Swami Sivananda über Karma Yoga

„Wenn du ein wenig von der Wonne des Karma Yogas gekostet hast, kannst du nicht mehr damit aufhören.“

swami sivananda

Swami Sivananda ist zweifelsohne einer der ganz großen Meister des Yoga gewesen, einer der den heutigen Boom des Yoga im Westen mit vorbereitet hat. Er hat zu Lebzeiten über 400 Bücher geschrieben um das Wissen vom Yoga aufzubereiten und für die Nachwelt zugänglich zu machen, sein Beitrag für die Nachwelt ist unschätzbar.

Aus dem bisher noch nicht in deutsch veröffentlichten Buch „Karma Yoga“ habe ich einige Verse herausgesucht die ich hier kurz kommentieren möchte um diesen wichtigen Yogaweg zugänglich zu machen.

Ich bin der Meinung, dass Karma Yoga der wichtigste aller Yogawege ist, und dass es die entscheidende Grundlage darstellt zur Erlangung des Ziels des Yoga: Freiheit.

Karma Yoga von Swami Sivananda

„Unwissende Menschen stürzen sich voreilig auf Jnana Yoga, ohne zuerst eine vorbereitende Ausbildung im Karma Yoga zu haben. Das ist der Grund, aus dem sie kläglich daran scheitern die Wahrheit zu erkennen. Sie können über Brahman nur sprechen. Sie ergehen sich in allen möglichen sinnlosen Kontroversen, eitlen Debatten und trockenen, endlosen Diskussionen. Ihre Philosophie ist nur ein Lippenbekenntnis.“

In den Schriften ist es klar verankert, es braucht eine solide Stabilität der ganzen Persönlichkeit um tief ins Yoga einzutauchen, der mystische Weg birgt viele Fallstricke. Diese Grundlage ist auf verschiedene Weisen formuliert, man kann sie auch in den 10 Geboten oder in den „Yamas und Niyamas“ des Raja Yoga finden.

Es geht darum in Harmonie und Einklang mit Gottes Schöpfung zu sein und da ist die innere Einstellung des Karma Yoga das ideale Mittel. Wenn wir nicht im Karma Yoga verankert sind wird jedes Jnana Yoga zur reinen Gedankenakrobatik und jedes Bhakti Yoga zur Heuchelei, das leben als Dienst zu betrachten macht den Yogaweg erst authentisch.

„Weder Meditation noch Samadhi ist möglich ohne vorausgehendes Üben von Karma Yoga.“

Karma Yoga bedeutet sich bzw sein Ego aus dem Handeln und Erfahren herausnehmen, sich ganz dem gegebenen hingeben und tuen was anliegt. Wenn wir dieses im Alltag üben, können wir das auch in der Meditation umsetzen, Also Gleichmut gegenüber dem was ist und sich bemühen das beste draus zu machen ohne Erwartungen.

Man sagt: nur wenn Karma Yoga geübt wird kann die Meditation tatsächlich tief werden!

„Karma Yoga bereitet den Geist auf den Empfang des Lichts oder der Weisheit vor. Es weitet das Herz und zerstört alle Hindernisse, die dem Weg zur Einheit und dem Einssein entgegenstehen.“

Die Praxis des Karma Yoga macht den Geist leer und das Herz weit, wir werden bereit die Weisheit aufzunehmen und die Wahrheit zu erkennen.

„Jede Handlung ist eine Mischung aus gut und böse. Es kann in dieser Welt weder eine vollkommene gute, noch eine vollkommene böse Handlung geben. Dieses physische Universum ist relative Ebene. Wenn man handelt, so wird dies sowohl etwas Gutes als auch etwas Böses bewirken. Versuche deshalb, so zu handeln, dass es ein Maximum an Gutem hervorruft und ein Minimum an Bösem.“

Dabei ist das Entscheidende die Intention die hinter der Handlung steht, denn ein und die selbe Handlung erzeugt nur durch die damit verbundene Zielsetzung neues karma welches unterschiedlich gefärbt sein kann. Beispielsweise

  1. Ein Räuber der mit seinem Messer auf ein Opfer einsticht.
  2. Ein Chirurg der mit seinem Skalpell die richtige Stelle nciht trifft.

beide können durch ihr Handeln eine Tötung vornehmen, jedoch sind ganz andere Voraussetzungen gegeben.

„Das Geheimnis besteht darin, ohne jegliche Verhaftung und Egoismus zu handeln. Die zentrale Lehre der Gita ist die Verhaftungslosigkeit gegenüber den Handlungen.“

Also man tut einfach das was gerade im Moment anliegt, ohne dabei persönliche interessen zu verfolgen. Man ist sozusagen im Fluss des Augenblicks und tut das was sich ergibt. Natürlich muss man auch die Zukunft planen und die Vergangenheit reflektieren, entscheidend ist aber immer zum Wohle aller beteiligten zu handeln.

„Ein Karma Yogi erwartet als Gegenleistung nicht einmal Liebe, Wertschätzung, Dank oder Bewunderung von den Menschen, denen er dient.“

Er macht also einfach seinen Dienst um damit seine Aufgabe im Kosmos gerecht zu werden, den Dank bekommt er zwar vom Kosmos zurück, dies ist aber nicht seine Motivation.

„Die größte Hilfe oder den größten Dienst, den du der Welt erweisen kannst, ist das Weitergeben des Wissens über Gott. Spirituelle Hilfe ist die höchste Hilfe, die du der Menschheit geben kannst. Die Wurzel menschlichen Leidens ist Avidya (Unwissenheit). Wenn du diese Unwissenheit in den Menschen beseitigen kannst, erst dann können sie für immer glücklich sein. Der Weise, der versucht, das Unwissen zu beseitigen, ist der größte Wohltäter auf dieser Welt.“

Es gibt verschiedene Weisen dem Kosmos zu dienen und sich dadurch zu läutern, der beste Weg ist anderen Menschen zu helfen mit sich ins reine zu kommen.

„Dient ein Mensch der Welt, dient er in Wirklichkeit sich selbst. Wenn der Mensch anderen hilft, hilft er in Wirklichkeit sich selbst. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt. Allgemein sind weltlich eingestellte Menschen mit Egoismus aufgeblasen, wenn sie anderen helfen. Es erfüllt sie mit Stolz. Diese Welt will von niemandem Hilfe. Es gibt den einen allmächtigen Isvara, der dieses Universum kontrolliert und lenkt.“

Wenn wir dem Kosmos dienen so wird der Kosmos auch für uns sorgen, wenn wir versuchen den Kosmos auszutricksen und Dinge nur für uns tun, so werden wir immer wieder neue Aufgaben bekommen bis wir in Harmonie kommen und unsere Aufgabe im großen Ganzen erfüllen.

„Ja, durch Dienen reinigst du dein Herz. Egoismus, Hass, Eifersucht, Überlegenheitsgefühl und alle vergleichbaren negativen Eigenschaften werden verschwinden. Demut, reine Liebe, Mitgefühl, Nachsicht und Barmherzigkeit werden sich herausbilden. Der Eindruck der Getrenntheit wird verschwindet. Selbstsucht wird ausgemerzt werden. Du wirst einen aufgeschlossene und vorurteilslose Perspektive auf das Leben entwickeln. Du wirst beginnen, Einheit und Verbundenheit zu spüren. Schließlich wirst du Kenntnis des Selbst erlangen.“

Es geht um Läuterung und Transformation, Karma Yoga hilft uns die niederen Eigenschaften zu überwinden, immer mehr werden wir die Einheit mit dem Ganzen erkennen.

„Unterhalte große Begeisterung für uneigennütziges, selbstloses Dienen. Sei liebenswürdig zu allen. Liebe alle. Diene allen. Sei tolerant und großzügig zu jedermann. Diene Gott in allem. Auf diese Weise erreichst du das Ziel.“

Liebe ist der Schlüssel. Je mehr uneigennützige, allumfassende und bedingungslose Liebe wir ausdrücken, desto weiter kommen wir auf dem spirituellen Weg.

„Wenn du Interesse an Aufgaben entwickelst, gegen die der Geist rebelliert, wirst du später jede Art von Tätigkeit mögen. Indem du dies tust, förderst du zweifellos deine Willenskraft.“

Beispielsweise dich selbst beobachten wenn du spülen oder Kloputzen musst. Auch gut ist es sich absichtlich an die längere Schlange im Supermarkt anzustellen und zu schauen wie der geist darauf reagiert.

„Richte deine Gedanken immer auf die Lotusfüße Gottes, während deine Hände mit Arbeit beschäftigt sind. Der Geist des Mädchens, das den Wasserkrug auf dem Kopf hat, ist bei dem Krug, obwohl sie mit ihren Freundinnen spricht und scherzt während sie die Strasse entlang gehen. Durch Übung wirst du in der Lage sein, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Die manuelle Arbeit wird automatisch, mechanisch oder instinktiv verrichtet. Dein Geist wird zweifach sein. Ein Teil davon wird bei der Arbeit sein, während der Rest im Dienst Gottes, bei der Meditation, bei Japa ist.“

Das Göttliche kann bewusst unser ganzes Wesen durchdringen wenn wir üben uns auf es auszurichten. Natürlich bleibt zu klären was unter „Gott“ und „das Göttliche“ zu verstehen ist, aber dazu habe ich verschiedene andere Artikel verfasst.

„Wenn du ein wirklicher Karma Yogi im wahrsten Sinne des Wortes werden willst, dann musst du jederzeit, unter allen Voraussetzungen und allen Umständen einen ausgeglichenen Geist wahren. Zweifellos ist das sehr schwer. Aber du wirst es trotzdem tun müssen. Erst dann wirst du Seelenfrieden erfahren und wahrlich dauerhaftes Glück. Wer einen ausgeglichenen Geist besitzt, ist ein Jnani.“

Also: immer locker bleiben!

„In der Landwirtschaft düngt und pflügt man den Boden. Aber deine Bemühungen sind vergeblich, wenn es in diesem Jahr nicht regnet. Dies gilt nicht für Karma Yoga. Es gibt hier keine Ungewissheit, was das Ergebnis deiner Anstrengung anbelangt.“

Auch wenn die Früchte sicherlich kommen werden, spielen sie keine Rolle. Entscheidend ist bloß dem Kosmos zu dienen.

„Erwartest du von deinem kleinen Sohn eine Gegenleistung, wenn du etwas für ihn tust? Ganz ähnlich musst du für andere arbeiten, ohne etwas zu erwarten. Du musst dein Herz weit machen und dir denken, dass diese ganze Welt dein eigenes Selbst ist. Anfangs verursacht es dir etwas Schmerz, weil du bislang nicht selbstlos und zweckfrei gehandelt hast. Wenn du dann aber ein wenig von der Wonne des Karma Yogas gekostet hast, kannst du nicht mehr damit aufhören. Die Kraft von Karma Yoga wird dich dazu bringen, mit großem Eifer und großer Begeisterung mehr und mehr zu arbeiten. Du beginnst wahrzunehmen, dass diese Welt eine Manifestation Gottes ist. Du gewinnst enorme innere Stärke und Reinheit des Herzen. Dein Herz ist voller Barmherzigkeit, Mitgefühl und reiner Liebe. Dein Geist der Selbstaufopferung wächst ins Unermessliche. Selbstsucht aller Art wird ausgelöscht.“

Swami Sivanandas Wohnzimmer

About Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und koche für Geld. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)