Vegetariertum im Hinduismus – Quellen in alten Texten zu Ahimsa

Don`t waste food!

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Mit diesem Artikel möchte ich ein wenig die Hintergründe der vegetarischen Ernährung & Ahimsa im Kontext des Hinduismus beleuchten, wobei schonnmal vorweg gesagt sei, dass es auch Quellen gibt die für rituellen Karnismus sprechen.

Ahimsa & Vegetariertum im Hinduismus

Als ich 2010 zum ersten Mal nach Indien flog und damit einen Kindheitstraum verwirklichen durfte, hatte ich bei der Buchung meines Fluges wie üblich die Wahl zwischen verschiedenen Kategorien von Mahlzeiten. Inzwischen sind es fast 10 Jahre die ich strikt vegetarisch lebe, und natürlich wollte ich auch während meines Fluges keine toten Tiere essen. Neben verschiedenen Kategorien gab es auch „Veg“ und „Hindu„, ich dachte alle Hindus sind automatisch auch Vegetarier und so wählte ich „Hindu“ und freute mich auf ein erstes Indisches Mahl während des Fluges von Moskau (wo ich leidige 6 Stunden Aufenthalt hatte) nach Delhi. Leider erhielt ich ein indisches Gericht mit Huhn und bekam so die erste Lektion meiner Reise über die Vielfalt des Hinduismus – und dann glücklicher Weise noch ein anderes Essen ohne Aas.

Einleitend zunächst ein Zitat von Gandhi, welches deutlich macht, dass es bei der vegetarischen Ernährung nicht nur um eigenes Seelenheil sondern auch um die Zukunft der Menschheit geht.

„Ich glaube, dass geistiger Fortschritt an einem gewissen Punkt von uns verlangt, dass wir aufhören, unsere Mitlebewesen zur Befriedigung unseres körperlichen Verlangens zu töten.“ Mahatma Ghandi

Und Gandhi sagte auch, dass der «Vegetarismus ein unschätzbares Geschenk des Hinduismus» sei, in diesem Lichte will ich ein wenig aus den alten Texten der Inder zitieren um das Bewusstsein für eine gewaltfreie Ernährung zu schärfen, dabei aber auch die Kontroversen aufzeigen.

„Fleischgenuss schafft Anhaftung in Worten, Gedanken und Taten. Aus diesem Grund verzichten Menschen mit Weisheit und Entsagung auf den Genuß von Fleisch. (…) Wie könnte so ein roher Mensch, der von Fleisch lebt, die zarte Musik der himmlischen Trommeln, Becken, Leiern und Harfen hören?“ Mahabharata 13.114

Der bekannteste spirituelle Lehrer in Indiens war Buddha, der seinen Nachfolgern oftmals eine vegetarische Nahrung empfahl:

„Alle Lebewesen, seien sie groß oder klein, zwei- oder vierbeinig, ob sie schwimmen oder fliegen – sie alle haben das Recht zu leben. Wir dürfen andere Lebewesen nicht verletzen oder gar töten.“ Gautama Buddha

Allerdings erhob er den Vegetarismus nicht zur Regel und es gibt manche buddhistische Traditionen die gelegentlich Fleisch essen. Oft ist dieses auch in der spirituellen Praxis begründet, so wird z.B. in manchen Schulen des tibetischen Buddhismus vor oder nach Ritualen Fleisch gegessen um die solide Erdung beizubehalten. Der Dalai Lama empfiehlt beispielsweise eine vegetarische Ernährung, isst aber manchmal selbst Fleisch.

erste Quellen des Vegetarismus & Ahimsa im Hinduismus

Im Rig Veda, dem ältesten bekannten Text des Hinduismus, finden sich einige Stellen die bereits auf vegetarische Ernährung verweisen, wenn auch sehr drastisch. Man beachte, dass es bei den vedischen Schriften um uralte liturgische Lieder zum Zwecke der zeremoniellen Gottesbeschwichtigung geht, und die Formulierungen zum Teil sehr befremdlich sind.

Hier einige Beispiele aus einem Abschnitt am Ende des Rig Veda:

„wer die Milch der Kuh wegnimmt, o Agni, deren Köpfe haue ab mit deiner Glut! Wer die Biestmilch entwenden will, o Agni, den triff von hinten mit deiner Flamme an der verwundbaren Stelle! (…) Verbrenne die Fleischfresser samt der Wurzel; nicht sollen sie deinem göttlichen Geschoß entrinnen!“ Rig Veda 10.87.16-19

Auch im Yajur Veda finden sich Verse die für Vegetarismus sprechen, hier etwas freundlicher als im RigVeda:

“Du sollst deinen von Gott gegebenen Körper nicht zum Töten von Gottes Geschöpfen gebrauchen – weder Mensch noch Tier, noch irgendein anderes Wesen.” YajurVeda 12.32

Ebenso klar ist auch das Atharva Veda:

«Jene edlen Seelen, die Meditation und andere Arten von Yoga üben, die Rücksicht allen Wesen walten lassen, die alle Tiere schützen – sie sind es, die geistige Übung wirklich ernst nehmen» AtharvaVeda 19.48.5

Ahimsa – Gewaltlosigkeit als höchste Tugend im Yoga

Sehr bekannt sind die 8 Stufen des Yoga „Ashtanga“ die auch die 10 Empfehlungen „Yamas und Niyamas“ für Ethik im Umgang mit sich selbst und anderen enthalten, diese Modelle stammen aus dem Yoga Sutra des großen Patanjali, ein Text der ca. 2000 Jahre alt ist und heute noch als einer der wichtigsten Quelltexte für das Yoga gilt. Der erste Punkt des Ashtanga und der Yamas ist „Ahimsa“, die Gewaltlosigkeit. Obwohl das Ahimsa als oberste Handlungsanweisung gilt, widmet Patanjali diesem nur einen einzelnen Vers, dieser ist aber sehr klar und tiefsinnig:

„Wenn man in Gewaltlosigkeit begründet ist, wird auch die Umgebung friedlich.“ Yoga Sutra 2.35

Also wir üben mit unserer Ernährungsweise einen großen Einfluss auf unsere Welt, damit ist allerdings nicht gemeint, dass man hinaus gehen und Leute von seiner Art Nahrung aufzunehmen überzeugen sollte, vielmehr geht es um eine innere Haltung des Friedens die umso stärker wird je friedlicher man sich anderen Wesen gegenüber verhält. Auch im wichtigsten Quelltext für körperorientiertes Yoga, dem Hatha Yoga Pradipika, wird Ahimsa als wichtige Tugend gepriesen und gilt als wesentliche Voraussetzung für den Yogaweg.

Das Padma Purana formuliert in Vers 1.31.27 die Wichtigkeit von Gewaltlosigkeit:

„Ahimsa ist die höchste Pflicht!“

Denn alle anderen Handlungsempfehlungen ergeben sich aus dem authentischen friedfertigen Geist, wir müssen nicht irgendwelche künstlichen Eigenschaften erwerben, sondern diese gleichsam loswerden um zu unserer wahren Natur zu finden, die bereits vollkommen friedfertig ist.

Auch das Mahabharata spricht in 4 Stellen ausführlich von Ahimsa als der „höchsten Tugend“:

„Ahimsa Paramo Dharma अहिंसा परमॊ धर्मः Gewaltlosigkeit ist die höchste Tugend!“

Das Wort Dharma lässt sich vielfältig übersetzen und damit interpretieren, sowohl im Padma Purana als auch im Mahabharata steht, dass Ahimsa höchstes Dharma sei, daher hier einige mögliche Übersetzungen dieses Wortes:

  • Dharma = Ordnung, Gesetz, Brauch, Sitte, Vorschrift, Religion, Regel, Pflicht, Tugend, gute Werke, religiöser Verdienst, Natur, wesentliche Eigenschaft, Charakteristikum,…

Swami Sivananda sagt über Dharma:

„Das, was den Menschen Wohlergehen bringt, ist Dharma. Dharma erhält diese Welt. Die Menschen werden getragen von Dharma. Das, was die Erhaltung aller Wesen sichert, ist Dharma. Dharma führt zu ewigem Glück und zur Unsterblichkeit. Das, was Dharma ist, ist wirklich die Wahrheit. Jeder, der die Wahrheit spricht, spricht daher auch das Dharma, und wer das Dharma spricht, spricht die Wahrheit. Ein und dieselbe Sache wird zu beidem. Dharma enthält alle externen Taten, wie auch alle Gedanken und anderen geistigen Übungen, die das Wesen des Menschen erheben. Dharma kommt vom Göttlichen und führt zum Göttlichen.“

Und jegliches Dharma folgt aus Ahimsa bzw. muss damit im Einklang sein.

Die älteste Erwähnung von Ahimsa ist im Vers 10.22.13 des RigVeda zu finden, es ist der Wunsch so zu sein wie das Göttliche: voller Frieden.

„An uns soll sich das von dir, Indra, bewahrheiten: nicht schädigend sind deine Handreichungen,…“

Vegetarismus vs. Hinduistische Opferrituale und vedisch legitimierter Karnismus

Eine andere uralte Quelle des Begriffs Ahimsa ist die Chandogya Upanishade die als eine der beiden ältesten Upanishads gilt, hier wird im Abschluss (8.15.3) des umfangreichen Textes folgendes formuliert:

„wer (…) das Selbststudium des Veda betreibt, fromme erzieht, alle seine Organe in dem Âtman zum Stillstande bringt, auch kein Wesen verletzt, ausgenommen an heiliger Stätte, der, fürwahr, wenn er diesen Wandel die Dauer seines Lebens hindurch einhält, gehet ein in die Brahmanwelt und kehrt nicht wieder zurück.“

Hiermit endet dann die Chandogya Upanishade. Die original Formulierung ist „ahimsan sarva-bhutani“ und das bedeutet ganz klar: gewaltfrei gegenüber allen Wesen. Allerdings wird dann im Text eine Ausnahme gemacht die Teil einer größeren Kontroverse ist, welche sich in verschiedenen heiligen Texten zeigt. Zu vedischen Zeiten wurden in manchen Zusammenhängen Tieropfer gemacht um rituell die Götter zu versöhnen und es finden sich dazu in allen vier Veden verschiedenste Verse.

„Alle Götter fördern den Priester der den Bullen im Ritual opfert.“ Atharva Veda 9.4.18

Am Ende von Ritualen werden immer die „Reste der Opergaben“ verspeist, was wir heute als Prassadam bezeichnen, aber damals bedeutet das eben auch bei bestimmten Zeremonien das restliche Fleisch zu essen. Manchmal wurden dann zu diesem Zweck etwas mehr Tiere geopfert als „nötig“, um den Anwesenden genug Fleisch servieren zu können.

Swami Vivekananda formuliert sogar etwas überspitzt:

„Du wirst überrascht sein zu hören, dass man nach den alten Hindu Riten und Ritualen kein guter Hindu sein konnte wenn man kein Rindfleisch aß.“

Und damit ist wohl das Essen im rituellen Kontext gemeint. Wobei es durchaus auch Textstellen in heiligen Schriften gibt bei denen es unklar ist ob es um Fleischkonsum im Zusammenhang mit Ritualen geht, und die implizieren, dass es nicht ungewöhnlich war Fleisch zu essen, so soll z.B. Rama bei seiner Verbannung gesagt haben:

„Ich werde für 14 Jahre in einem einsamen Wald wie ein Asket leben, dem Fleischessen entsagen und von Wurzeln, Früchten und Honig leben!“ Valmiki Ramayana, Ayodhya Kanda 2.20.29

Hier noch eine weitere Quelle die für vedisch legitimierten Karnismus spricht:

„…Oh König, Man kann es mit eigenen Augen sehen, dass das trinken von Soma, das töten von Tieren, das Essen von Fisch und Fleisch und weiteres in den Veden empfohlen wird.“ Devi Bhagwatam 1.18.48

Man findet im Rig Veda ganze Kapitel in denen es um Rituale mit Tieropfern und anschliessendem Fleischverzehr geht, hier zB der 10. Vers aus der 162. Hymne des 1. Mandala:

„Der Speiserest in seinem Leib, der ausdünstet, der Geruch seines rohen Fleisches, das alles sollen die Zurichter zurecht machen und sie sollen das Opfertier gar kochen.“

Es scheint mir so zu sein, dass die Tieropfer und Verspeisungen ein Phänomen der vedischen Zeit waren, also aus der Frühzeit des Hinduismus, so wie es ja auch Swami Vivekananda formulierte. Im Laufe der Zeit hat sich dieses gewandelt, auch durch den Einfluss Buddhas.

Das Skandha Purana aus dem 6.Jhd sagt:

„Ich lehne Brahmanen ab die der Gewalt nachgeben und im Opferritual Tiere töten, zweifelsohne habe ich weder Respekt noch Hingabe für diese Mörder.“ Skanda Purana 3.2.36.62

Zur Frage der Tieropfer stellt Yudhishthira im Mahabharata eine Frage an Bhishma, die ich hier nur zum Teil zitiere, das Komplette Kapitel  ist in diesem Zusammenhang sehr lesenswert und hier bei „Mahabharata.pushpak.de“ zu finden.

Yudhishthira sprach: Du hast schon oft erklärt, daß das Nichtverletzen (Ahimsa) die höchste Tugend ist. In Sraddhas jedoch, die zu Ehren der Ahnen durchgeführt werden, soll man für sein Wohl verschiedene Arten von Fleisch opfern. (…) Doch wie kann Fleisch beschafft werden, ohne ein Lebewesen zu töten? (…)

Bhishma sprach: (…) zu diesem Thema, oh Nachkomme der Kurus, gab es unzählige Diskussionen zwischen den Rishis. (…) Wer mit der Beständigkeit eines Gelübdes dem Honig- und Fleischgenuß entsagt, oh Yudhishthira, dessen Verdienst ist so groß, als würde er jeden Monat ein Pferdeopfer durchführen. (…) Auch der selbstgeborene Manu hat verkündet, daß ein Mensch, der kein Fleisch ißt, keine Lebewesen schlachtet und auch nicht veranlaßt, daß sie geschlachtet werden, ein Freund aller Wesen ist. (…) Allein durch die Enthaltung vom Fleischgenuß gilt man als beständiger Verehrer der Götter durch Opfer, oder als Wohltäter, der beständig Geschenke gibt, oder als Asket, der strenge Entsagung übt. Wer gewohnheitsmäßig Fleisch gegessen hat und es später aufgibt, der erwirbt durch diese Tat großes Verdienst, das dem Studium des ganzen Veda gleicht oder der Leistung aller Opfer, oh Bharata. Denn es ist äußerst schwierig, den Fleischgenuß aufzugeben, nachdem man sich an den Geschmack gewöhnt hat. (…) Menschen mit Intelligenz und gereinigter Seele verhalten sich zu anderen Wesen stets so, wie sie es auch von anderen wünschen. (…) Was sollte man dann über jene unschuldigen und natürlichen Geschöpfe sagen, die ihr Leben lieben und von gierigen Menschen geschlachtet werden, um sie zu verspeisen? Deshalb erkenne, oh Monarch, daß die Entsagung vom Fleischgenuß die höchste Stütze der Tugend, des Himmels und des Wohlergehens ist. Denn das Nichtverletzen gilt als höchste Tugend und sogar als höchste Entsagung. Es ist sogar die höchste Wahrheit, aus der alle Lebensaufgaben entstehen. Fleisch bekommt man nicht aus Gras, Holz oder Stein. Man muß dafür ein Lebewesen töten (das uns selbst ähnlich ist), und das ist die große Schuld, die dem Fleischessen anhaftet. (…) Wenn es keinen gäbe, der Fleisch essen würde, müßte auch keiner dafür schlachten. Denn der Fleischer, der Tiere schlachtet, tötet sie für jene, die das Fleisch essen. Wenn Fleisch als ungenießbar gelten würde, müßte niemand Tiere schlachten. So geschieht es wegen der Fleischesser, daß so viele Tiere unter der Hand von Menschen sterben müssen. Oh Herrlicher, weil sich die Lebenszeit von Personen verkürzt, die Lebewesen schlachten oder veranlassen, daß sie geschlachtet werden, ist es klar, daß jeder, der sein Wohl wünscht, dem Fleischgenuß entsagen sollte. (…) Wer dagegen Fleisch ißt, das als Opfer gewidmet und im Opfer als Nahrung den Brahmanen dargebracht wurde, der sammelt damit nur wenig Schuld an.Jede andere Motivation ist entsprechend mit größerer Sünde verbunden. Der unwissende Mensch, der Tiere tötet, um sie zu verzehren, sammelt damit die Sünde des Tötens an. Wer sie nur verzehrt, dessen Sünde ist geringer. Wer allerdings dem tugendhaften Pfad der Riten und Opfer folgt, die in den Veden geboten werden, aber trotzdem ein Lebewesen aus Begierde nach Fleischgenuß tötet, der wird sicherlich ein Bewohner der Hölle. Deshalb ist es immer höchst verdienstvoll, die Gewohnheit des Fleischgenusses zu überwinden. Manu selbst hat gesagt, daß Fleisch, das mit Mantras geheiligt und auf rechte Weise gemäß den vedischen Geboten in Opfern zu Ehren der Götter und Ahnen gewidmet wurde, rein ist. Alles andere Fleisch gilt als nutzlos geschlachtet und sollte nicht gegessen werden, weil das Töten zur Sünde und in die Hölle führt. (…) Wahrlich, man sollte niemals nutzlos geschlachtetes Fleisch essen, denn das ist gegen die heiligen Gebote. (…)

Das Mahabharata macht an anderer Stelle auch eine Ausnahme für Kshatriyas, also den angehörigen der Kriegerkaste, denen es erlaubt ist zu Jagen. Also es gibt einerseits die strikte Ansage für spirituell Suchende sich an eine gewaltfreie und vegetarische Ernährung zu halten, jedoch andererseits die Ausnahme für Rituale und Jagen. Vedische Tieropfer werden allerdings meines Wissens nach gar nicht mehr durchgeführt, in tantrischen Traditionen werden aber zur Verehrung Kalis gelegentlich Tiere geopfert.

Das Padma Purana hingegen sagt ganz klar, dass man nicht zur Befreiung findet wenn man Tiere isst. Ich meine es so zu lesen, dass dieses auch für rituelle Tötungen gilt:

«Wie soll es jemanden, der Fleisch isst, und selbst wenn es sich um einen Brahmana handelt, möglich sein, erhoben zu werden oder Befreiung zu erlangen?» Padma Purana 1.13.321

Weitere Texte zum Vegetarismus im Hinduismus

An dieser Stelle sei gesagt, dass es auch alte Schriften des Hinduismus gibt in denen Fleischkonsum bei bestimmten gesundheitlichen Problemen empfohlen wird, so z.B. in den ayurvedischen Quelltexten Charaka Samhita und Shushruta Samhita, wobei das Ayurveda normalerweise Fleischkonsum als gesundheitsschädlich einstuft. Ein anderes Beispiel ist aus dem Satapatha Brahmana, einem Text aus dem 8. Jhd.v.Chr. der dem Yajurveda zugeordnet ist:

„Und dieses (Opferfleisch) ist tatsächlich die beste Nahrung, er wird also zum Esser der besten Nahrung!“ Satapatha Brahmana 11.7.1.3.

Wie oben erläutert war das Essen von Opferfleisch ein Phänomen der vedischen Zeit, es wurde im Verlauf der Geschichte immer mehr geächtet. Auch der wichtigste Text des Hinduismus Bhagavad Gita empfiehlt an einigen Stellen eine vegetarische Lebensweise, allerdings nicht direkt: in den Versen 16.2-3 werden beispielsweise einige Tugenden des göttlichen Zustandes aufgezählt, die sich nicht mit Karnismus vereinbaren lassen:

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Fehlen von Zorn, Entsagung, Friedfertigkeit, Fehlen von Hinterlist, Mitgefühl mit den Wesen, Fehlen von Habgier, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Fehlen von Wankelmut, Stärke, Versöhnlichkeit, seelische Kraft, Reinheit, Fehlen von Hass, Fehlen von Stolz – diese besitzt ein Mensch, der für einen göttlichen Zustand geboren ist, Oh Bharata.“

Das Shrimad Bhagavatam kündigt sogar eine genaue Strafe an für jene die Fleisch essen:

„Im nächsten Leben werden solch sündenvolle Personen durch die selben Lebewesen gegessen werden welche sie getötet haben in dieser Welt.“ Bhagavata Purana 11.5.14
Allerdings wäre dies rein rechnerisch nicht möglich, ausserdem sind Kühe selbst Vegetarier. 😉

ManuSmriti bzw. Manusamhita über Vegetarismus

Als wichtiger Text für die Regeln eines Dharma-Gerechten Alltags gilt die ManuSmriti oder ManuSamhita, in diesem Text finden sich viele Aussagen zur vegetarischen Lebensweise. Das Manusmriti gilt als einer der ersten Texte die aus dem Sanskrit ins Englische übersetzt wurden. Im Jahr 1794 war die Interpretation bahnbrechend und die enthaltenen Aussagen vor allem über das Kastenwesen prägten die Herrschaft der britischen Kolonialherren.

Es wird durch Manu klar gesagt, dass es vegetarische Ernährung für einen wahrhaft spirituellen Weg braucht:

„Durch das nicht-töten anderer lebender Wesen wird man bereit für die Befreiung.“ Manu Smriti 6.60

Auch noch etwas ausführlicher:

„Fleisch kann nicht bereitet werden ohne lebenden Tieren Gewalt anzutun. Fühlenden Wesen Gewalt zuzufügen steht im Widerspruch zum Erreichen des Himmlischen Segens, lass ihn daher den Fleischkonsum meiden. Im Bewusstsein des Ursprungs des Fleisches und der Gräueltat des Schlachtens verkörperter Wesen, lasst ihn für immer Abstand nehmen vom Essen des Fleisches.“ Manu Smriti 5.48-49

Nicht nur das Essen des Fleisches ist unpassend, sondern auch alles was damit zusammenhängt. Der folgende Vers kann sogar auch als Argument für eine vegane Lebensweise gelten, denn durch Milchkonsum wird das Leid der Tiere in kauf genommen und man macht sich dessen schuldig:

„Jener der das Schlachten der Tiere erlaubt, der es aufschneidet, der es tötet, der Fleisch kauft oder verkauft, der es kocht, der es serviert und der es isst- sie müssen alle als Schlächter der Tiere betrachtet werden.“ Manu Smriti 5.51

Die Manu Smriti droht dem Karnisten auch mit Strafen:

„Wer Tiere tötet aus dem wunsch sich selbst Vergnügen zu bereiten wird niemals Glück finden, weder in diesem Leben noch im nächsten.“ Manu Smriti 5.45

Und noch schlimmmer:

„So viele Haare wie das geschlachtete Tier hat, so oft wird jener der es ohne Grund getötet hat einen gewaltvollen Tod in künftigen Geburten erleiden!“ Manu Smriti 5.38

Ohne Grund töten bedeutet hier: ohne rituellen Kontext. Denn im nächsten Vers wird das Töten im Ritual gerechtfertigt:

„Einige Tiere hat Gott für das Opfer bestimmt, und die Tötung eines Opfertieres ist daher nicht als Tötung anzusehen.“ Manu Smrti 5.39

Aber es gibt auch Verse im Manu Smriti die eine völlig andere Position vertreten:

„Es ist nicht sündig das Fleisch von essbaren Tieren zu essen, denn Brahma hat beides erschaffen: die Esser und die Essbaren.“ Manu Smriti 5.30

Abschliessend noch ein Zitat von Swami Sivananda:

„Gewaltlosigkeit ist ein großes und anfeuerndes Ideal. Gedanklicher Verzicht ist die erste und wesentlichste Bedingung der Ausübung von Gewaltlosigkeit. Wer den Wunsch nach Reichtum, Namen und Ruhm aufgegeben hat, kann Gewaltlosigkeit üben. Gewaltlosigkeit kann nicht von Schwächlingen geübt werden. Sie ist eine Tugend der Starken. Sie ist eine Waffe der Starken“ Swami Sivananda

Heilige Kuh

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