Patanjali Yoga Sutra, Verse 3.19 & 20 – Superkräfte: Gedanken lesen

Kali Priester in Meditations Pose

Kali Priester in Meditations Pose

In der Mitte des 3. Kapitels seines Yoga Sutra beginnt der große Raja Yogi Patanjali nun mit der Beschreibung von übersinnlichen Fähigkeiten und mit seiner konkreten Anleitung wie man diese erreichen kann.

Wie bereits in den Kommentaren zur Einleitung dieses Kapitels beschrieben, sind diese Methoden nicht einfach so für jedermann durchzuführen, da sie ein umfassendes Geistestraining erfordern. Wobei diese Samyama- Techniken in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden geübt werden können, die Meisterung eines Siddhi wird nur erlangt wenn man Samadhi erreicht hat. Samadhi ist als Erfahrung normaler Weise nur möglich, wenn man reinen Herzens ist, bzw. die ethischen Grundregeln befolgt- da alles andere aus dem Ego kommt. Aber auch wenn man nicht in Samadhi seinen Geist auf die jeweilige Technik ausübt, sondern nur in Dharana und Dhyana die Methode über, wird man Wirkungen erzielen.

Vibhuti Pada, Vers 19, Patanjali Yoga Sutra

3.19 प्रत्ययस्य परचित्तज्ञानम्
pratyayasya para-citta-jñānam
pratyayasya = Konzept, Idee, Geistesinhalt, Gedanke, direkte Wahrnehmung
pratyaya = Wahrnehmung, Vorstellung, Begriff
para = eines anderen, weiter, höher hinaus
citta = Geist, Bewusstsein, Vernunft, Geist, Verstand,
jñānam = Kennen, Wissen, Verständnis, Erkenntnis

„Samyama auf den offenbarten Geist eines anderen bringt Wissen über ihn.“
oder
„Ausrichtung auf die Gedanken eines anderen entsteht Kenntnis über dessen geistige Verfassung.

Tatsächlich beschreibt Patanjali hier eine Methode zum Gedankenlesen, allerdings kann auch mit dieser Technik nur der momentane Gemütszustand genauer erfasst werden. Also keine Sorge: ein Yogi kann nicht in deinem Geist lesen wie in einem offenen Buch, aber eben womöglich erkennen wie es dir in diesem Moment geht. Diese Samyamatechnik ist sehr hilfreich um seine Mitmenschen besser zu verstehen und friedlicher mit ihnen auszukommen, wenn natürlich die Motivation dahinter moralisch ist. Wenn wir Herrschaft über unseren eigenen Geist erlangt haben, also entdeckt haben, dass wir der Beobachter sind und uns nichtmehr von den Gedanken und Gefühlen leiten lassen, entwickeln wir ganz von selbst höhere Fähigkeiten.

Der folgende Vers 3.20 (ebenso wie Vers 3.22) taucht nicht in allen Fassungen des Yoga Sutra auf. Es ist unklar ob diese beiden Verse später hinzugefügt wurden, oder ob sie manchmal weggelassen wurden. Diesen habe ich sowohl kommentiert als auch in die Auflistung mit hinein genommen.

Vibhuti Pada, Vers 20, Patanjali Yoga Sutra

3.20 न च तत् सालम्बनं तस्याविषयी भूतत्वात्
na ca tat sālambanaṁ tasya-aviṣayī bhūtatvāt

na = nicht, nein
ca = auch, und
tat = das, dann, dessen
sālambanam = verbunden mit einer geistigen Übung, Stütze, Auslöser
tasyaḥ = seine
aviṣayībhūta = nicht die Herrschaft erhalten über, nicht erkennend
tvāt = du, dein

„Über die tatsächliche Natur eines anderen können wir dadurch kein Wissen erlangen, denn sie lässt sich nicht beobachten.“
oder
„Andere Aspekte die nicht Gegenstand dieses Samyama sind können nicht erkannt werden.“

Also wie bereits oben erwähnt, kann nur der gegenwärtige Gemütszustand erkannt werden und eben keine tiefere Einsicht in den Geist des anderen gewonnen werden. Wir können sozusagen sehen was den anderen gerade bewegt, aber nicht weshalb ihn das bewegt. Wir können nur das beobachten, was im Moment aktiv ist bzw. offenbart wird, wobei die gegenwärtigen Samskaras (Programmierungen) bereits viele Rückschlüsse zulassen.

Soweit meine Analyse zu den Versen 19+20 des 3.Kapitels des Yoga Sutra.

Tungnath Mandir

Tungnath Mandir

Über Narada

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