Patanjali Yoga Sutra. 3.1-3 Dharana, Dhyana, Samadhi

Das 3. Kapitel von Patanjalis Yoga Sutra beginnt mit den Gliedern 6, 7 und 8 des achtgliedrigen Pfades der „Ashtanga“ genannt wird, also Dharana, Dhyana und Samadhi.

Dharana, Dhyana & Samadhi – innere Ausrichtung

Diese drei Stufen der Versenkung werden auch als Samyama bezeichnet und bilden die Basis der weiteren Ausführungen des Kapitels. Das dritte Kapitel heißt „Vibhuti Pada“, Vibhuti ist wörtlich zum einen die heilige Asche, als auch (nach Swami Vishnu) die „göttliche Manifestation der Kraft“. In den Zeiten Patanjalis wurde die spirituelle Praxis als „Tapas“ bezeichnet, was soviel wie „inneres Feuer“ bedeutet, die Früchte sind also Vibhuti – „Asche“ bzw. Siddhis (=Kräfte).

Vers 3.1  im VibhutiPada des Yoga Sutra

3.1 देशबन्धः चित्तस्य धारणा
deśa-bandhaḥ cittasya dhāraṇā

deśa = Ort, Stelle, Objekt, Thema
bandha = Bindung, Binden, Verschliessen, Fixieren, Fesseln
cittasya = Denken, Bewusstsein, Vernunft, Geist, Geistfeld
dhāraṇā = Konzentration, Ausrichten des Geistes auf einen Punkt

„Konzentration ist, wenn das Geistfeld auf einen Punkt zentriert ist.“
oder
„Dharana ist das Fixieren des Geistes auf ein einzelnes Objekt.“

Nachdem im 2. Kapiteln die ersten 5 Stufen des Ashtanga beschrieben wurden, beginnt Patanjali nun mit den letzten 3 Stufen. Diese letzten drei Stufen sind innere Praktiken und sie können nicht einfach durchgeführt werden da die äusseren Praktiken dafür die Voraussetzungen bilden. Dharana wird von Vivekananda als das „gerichtet sein der Denksubstanz auf einen einzigen Gegenstand“ beschrieben. Jeder der einmal versucht hat zu meditieren hat erfahren wie schwierig es ist den Geist zu sammeln, es ist unmöglich ohne zuvor Handlungen, Körper, Atem und Sinne zu beruhigen. Ohne diese Vorbereitungen wird der Versuch in die Meditation einzutauchen zu einem inneren Kampf. Es ist allerdings wichtig mit der Meditation nicht zu warten bis man meint so weit zu sein, man kann die verschiedenen Stufen der Praxis, also 1-6 des Ashtanga nebeneinander her üben und muss nicht warten bis eines gemeistert ist. Man kann Dharana während des Alltages üben um es in der Meditation zu verwirklichen, sich also zB beim Spazieren gehen auf den Atem konzentrieren um die Gewohnheit des Geistes zu durchbrechen immer umher zu schweifen.

Vers 3.2 des Yoga Sutra

3.2 तत्र प्रत्ययैकतानता ध्यानम्
tatra pratyaya-ikatānatā dhyānam
tatra = dort, darin, dann
pratyaya = Bewusstseinsinhalt, Gedanke, Wahrnehmung, Vorstellung, Begriff
eka = eins, einer, einzig, einzeln
tāna = Faden, Faser, wandern, fließen, ausgedehnter Ton
dhyānam = Nachsinnen, Meditation, Kontemplation

„Dort wo die Wahrnehmung einheitlich Strömt, ist tiefe Meditation.“
oder
„Wenn die Achtsamkeit stetig fliesst geschieht Meditation.“

Wenn die Konzentration des Geistes stetig und mühelos ist, versinkt man in den Zustand der Meditation, so wie man in den Schlaf hineinsinkt und es nicht willentlich kontrollieren kann. Tatsächlich ist der Begriff „Meditation“ unklar, weil damit verschiedenes gemeint sein kann, zB die Übung der inneren Konzentration, ein Zustand der inneren Stille oder das Nachsinnen über philosophische Aussagen. Mit Dharana ist ein Zustand gemeint der durch ununterbrochene Konzentration herbeigeführt werden kann, es ist ein Versinken nach innen in den Raum des Gewahrseins. Swami Sivananda beschreibt diesen Zustand als ein „unaufhörliches Fliessen von Gottesbewusstsein“, also eine besonderen, mühelosen, wachen, wohligen Präsenz. Wenn die ganze Wahrnehmung stetig und harmonisch zu einem Objekt fliesst, geschieht Dhyana.

Vers 3.3 des Yoga Sutra

3.3 तदेवार्थमात्रनिर्भासं स्वरूपशून्यमिवसमाधिः
tadeva-artha-mātra-nirbhāsaṁ svarūpa-śūnyam-iva-samādhiḥ
tad = so, dort, daher, nun
eva = so, genauso, tatsächlich, allerdings, wohl, wirklich
artha = Ziel, Zweck, Grund, Sache, Sinn, Bedeutung, Objekt, Thema
mātra = Maß, nur, alleine
nirbhāsaṁ = leuchtend, strahlend, scheinend
svarūpa = eigene Form, eigene Natur
śūnyam = leer, Leerheit
iva = als ob, so wie, gleichsam
samādhiḥ = überbewusster Zustand, vollkommene Erkenntnis, ekstatische Stille

„Die Bewußtheit von Subjekt und Objekt verschwindet bei erfahren des Überbewussten in der Leere.“
oder
„Wenn das Wesen sich ganz in dem Betrachteten auflöst, geschieht  die Vereinigung.“

In Dhyana gibt es immer noch einen Wahrnehmenden der das Wahrgenommene wahrnimmt, in Samadhi löst sich diese dreiheit schrittweise auf. Wenn der Meditierende tief einsinkt und er mit dem Objekt verschmilzt, löst sich die Erfahrung des Sehenden in ekstatischer Stille auf und es ist nur noch das Objekt der Betrachtung (zB das Mantra) da. Samadhi ist nicht wie häufig behauptet wird das Ziel des Yoga, sondern es ist ein Werkzeug um auf dem Weg voran zu schreiten, sicherlich ist es das beste Werkzeug um tief 2sitzende Programmierungen des Geistes aufzulösen.

Soweit mein Kommentar zu den ersten 3 Versen des 3. Kapitels „Vibhuti-Pada“ des Patanjali Yoga Sutra.

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