Satsang mit Narada – Advaita Vedanta & Integrale Spiritualität

Satsang am Nataraj mit Narada

Satsang ist ein gemeinsames ’sich öffnen‘ für die absolute Wahrheit die sich nicht in Worten beschreiben lässt, sondern nur intuitiv zu erfassen ist.

Satsang ist Gemeinsam in Wahrheit sein.

Satsang ist im Yoga und im besonderen im Advaita Vedanta ein Zusammenkommen für die Untersuchung der Wirklichkeit, in der Regel mit einem erwachten Meister.

Ich bin wahrlich (noch?) kein erleuchteter Meister, wobei ich sicherlich recht aufgeweckt bin, dennoch habe ich desöfteren die ehrenvolle Aufgabe Satsang zu geben und dort Spirituelle Inhalte zu vermitteln.

Auch wenn kein Meister da ist, der die ‚höchste Verwirklichung‘ erreicht hat, ist es sehr wertvoll sich mit anderen suchenden bzw. findenden zu versammeln und sich auszutauschen und auf die Wahrheit auszurichten.

Das Wort Satsang bedeutet wörtlich:

“zusammen Sein in der Wirklichkeit” oder “Gemeinsam mit der Wahrheit”

„Satsang“ setzt sich aus zweierlei Begriffen zusammen die für den spirituellen Weg eine große Bedeutung haben:

  1. Sat: Laut spirituellem Wörterbuch der Sanskritsprache: seiend, daseiend, vorhanden, anwesend; stattfindend, sich ereignend; echt, recht, wirklich, gut, wahr; ein guter, edler, gebildeter, vorbildlicher Mensch; das Seiende, Wirkliche, ein reales Ding, die reale Welt; etwas Gutes, Ersprießliches; Wahrheit; die höchste Wahrheit, das Absolute, Brahman.  Also es ist sas Sein bzw. die Existenz an Sich welche als die absolute Wahrheit jenseits des relativen und bedingten betrachtet wird.
  2. Sangha: Schar, Gruppe, Gemeinschaft, Gesellschaft, Versammlung, Gemeinde. Also das Zusammenkommen bzw. das gemeinsame Ausrichten auf dem spirituellen Weg.

So wie Jesus in der Bibel (Matthäus18.20) sagt:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Swami Sivananda sagt dazu:

„Satsang ist wie ein Boot, mit dem man den schrecklichen Ozean des Samsara überquert.“

Satsang Talk – Kurzvorträge mit Narada Marcel Turnau

Ab und zu nehme ich Vorträge im Satsang auf und stelle sie hier zur Verfügung:

In der Yogatradition in der ich Lebe und Lehre gibt es einen bestimmten Ablauf des Satsang, ein Höhepunkt ist der Vortrag. Dabei wird sehr auf ein korrektes vermitteln der Tradition geachtet, denn es steht die Lehre im Mittelpunkt und nicht der Lehrer. Satsang zu geben bedeutet sich als Kanal für die Lehre zur Verfügung zu stellen, denn es ist die Lehre entscheidend, nicht der Lehrer.

Satsang Szene und Neo Advaita

Inspiriert vom Leben und Wirken des großen Meisters Ramana Maharshi, mit dem ich mich sehr verbunden fühle, ist im Westen ein großes Interesse an den Lehren des Advaita Vedanta gewachsen. Es ist daraus u.a. eine Bewegung entstanden die als „Satsang Szene“ oder „Neo Advaita“ bezeichnet wird, die zwar viele Menschen inspiriert und womöglich auch einigen zu einem (wie auch immer gearteten) Erwachen leitet, die jedoch meines Erachtens nach eine gewisse Gefahr in sich birgt.

Da Ramana Maharshi als Jugendlicher durch „Zufall“ während einer Konftontation mit dem Tod erleuchtet wurde, hatte er nicht die Strapazen einer spirituellen Suche hinter sich und lehrte daraus resultierend keinen klaren Weg. Die wesentliche Übung die er seinen Schülern mit auf den Weg gab, ist die Praxis der Selbstbefragung „Atma Viccharana“ mit der Formel: „Wer bin ich?“. Ramana hat durch seine tiefe Erkenntnis und seine Jahrelangen Samadhi– Extasen ein sehr starkes Buddhafeld generiert und viele durch seine persönliche Führung zur Erleuchtung geführt. Einer seiner Schüler war Papaji bzw. Punjaji aus Lucknow, der zwar sicherlich als Erleuchteter bezeichnet werden kann, jedoch eben auch kein traditionelles und umfassendes Übungssystem vermittelt bekam. Auch Papaji führte seine Schüler auf seine eigene Weise direkt in das Erwachen, ohne dabei ein erprobtes System zu benutzen, er hat im wesentlichen seinen Schülern vermittelt: „Du bist bereits erwacht!“. Die vielen Schüler von Papaji wiederum kamen häufig aus dem Osho Umfeld und interpretierten ihre Erkenntnisse und Erfahrungen auf ihre eigene kreative Weise und gaben ihre Ideen dann im Satsang weiter. Sie reduzierten den traditionellen Weg des Advaita Vedanta noch weiter herunter auf das Ziel dessen: die Nonduale Sichtweise auf die absolute Wirklichkeit. Dabei verzichten sie auf den konkreten und seit Jahrhunderten entwickelten Weg hinzuweisen und die Menschen dort abzuholen wo sie stehen.

Traditioneller Satsang

Traditioneller Weise gibt es in der Nachfolge des Adi Shankaracharya, dem großen Begründer des Advaita Vedanta aus dem 8. Jahrhundert, einen sehr konkreten Weg. Kurz gefasst kann man sagen, dass es darumgeht zunächst durch eine umfassende Schulung des Geistes zu gehen und sich in Demut zu üben, um dann bereit zu sein die Lehren des Advaita Vedanta zu integrieren ohne dabei abzuheben. Nicht nur im Hinduismus, dessen Essenz sich im Advaita Vedanta ausdrückt, sondern in allen Religionen gibt es eine tieferliegende Lehre die zunächst nicht jedem offenbart wird. Die alten Mysterienschulen und Geheimlehren hielten ihr Wissen zurück um es den Suchenden zu geben die bereit dafür waren, also die benannten Qualifikationen erreicht haben.

Ramana hat viele Menschen in die Erkenntnis der nondualen Wirklichkeit geführt, jedoch bin ich davon überzeugt, dass es wichtig ist einem klaren roten Faden auf dem Weg dorthin zu folgen, und dieser kann im klassischen Advaita Vedanta geunden werden. Die bloße Konfrontation mit dem Absoluten reicht meist nicht aus um über das Relative hinaus zu wachsen. Also sollte Satsang mehr sein, als nur der Hinweis auf die Einheit allen Seins. Sicherlich kann ein Satsang für einige das Fehlende Aha-Erlebnis bringen um die Wahrheit zu erkennen, aber ich halte es für sehr wichtig konkretes Sadhana zu üben bevor man mit der absoluten Wahrheit konfrontiert wird. Man kann beobachten wie z.T. selbsternannte Satsang Gurus ein großes Ego generieren und mit Sexualität, Macht und Geld Probleme haben bzw. erzeugen.

Der wichtigste Kanal der Satsang Szene in Deutschland ist www.Jetzt-Tv.net, wo ich auch einen Kanal habe. Dort gibt es eine bunte Mischung von verschiedensten spirituellen Lehrern die aus höchst unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Weg und das Ziel verweisen.

kompletter Satsang mit Narada (im Sivananda Style)

In meiner Yogatradition gibt es wie gesagt einen bestimmten Ablauf für den Satsang, dieser Ablauf ist historisch im Ashram bei Swami Sivananda gewachsen und diese Form des Satsang vereint letztlich die integrale Yogapraxis miteinander. Üblicher Weise gibt es zunächst eine Meditation und anschliessendes Kirtansingen, Kirtansingen ist wechselseitiges Singen von uralten Mantras um das Herz zu öffnen und Gott konkret im Sein zu erfahren. Hier wird zunächst das Jaya Ganesha gesungen, dieses eine Zusammenstellung von Swami Sivananda um Gott in verschiedenen Namen und Formen zu verehren, anschliessend gibt es noch weitere Kirtans. Im nächsten Abschnitt des klassischen Satsang in der Sivananda Tradition gibt es dann einen Vortrag oder eine Lesung um mit weiteren Mantras und einem Arati (Lichterzeremonie) abzuschliessen.

Hier einige Satsang Videos mir mit

auch passend zu Satsang:

ein Zitat über Satsang von Swami Sivananda über Satsang:

„Satsang hilft sehr bei der Erlangung von Moksha. Satsang mit einem Weisen, auch wenn es nur eine Minute ist, ist sehr viel besser als die Herrschaft über ein Königreich. Er gibt alles, was man braucht und was gut ist. Er verwischt weltliche Samskaras und schlechte Gedanken und gibt dem weltlichen Menschen eine neue spirituelle Wendung des Geistes.“

Aus dem Netz habe ich noch einige unterschiedliche Stimmen zu Satsang gefischt:

Andrew Cohen, nach seinem Rücktritt als spiritueller Lehrer:

„Ich habe die einfache Wahrheit verstanden, dass wir alle Egos haben, egal wie erleuchtet wir sind und ich habe dies während meiner Karriere sogar Tausende von Menschen auf der ganzen Welt gelehrt. Aber als jene, die mir am Liebsten und Nächsten waren mich anhielten, meinem eigenen Ego ins Auge zu sehen, habe ich mich geweigert. Und ich habe das Leben meiner Mitmenschen dadurch sehr schwierig gemacht.“

Sein.de, über die gefahr des Pseudo Advaita:

„Heute ist es ausreichend, zu behaupten „Ich bin erwacht“, um Satsang für Gruppen von unreifen Suchern und Guru-Jägern zu geben. Aufgrund der nicht-verifizierbaren Natur der Erleuchtung wurde dieser Begriff viel manipuliert. Satsang wurde amerikanisiert. In einem durchschnittlichen Satsang-Meeting lacht jeder, mit Anzeichen von unauthentischer Euphorie und Freude, während der Lehrer versucht, so auszusehen, als wäre er oder sie in Glückseligkeit. Es ist wie in einer TV-Show. Nur sehr wenige meditieren tatsächlich. Warum auch meditieren, wenn wir alle schon erwacht sind?“

Rani, nach ihrem „Ausstieg“ aus der Szene:

„In den vier Jahren, in denen ich lehrte, fand ich selten jemanden, der die Wahrheit hören wollte. Viele Leute kommen zu dieser Art Satsang, weil sie gesagt bekommen wollen, dass es Abkürzungen gibt. Oft wollen sie auch jemanden verehren. Nicht viele wollen von der schmerzlichen Arbeit hören, die es benötigt, um unseren Verstand zu reinigen und unsere Wunden zu heilen. In der Tat gibt es in den Neo-Satsangs, wie ich sie genannt habe, Unmengen von Witzen über das An-sich-selber-Arbeiten. In unserer Zeit ist die Schönheit, aber auch die Schwierigkeit, dass spirituelles Wissen mit einem Mausklick erhältlich ist. Alle Schriften sind öffentlich. In der Vergangenheit war dies nicht der Fall. Informationen wurden mit fortschreitender Übung und Erfahrung des Studenten/Schülers enthüllt. Heutzutage müssen wir nicht meditieren oder hart arbeiten, damit wir Unterweisungen erhalten. Die Gefahr darin ist, dass wir die Unterweisung nur auf eine mentale Art in uns aufnehmen.“

Connection, über Gurus und Ethik

„Vielleicht hatten einige gedacht, ich würde nun in mich gehen und mich der Betrachtung meines Ego widmen, warum es gerade mir passiert ist, dass »der Meister« das Interview mit mir ablehnt. Wem in einer Situation gerade die Aufgabe zugeschoben wird, sein Ego zu betrachten, ist in der Szene ein beliebtes Spiel und eines, das die Rangordnung definiert: Die ganz oben auf der Leiter brauchen sich ihr Ego nicht mehr anzuschauen, gemäß spiritueller Pop-Kultur haben sie ja keines mehr oder spielen nur noch ganz souverän mit der Illusion eines solchen, weil sie es voll durchschaut haben.(…) Und noch etwas sollten wir nicht vergessen, bei all den Gurus und spirituellen Lehrern: Die Zweiteilung in Erwachte und noch Schlafende ist für sie die Geschäftsgrundlage. Ohne diese Zweiteilung bräuchten wir sie nicht, diese Lehrer des Erwachens. Dann würden sie aussterben, und das wäre doch schade.“

www.Kath.ch, aus dem Blickwinkel der größten Sekte

„Immer mehr Menschen behaupten von sich, den Zustand ihrer „wahren Natur“, von absoluter Konfliktlosigkeit und tiefem Frieden, von „Bewusstsein pur“ erreicht zu haben. Die Mission der Satsang Lehrer als verkörperter Wahrheit besteht darin, diesen Bewusstseinszustand reiner Präsenz an andere weiterzugeben. Ihre Botschaft der All-Einheit oder Nicht-Zweiheit („A-Dvaita“) ist im Hinduismus verwurzelt. Während dort aber Erleuchtung mit einem langen und entbehrungsreichen Übungsweg verbunden und religiös-kulturell verankert ist, wird Erleuchtung in der westlichen Satsang-Szene vielfach als ein sozial vermittelbarer Bewusstseinszustand verstanden – durch das „Zusammensein mit der Wahrheit“ als Teilnehmende an Satsang-Seminaren. Die Projektionen auf „Erleuchtete“ sind riesig, und viele Satsang-Lehrer können damit nicht umgehen. Auch psychisch Kranke erhoffen sich dort Befreiung aus ihrer inneren Zerrissenheit. Intensive Gruppenerlebnisse und Visualisierungsübungen verschlimmern den angeschlagenen seelischen Zustand jedoch nur. Der Satsang-Ideologie fehlt der Mut zur Unvollkommenheit, zur Schwäche und zum Vorläufigen. Sie verhindert Entwicklungsprozesse, weil sie keine Spannungen und Widersprüche aushält und Krisen nicht als Entwicklungschancen begreift.“

Gaia, Satsang Lehrer aus Deutschland

„Sie werden keinen Anfang und kein Ende finden. Das ist Meditation ohne Ende. Die Essenz von Satsang. Sein in Wahrheit. Hier und Jetzt. Ohne Regel, ohne Lehre. Schon jetzt Ihr direktes Erleben. Das kann Sie kein Satsang-Lehrer lehren. Das ist jetzt schon Ihr unmittelbares Wissen der Essenz. Stiller Frieden. Jetzt.“

Samarpan, bekanntester Satsang Leher in Deutschland

„Im Satsang sprechen wir über die grundlegende Wahrheit unseres Daseins. Wahrheit ist das, was unvergänglich und ewig ist. Alles andere kommt und geht und ist einem steten Wandel unterworfen – der Körper, die Glaubenssätze, die Gefühle, das gesamte Universum. Die Wahrheit aber ist unwandelbar. Sie ist das, was vor Beginn des Universums ist und das was nach dem Tod unseres Körpers immer noch ist. Unveränderlich und unbewegt. Und DAS bist du und DAS bin ich.“

Wikipedia sagt

„Der Sinn des Satsangs besteht nicht in erster Linie in der Vermittlung einer „Lehre“ (insofern ist der Begriff „Lehrer“ missverständlich), sondern darin, dass die Schüler durch das unmittelbare Erleben der Präsenz des Lehrers in einer Art Resonanz-Phänomen selbst zur Erfahrung ihrer ursprünglichen Natur gelangen sollen. Die Gemeinschaft mit anderen Suchenden soll dabei zusätzlich unterstützend wirken.“

Adi Shankaracharya

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