Das Wort „Yoga“ – Etymologie, Bedeutung und Hintergründe

5000 Jahre alter Yogi

5000 Jahre Geschichte des Yoga

Unter dem Begriff Yoga kann man sehr unterschiedliche Dinge verstehen, daher möchte ich einige davon an dieser Stelle aufzählen und über die Hintergründe des Wortes Yoga aufklären.

Das Wort Yoga: Bedeutung

Tatsächlich wissen wohl die wenigsten, dass Yoga nur zu einem Geringen Teil aus Körperübungen besteht. Yoga ist wie zB das Wort „Gott“ äusserst mehrdeutig, und so gibt es vielerlei Worte unter denen die Menschen höchst unterschiedliche Dinge verstehen können, das führt oftmals zu Verwirrung.

Ziel des Yoga ist aber Erkenntnis über die Wirklichkeit zu erlangen, daher ist es wichtig Begriffe und Konzepte im richtigen Geist zu verstehen.

Was bedeutet Yoga?

Zunächst können wir das Wort „Yoga“ wie folgt exakt definieren:

„Yoga ist ein uraltes, ganzheitliches Übungssystem zur Entwicklung von Körper, Geist und Seele.“

Aber üblicher Weise werden je nach Zusammenhang verschiedene Aspekte gemeint!

In der Theorie ist Yoga:

  • ein Zustand den es zu erreichen gilt, und
  • der Methode die uns zu diesem Zustand führen soll.

Also Yoga ist sowohl der Weg als auch das Ziel. In diesem Sinne kann man den begriff „Der Weg ist Das Ziel“ auch anders verstehen. Allerdings wird das Wort Yoga in der Praxis ganz anders benutzt, wenn z.B. jemand sagt:

„Ich gehe jetzt zum Yoga.“

oder

„Ich muss mal wieder Yoga machen.“

…ist damit in der Regel gemeint:

„Ich gehe jetzt zu einem Hatha-Yoga Kurs.“

bzw.

„ich muss mal wieder die körperliche Ebene des Yoga ausüben.“

Und die meisten Menschen vestehen unter dem Wort Yoga eben nur die Körperübungen, also was man als korrekter Weise als Hatha Yoga bezeichnet. Aber wie gesagt geht es im Voga um weit mehr, als um bloße Körperübungen!

Etymologisch gesehen kommt das Wort von der Sanskrit Silbe „Juy“ oder „Jug“, „Jugit“ was soviel bedeutet wie „Joch“ also das Anschirren oder Einspannen und auch einen ähnlichen Wortstamm aufweist- schliesslich gehören Sanskrit und Deutsch beide zu den Indogermanischen Sprachen. Auch das Englische Wort „Yoke“ und das Lateinische „jugum“ haben die Selbe Herkunft und Bedeutung.

Und Yoga wäre dann das Joch, also das Geschirr mit dem Kutsche und Pferde verbunden werden. Und so ergeben sich für das Wort Yoga in diesem Sinne zweierlei Bedeutungsebenen:

  1. „Vereinen“ …der Zugtiere unter einem Joch.
  2. „Beherrschen“ …wie die Zugtiere unter dem Joch.

Und so können wir dieses übertragen auf die spirituelle Ebene:

  1.  „Einheit, Harmonie, Verbindung, Vereinigen“ – des Individuums mit Gott
  2. „Herrschaft, Kontrolle, Unterjochen“  – der Materie unter das Geistliche.

Ersteres entspricht auch der Bedeutung des Wortes Religion:

“Religare: Zurück- (ver)binden”

Dieses Bild vom Joch und dem Gespann kommt womöglich aus einer Metapher aus der uralten Katha-Upanishade:

„Erkenne das Selbst als den Herrn der Kutsche. Der Körper ist der Wagen, der Intellekt der Wagenlenker und das Denken die Zügel. Die Sinne sind die Pferde, die Objekte die Wege.“

Aus dem selben Text stammt auch diese schöne Definition des Wortes:

„Wenn die fünf Sinne mit dem Denken zur Ruhe kommen und auch der Geist stillsteht, das nennen sie die höchste Stufe. Diese ruhige Beherrschung der Sinne, darunter versteht man Yoga.“

Die erste (schriftlich nachweisbare) definition des Yoga, bzw. der älteste Text in dem das Wort als solches auftaucht, ist die Taittiriya-Upanishade II.4, wo es etwa heißt,

„dass Yoga verbindet Glaube, Gerechtigkeit, Wahrheit und Macht miteinander“

also auch hier wieder die Verbindung- wie ein Joch.

Das erste evaluierte Yoga-System taucht dann wohl erst später in der Svetasvatara und Maitrayani Upanishade auf, wo konkrete Übungen und ein 6-Gliedriges System beschrieben werden.

Mit Yoga ist auch sehr häufig eines der sechs Darshanas gemeint sein, der klassischen Sichtweisen des orthodoxen Hinduismus. Dieses ist aber weit später entstanden, als die o.g. Upanishaden. In dem Zusammenhang bezieht sich Yoga auf die Sutras des Patanjali, der letztlich verschiedene philosophische Konzepte (Samkhya, Buddhismus, Vedanta…) zu Raja Yoga zusammenführt.

Patanjali definiert Yoga wie folgt:

योग: चित्त-वृत्ति निरोध:

yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ

Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedankenwellen im Geiste.”

Aber der Begriff als ganzes meint eben noch mehr als nur das Erreichen der Ruhe im Geiste. Ausserdem impliziert dieser Vers einzeln betrachtet meines erachtens nach, dass man durch Yoga willentlich Ruhe im Geist erzeugen kann. Das ist aber „nur“ das Ziel und keinesfalls der Weg des Yoga. Im nächsten Vers wird es sicher klarer, ich denke die beiden gehören zusammen:

tadā draṣṭuḥ svarūpe-’vasthānam

„Dann ruht der Sehende in seinem wahren Selbst.”

Also Ziel des Yoga ist zu erkennen, das der Wahrnehmende und das Selbst eins sind.

Bedeutung von Yoga: Erkennen, dass alles Eins ist!

Die Bhagavad Gita gilt als weiterer wichtiger Quelltext des Yoga und es taucht tatsächlich fast 100 mal das Wort Yoga in den 700 Versen auf. Unter diesen Versen sind einige, die uns helfen können den Begriff noch weiter verstehen zu können, so zB die folgenden:

II.48 „Ausgeglichenheit des Geistes heißt Yoga

II.50 „Yoga ist Geschick im Handeln“

VI.2 „Yoga ist das, was man Entsagung nennt“

VI.23 „Möge dies den Namen Yoga tragen, das aufhören des Einsseins mit dem Schmerz.“

Aber auch innerhalb eines so alten und wichtigen Textes wie der Bhagavad Gita wird das Wort Yoga offenbar für verschiedene Zwecke verwendet. Und so wird in vielen alten Texten, genau wie in der Verwendung des Begriffes heutzutage deutlich, dass Yoga nicht gleich Yoga ist!

Zusammenfassend heißt es in „Der Weg des Yoga“:

„Entscheidend für die Interpretation des Begriffes Yoga ist also immer der Kontext, der Zusammenhang, in dem das Wort gebraucht wird.“

Die Meister sagen über die Bedeutung des Yoga:

Swami Sivananda

„In Gott leben und mit Gott verbunden zu sein ist Yoga.“

Swami Vishnu Devananda

„Yoga ist eine Wissenschaft, durch die sich der einzelne Mensch der Wahrheit nähert.“

B.K.S. Iyengar

„Yoga ist die Methode, durch die der unstete Geist beruhigt und die Energie in schöpferische Bahnen gelenkt wird.“

Sri Aurobindo

„Der erste Prozess im Yoga ist der: entschieden sich selbst hingeben zu wollen“

Über Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und koche für Geld. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)