Satsang Talk – einige Gedanken zum Ego

Narada am Hari Ki Pauri


Vortrag aus einem Satsang zum Thema Ego. Das Ego ist unser bester Freund und unser größter Feind, er kann uns unterstützen oder im Wege stehen, je nach dem wie wir mit ihm umgehen bzw wie wir mit uns umgehen lassen. Soweit ich weiß ist es in allen spirituellen Traditionen bedeutsam was wir mit dem was in unserer Kultur als Ego bezeichnet wird machen. Letztlich geht es im spirituellen Leben darum nicht mehr auf die laute Stimme des Ego zu hören, sondern der leiseren Stimme des Herzens mehr Raum zu geben. Das Ego sagt immer „Nein“ und will immer etwas anderes, es hindert uns daran zu geniessen was gerade ist. Beispielsweise sagt es wenn der Wecker klingelt: „egal ich bleib noch etwas liegen“ und, wenn wir dann später aufgestanden sind: „ach, wär ich doch bloß aufgestanden“. Im Vortrag geht es um einige Aspekte des Ego und Wege damit umzugehen, um eben nicht mehr Opfer der eigenen Gedanken zu sein sondern das Ego als Werkzeug zu nutzen in dieser Welt zu agieren, denn „töten“ können wir das Ego nicht….

über das Ego

 

„Das Ego ist der «Ich»-Gedanke. Das wahre «Ich» ist das Selbst.“
Ramana Maharshi

Hier eine Transkription:

Meister Eckhart hat gesagt: „Wo immer du dich findest, da lasse dich los.“ Und es ist ganz tückisch, wenn man auf dem spirituellen Weg ist und irgendwie meint, Fortschritte zu machen, da gibt es dann immer wieder Punkte, wo man glaubt, man wäre jetzt einen Schritt weiter und man hätte irgendwie was geschafft. Und jetzt wäre man aus dem Gröbsten raus oder irgendwie, ja, jetzt sind wir an einem Punkt, wo es endlich weitergeht oder so. Und das ist etwas, was ganz gefährlich ist, denn eigentlich ist die Hauptarbeit überhaupt auf dem spirituellen Weg der Umgang mit dem eigenen Ego.

Also das Ego, in der Yoga-Philosophie sprechen wir von Ahamkara, der Ich-Macher oder der Teil in uns, der sich selbst definiert und sozusagen sich als Individuum, als Persönlichkeit, als was Besonderes außerhalb der anderen formuliert oder versteht. Und dieses Ahamkara, das lauert sozusagen immer im Hintergrund. Und sobald wir nicht darauf achten, übernimmt es die Kontrolle. Und da können wir noch so lange meditiert haben und noch so lange auf dem Kopf stehen, dieses Ego, das werden wir nie in den Griff kriegen, weil es immer im Hintergrund lauert. Also immer sozusagen wartet es auf seine Gelegenheit irgendwo wieder die Kontrolle zurückzubekommen.

Und man kann sich viele, auch von den bekannten Gurus, angucken, die gestürzt sind. Auch wenn sie schon zehn Jahre lang groß gefeiert wurden und noch so viele Schüler haben, die sie inspirieren, es gibt immer wieder Geschichten, dass sie dann doch wieder von ihrem Ego eingefangen werden. Also ihr kennt sicherlich ein paar von solchen Geschichten und wir selber sollten daraus lernen und uns einfach dessen bewusst sein.

Also ich glaube, es ist nichts Schlimmes, ein Ego zu haben, weil es ist ja, es liegt ja in der Natur des Menschseins. Und Ken Wilber, das ist so ein amerikanischer Guru, der jetzt auch vor ein paar Monaten seinen Status als spiritueller Lehrer quasi aufgegeben hat, weil er gesagt hat, dass er dem eigentlich nicht wirklich gerecht werden kann. Finde ich eine ganz demütige Sache. Der hat mal gesagt: „Du musst erst mal ein Ego haben, bevor du anfängst, das zu transzendieren.“ Und es ist so, dass wir das Ego immer gerne verteufeln in der spirituellen Szene und sagen: „Oh, das Ego! Vorsicht!“, und so. Aber natürlich geht es dann letztlich darum, das Ego zu transzendieren. Aber bevor wir uns an das Transzendieren des Egos machen, müssen wir erst mal ganz stabil mit beiden Füßen im Leben stehen und uns ganz klar auch als Individuum definieren und abgrenzen und auch funktionieren.

Und im Yoga sprechen wir ja davon, dass wir auf dem spirituellen Weg in drei Schritten voranschreiten.

Das Erste ist, dass wir dafür sorgen, dass wir in Harmonie und Gesundheit kommen. Dass wir also irgendwo einen harmonischen Umgang mit uns und unserer Umwelt haben, dass unser Körper und unser Geist einigermaßen gesund sind, so dass wir voranschreiten können.

Die zweite Phase ist dann energetisieren beziehungsweise stärken. Bevor wir ganz viel Energie aufnehmen, zum Beispiel durch Pranayama oder es gibt ja verschiedene Methoden, müssen wir erst mal dafür sorgen, dass die Energie auch gut fließen kann. Das heißt, wir sollten den zweiten Schritt nicht vor dem ersten gehen. Also wenn wir uns harmonisiert haben und einigermaßen gesund sind, können wir viel Prana aufnehmen, zum Fließen bringen, das ganze System stärken, damit wir zu einem noch besseren Funktionieren kommen.

Und erst an dritter Stelle kommt in diesem Konzept dann die Transzendenz. Also wiederum das Auflösen, das über die Grenzen der Persönlichkeit hinausgehen. Aber bevor wir über die Grenzen der Persönlichkeit hinausgehen in die Transzendenz, müssen wir erst mal ganz stabil sein, ganz harmonisch sein, viel Kraft haben, viel Erdung haben, damit wir damit umgehen können überhaupt.

Und ich glaube, das ist etwas ganz Wichtiges, nicht nur für einen selbst, dass man darauf achtgibt, dass man langsam voranschreitet auf dem Weg. Letztens lag auf dem Tisch so ein Buch über Taoismus, chinesische Lehre. Ich habe das Buch aufgeschlagen und eine Zeile habe ich da drin gelesen, die mich seitdem nicht mehr loslässt. Diese eine Zeile war: „Schnelles Wachstum ist unnatürlich.“ Da habe ich das Buch wieder zugeschlagen und seitdem rattert das in mir. Ich glaube, das ist wirklich etwas, was ganz wichtig ist. Wir meinen immer, wir müssen irgendwie schnell an irgendein Ziel kommen und voranschreiten und den besten Guru und das exklusivste Mantra und die beste Methode haben, um irgendwie schnell voranzukommen. Aber das ist dann ganz unnatürlich. Ich glaube, wir sollten uns wirklich bewusst machen, dass es beim spirituellen Weg um eine Lebensaufgabe geht und dass wir dafür einfach Zeit brauchen. Wachstum braucht Zeit. Und dass wir uns da bewusst sind, dass es eben verschiedene Schritte sind, bevor wir anfangen, da uns in Wohlgefallen, in Licht aufzulösen, müssen wir erst mal dafür sorgen, dass wir stabil sind, dass wir das Licht sozusagen auch auf die Erde bringen können. Und wenn wir gar nicht eine stabile Erdung haben, und dann eben ganz ins Licht schon aufgehen, dann verlieren wir völlig auch den Kontakt zu den anderen.

Und deswegen diese drei Stufen, dass wir zuerst in Harmonie und Gesundheit kommen, dann Stärkung und dann Transzendenz. Weil wem nützt das, wenn wir unsere Chakras dreidimensional visualisieren können und dabei im Kopfstand noch die Hände vom Boden lösen? Da hat ja keiner was von – außer unserem Ego. Für das Ego ist das eine super Sache. Können wir toll zeigen, was wir alles draufhaben. Aber es geht ja dann letztendlich darum, mit diesem Ego zu arbeiten und aufzupassen, dass es nicht immer größer wird, dass wir das nicht immer weiter füttern dadurch, dass wir so tolle Sachen können, sondern dass wir dann in die Transzendenz gehen.

Und das heißt ja auch zum Beispiel: „Wenn du den Buddha triffst, dann töte ihn.“ Das bedeutet, wenn du glaubst, du bist erleuchtet, dann ist da irgendwas verkehrt. Weil wer ist es denn, der das glaubt? Und Erleuchtung ist ja auch nicht ein Zustand, den man erreichen kann, sondern es ist eine Freiheit, in die man reinkommt durch loslassen und damit verbundene tiefe Erkenntnis, die alles andere durchdringt. Und da gibt es ja auch noch diesen Spruch: „Wenn du glaubst, du bist erleuchtet, fahre mal ein Wochenende zu deinen Eltern.“ Spätestens dort kriegst du wieder deine Knöpfe gedrückt und dir ist klar, so weit bin ich vielleicht doch noch nicht. Und die Mutter fragte: „Ja, willst du nicht mal mit dem Abwasch anfangen“, oder, „Was ist denn jetzt eigentlich mit deiner …“, was weiß ich, die Mutter weiß, wie sie den Knopf drücken kann. Und das ist der beste Test überhaupt.

Und dann meldet sich das Ego. Und ich glaube wirklich, dass auch jemand, der 20 Jahre lang als erleuchteter Guru gefeiert wird, dass der trotzdem noch aufpassen muss, dass der niemals davor gefeit ist, dass das Ego ihn wieder einholt.

Auch Swami Sivananda, der hat in seinen Schriften da viel darüber gesprochen. Das ist eine große Gefahr, wenn du dann auf der Bühne sitzt und die Schüler sitzen da und denken irgendwas von dir und feiern dich und du bist in irgendwelchen Hochglanzmagazinen und Talkshows oder so. Man kann das eine Weile sicherlich durchziehen, da demütig zu bleiben und so weiter, aber irgendwann schleicht sich das Ego von hinten wieder ein. Und schon gar nicht sozusagen in der jetzigen Phase des Weges sollten wir irgendwie meinen, wir wären irgendwo angekommen, wo wir dann uns darauf ausruhen können, sondern es ist ganz wichtig, sich immer bewusst zu machen, das ist eine lebenslange Transformation, eine lebenslange Aufgabe, wo wir immer weiter dranbleiben müssen. Und so kommt Meister Eckhard zu dem Spruch: „Wo immer du dich findest, da lasse dich los.“

Krishnamurti, ein anderer Lehrer aus Indien, der hat gesagt: „Du kannst nichts tun, um das höchste Ziel zu erreichen. Aber wenn du nichts tust, wirst du es nie erreichen.“ Das ist nämlich auch ein großes Problem, wir kennen mit dem Yoga so viele tolle spirituelle Übungen, die wir machen können und es funktioniert auch irgendwo, es verändern sich Dinge dadurch. Aber keine Einzige von den vielen Übungen, die wir aus den sechs Yoga-Wegen kennen, kann uns zur Erleuchtung führen. Denn jede Übung, jede noch so elaborierte Jnana-Yoga-Methode oder jedes noch so wohlklingende Mantra, es ist immer der Handelnde, der in der Maya etwas tut. Und Erleuchtung ist, über den Handelnden hinauszuwachsen. Und es gibt keine Handlung, die wir ausführen können, um zum Nichthandelnden zu kommen.

Warum machen wir das dann alles? Könnte man sich fragen. Wir machen das, weil …

Warum machen wir das? Wir haben das System der drei Körper und fünf Hüllen und durch dieses vielfältige, integrale Sadhana transformieren wir schrittweise das ganze System, bringen es zur Harmonie, bringen es zu mehr Energie, zu einem besseren Funktionieren und dann macht es uns keine Probleme mehr und dann öffnen wir uns für die Gnade. Und letztendlich ist dieser Schritt oder diese Transformation, die stattfindet, was wir vielleicht Erleuchtung oder Erwachen oder wie auch immer nennen wollen, ist ein Akt der Gnade, der passiert, wenn wir in Harmonie sind und loslassen. Und um uns dafür zu öffnen, machen wir Yoga.

Und selbst wenn das passiert ist, haben wir immer noch einen Körper und der Körper hat bestimmte Funktionen, was weiß ich, ich habe früher mal viel geraucht. Wenn ich vielleicht in Jahren mal die Erleuchtung erlangt habe, kann es immer noch sein, dass mich mein altes Karma überholt und ich Lungenkrebs kriege. Das ist einfach das Prarabdha-Karma, was mit diesem Körper verbunden ist. Genau so habe ich mein Leben lang bestimmte Denkmuster gepflegt, die auch nach der Erleuchtung dann wiederum mich einholen können.

Narada Bhakti Sutra

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About Narada

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