Patanjali Yoga Sutra. 2.1-2 Kriya Yoga – Orientierung auf dem Weg

Anandamayi Ma Mahasamadhi Shrine

Nachdem wir im ersten Kapitel des Patanjali Yoga SutraSamadhi-Pada“ viele Grundlagen des Raja Yoga kennen lernten, und uns mit den höchsten Überbewussten Zuständen befasst haben, wird es nun konkreter. Das zweite Kapitel wird „Sadhana Pada“ genannt, also „über die spirituelle Praxis“. Es geht grob gesagt zunächst um die Leiden und deren Überwindung und später um die ersten 5 Glieder des Ashtanga.

Es gibt euf dieser Seite weitere Artikel die Kriya Yoga genauer beschreiben:
  1. Vortrag über Patanjalis Kriya Yoga
  2. Vortrag über Kriya Yoga allgemein

Patanjali Yoga Sutra über Kriya Yoga

2.1 तपः स्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि क्रियायोगः
tapaḥ svādhyāy-eśvarapraṇidhānāni kriyā-yogaḥ
tapas= Askese, Disziplin, Selbstpeinigung, Selbstdisziplin, innere Hitze,
svādhyāya = Lesen, Selbst– studium, sich selbst achtend,
iśvarapraṇidhānāna = Hingabe an einen persönlichen Gott,
kriyā-yoga = Handlung, Yoga der Tat
„Üben voller Hingabe, Selbstreflexion und Disziplin ist Yoga des Handelns.“
 oder
„Askese, Selbstserforschung und Hingabe an eine höhere Macht bilden den Kriya Yoga.“
 Diese drei Begriffe bilden die Grundsätzliche innere Einstellung für jede spirituell motivierte Handlung. Kriya Yoga ist wie ein Kompass um uns auf dem Weg immer wieder auf das Ziel des Yoga auszurichten. Später im Text wird erst klar, dass Patanjali die drei Punkte des Kriya Yoga auch zu den Niyamas zählt, also den Regeln für den Umgang mit sich selbst.
Das Kriya Yoga sind eben diese drei Eigenschaften die es bei der spirituellen Praxis zu beherzigen gilt. Der große Meister Swami Vivekananda übersetzt Kriya Yoga mit „Arbeiten auf das Yoga hin“ also ein aktives streben. Um dieses Streben entsprechend einzustellen, nutzen wir die drei Begriffe:
  • Tapas: Ist das innere Feuer, die Begeisterung der en, die unbedingte Wille sich spirituell zu entwickeln, die Bereitschaft zur inneren Disziplin. Die alten Yogis wurden „Tapasvins“ genannt, also die Asketen oder die Willensstarken. Wobei es nicht um ein äusseres Entsagen geht, sondern um eine innere Loslösung.
  • svādhyāya: Ist die Reflexion über das Selbst als korrektiv, oder auch die innere Führung durch die Orientierung an den klassischen Schriften.Letztlich wollen wir ja den Verstand überwinden, daher benutzen wir die Schriften und die Selbstreflexion um über die Begrenzungen der Konzepte hinaus zu gehen.
  • iśvarapraṇidhānāna: Ist die Hingabe oder Demut gegenüber einem persönlichen Aspekt oder einer Form von Gott. Wie auch immer diese Aussehen mag, aber es ist gut sich als Teil des großen Ganzen zu sehen und sich einer höheren geistigen Macht unterzuordnen. Patanjali spricht sehr pragmatisch von Gott, und er lässt das Konzept sehr offen.
Swami Satyananda definiert das Wort sehr schön: „sich dem kosmischen Willen hingeben“
 Letztlich findet man diese drei Grundsätzlichen Anweisungen in verschiedenen Färbungen und Intensitäten in allen Religionen und spirituellen Traditionen, zB:
  • Tapas: Enthaltsamkeit, gewählte Armut, Disziplin in der Übung, Rückzug, Retreat…
  • svādhyāya: Bibelexegese, Rezitationen, Selbsterforschung,
  • iśvarapraṇidhānāna: Gebete, Rituale, Gesänge,…
Ebenso stehen die drei Methoden des Kriya Yoga für die drei Yogawege der Bhagavad Gita:
Patanjali versteht es mit sehr wenigen Worten (eigendlich ist der obige Vers nur ein einziges Wort aus vielen Silben) sehr viel zusagen. Letztlich ist bereits mit dem 1.Vers alles gesagt, was man für die spirituelle Praxis benötigt. Patanjali nimmt sich aber im folgenden Kapitel die Zeit alles noch etwas detaillierter aufzuarbeiten…

Patanjali Yoga Sutra 2.2

2.2 समाधिभावनार्थः क्लेश तनूकरणार्थश्च
samādhi-bhāvana-arthaḥ kleśa tanū-karaṇa-arthaś-ca
samādhi = Überbewusstsein
bhāvana = ausrichtung auf, Gefühl von, bewirken
arthaḥ= Ziel, Zweck, Grund, Sache, Objekt
kleśa= Bürden; Leiden; Kummer; ursachen des Leidens
tanū = vermindern, ausdünnen; dünn, schlank, fein
karaṇa = Herbeiführen, Erreichen, Machen, Bewirken, Hervorbringen
„Ist die Praxis auf das Ziel ausgerichtet, dann werden die Leiden auf dem Weg verschwinden.“
 oder
„Kriya Yoga vermindert die Ursachen des Leidens und führt Überbewusstsein herbei.“
 Swami Vivekananda sagt in seinem Kommentar zu diesem Vers: „Die meisten von uns behandeln ihr Denkorgan wie ein verwöhntes Kind, das tun und lassen kann was es will.“ Und so nutzen wir die dreifache Praxis des Kriya Yoga um den Geist zu beherrschen. In diesem Vers sagt Patanjali nochmals sehr knapp wozu wir Kriya Yoga üben sollen: Um die Ursachen des Leidens auszudünnen und um den Geist auf Samadhi vorzubereiten. Samadhi ist ein Zustand den wir, ebenso wie Dhyana- den Zustand der Meditation, nicht willentlich herbeiführen können. Wir öffnen durch das Kriya Yoga eine Tür in ein höheres Bewusstsein, in das wir bei totaler Konzentration (Dharana) zunächst hineinfallen (Dhyana) um da herausraus gehoben zu werden (Samadhi). Die Ursachen des Leidens werden in den weiteren Versen noch genau erläutert, aber mit Kriya Yoga brauchen wir uns darum nicht weiter zu sorgen, so verspricht es Patanjali.
Die Motivation auf dem spirituellen Weg ist zweifacher Natur, beide Punkte sind im Vers angesprochen.
  1. Man ist so tief in das Leiden der Welt und die unsinnigkeit eines materiell orientierten Lebens eingesunken, dass man sich auf ein höheres Ideal besinnt. Sozusagen wird man „von unten gedrückt.“
  2. Man ist so inspiriert von den Lehren oder einem Meister, dass man „von oben gezogen wird.“
Wenn du nicht schnell genug weiter kommst auf dem Weg, kannst du dich fragen ob du inspiriert genug bist, oder ob du noch nicht genug gelitten hast…
Im weiteren Text werden dann zunächst die Kleshas sehr genau besprochen. Unter diesem Link findest du einen kurzen Vortrag über das Leiden und den Weg es zu überwinden.
Soweit meine Interpretation der ersten beiden Verse des Sadhana Pada des Patanjali Yoga Sutra.

Badrinath- Heiligster Ort für Vishnu

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