Vedanta Schulen- von den Upanishaden bis Heute


Vedanta ist die uralte Weisheitslehre die auf den Upanishaden basiert und den Sucher durch Erkenntnis bzw. Wissen zu sich selbst und damit zur Befreiung führt. Heute ist das Advaita Vedanta am weitesten verbreitet, es gibt jedoch noch viele weitere Formen die sich im laufe der Zeit herausgebildet haben. Die Upanishaden sind der letzte von 4 Teilen der Veden, daher bilden sie das Ende der vedischen Texte, Vedanta bedeutet wörtlich „Ende der Veden“, „Veda“ bedeutet Wissen oder Weisheit und somit kann Vedanta auch als „Vollendung des Wissens“ übersetzt werden.

Ursprünglich meinte man mit „Vedanta“ vor allem den Bezug zu den Upanishaden, im leufe der Zeit hat sich der Gebrauch des Wortes gewandelt und es ist die Philosophie der Upanishaden gemeint die jedoch unterschiedlich interpretiert werden kann. Vedanta ist auch eine der 6 klassischen Philosophiesysteme des Hinduismus die als Darshana (=Sichtweise) bezeichnet werden. In diesem Zusammenhang wird vedanta als „Uttara Mimamsa“ bezeichnet, was etwas die „letzte Untersuchung“ oder die „betrachtung des Äusseren“ bedeutet und auch wieder auf die Upanishaden hinweist.

Advaita Guru Sampradaya – Guru Parampara Stotram – Übertragungslinie

Alle Vedanta Schulen haben eine Übertragungslinie die bis in die urzeiten zurückgeht, in der Anrufung dieser Guru Parampara (Lehrer Schüler Linie) werden die wichtigsten Gurus der Sampradaya (Traditionslinie) angerufen, dieses ist der Text zur Anrufung der Gurus des Advaita Vedanta:

„nārāyanam padmabhuvam vasiṣtham śaktim ca tat-putram parāśaram ca
vyāsam śukam gauḍapāda mahāntam govinda yogīndram athāsya śiṣyam
śri śankarācāryam athāsya padmapādam ca hastāmalakam ca śiṣyam
tam trotakam vārtikakāramanyān asmad gurūn santatamānato’smi“

Das klassische Vedanta basiert immer auf drei Quelltexten die als maßgeblich betrachtet werden. Anerkannte neue Strömungen oder Schulen des Vedanta müssen immer die drei Texte die als Prasthanatrayi bezeichnet werden „die drei Quellen“ kommentieren und die Sichtweise damit begründen.

Diese drei Quelltexte „Prasthanatrayi“ des Vedanta sind:

  1. Upanishaden – aus den 108 offiziellen Upanishaden sind 12 besonders wichtig
  2. Brahma Sutras – auch als Vedanta Sutras bezeichnet, systematisiert das Wissen
  3. Bhagavad GitaBeschreibt auch andere Wege die aus Vedanta Sicht interpretiert werden

Viele weitere alte Texte sind relevant für die verschiedenen Vedanta Schulen, jedoch sind diese drei essentiell und besonders wichtig. Das vedische Wissen wurde immer eher mündlich weiter gegeben und so ist unklar wie alt diese Lehren nun tatsächlich sind.

Badarayanaya und Bhedabheda – frühe Schulen des Vedanta

Bevor der Rishi Badarayanaya im 4.Jhd. seine Brahma Sutras formulierte gab es schon verschiedene andere Interpreten der Upanishaden die auch das Vedanta beschrieben, da diese Texte großteils nicht überliefert sind bleibt unklar in wie weit es dort große Unterschiede in der Denkweise gab. Badarayana wird von Shankara als „Jnana Shakti Avatar“ bezeichnet, also als Inkarnation der Wissenskraft, in seinem Text nimmt er sehr logisch die verschiedenen konträren Aussagen der Upanishaden auseinander und vergleicht sie miteinander.

Die Bhedabheda „gleich und ungleich“ Sichtweise des Vedanta sagt der Jiva sei zugleich identisch mit Brahman als auch verschieden davon. Man sagt Badarayanas Sicht basierte auf der Denkweise des Bhedabheda.

Zwischen Badarayana und Adi Shankaracharya

Shankara nimmt in seinen Werken bezug auf insgesamt 99 Vorgänger seiner Lehre und viele Indologen sind davon überzeugt, dass es viele inzwischen verschollene Texte aus dieser Zeit geben muss. Auch die anderen späteren Vedanta Begründer Ramanuja und Yamunacharya nehmen bezug auf viele Gurus der Sampradaya (Übertragungslinie) die heute völlig unbekannt sind.

Gaudapada und Shankara begründeten das Advaita Vedanta

Gaudapada schrieb im 6.Jhd. das bekannte Werk Māṇḍukya Kārikā, in diesem kommentierte er die Mandukya Upanishad auf eine neue Weise und begründete damit als erster die Sichtweise des Advaita Vedanta, welche dann später im 8.Jhd. von Adi Shankaracharya weiter entwickelt wurde. Gaudapadas Schüler Govindacharya gab die Einsichten seines Meisters an Shankara weiter der diese noch weiter ausbaute und die Sichtweise in vielen Disputen gegenüber anderen durchsetzte, man sagt Shankara habe gegen 74 verschiedene Denkrichtungen Diskussionen gewonnen und damit schnell seine Lehren verbreitet. Gaudapada hat die Buddhistische Sichtweise von reinem Bewusstsein als untimative Wirklichkeit in seine sicht eingebunden und damit eine Brücke geschlagen zwischen Buddhismus und Hinduismus.

Ramanujas Vishishtadvaita Vedanta – qualifizierte Nondualität

Im 11. Jhd. formulierte Ramanuja die Lehre des qualifizierten Nondualismus der die manifeste Welt nicht wie Shankara als Illusion bezeichnet, sondern als eine existierende Wahrheit. Ramanuja war ein Anhänger Narayanas und er glaube als Vaishnava an einen persönlichen Gott der über allem steht. Das Vishishtadvaita gilt als erste Philosophie die es in disputen mit dem logisch Standfesten Advaita aufnehmen konnte.

Sri Madhvacharyas Dvaita Vedanta – der duale Ableger des Advaita

Das Dvaita Vedanta von Madhava aus dem 13. Jhd. ist eine dualistische Sichtweise die klar trennt zwischen Gott und Individuum. Es gibt die Realität von Vishnu bzw. Brahman und es gibt die des Jiva und der physischen Welt, im Dvaita Vedanta wird Gott als eine ausserhalb der erfahrbaren Welt stehenden entität betrachtet. Die Dvaita Schule wurde im Gegensatz zu Shankaras Shivaitisch gefärbtem Advaita von der Vaishnava Tradition beeinflusst. Fragwürdig ist zB seine Sichtweise der 3 Arten von Jivas, es gibt Menschen die geeignet sind Befreiung zu erreichen, solche die im ewigen Kreislauf für immer stecken bleiben und welche die ggf. in die ewige Hölle geraten.

Die drei großen Vedanta Schulen wurden von Swami Sivananda wie folgt beschrieben:

Madhava sagte: „Der Mensch ist Diener Gottes“ und er etablierte die Dvaita Philosophie. Ramanuja sagte: „Der Mensch ist ein Funke oder Strahl Gottes“ und er etablierte die Vishishtadvaita Philosophie. Shankara sagte: „Der Mensch ist identisch mit dem ewigen Brahman“ und er etablierte die Advaita Philosophie.“

weiterhin sagte er:

„Ein Dvaitin möchte dem Herrn als Diener dienen. Er möchte mit Gott spielen. Er möchte die göttliche Süße oder den göttlichen Nektar schmecken. Ein Visishtadvaitin möchte so wie Gott Narayana werden und das Göttliche erfahren oder genießen. Er möchte nicht Eins werden mit Gott. Er möchte ein Funke Gottes bleiben. Ein Jnani hingegen möchte Eins werden mit und aufgehen in Brahman. Er wünscht, identisch mit Brahman zu werden und so möchte er die Süße oder göttliche Nektar selbst werden.“

 Es gibt noch kleinere Schulen des Vedanta:

  • Dvaitadvaita im 13. Jhd. von Nimbarka begründet, hier wird das Individuum als zugleich ein mit Brahman als auch getrennt von Brahman betrachtet, je nach Standpunkt.
  • Achintya-Bheda-Abheda im 16.Jhd. von Chaitanya Mahaprabhu begründet, es ist etwa eine Mischung aus Dvaita und Vishishtatvaita mit Betonung auf Krishna Bhakti und nimmt eine extreme Gegenposition zu Shankaras Advaita ein.
  • Shuddhadvaita im 16.Jhd. von Vallabhacharya begründet, in dieser Sichtweise ist die Welt nur ein Spiel Gottes und die Verehrung Gottes der einzige Weg.

Im 19. Jhd entstand das Neo Vedanta

Die Meister Ramakrishna, Swami Vivekananda und Sri Aurobindo werden als begründer des Neo vedanta betrachtet, sie haben die Welt-verneinende Sicht des Shankara etwas modifiziert. Wobei hier zu sagen ist, dass Shankara nicht gesagt hat die Welt sei nicht existent, sondern sie sei nicht die letztendliche Wirklichkeit. Die Neo Vedantins haben damit auch den Konflikt zwischen Nondualisten und Dualisten etwas entschärft. Im Zusammenhang mit Neo Vedanta ist auch der Begriff der „Multi Path Confusion“ zu nennen, Swami Vivekananda führte eine starke Trennung zwischen verschiedenen Yoga Wegen ein. Dieses führte zu dem irrigen Verständnis, dass die Yoga Weg voneinander getrennt zu betrachten sind, jedoch sind sie traditioneller Weise verschiedene Aspekte des einen Weges.

Der größte Vedanta Meister des 20 Jhd. war sicherlich Ramana Maharshi der kein gelehrter war und trotze seiner zweifelsohne hohen Erleuchtung die Lehre des Vedanta nicht auf traditionelle Weise weiter gab, daher ist auch er wohl als ein Neo Vedanta Lehrer zu betrachten.

Im 20. Jhd verbreitete sich das Neo Advaita

Als Abgrenzung des traditionellen und auf Shankara basierenden Advaita Vedanta wurde von selbigen der Begriff des „Neo Advaita“ für die Lehre der sog. „Satsang bewegung“ eingeführt. Im Neo Advaita werden meist die wesentlichen Elemente des traditionellen Advaita weggelassen und es wird unmittelbar die höchste Weisheit vermittelt. Elemente wie Qualifikationen, Gunas, Vasanas, Karma Yoga, Beziehung zu Gott sind meiner bescheidenen Meinung nach ganz essentiell um den Weg des Advaita auch gehen zu können. Die Lehrer des Neo Advaita beziehen sich meistens auf Ramana Maharshi und seinen Schüler Papaji / Punjaji sowie auf Nisargadatta Maharaj und seinen Schüler Ramesh Balsekar.

„Pure Vedanta“ als Weiterführung des reinen Advaita Vedanta

Das „reine Vedanta“ ist eine Bewegung oder Lehre die auf Swami Brahmananda und Swami Dayananda zurückgeht, diese ist sehr eng an den Lehren des Shankara mit einer Betonung auf den Unterschied zwischen Erfahrung und Wissen: Erfahrung ist vergänglich und nur Wissen bzw. Erkenntnis ist dauerhaft und erstrebenswert.

„Die Kenner der Wahrheit beschreiben die ewige Wahrheit, deren Wesen nichtduale reine Erkenntnis ist, als Brahman, Paramatma und Bhagavan, so wird es vernommen.“ Shrimad Bhagavatam 1.2.11

Shankara und Schüler, Shankaracharya, Advaita Vedanta, Upanishads

Advaita Vedanta

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