Q&A – Maya & Dharma. Welchen Sinn macht bewusstes Leben in der Illusion?

Varanasi, Heilige Stadt des Hinduismus

Varanasi, Heilige Stadt des Hinduismus

In der neuen Rubrik „Q&A“ beantworte ich gerne Fragen rund um Yoga, Spiritualität und Vedanta aus meinem Blickwinkel. Wenn Du magst kannst auch Du Dich mit einer Frage zum Thema an mich wenden, schicke sie einfach an narada(ät)vedanta-yoga.de oder als Nachricht an meine Facebookseite.

Hier also eine Frage von Christina über den Umgang mit Maya, der großen Illusion und wie man ein bewusstes Leben führen kann obwohl die Welt eine Illusion zu sein scheint.

Ich habe bereits einen Ausführlichen Artikel zur Maya verfasst.

Lieber Narada,

ich freue mich über die Gelegenheit eine immer wieder auftretende Frage an
dich stellen zu können. Ich kann sie nur schwer in Worte packen. Ich versuche
es mal.

Wie kann ich einen guten Weg finden, mein Leben, welches ich JETZT (er)lebe, zu
leben, wenn ich gleichzeitig davon ausgehen muss, dass das alles um mich herum
einschließlich mir nur Illusion ist? Es macht mir Angst, dass das alles nicht
existieren soll. Und ich bemerke wie ich Schwierigkeiten dadurch kriege mich
auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, was doch so wichtig ist. Vor allem ist
es für mich wichtig, mich gut zu erden und durch dieses Konzept hab ich das
Gefühl eher den Boden zu verlieren. Vielleicht kann man es auch nicht mit dem
Kopf begreifen, was ich immer wieder versuche. Aber wie kann ich diese von mir
empfundenen „Gegensätze“ zusammenbringen und sie so verstehen, dass sie mir
keine Angst mehr machen? Und wie kann ich mich trotzdem gut in diesem Leben
verwurzeln und erden? Schließlich ist es ja dieses Leben, welches ich erlebe.

Ich hoffe ich konnte es einigermaßen erklären und würde mich natürlich sehr
über eine Rückmeldung von dir freuen.

Schon einmal vielen lieben Dank!

Herzliche Grüße Christina

Liebe Christina,

deinen Konflikt kann ich da gut nachvollziehen, tatsächlich ist die Yogalehre oft verwirrend und sie scheint widersprüchlich zu sein. Diese Paradoxien haben nicht nur im Yoga, sondern allgemein in spirituellen Traditionen Sinn, denn es geht ja auf dem Weg zur Freiheit um das Überwinden von begrenzenden Konzepten, also um das Auflösen unserer festgefahrenen Glaubenssätze. So kann man sagen, dass die Verwirrung ein wichtiger Schritt ist um seine Konzepte loszulassen und den Blickwinkel anzupassen.

Eine zentrale Aussage in der Philosophie des Yoga ist die Lehre von Maya, Maya bedeutet, dass aus einer absoluten Perspektive die Welt nur Schein ist und unsere relative Wahrnehmung bloße Illusion. Wobei Illusion nicht bedeutet, dass die Welt nicht existent ist, sondern dass sie nicht die letztendliche und höchste Wirklichkeit ist. Die Welt wie wir sie erleben ist nur die oberflächliche Wahrheit, tatsächlich ist alles Eins und es gibt keine Trennung zwischen Subjekt und Objekt. Die Meister empfehlen sich auf die tatsächliche, absolute und nonduale Wirklichkeit auszurichten und die Perspektive der Einheit einzunehmen, da nur diese unser Leiden (also die Indentifikation mit dem Vergänglichen) beendet. Aber zugleich existieren wir in der bedingten Welt…

Professor Mittwede formuliert es sehr treffend:

„Maya ist die faszinierende, irreführende Täuschung, welche die tatsächlich unwirkliche, bedingte Natur mit ihrer verführerischen Mannigfaltigkeit als letztendliche Wirklichkeit erscheinen lässt. Maya ist ein Bewusstseinsphänomen, das Ergebnis einer mangelhaften Wahrnehmung.“

Wie können wir also im Bewusstsein der Einheit Leben und zugleich in der relativen Welt der Maya funktionieren? Wir haben in der Maya Verantwortung und eine Aufgabe, wir können uns nicht einfach aus der Affäre ziehen indem wir uns nur auf das Absolute beziehen, wir müssen den Anforderungen der äusseren Welt gerecht werden um im Einklang zu sein.

Dazu gibt es eine schöne Geschichte mit dem großen Meister Sri Ramakrishna, der von seinem Schüler um Rat gefragt wurde. Seine Eltern waren in einem Krisengebiet, sie gaben vor ihren Sohn zu brauchen und baten ihn um Hilfe. Dieser argumentierte, wenn doch alles Maya sei, wozu solle er dann dorthin reisen, wo er doch viel lieber bei seinem Lehrer bliebe. Die Antwort von Ramakrishna war:

„Wenn alles Maya ist, fahr doch einfach hin!“

Denn wir sind nun mal mit der relativen Welt die uns umgibt verbunden und haben die Aufgabe der Welt zu dienen, auch wenn es vom absoluten Standpunkt aus gesehen keine Rolle spielt was wir tun. Entscheidend ist die Zusammenhänge richtig zu erkennen, und so sagt Swami Sivananda, dass wir die Welt nur im rechten Licht betrachten müssen um frei von ihr zu sein:

„Wenn du die Natur von Maya vollständig begreifst, wirst du unbeeinflusst bleiben von ihrer täuschenden Kraft.“

Wir sollten im Wissen der Maya unser bestes tun um in dieser Welt Gott zu dienen und dazu gehört auch das Ausüben von Spirituellen Methoden die es uns ermöglichen mehr im Einklang zu sein. Befreiung bedeutet nicht die Welt zu verlassen, sondern sich voll und ganz in der Welt zu integrieren.

Der Prophet Mohammed gibt zu diesem Punkt auch eine interessante Anleitung, er spricht in einer Hadithe:

„Sei auf dieser Welt wie ein Fremder oder wie Durchreisender.“

Ich hoffe Dir mit meinen Gedanken geholfen zu haben.

LG, Narada

Hari ki Pauri

Hari ki Pauri

 

 

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About Narada

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