Kommentare zur Mandukya Upanishad – Trinitäten und das Vierte

Om, Pranava, Omkara, Urlaut, Heilige Silbe

Die Upanishaden bilden den letzten Teil der Veden, diese 3-50oo Jahre alten Texte bilden den ursprung des Hinduismus und die Quelle des Yoga. Die Mandukya Upanishade ist mit ihren 12 Versen die kürzeste aller Upanishaden, sie zählt aber zu den 12 wichtigsten aller Texte aus dem letzten Abschnitt der Veden. In diesen 12 Versen wird die Silbe „Om“ sowie die Lehre von den drei Bewusstseins-Zuständen sowie vor allem dem mysteriösen „4.“ behandelt.

Mandukya Upanishad – über das „Vierte“

Es wird gesagt das diese Mandukya Upanishade ausreicht um die Wirklichkeit zu erkennen, sie enthält das Wesentliche der Lehren aller Upanishaden. So sagt man auch die Essenz der Veden ist in den Upanishaden enthalten und die Essenz der Upanishaden in der Mandukya Upanishad. Hat man die Mandukya Upanishade verstanden, so sagt man, so ist Moksha die Befreiung nicht fern. So sagt Rama zu seinem Diener Hanuman:

„Das einzige Mittel zur Erlangung der endgültigen Befreiung ist, für sich allein genommen, die Mandukya Upanishad, die für das Heil aller spirituell Suchenden ausreicht. Wird Erkenntnis dadurch nicht erreicht, dann wirst du durch das Studium der zehn Upanishaden erst Jnana und dann Meinen Platz erlangen. O Sohn des Anjana, wenn deine Erkenntnis dadurch nicht fest gegründet ist, dann befasse dich eingehend mit den 32 Upanishaden. Du sollst befreit werden. Sehnst du dich nach Videha Mukti, dann studiere die 108 Upanishaden.“

Gaudapada bzw. Gaudapadacharya war der Guru des Gurus (Govindacharya) des großen Adi Shankaracharya und er formulierte die berühmte „Māṇḍukya Kārikā“, die Analyse der Mandukya Upanishade, welche als erstes Werk des klar formulierten Advaita Vedanta gilt. „Mandukya“ leitet sich womöglich vom Rishi Manduka ab der einer der Weisen Rishis war denen die Veden offenbart wurde, und der damit den Hinduismus mit begründet hat. Es gibt auch eine Yogaasana „Mandukasana“- der Frosch, man sitzt dabei vor den Füssen auf dem Boden.

Shantimantra als Einleitung in die Mandukya Upanishad

Klassischer Weise sind den wichtigen Upanishaden jeweils Shanti Mantras zugeordnet um eine Harmonische Atmosphäre zu schaffen bevor man sich mit dem Text befasst.

Om, Pranava, Omkara, Heilige Silbe, Urlaut

ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवागँसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायूः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्ताक्षर्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो वृहस्पतिर्दधातु ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

„Om.
Bhadram karnebhih s´rnuyama devah
Bhadram pasyemakshabhiryajatrah
Sthirairangaistushtuvamsastanubhir
Vyasema devahitam yadayuh
Svasti na indro vriddhasvavah
Svasti nah pusha visvavedah
Svasti nastarkshyo arishtanemih
Svasti no brihaspatirdadhatu
Om Santih. Santih. Santih.“

„Leuchtendes OM! Lass uns mit unseren Ohren nur Schönes hören;
Du bist würdig, verehrt zu werden!
Lass uns mit unseren Augen alles Schöne sehen;
Gib uns einen starken Körper und Glieder,
damit wir dich unser ganzes Leben lang anbeten,
um mit göttlichem Sein erfüllt zu werden;
Möge Indra ihr Füllhorn über uns ausschütten;
Möge die allwissende Pusha uns wohlgewogen sein;
Möge Tarkshya , der Zerstörer allen Übels, uns wohlgewogen sein;
Möge Brihaspati uns mit seiner Schönheit beehren!
OM. Friede! Friede! Friede!“

Mandukya Upanishad mit Kommentaren

(in der Übersetzung von Swami Krishnananda & Divya Jyoti mit kleinen Abwandlungen nach Swami Jnaneshwara)

1. „Hari Om. Dieses unsterbliche Wort ist das ganze sichtbare Universum. Es umfasst: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, – alles das ist OM. Und alles, was sich jenseits dieser drei Zustände der zeitlichen Welt befindet, ist ebenfalls OM.“

Die Mandukya Upanishade beginnt mit der Verehrung der heiligen Silbe Om und fährt dann fort diese genauestens zu erläutern. Der Zusatz „Hari“ ist eine Bezeichnung für Ishwara, also das Om wird im Hinduismus als Manifestation von Gott selbst betrachtet. Es wird als „unsterbliches Wort“ beschrieben, da es die direkteste Verbindung zwischen dem all-einen Brahman und der Welt der Erscheinungen darstellt. Das Om ist „das ganze sichtbare Universum“, da aus dem Urklang des Om alles erfahrbare und manifeste entstanden ist. Das Om steht für alle Trinitäten und das was darüber hinaus geht, dieses ist auch das zentrale Thema dieser Upanishade, die dreifache Welt der Erscheinungen und das „4.“ was als weiterer Faktor entscheidend ist. Beispielsweise die drei Gunas aus denen die Welt gewoben ist und das Eigenschaftslose als den 4. Faktor der den anderen Eigenschaften zugrunde liegt. In diesem Falle werden die 3 Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und zukunft als Trinität genannt die allesamt manifestationen des Om sind, aber auch die Ewigkeit als 4. Faktor ist ebenfalls Om, das Om alles ist.

2. „All dieses ist ausschließlich Brahman. Das Selbst ist Brahman. Dieses Selbst besteht und operiert aus vier Aspekten.“

Es gibt nichts ausser Brahman, alles was wir als Objekt erfahren können ist Teil dieses einen alldurchdringenden und allumfassenden Gewahrseins. Brahman ist sozusagen die Erkenntnis oder Erfahrung der Einheit mit allem Sein wo es keine Teile des ganzen gibt sondern nur das Eine ganze. Dieses Eine ist unser wahres Selbst, welches nicht lokalisierbar ist da es alles umfasst. In der ursprünglichen Übersetzung der Mandukya Upanishade von Swami Krishnananda die von Divya Jyoti ins Deutsche übertragen wurde ist hier von „4 Vierteln“ statt „4 Aspekten“die Rede. Dieses setzt meiner Meinung nach die ganze Idee dieser Upanishade in Unklarheit, da Viertel immer implizieren, dass es um 4 vergleichbare oder ähnliche Faktoren geht. Das „4.“ jedoch geht über die drei anderen hinaus bzw. liegt denen zugrunde, so wie es auch bei den anderen Trinitäten (Gunas, Zeiten, Götter…) der Fall ist. Also besteht das Slebst aus vier Aspekten wovon das vierte von besonderem interesse ist, zunächst müssen aber die ersten drei korrekt verstanden werden. Wobei man sagen muss, dass das Wort „Pada“ wörtlich „Fuß“ bedeutet und es sich hier wohl auf Tiere bezieht die 4 Füße haben, ich denke im weiteren Verlauf wird deutlich, dass das „4.“ aber eine gänzlich andere Qualität hat als die 3 Zustände.

3. „Der erste Aspekt ist Vaisvanara. Sein Feld ist der Wachzustand. Sein Bewusstsein ist nach außen gerichtet. Er hat sieben Glieder und neunzehn Münder. Er erfreut sich der grobstofflichen Objekte.“

Das Selbst wird im Wachzustand „Vaisvanara“ genannt, der Vaisvanara als Aspekt des einen Selbst hat das ganze Feld des Wachzustandes als Wirkungsbereich. Die gesamte Bewusstheit ist nach Aussen auf die Erfahrbare Welt bzw. auf die Wahrnehmung der Selbigen gerichtet, wobei mit „Aussen“ auch das „innen“ im konventionellen sinne gemeint ist, also auch die Wahrnehmung von Gedanken und Gefühlen als Objekte „ausserhalb“ des Selbst. Die Objekte werden erfahren und der Vaisvanara erfreut isch an ihnen und ist in ihnen verstrickt. Das Wort Visvanara ist aus zwei Wörtern zusammengesetzt: Visva= der Kosmos und Nara= der menschliche Geist.

Er hat 7 Glieder oder Instrumente zur Verfügung und neunzehn Münder oder Kanäle. Mit den 7 Gliedern bezieht sich die Mandukya Upanishade wohl auf die Sri Mundaka Upanishad 2.1.4. welche die höchste Wesenheit „Virat Purusha“ beschreibt welche antropomorph ist.

„agnir murdha cakshushi candra-suryau disah srotre vag vivritas ca vedah vayuh prano hridayam visvam asya padbhyam prithivi hy esha sarva-bhutantaratma“

  • Agnir murdha: die leuchtenden Regionen des Himmels kann man als seinen Kopf betrachten.
  • Cakshushi candra-suryau: Seine Augen sind die Sonne und der Mond.
  • Disah srotre: die Viertel des Himmels sind Seine Ohren, mit denen ER hört.
  • Vak vivritasca vedah: die Vedas sind Seine Sprache.
  • Vayuh pranah: Sein Atem ist die ganze Luft des Kosmos.
  • Hri­dayam visvamasya: das ganze Universum ist Sein Herz.
  • Padbhyam prithivi: diese irdischen Regionen kann man als Seine Füße ansehen.

Mit den 19 Mündern ist gemeint:

  • Die 5 Sinnesorgane: Riechen, Schmecken, Hören, Tasten, Sehen
  • +Die 5 Handlungsorgane: Hände, Füsse, Mund, Geschlecht, Ausscheidungsorgan
  • +Die 5 feinstofflichen Kräfte: Prana, Apana, Upana, Vyana, Samana
  • +Die 4 Teile des Geistes: Buddhi, Ahamkara, Chitta, Manas

4. „Der zweite Aspekt ist Taijasa. Sein Feld ist der Traumzustand. Sein Bewusstsein ist nach innen gerichtet. Er hat sieben Glieder und neunzehn Münder. Er erfreut sich der feinstofflichen Objekte.“

Wenn das Selbst sich als im Traum befindlich erfährt (bewusst im konventionellen Sinne oder unbewusst) wird er als Tajjasa bezeichnet. Tajjasa und Vaisvanara haben gänzlich verschiedene Erfahrungsfelder und es sind gänzlich verschiedene Anteile des Selbst. Das gesamte Bewusstsein des Tajjasa ist nach innen gerichtet, also alle Erfahrungen die gemacht werden sind fern ab von der physischen Welt. Der Träumer kann durch die 7 Glieder und 19 Münder quasi die gleichen Erfahrungen wie im Wachzustand machen, nur mit dem Unterschied dass im Traum die Naturgesetze nicht wirken und Erfahrungen unmittelbar selbst (bzw von Unterbewusstsein) generiert werden können. Der Tejjasa ist in die feinstofflichen Erfahrungen verstrickt, die er geniesst.

5. „Der dritte Aspekt ist Prajna, d.h. wo im Tiefschlaf weder Wünsche noch irgendetwas anderes wahrgenommen wird. Im traumlosen Schlaf wird man Eins mit dem Bewusstsein, das aus Glückseligkeit besteht und von ihr genährt wird. Sein Mund ist Bewusstsein.“

Das Selbst im traumlosen Tiefschlaf wird in der Mandukya Upanishade „Prajna“ genannt, hier wird nichts wahrgenommen, also weder grobstoffliches wie im Wachzustand noch feinstoffliches wie im Traumzustand. Die Wünsche kommen gänzlich zur Ruhe und man ist eins mit dem Bewusstsein, wobei der Begriff des Bewusstseins schwierig zu erfassen ist. Natürlich ist man sich im Tiefschlaf nicht seines Körpers oder seiner inneren Vorgänge bewusst, aber man erfährt das reine Bewusstsein an sich ohne jegliche Objekte die Wahrgenommen werden, also Bewustssein ohne etwas dessen man sich bewusst sein könnte. Dieses Bewusstsein als Urgrund allen Seins hat die Qualität von hächster Glückseeligkeit die Ananda genannt wird, um dieses Ananda als Kraftquelle zu erfahren gehen wir schlafen. Diese drei Zustände entsprechen den drei Körpern des Menschen wie sie im Yoga System beschrieben werden.

  • Im Wachzustand wird der physische Körper erfahren.
  • Im Traumzustand wird der subtile Körper erfahren.
  • Im traumlosen Tiefschlaf wird der kausale Körper erfahren.

6. „Es ist der Herr von Allem, allwissend, der innewohnende Kontrolleur, die Quelle von allem. Dieses ist der Anfang und das Ende allen Seins.“

Im folgenden Abschnitt der Mandukya Upanishade geht es nun um dieses ominöse „Vierte“ welches kein 4. Zustand ist der von den anderen dreien getrennt ist, sondern ein 4. Faktor der über die anderen Hinaus geht bzw. ihnen zugrunde liegt. Dieses 4. ist  „Sarveshvara“, der „Herr von allem“, also den anderen 3 Zuständen überlegen da er die Grundlage der anderen ist, es ist das Bewusstsein in dem die anderen als Erfahrungen sich abwechseln. Es ist vergleichbar mit dem Raum der immer gleich ist egal was in ihm geschieht. Es ist der „innewohnende Kontrolleur“, also das gewahrsein welches sich der anderen 3 Zustände bewusst ist, und es ist die „Quelle von allem“ entsprechend des Schöpfungsmythos das alles aus Brahman hervorgegangen ist. Also es ist am Beginn allen Seins und es ist das worin sich das Sein wieder auflöst.

7. „Dieses ist bekannt als „das Vierte“: weder nach innen noch nach außen gerichtetes Bewusstsein, noch beides zusammen, noch eine undifferenzierte Masse des Bewusstsein, weder wissend noch unwissend, unsichtbar, unbeschreiblich, nicht greifbar, frei von Charakter, unvorstellbar, undefinierbar, sein seelisches Wesen ist das Bewusstsein des eigenen Selbst, es ist das zur „Ruhe gekommen sein“ aller verwandten Existenzen, absolut still, friedvoll, glückselig, es ist zeitloser Atman, das Selbst; dieses ist zu verwirklichen.“

Dieser längste Vers dieser kürzesten Upanischade hat es in sich, es werden hier die wichtigsten Begriffe aufgezählt die auf das Selbst hindeuten. Keiner dieser Begriffe, eben so wenig wie meine Ausführungen, kann direkt das Selbst beschreiben, ebenso wenig wie ich den Geschmack eines Apfels in Worte kleiden kann. Der Einfachheit halber habe ich den Vers auseinander genommen und ich kommentiere knapp die einzelnen genannten Begriffe. „Das Vierte“: auch „Turiya“ ist ein wichtiger Begriff im Advaita Vedanta weil es ungenau auf das hindeutet was das Selbst ist, ein Aspekt der über die drei Zustände hinausgeht. Alles was zu genau wäre würde den Geist nur auf eine Bestimmte Erfahrung richten ohne das Ganze im Blick zu haben.

  • weder nach innen noch nach außen gerichtetes Bewusstsein: Im Traum ist das Bewusstsein ganz nach innen gerichtet, im Wachzustand ganz nach aussen. Das vierte ist keines von beiden.
  • noch beides zusammen: Es ist auch nicht beides, es geht noch weiter darüber hinaus weil es alles umfasst.
  • noch eine undifferenzierte Masse des Bewusstsein: es ist auch nicht einfach nur ein irgendwie zu interpretierendes Bewusstsein, dieser Begriff begrenzt „es“ auch nur wieder.
  • weder wissend noch unwissend: Man sagt zwar das Selbst ist der Kenner von dem was ist, und man sagt das Selbst weiß nichts, aber beide Aussagen treffen nicht zu.
  • unsichtbar: Man kann das Vierte nicht wie ein Objekt erfassen, weil es Subjekt, Objekt und Prozess der Wahrnehmung umfasst. Es ist alles und nichts und daher nicht als solches sichtbar.
  • unbeschreiblich: Kein Wort und kein Konzept reicht aus um zu beschreiben was das Selbst ist, so wie der Inder sagt: „wenn der Weise auf den Mond zeigt, sieht der Idiot nur den Finger.“
  • nicht greifbar: Es gibt nicht womit man das Selbst in irgendeiner Form greifen könnte.
  • frei von Charakter: Es ist jenseits aller Eigenschaften.
  • unvorstellbar: Auch die größte Phantasie reicht nicht aus um dieses Vierte zu imaginieren, da jede Vorstellung nur Teil der Erfahrungsebene ist.
  • undefinierbar: Die gesamten Upanishaden befassen sich damit und noch viele weitere Texte, aber überall ist man sich einig darüber.
  • sein seelisches Wesen ist das Bewusstsein des eigenen Selbst: Es ist das reine Bewusstsein, aber dieses ist nur ein Wort welches dem nicht gerecht wird.
  • es ist das zur „Ruhe gekommen sein“ aller verwandten Existenzen: Und zugleich ist es die Bewegung aller Erfahrungen.
  • absolut still: Alle Bewegung ist Teil dieser Stille.
  • friedvoll: Ist es erkannt ist nur noch Frieden da.
  • glückselig: Das Selbst ist wunschlose Freude.
  • es ist zeitloser Atman: Das Selbst ist jenseits der Zeit.
  • dieses ist zu verwirklichen: das ist Ziel aller spirituellen Praxis, dieses Vierte jenseits der drei Zustände zu erkennen, dieses Selbst welches immer da ist.

So weit also die Beschreibung der Mandukya Upanishade über „das Vierte“, das unerfahrbare Selbst. Im weiteren Text wird der Atman wieder in Beziehung gesetzt zum Klang des Om.

8. „Dieser identische Atman oder das Selbst ist im Reich des Klangs die Silbe OM, wobei die zuvor beschriebenen vier Aspekte mit den Komponenten der Silbe identisch sind, und die Komponenten dieser Silbe mit den vier Aspekten des Selbst identisch sind. Die Komponenten der Silbe sind A, U, M.“

Ab diesem 8. Vers beginnt der 2. Teil der Mandukya Upanishade, im ersten ging es um die 3 Zustände und das Vierte, nun geht es um das Om welches aus 3 teilen besteht und das Vierte welches die Stille ist die dem Zugrunde liegt. Das beste Symbol für das Selbst ist der Klang des Om, da es zugleich das Selbst in Klangform ist. Die drei Zustände entsprechen den Teilen des Om Klanges die in den weiteren Versen noch beschrieben werden. Die einzelnen Teile des Om sind A, U und M sowie die anschliessende Stille als „das Vierte“. Das A-U-M umfasst alle Töne die der Mensch mit seinem Mund bilden kann, das O des Om wird aus der Zusammensetzung von A und U gebildet. Das A wird mit geöffnetem und weitem Mund von ganz unten gebildet, das U wird mit rund geformten Mund aus der Mitte des Tonraumes gebildet und das M wird mit ganz geschlossenem Mund an den Lippen getönt. Die Stille ist sowohl Grundlage der Klänge als auch am Ende der drei Toneinheiten physisch erfahrbar.

9. „Vaisvanara, dessen Feld der Wachzustand ist, bildet die erste Tonsilbe: A, denn es umfasst alle anderen. Wer dieses weiß, umhüllt alle wünschenswerten Objekte; er wird der Erste.“

Der Vaisvanara entspricht dem A im kosmischen Klang des Om welches aus AUM gebildet wird. Die Silbe als als Ursprung der anderen Töne umfasst zugleich auch all die anderen Buchstaben des Sanskritalphabets. Die Palette der Sanskritbuchstaben enthalten sehr viele Entsprechungen und latztendlich damit die gesamte Schöpfung. Wer sich dieses Aspektes der Schöpfung bzw. des Selbstes (die drei Körper die in den drei Zuständen erfahren werden entsprechen den 3 Welten aus denen die Schöpfung besteht) gewahr ist, wird in der physischen Ebene erfolgreich sein, da er in Harmonie mit der Schöpfung ist.

10. „Taijasa, dessen Feld der Traumzustand ist, bildet die zweite Tonsilbe: U, weil er von außergewöhnlicher Qualität ist, denn er beinhaltet die Qualitäten der anderen beiden. Wer es weiß, erhebt seinen Fluss des Wissens und wird ebenbürtig. In dieser Familie gibt es niemanden, der Brahman nicht kennt.“

Der Tajjasa ist der jenige Aspekt des Selbst der den Traum erfährt und er entspricht der zweiten Silbe des AUM, also das U. Der Tejjasa beinhaltet auch die Qualitäten der anderen beiden, also er hat auch einen Körper und ist verbunden mit dem Ananda des Tiefschlafes, allerdings beides weniger intensiv und nur als Reflexion. Wer sich des Träumers als einen Zustand gewahr ist, der wird tiefes Wissen erlangen, er wird damit den anderen überlegen sein und er wird dieses Brahman in seinem Umfeld manifestieren.

11. „Prajna, dessen Feld der Tiefschlaf ist, bildet die dritte Tonsilbe: M, weil er das Maß, in das sich alles einpasst ist. Wer es kennt, kann alles ermessen und wird zur Heimstatt aller.“

Der Prajna wird als (natürlich unbewusst trotz Bewusstheit) erfahrender mit dem M des AUM gleichgesetzt. Da der traumlose Tiefschlaf den kausalen Körper erfährt ist dieser Zustand die Grundlage der anderen beiden Zustände und wegen seinem reinen Bewusstsein (ohne Objekt) dem wahren Selbst bzw. dem 4. am nächsten. Wer diesen Zustand erkennt bzw. sich dessen wesensnatur gewahr ist, der erfasst auch die anderen beiden Zustände.

12. „Der Vierte ist ohne Klang: unsäglich, ein zur Ruhekommen für alle relativen Offenbarungen, voller Glückseligkeit, friedvoll, unteilbar. Darum ist OM der wirkliche Atman. Wer es weiß, bringt sein Selbst in das absolute Selbst ein.“

Der Vierte ist jenseits des Klanges bzw. die reine Stille nach dem Klang des Om, es ist die Grundlage aller relativen Offenbarungen dieser Welt. Dieses ist das Eine ohne ein zweites, es ist die unteilbare allem zugrundeliegende Wahrheit jenseits aller objektbezogenen Erfahrungen. Das Om als Manifestation des einen und als das ideale Symbol des wahren Atman ist das beste Mittel zur Erkenntnis der Wahrheit, weil „das Vierte“ die anderen drei durchdringt und dieses wunderbar verdeutlicht wird im Om.

Wer sich dessen bewusst ist der wird die Einheit allen Seins erfahren und verschmelzen mit dem Einen.

om, pranava, omkara, urlaut, heilige Silbe, Brahman

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