Ramakrishna Paramahamsa – extatischer interreligiöser Mystiker

Ramakrishna ist zweifelsohne einer der wichtigsten Yogameister des ausgehenden 19. Jahrhunderts und einer der Wegbereiter des modernen Yoga.

Ramakrishna- wegbereiter der Yoga-Renaissance

Seine Lebensgeschichte ist sehr beeindruckend und von absoluter Hingabe gegenüber dem gestaltlosen sowie dem gestalt-haften Gott geprägt. Seine unkonventionelle Weise die höchste Lehren zu vermitteln sind höchst inspirierend absolut Zeitlos, die gelehrten seiner Zeit erkannten in ihm eine direkte Inkarnation Gottes sowie alle Anzeichen der höchsten Gottesliebe.

Für mich bemerkenswert ist einerseits sein Ansatz alle Wege zu Gott bzw alle Religionen als gleichwertig zu betrachten und andererseits seine kompromisslose Ausrichtung auf Gott. Ramakrishna vereinte in sich die Hingabe an Kali, Advaita Vedanta, Tantra, Vaishnava Bhakti und auch Islam und Christentum, all die Wege probierte er an sich selbst aus. Sein größter Schüler war Swami Vivekananda der als erster indischer Yogi in den Westen ging.

Mit diesem Artikel möchte ich euch den Meister Sri Ramakrishna Paramahamsa etwas näher bringen und dazu inspirieren Texte von ihm zu lesen.

Sri Ramakrishna Paramahamsa – sein Leben

Ramakrishna

Geboren wurde Sri Ramakrishna als Gadadhar Chatterji am 18. Februar 1836 in Kamarpukur in West-Bengalen in einer armen Brahmanen Familie. Seine Eltern hatten vor Ramakrishnas Geburt Göttliche Visionen: Dem Vater wurde von Vishnu (in der Form Gadadhara- Namensgeber für das ungeborene Kind) angekündigt, dass er als sein Sohn inkarnieren würde und die Mutter sah ein Licht aus dem Shivatempel in ihren Bauch strahlen.

Durch seinem Geburtsort führte ein wichtiger Pilgerweg, wodurch Ramakrishna schon in der Kindheit mit vielen Yogis, Heiligen und Entsagten Kontakt hatte., dadurch lernte er früh schon die heiligen Schriften und Mythen kennen.

Im Alter von 6 Jahren hatte Ramakrishna seine erste tiefschürfende spirituelle Extase. Er war draussen in der Natur und beobachtete eine große dunkle Regenwolke am Himmel an der ein Schwarm weißer Kraniche vorbei flog. Er war so überwältigt von den Kontrasten und der Schönheit der Natur, dass er in Samadhi fiel. Fortan geschah es immer häufiger, dass er unwillkürlich in Samadhi-Zustände fiel, was sein weiteres Leben sehr prägte. Legendär war eine traditionelle Vorführung der Mythologischen Geschichten bei der der junge Ramakrishna ausgewählt war Lord Shiva zu verkörpern, bei der ganzen Aufführung war er in Samadhi.

Ramakrishna als Priester und Ehemann

Sri Sarada Devi

Nach dem Tod seines Vaters 1843 wurde Ramakrishnas älterer Bruder Ramkumar für die Familie verantwortlich, als dieser 1852 einen Priesterjob in Kalkutta annahm, musste Ramakrishna mit um ihm dabei zu assistieren. Im Jahr 1855 bekam Rakumar die Stelle des Hauptpriesters im neuen Dakshineshwar Kali Mandir und Ramakrishna kam als sein Assistent mit. Der große Kali Tempel wurde zum wichtigsten Ort in Ramakrishnas Leben und als 1856 sein älterer Bruder starb, übernahm Ramakrishna die Stelle als Priester.

Als Priester des großen Tempels „Bhavatarina“- Kali als Retterin der Welt, wurde Ramakrishna sehr introvertiert und zugleich hingebungsvoll, er verehrte die Göttliche Mutter mit einer solchen Hingabe, dass er schnell dafür bekannt wurde. Er bekam bald den Ruf psychisch unstabil und unvorhersehbar zu sein, da er oft in Trancen und Samadhi-Zustände fiel und sich mitunter merkwürdig verhielt. Er kam oftmals nicht mehr selbstständig aus dem Gotttrunkenen Zustand heraus.

„Er saß weinend vor der Statue der Göttin, rief sie um Hilfe an und flehte, sie möge sich ihm zeigen. Er aß und schlief nicht. In Verzweiflung versuchte er sich das Leben zu nehmen, da enthüllte Kali sich.“

1859 wurde Ramakrishna im Alter von 23 Jahren mit Sarada Devi verheiratet, die damals 5 war. Klingt sehr ungewöhnlich, aber im Bengalen im 18. Jahrhundert war es das nicht, allerdings war eine Heirat eher als Eheversprechen zu sehen, und so ist Sarada Devi auch weiterhin bei ihrer eigenenFamilie aufgewachsen und kam erst später (viel später) zuu Ramakrishna, tatsächlich wird gesagt die Ehe sei nie „vollzogen“ worden. Sarada Devi war eine Schülerin ihres Ehemanns und sie wurde später auch als große Heilige verehrt. Auch Ramakrishna verehrte seine Frau Sarada Devi wie eine Heilige, er setzte sie auf den Altar und machte umfassende Rituale zu ihrer Verehrung und nannte sie stets Göttliche Mutter.

Ramakrishnas Gurus

Im Laufe seines Lebens hat Ramakrishna verschiedene Lehrer gehabt die ihn umfassend in unterschiedliche Wege zu Gott eingeführt haben. Diese waren im einzelnen:

  • Bhairavi Brahmani war eine sehr fortgeschrittene Lehrerin des Tantra, sie führte Ramakrishna umfassend darin ein uns sagte, dass er den seltenen Zustand von „Mahabhava“ erreicht hat, die höchste Extase der Gottesliebe die zuvor nur von Größen wie Chaitanya und Sita erreicht wurden. Sie lehrte ihn in über 2 Jahren die 64 Sadhanas des Tantra und er übte sehr diszipliniert die verschiedensten Methoden, so auch die Vamachara Übungen der „linken Hand“, also schwarzes und rotes Tantra, wobei gesagt wird er habe dabei nie den Akt vollzogen.
  • Jatadhari war ein Vaishnava Guru der ihn in die Gaudiyamath Linie des Chaitanya einführte.
  • Totapuri gilt als der wichtigste Lehrer Ramakrishnas und er führte ihn umfassend in die Lehre des Advaita Vedanta ein. Er hatte seit vielen Jahren ein Gelübte befolgt niemals länger als 3 tage an einem Ort zu verweilen, als er erkannte welch besonderen Schüler er vor sich hatte blieb er 11 Monate.
  • Govinda Roy war ein Sufi Mystiker und führte Ramakrishna in den Islam ein, er praktizierte nach traditioneller Vorschrift bis, wie er sagte seine Hindu Denkweise ausgelöscht war und er Visionen des Propheten Mohammed bekam.
  • Shambu Charan Mallik war sein Schüler der ihm aus der Bibel vorlas und damit zum Christentum führte. Ramakrishna praktizierte die Hingabe an Jesus und bekam Visionen von Madonna mit Kind und Jesus Christus.

Ausserdem wollte er wissen wie es sich wohl anfühlt als Frau Krishnas Dienerin zu sein, so kleidete er sich als Frau und gab sich ganz Krishna hin um die Liebe einer Frau zu ihrem Ideal nachzuempfinden. Ebenso wollte er wissen wie sich Sri Hanuman gefühlt haben möge bei der Hingabe an Rama, und so ahmte er über Tage das Verhalten eines Affen nach um sich in Hanuman einzufühlen. Kein Wunder, dass Ramakrishna als sehr exzentrisch wahrgenommen wurde und viele dachten er sei einfach verrückt.

Um 1863 wurde Ramakrishna von einem Gremium anerkannter Pundits (Gelehrte) offiziell begutachtet und tatsächlich als Göttliche Inkarnation anerkannt, er bekam den Titel Paramahamsa und wurde somit Krishna, Jesus und Buddha quasi gleichgestellt.

Ab 1875 wurden viele Intellektuelle in Bengalen auf Sri Ramakrishna aufmerksam, die durch ihr Interesse an ihm automatisch seine Bekanntheit steigerten. Vor allem wurde er von den Hindu-Reformern des Brahmo Samaj entdeckt und von ihnen protegiert. Die Bewegung hat viele von seinen Gedanken in ihr Programm übernommen und sie beeinflusste damit auch weitere Hindureformer wie auch Swami Dayananda vom Arja Samaj. 1879 kam eine erste englische Biographie Ramakrishnas heraus wodurch Westler auf ihn aufmerksam wurden, so z.B. auch der bekannte Indologe Max Müller.

Tod und Erbe Ramakrishhnas

Im Jahr 1885 etwickelte sich in Ramakrishnas Körper ein Kehlkopfkrebs, und er kümmerte sich bis zu seinem Tod am 16. August 1886 vor allem um Sarada Devi und seine vielen Swami-Schüler. Swami Vivekananda ernannte er zu seinem Nachfolger und man sagt er habe ihm seine spirituelle Kraft übertragen und ihn gebeten seine Schüler weiter zu unterweisen.

Die Schüler Ramakrishnas, allen voran Swami Vivekananda, gründeten nachfolgeorganisationen um seine Lehren für die Nachwelt zu pflegen und zu verbreiten. So gibt es die Ramakrishna Math, den Ramakrishna Order und die Ramakrishna Mission die allesamt bis heute noch sehr aktiv sind und in Indien eine wichtige Rolle spielen.

Ich selbst hatte die Gelegenheit in Delhi ein Zentrum des Ramakrishna Ordens aufzusuchen und war sehr beeindruckt zum einen von der Größe und Schönheit des Tempels, aber vor allem von der Auswahl an spiritueller Literatur die vom Orden zur Verfügung gestellt wird.

Zentral in der Lehre Ramakrishnas steht die Einheit aller Religionen.

einige Zitate von Ramakrishna

  • Gott ist eins, aber seine Namen sind verschieden.
  • Zur Größe gelangt man, indem man demütig ist.
  • Der Weg der Liebe ist genauso gut wie der Weg der Erkenntnis … Aber solange Gott das Ichgefühl in uns aufrecht erhält, solange ist es einfacher, dem Pfad der Liebe zu folgen.
  • Lasst jeden Menschen seinen eigenen Pfad gehen. Wenn er ernsthaft und glühend Gott erfahren will, dann wird Frieden bei ihm sein! Er wird ihn sicherlich erreichen.
  • Gott wohnt auch im Tiger, aber das ist kein Grund, den Tiger zu umarmen.
  • Die Religion ist eine Straße zu Gott. Eine Straße ist kein Haus.
  • Ein Boot darf im Wasser sein, das Wasser aber nicht im Boot. Wer Gott zum Ziel hat, darf in der Welt leben, die Welt aber nicht in ihm.
  • Solange wir alles nur von unserem Standpunkt aus betrachten, werden wir die Wahrheit nie erkennen.
  • Gott hat dich in die Welt gesetzt. Was kannst du dafür tun? Überschreibe ihm alles! Übergib dich Seinen Füßen! Dann wird es keine Verwirrung mehr geben!
  • Sei niemals der Ansicht, nur du und sonst niemand besitze das Verständnis der Wahrheit und die anderen seien Narren.
  • Wie sich Sonne und Mond nicht im trüben Gewässer widerspiegeln können, so kann sich der Allmächtige nicht in einem Herzen widerspiegeln, das nur von der Idee des ‚ich‘ und ‚mein‘ getrübt ist …
  • Wie kann jemand Yoga erreichen? Durch das völlige Aufgeben der Anheftung an die weltlichen Dinge. Der Geist muss rein sein und ohne Makel, wie ein Telegrafendraht, der keinen Defekt hat.
  • Ich“ und „Mein“ ist Ignoranz. Durch Unterscheidung wirst du erkennen, dass das, was du „Ich“ nennst“, nichts anderes ist als das Selbst.
  • Die Bedeutung der Geschichte ist, dass Brahman und die Ursprüngliche Energie zuerst als zwei erscheinen. Nachdem man aber die Kenntnis von Brahman erfahren hat, sieht man nicht mehr die zwei. Dann gibt es keinen Unterschied mehr. Es ist Eins, ohne ein Zweites, Advaita – Nicht-Dualität.
  • Nichts existiert aus dem Einen. Dieses Eine ist das höchste Brahman. So lange Er das „ich“ in uns erhält, enthüllt er uns das: Es ist Er, der als die ursprünglichste Energie das Universum erschafft, bewahrt und zerstört.
  • Arbeit und Pflicht sind kein Ziel an sich, sondern immer nur Weg zum Ziel. Das Ziel ist Gott.

Vivekananda und Mahashiva in Haridwar

 

 

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About Narada

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