzen Welt. Es wird später bekannt sein als die Bewegung, welche die Menschheit in ihrer dunkelsten Stunde gerettet hat.“

Also meinen sie das Patentrezept zur Bekehrung und Rettung der Welt gefunden zu haben?!
Im “Varnashrama-Manifest” (einem Plädoyer für eine neue Gesellschaft) wird dann der Bogen gespannt:

“Kriege,die geführt werden, um eine gottzentrierte Welt zu schaffen, sind manchmal notwendig.”

Also ungläubige müssen mit Gewalt rechnen!
Krishna-Jihad?

Uiuiui… ich dachte wir wollen uns in Zukunft vertragen?

Hier ein Zitat aus der Bhagavad Gita der meiner bescheidenen Meinung nach, einige Überzeugungen der Hare Krishna- Bewegung exemplarisch widerlegt. Schliesslich ist die Essenz der Gita, dass es viele Wege zum Selben Ziel gibt! Vor allem zwei: Brahmavidya und Yogashastra (BhG,III.3.) das Wissen vom Selbst und das rechte Handeln… Im Kapitel II, Vers 46 heisst es in der Übersetzung aus dem Englischen von Swami Sivananda:

„Für einen Brahmanan mit Selbsterkenntnis sind alle Veden ebensoviel wert,
wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.“

Bei anderen Übersetzungen wie zB von Maharishi Mahesh Yogi oder Leopold von Schröder läuft es auf das Selbe hinaus:

„Erkennst du die Wahrheit ist alles Wissen nutzlos!“

So ist also aus einer höreren Sicht jede Lehre nur ein Krückstock auf dem Weg oder ein „Finger der auf den Mond zeigt“.

In Prabhupadas Gita wird der Vers bereits in der Übersetzung völlig anders interpretiert:

„Alle Zwecke, die ein kleiner Teich nach und nach erfüllt,
können große Gewässer sofort erfüllen. In ähnlicher
Weise kann alle Früchte der Veden erreichen, wer das
Ziel der Veden kennt.“

Ebenso wie Prabhubada seine Lehren auf die Gita bezieht, gibt es auch unzählige andere Lehren die sich immerwieder auf diesen Text bezogen haben. Die (scheinbaren) Gegensätze dieser Philosophien zeigen mir das man Worte nie wörtlich nehmen sollte. Jeder kann Worte so interpretieren wie er mag….

Ich hoffe das ich hier meine Kritikpunkte verständlich gemacht habe und ich dich ggf. zum Nachdenken angeregt habe.

Bitte fühle dich frei deinen Kommentar zu hinterlassen!

Heilige Kuh

BhG. X.20:
„Ich bin das Selbst im Herzen aller Wesen, Oh Gudakesha; Ich bin Beginn, Mitte und auch Ende aller Wesen.“

In diesem Sinne: Hare Krishna!

PS: Ich hatte auf meinen Seiten leider ein sehr großes Problem mit Spam. Daher musste ich ALLE Kommentare löschen, auch die konstruktiven Rückmeldungen auf diesen Artikel.

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