Mein Ausstieg bei Yoga Vidya. Ein Insider packt aus…

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Übergabe der Ashramleitung

Nach 8,5 Jahren Vollzeit Mitarbeit bei Yoga-Vidya habe ich mich im März 2015 entschieden meine vollzeit Tätigkeit für die inzwischen offizielle „Religiöse Gemeinschaft“ zu beenden. In den 8,5 Jahren die ich quasi ehrenamtlich für den gemeinnützigen Verein tätig war habe ich verschiedene Führungsaufgaben inne gehabt und dadurch einen sehr tiefen Einblick bekommen in die Funktionsweise des großen Yoga-Monopolisten. Im Artikel einige Gedanken und Hintergründe von mir.

8,5 Jahre bei Yoga-Vidya

Begonnen hat diese Geschichte im Jahr 2006, als die Republik durch das Sommermärchen geblendet war und in mir die spirituelle Sehnsucht bis hin zu meinem wichtigen Entschluss reifte, meinem Leben eine neue Wendung zu geben. Ich arbeitete damals in einer alternativen Fußballkneipe und war dem hedonistischen Nachtleben und den Süchten nicht abgeneigt. Ich genoss Freibier bei meinem Arbeitgeber und mein Dealer wohnte um gleich die Ecke, ein allzu bequemes Leben welches unmittelbar in die dauerhafte Stagnation geführt hätte. Mir wurde damals zunehmend klar, dass mich ein solches Leben immer weiter von meinem spirituellen Lebensideal entfernen würde, und es wuchs damit in mir ein starkes Bedürfnis nach einem besseren Leben.

Ich machte mich also auf die Suche nach einer geeigneten Alternative. Meine Idee war, meine beruflichen Fähigkeiten als Koch einer wie auch immer gearteten meditierenden Gemeinschaft zur Verfügung stellen, um so im Alltag ständig mit Spiritualität konfrontiert zu werden. Bei meinen Recherchen im Internet stieß ich immer wieder auf Yoga Vidya, die Seiten waren schon damals omnipräsent im Netz. Im Vergleich zu anderen Gemeinschaften die ich im Netz aufgestöbert habe, gab es damals wie heute ein schlagendes Argument für Yoga Vidya: Man kann dort ohne Eigenkapital sofort einsteigen und sich einfach mit seiner Arbeitskraft einbringen.

Nach einem Probewochenende habe ich mich damals entschieden direkt Montags meinen Job und meine Wohnung zu kündigen. Ich habe dann fast alle meine Sachen verschenkt und eine legendäre Abschiedsparty gefeiert, über dessen Details ich mich in diesem Rahmen nicht weiter äußern möchte. Jedenfalls bin ich drei Monate nach dem Probewochenende mit Sack und Pack in das Haus Yoga Vidya Westerwald gezogen und damit begann ein ganz neues und das bisher wichtigste Kapitel in meinem Lebensbuch.

voller Dankbarkeit für die Zeit bei Yoga Vidya

Ritual mit indischen Swamis

Ritual mit indischen Swamis

Die Zeit die ich bei Yoga Vidya verbracht habe war äußerst wertvoll für mich und ich bin voller Dankbarkeit für dieses wundervolle Projekt und das unfassbare Lebenswerk von Sukadev. Die 8,5 Jahre im Ashram haben mich zu einem ganz anderen Menschen geformt, wobei ich zugleich das Gefühl habe, mir selbst dabei treu geblieben zu sein.

Ich habe durch Yoga Vidya eine ganz neue Perspektive für mein Leben bekommen und ungeahnte schlummernde Talente in mir geweckt. Ich habe unglaublich viele tolle Leute kennengelernt und für mich erkannt was wirklich wichtig ist im Leben. Ich habe ganz viel neue Hoffnung bekommen und den Glauben an eine bessere Welt zurückgewonnen. Ich habe die Frau meines Lebens gefunden und eine ganz andere Sichtweise auf die Welt entwickelt.

Kurzum: ich bin voller Dankbarkeit und freue mich, dass ich diesen Schritt damals gegangen bin!

Noch etwas wichtiges ist geschehen: Ich habe vor meiner Zeit bei Yoga Vidya Tabak geraucht, Alkohol getrunken, Tiere gegessen und habe verschiedenerlei Rauschgifte ausprobiert und manchen gar regelmäßig gefrönt. Durch das Üben von Yoga und Meditation, aber vor allem durch das nahezu absolut cleane Umfeld bei Yoga Vidya habe ich es im Laufe der Jahre geschafft ganz und gar davon weg zu kommen. Zwar habe ich mir die ersten Jahre meiner Ashramzeit verbotener Weise im Urlaub einige Ausrutscher erlaubt, habe aber zunehmend das Interesse an einem „unreinen Lebensstil“ verloren. Jetzt wo ich wieder „normal“ in einer Großstadt lebe, merke ich, dass ich wirklich gar kein Interesse mehr an Drogen, Alkohol, Fleisch etc habe: ich habe tatsächlich in mir das Gefühl davon geheilt zu sein. Und das war meines Erachtens nach nur möglich durch die strikten Regeln denen man sich als Mitarbeiter bei Yoga Vidya unterordnet.

Narada mnit Sukadev

Narada mit Sukadev

Natürlich gibt es wie bei allem auch bei Yoga-Vidya zwei Seiten der Medaille, es ist auch dort nicht alles Gold was glänzt. Prägnant zusammenfassend kann ich sagen, dass es nicht jedermanns Sache ist, aber für manch einen ist es genau das Richtige! So war es eben auch für mich zwischen 2006 und 2015 das ideale Umfeld um zu wachsen und zu lernen. In den vielen Jahren gab es aber natürlich auch so manches, was mir nicht so behagte und über das ich mich geärgert habe. Allerdings gab es nie Ärgernisse die so groß gewesen wären mich zu veranlassen kurzfristig zu kündigen. Ich habe festgestellt, dass es immer plausible Gründe gab für Entscheidungen die auf den ersten Blick vielleicht nicht vernünftig aussahen.

Ashram, Gemeinschaft oder Seminarhaus? 3 Beine von Yoga Vidya

Ein grundlegendes Problem welches ich hier ansprechen möchte ist die große Differenz zwischen den Ansprüchen welche der Verein an sich stellt: Einerseits möchte Yoga Vidya eine spiritueller Rückzugsort sein nach dem Vorbild von Ashrams in Indien und auf der anderen Seite ist man auch ein wirtschaftlich Orientierter Seminarbetrieb mitten in Deutschland, außerdem gibt es den Anspruch eine echte Gemeinschaft zu sein. Diese drei höchst verschiedenen Ansprüche erzeugen vor allem bei den Mitarbeitern gegenläufige Erwartungen und damit verbundene Konflikte.

Einerseits kommen die Meisten zu Yoga Vidya um tatsächlich spirituell zu praktizieren und zu wachsen, und dafür finden sie auch ein gutes Feld. Andererseits gibt es einen deutlichen wirtschaftlichen Druck den umfassenden inzwischen sehr professionellen Betrieb aufrecht zu erhalten um die über 250 Mitarbeiter weiterhin finanzieren zu können. Beides scheint sich oft zu widersprechen, wobei dem Einzelnen sehr viele Freiheiten gelassen werden sich seine spirituelle Ausrichtung und Übungen frei zu gestalten. Die Idee eine Gemeinschaft sein zu wollen ist ein weiterer Faktor der bei den Mitarbeitern oft zu falschen Erwartungen führt, da diese Idee schwierig mit den beiden anderen Ansprüchen zu vereinbaren ist: Ein traditioneller Ashram ist streng hierarchisch geführt und lässt kaum Spielraum für individuelle Bedürfnisse, da sich alles um die Yogapraxis und die Hingabe an den Guru dreht. Ebenso ist ein kommerzielles Seminarhaus mehr auf die Bedürfnisse der zahlenden Gäste ausgerichtet als darauf, den Mitbewohnern einen Entfaltungsraum zu bieten. Diese Punkte führen nach meinen Beobachtungen oft zu Konflikten, aber es liegt an jedem einzelnen sich innerhalb dieses Spannungsfeldes zurechtzufinden.

Warum ich Yoga Vidya verlassen habe?

Es wurde einfach Zeit für was neues. Der Job als Ashramleiter im Haus Yoga Vidya Westerwald hat mich zwar sehr gefordert, aber es hat insgesamt auch gut funktioniert. Die Gästezahlen waren besser als in den 10 Jahren davor und die Stimmung im Haus war gut. Mein Weggang aus dem Haus war recht spontan und ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte: Ich hatte immer die Idee mich selbstständig zu machen als Lehrer für Meditation & Yoga, dafür hätte ich ja auch gute Voraussetzungen gehabt. Ich habe mich damit intensiv beschäftigt und aus verschiedenen Gründen die Lust an einer reinen Selbsständigkeit verloren, da es sehr schwer ist mit dem Yoga genug Geld zu verdienen, vor allem wenn man keine Lust hat 50% der Zeit im Büro zu verbringen. Aus heiterem Himmel bekam ich dann ein Jobangebot welches zu gut war um es abzulehnen. Jetzt arbeite ich als Koch an einer Schule, koche vegetarisch, habe Wochenende und Abends frei sowie Schulferien. Dieser Job gibt mir die Möglichkeit in der Freizeit gezielt die Dinge zu unterrichten die mir Spass machen, ohne davon abhängig zu sein.

Yoga Vidya- eine Sekte?!

Es gibt ja tatsächlich einige Gründe weswegen man Yoga Vidya als Sekte bezeichnen könnte, je nachdem wie man den Begriff Sekte definieren möchte. Im herkömmlichen Sinne bedeutet Sekte: „eine religiöse Gruppierung die nicht zur Katholischen Kirche gehört“, oder wie Google sagt: „eine Glaubensgemeinschaft, die im Gegensatz zu den großen Religionsgemeinschaften relativ wenig Mitglieder hat“, also demnach ist Yoga Vidya eine Sekte. Allerdings wird der Begriff Sekte heute für religiöse Gruppen verwendet die ihre Mitglieder mit perfiden Mitteln ausbeuten, unterdrücken und in die Irre führen. Solcherlei Erfahrungen habe ich in 8,5 Jahren bei Yoga-Vidya nicht beobachtet, also ist Yoga Vidya keine Sekte. Ich denke eine bösartige Sekte kann man vor allem daran erkennen wie sie mit ihren „Aussteigern“ umgeht. Ich als „Aussteiger“ aus dem „inneren Kreis“ der Yoga Vidya Sekte hatte keinerlei seltsame Erlebnisse vor und nach meinem Weggang, im Gegenteil!

Abschliessend kann ich nur nochmals sagen:

Danke Sukadev für dein Vertrauen in mich und für den enormen Beitrag den du der Welt gibst!

Satsang unterm Mahashiva

Satsang mit Narada unterm Mahashiva

 

 

About Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und koche für Geld. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)