Das Yoga Modell des Geistes. Antahkarana.

Dattatreyas Geburtsort

Das Antahkarana-Modell beschreibt den menschlichen Geist und liefert eine Methode zur Kontrolle des Geistes.

Antahkarana- hilfreiches Modell des Geistes

In der Yoga Philosophie gibt es viele sehr praktische Modelle die uns helfen können, das Leben, das Universum und uns Selbst zu verstehen. Solche Modelle sind hilfreich, um uns zu der Erfahrung der Einheit zu führen aber sie sind nicht mit der Wahrheit zu verwechseln. Die Wahrheit ist jenseits von Formen, Worten und Vorstellungen zu entdecken, solche Modelle sind dazu da, um auf diese Wahrheit hinzuweisen. Und so ist der Menschliche Geist, die Psyche oder das Bewusstsein hochkomplex und vielschichtig, und sicherlich nicht in einem solch simplen Modell darzustellen. Jedoch bringt es etwas Klarheit in die Vorgänge und Funktionen des Geistes, und kann damit unsere Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

Antahkarana aus dem Samkhya

Das Modell des Antahkarana (अन्तःकरण) kommt aus der Samkhya (सांख्य)-Philosophie, einesm der 6 klassischen Weltanschauungen (Darshanas) des Hinduismus. Samkhya bedeutet „Aufzählen“ und beschäftigt sich mit einer genauen Analyse der Daseinsebenen und der wirklichkeitsbestimmenden Elemente. Es wird zwischen 25 Daseinsfaktoren (Tattvas) unterschieden, welche die Schöpfung begründen. Ein wirklich sehr interessantes System, welches aber hier den Rahmen sprengen würde. Teil der Samkhya-Anschauung ist auch die Definition der „Inneren Instrumente“, des Antahkarana. Im Gegensatz dazu auch die äusseren Instrumente „Bahir-Karana„, unser Körper mit all seinen Funktionen und Ebenen. Das Samkhyasysthem ist dualistisch, unterscheidet zwischen Bewusstsein und Manifestiertes, welches zusammengeführt werden soll um die Einheit zu erfahren. Das Antahkarana Modell wird auch gerne im Zusammengang mit Raja Yoga benutzt, wobei es allerdings nicht direkt im Patanjali Yoga Sutra verwendet wird.

vier Teile des Antahkarana

Das Antahkarana, das innere Instrument, besteht aus vier verschiedenen Teilen und ist eben kein abstraktes Modell, sondern sehr Lebenspraktisch zu erfahren. Ein besseres Verständniss hilft den Geist effektiver zu nutzen, und den Werkzeugen nicht die Kontrolle zu überlassen. Das was unsere wahre Natur ist, wird im Samkhya als Purusha (Bewusstsein) bezeichnet. Im Vedanta wird es Atman (das Selbst) oder Brahman (das Göttliche) genannt. Alles was manifest und dynamisch ist, wird Prakriti (aktive Urnatur) genannt und kann vom Bewusstsein wahrgenommen werden. Und so müssen wir erfahren, das wir nicht die Teile des Geistes sind, sondern sie Beobachten und Benutzen können. Die vier Teile sind Buddhi (Unterscheidungskraft), Manas (niederer Geist), Chitta (unbewusstes) und Ahamkara (Ego). Diese Vier Teile sind alle wichtig für das Funktionieren in dieser Welt.

Antahkarana im einzelnen:

  • Atman (आत्मन्) ist das Selbst welches unberührt von allem ist. Das was die Essenz unseres Wesens ist, ist identisch mit dem Göttlichen. Es ist „Sat-Chid-Ananda“- „Sein- Bewusstsein- Glückseeligkeit“ und unveränderlich, ewig, alldurchdringend. Es ist nicht zu beschreiben, nicht zu fassen, nicht zu verstehen. Es drückt sich aus in dem System der 3 Körper und 5Hüllen, mit denen wir uns fälschlicherweise identifizieren. Teil des gesamten Organismus der das Werkzeug unseres Selbst ist, sind die 4 Inneren Instrumente.
  • Buddhi (बुद्धि) ist die Unterscheidungskraft, das Erkenntnisvermögen, intuitive Intelligenz oder höherer Verstand. Die Instanz in unserem inneren die Entscheidungen fällt, die Wahl trifft und die „weiß“ ist abgeleitet vom Wortstamm „budh – erwachen; verstehen; wissen“. Entscheiden, Urteilen, Unterscheiden, Differenzieren sind die Aufgaben dieses Instrumentes des Geistes welches dem „Selbst“ am nächsten ist.
  • Manas (मनस्) der niedere Geist, das niedere Denken verbunden mit den Sinnen und Handlungsorganen, der Ein- und Ausgang unseres Geistes. Die wichtigste Aufgabe von Manas ist, die Eindrücke der Sinnesorgane zu filtern und die Handlungsorgane zu koordinieren.
  • Chitta (चित्त) ist das Erinnerungsvermögen, der Speicher von Erfahrungen und Eindrücken, das Unterbewusstsein. Es leitet sich ab vom Wortstamm „Chit“- „bewusst Sein“ und liefert in jedem Moment Informationen um die gegenwärtige Situation zu beurteilen.
  • Ahamkara (अहंकार) ist unser Ego, das Ich-Prinzip, Ich-Funktion; oder direkt übersetzt der „Ich-Macher“, und setzt sich aus den Wortstämmen ahaṃ-„ich“ und kāra „machend“ (von der Wurzel kṛ, „tun“) zusammen. Es ist der Teil von uns, der sich Selbst definiert und bestimmt was zum Ich dazugehörig ist und was nicht. Ahamkara versucht stets sich selbst als getrenntes Individuum zu definieren und unterscheidet dabei zwischen Subjekt und Objekt. Es ist die Ursache für die Illusionäre Vorstellung nicht das unbegrenzte Selbst sondern ein Seperates ich zu sein. Leut YogaPhilosophie ist in dieser Trennung die Ursache allen Leidens begründet.

Diese vier Teile des Geistes gilt es differenziert Wahrzunehmen und zwischen ihren Funktionen zu unterscheiden. So können die einzelnen Teile gut arbeiten und uns nicht am glücklichen, effektiven, erfüllenden und befreienden Leben hindern. Wenn einzelne Teile des Geistes nicht gut arbeiten, also zu dominant oder zu schwach sind, führt es zu Problemen.

Vortrag über das Antahkarana

einige Beispiele zum besseren Verständniss des Antahkarana:

  • Manas: Ist Manas zu stark übernimmt es die Funktion Entscheidungen zu fällen und wir handeln zu impulsiv und spontan.
  • Chitta: Ist Chitta zu dominant überflutet es den Geist mit Eindrücken und Ideen, zwingt dadurch Manas zu falschen Handlungen die nicht zielführend sind.
  • Ahamkara: In Ahamkara haben wir die grösste Aufgabe im Inneren. Ist Ahamkara zu schwach fehlt es an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit. Ist es zu stark übernimmt es die Kontrolle des ganzen Geistes, wird gefärbt von den Eindrücken aus Chitta und zwingt Manas zu seltsamen Handlungen. Die Interaktion zwischen Ahamkara und Chitta ist die Quelle des Leidens…
  • Buddhi: Hier liegt der Schlüssel zu Kontrolle über unseren Geist und zum Ent-wickeln des Selbst. Wenn wir unsere Buddhi stärken können wir die anderen Teile des Geistes klarer sehen und ihre Funktionen effektiv einsetzen. Buddhi ist sozusagen die Tür zum Selbst. Oft ist die Buddhi bewölkt oder vernebelt und gibt damit die Kontrolle an die anderen Teile des Geistes ab: Unklarheit und Leiden entsteht. Die Buddhi gilt es zu reinigen und zu stärken, um zu Entscheidungsfähigkeit und innerer Unabhängigkeit zu kommen. Das geschieht durch Meditation und üben von Achtsamkeit. So wird Buddhi die Kontrolle bekommen und irgendwann kann der Atman als urgrund des Geistes der reine unberührte Beobachter werden.

Um es vedantisch auf den Punkt zu bringen:

  • Lerne der unberührte Beobachter zu sein.
  • Löse Identifikationen mit dem Wahrgenommenen auf.
  • Erfahre, dass der Wahrnehmende nicht das Selbst ist.

Sei nicht Opfer deiner Gedanken sondern löse dich davon und erfahre die Stille die du bist!

Flower of Life

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About Narada

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