Narada Bhakti Sutra 74-84 „Gott ist nicht diskutierbar“

Swami Nivedanananda

Swami Nivedanananda



Zum Ende der Ausführungen des großen Rishi Narada Muni in 84 kompakten Versen über den ‚Weg der höchsten Liebe zu Gott‚ der als Bhakti bezeichnet wird und ein wichtiger grundpfeiler des Hinduismus ist, formuliert er noch einige wichtige Punkte die es zu beachten gilt. Letztlich ist es natürlich in allen spirituellen Wegen essentiell eine Grundlage aus ethisch moralischen Werten zu haben um in Harmonie und EInklang mit der Schöpfung zu sein bevor man beginnt sich für das transzendente zu öfnen. Narada Muni ergänzt hier seinen Text um einige Punkte um das ganze abzurunden.

74. „Diskussionen über Gott sollte man meiden.“

Es ist sicherlich nicht leicht zu verstehen was „Gott“ ist und letztlich kann man es nur begreifen wenn man es erfahren oder erkannt hat. Es ist wichtig Vertrauen und Glauben an die Aussagen der Meister und heiligen Texte zu entwickeln, um sich auf die Erkenntnis bzw. Erfahrung Gottes zuzubewegen. Ebenso ist wichtig daran zu zweifeln und zu reflektieren um sich dem zu nähern. Jedoch lässt sich das Transzendente Konzept von „Gott“ nicht ausdiskutieren, es ist eben jenseits des Beweisbaren und des Rationalen, es ist eine Glaubenssache bzw. eine Angelegenheit des eigenen Erfahrungs und Erkenntnishorizontes.

75. „Es gibt Raum für viele Meinungen, keine davon ist endgültig und befriedigend.“

Inzwischen gibt es über 7.000.000.000 Menschen und entsprechend mindestens ebensoviele Meinungen die womöglich allesamt ihre Berechtigung haben. Bei „Gott“ geht es jedoch nicht um eine Meinung sondern um eine wahre Erkenntnis bzw. Erfahrung die indiskutabel ist, da sie absolut ist. Entweder man hat Gott erkannt oder erfahren, oder man glaubt an die Existenz, oder eben nicht.

76. „Schriften der Hingabe sollten studiert und durchdacht werden, die resultierenden Handlungen der Hingabe sollten ausgeübt werden.“

Um die höchste Liebe zu Gott zu erfahren und ein ‚wahrer Bhakta‘ zu sein ist es ganz wichtig im Geiste immer bei Gott zu sein, dabei helfen die entsprechenden Texte die uns die Meister hinterlassen haben. Es werden bestimmte Handlungen empfohlen die hilfreich sind um sich für die Liebe zu Gott zu öffnen, diese sollte man in den Alltag integrieren.

77. „Trotz der Befreiung von Vergnügen und Leid sowie Verlangen und Abneigung sollte man keinen Moment vergeuden.“

Der Zustand der reinen Liebe zu Gott lässt den Bhakta erkennen was jenseits der zT genannten Gegensatzpaare ist. Auf einer absoluten Ebene der Einheit mit allem was ist spielt es keine Rolle was man tut, jedoch ist man auch Teil der Welt und hat eine Rolle zu erfüllen. In dieser Rolle die man in der Welt spielt, also in diesem Spiel innerhalb der Illusion sollte man immer die Handlung ausführen die Offen, Weit und Gott zugewand macht.

78. „Werte wie Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Barmherzigkeit, Glauben und andere sollten entwickelt und bewahrt werden.“

Hier werden von Narada Muni Punkte genannt die auch zT als Yamas und Niyamas aus dem Patanjali Yoga Sutra bekannt sind, also konkrete Empfehlungen für korrektes ethisches Handeln. Ohne diese Werte ist ein Leben im Einklang mit der Schöpfung nicht möglich und man kommt auf dem Weg zu Gott kein Stück weiter.

79. „Frei von Sorge und Angst sollte stets voller Aufmerksamkeit dem Herrn gehuldigt werden.“

Wenn Gottes Allgegenwärtigkeit und Allmacht wirklich akzeptiert hat und die daraus resultierenden Konsequenzen für sein Leben gezogen hat, gibt es keinen Grund mehr Sorgen und Ängste zu pflegen. Man kann sich ganz in den Dienst an Gott und seine Schöpfung hingeben und durch aufmerksames Handeln Gott in allem huldigen. Man kann der Schöpfung und dem darin liegenden Sinn ganz vertrauen ohne Sorge und Angst.

80. „Wo er so verehrt wird, offenbart Er sich bald und segnet den Bhakta mit Verwirklichung.“

Gott wird sich sicherlich dem aufrichtigen Bhakta offenbaren, jedoch braucht es dafür bedingungslose Hingabe und erwartungsfreies Akzeptieren aller Erfahrungen. In diesem Vers wird deutlich, dass die höchste Liebe letztlich eine Gnade ist die dem Bhakta gewährt wird und nicht eine Erfahrung die man willentlich herbeiführen kann.

81. „Hingabe zur dreifachen, ewigen, absoluten Wahrheit ist die höchste Liebe.“

Mit diesem Vers ist wohl die Beschreibung der höchsten Wahrheit durch die drei Worte Sat, Chid & Ananda gemeint, wobei manche Kommentatoren auch den Sanskritvers anders interpretieren und sagen hier geht es um die drei Wege Karma, Jnana und Bhakti wobei Bhakti als der beste gepriesen wird. Die Erfahrung von Sat (reines Sein), Chid (reines Bewusstsein) und Ananda (bedingungslose Freude) ist allerhöchstes Bhakti, keine Erfahrung ist größer und erstrebenswerter. Diesem Ausdruck Gottes soll man sich ganz hingeben um zu der Erfahrung zu kommen, es ist die absolute Wahrheit jenseits der relativen Ebene.

82. „Diese göttliche Liebe, obwohl sie in sich eins ist, offenbart sich auf elf verschiedene Arten:

im Originalvers werden die folgenden Arten alle mit Shakti beschrieben, z.B. „die Verehrung“ = „Pujashakti“, die elf offenbarungen bzw Ausdrucksweisen der göttlichen Liebe sind ein Ausdruck der Energie Gottes, also Shakti. Jeder Bhakta hat seine eigene Weise die höchste Liebe zu leben, die Liebe zu Gott kennt viele Arten sich in der Welt über den Devotee zu zeigen. Diese 11 Punkte werden im originalvers jeweils mit einem Wort benannt, ich beschreibe sie hier sehr knapp.

  • Ein Devotee liebt es, die Eigenschaften des Göttlichen zu rühmen.
  • Er liebt die Schönheit als Ausdruck Gottes.
  • Er liebt die Verehrung der Göttlichen Wirklichkeit.
  • Er liebt es, ständig Gottes Gegenwart zu gedenken.
  • Er liebt es, sich selbst für den Diener Gottes zu halten.
  • Er liebt Gott als seinen eigenen Freund.
  • Er liebt Gott wie sein eigenes Kind.
  • Er liebt Gott wie eine Frau ihren Gatten.
  • Er liebt es, sich Gott vollkommen hinzugeben.
  • Er liebt es, völlig in Gott versunken zu sein.
  • Er liebt es, die Schmerzen der Trennung von Gott zu empfinden.“

83. „Diese Wahrheit wurde von folgenden großen Lehrern verkündet, unabhängig was andere darüber denken mögen: Kumara, Vyasa, Shuka, Shandilya, Garga, Vishnu, Kaundinya, Shesha, Uddhava, Aruni, Bali, Hanuman, Vibhishana und andere.“

Verschiedene Rishis legten die Grundlage für die Bewegung des Bhakti Yoga die eben von Narada Muni in diesem Text zusammengefasst wurde. Wobei natürlich klar ist, dass es sich beim Verfasser des Narada Bhakti Sutra nicht wirklich um den mythologischen Narada handeln kann. Jedoch denke ich, dass dieser Text in seinem Geiste verfasst wurde bzw. dieser womöglich auch von ihm geistig vermittelt wurde. Die genannten Rishis spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Bhakti Yoga:

  • Kumara war Naradas Guru und ebenso ein großer Diener des Gottes Vishnu
  • Vyasa war der Verfasser von Mahabarata, Puranas und Brahma Sutras, ordnete die Veden
  • Shuka schrieb das Srimad Bhagavatam nieder
  • Shandilya seine Lehre vom Bhakti Weg wurde in dem Werk Bhaktimimamsa niedergelegt
  • Garga ist ein Rishi, der die Zeremonie der Namensgebung von Krishna vollzogen haben soll
  • Vishnu ist der Erhalter des Universums, auch in Form von Krishna und Rama
  • Kaundinya wird in der Brihadaranyaka Upanishad als Sohn Shandilyas erwähnt
  • Shesha die tausendköpfige Schlange war als Balarama und Lakshmana inkarniert
  • Uddhava wird als Freund Krishnas im Srimad Bhagavatam erwähnt
  • Aruni wird als großer Rishi in der Chandogya und Brihadaranyaka Upanishad beschrieben
  • Bali war ein mächtiger König, der sich und sein Reich Vishnu hingab
  • Hanuman ist die Verkörperung der Hingabe an die göttliche Inkarnation Rama
  • Vibhishana war Bruder des Dämonen Ravana, der jedoch zur Liebe zu Gott Rama fand

84. „Jeder der dieser Segensreichen Lehre göttlicher Liebe von Narada glaubt und dieser folgt, wird ein Liebender Gottes, er wird Gott verwirklichen.“

Dem ist nichtsmehr hinzuzufügen.

Damit ist mein Projekt das komplette Narada Bhakti Sutra zu Übersetzen und zu Kommentieren abgeschlossen.

Ganesha, ganapati, Elefantenköpfig

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