Shankaras „Brahma Jnanavali Mala“ – über das universelle Selbst

IMG_2041Die „Girlande des Wissens um Brahman“ brahmajnānāvalīmālā ist ein kurzes Lehrgedicht von Adi Shankaracharya mit 21 Versen und es enthält die Essenz der Lehre des Advaita Vedanta.

Shankara hat mehrere solcherlei Lehrgedichte verfasst die sich gut eignen um seine Lehre zu überblicken, sie werden traditionell auswendig gelernt um das Wissen unmittelbar zur Verfügung zu haben. Shankara lebte vermutlich von 788 bis 810 und er gilt als großer Reformator des Hinduismus, du findest einen umfassenden Artikel über Leben und Werk Shankaras unter diesem Link. Das Brahma Jnanavali Mala ist eines von vielen kleineren Texten die Shankara verfasst hat um seine Weisheit auszudrücken und zu konservieren.

Brahma Jnanavali Mala, Girlande des Wissens um Brahman

1. Dieses Werk – genannt Brahma Jnanavali Mala – durch welches man bereits durch einmaliges Hören die Erkenntnis von Brahman erreicht, ermöglicht allen, die Befreiung (von Samsara) zu erreichen!

Letztendlich geht es nur darum sich der höchsten Wahrheit bewusst zu sein und unverrückbar zu erkennen, dass ich eins mit allem bin, dass die Welt in mir stattfindet- nicht ich in der Welt. Die Erkenntnis der Einheit allen Seins ist bereits die Befreiung, es gibt nichts (weiter) zu erreichen, denn mit dem Wissen um die All-Einheit ist die Freiheit von allem (selbst-) gemachten Leiden da. Im Grunde reicht es völlig aus diesen Text zu hören und zu verstehen um die sagenhafte Erleuchtung zu erreichen…

2.Ungebunden bin ich, ungebunden bin ich, immer frei von Bindung jeder Art; meine wahre Natur ist Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und ewig unveränderlich.

Irrtümlich glauben wir der Körper und die Person zu sein und begrenzen uns damit auf das getrennte Individuum voller Mangel, statt anzuerkennen, dass wir Bewusstsein sind und alle Erfahrungen wie ein Film auf einer Leinwand in diesem Bewusstsein ablaufen. Ich bin wie der Vers sagt vollkommen ungebunden von den Objekten im Bewusstsein, ich bin das allumfassende Sein, das eine Bewusstsein, die bedingungslose Glückseligkeit, Das Selbst ist unberührt von allem und jenseits allen Wandels.

3. Ich bin ewig, ich bin rein (frei von der Kontrolle der Maya). Ich bin ewig befreit. Ich bin formlos, unzerstörbar und unveränderlich. Meine wahre Natur ist unendliche Seligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Es gibt vom absoluten Standpunkt aus betrachtet nichts zu erreichen oder zu tun, denn wir sind bereits das Selbst jenseits aller Erfahrhung, nur das wir uns reduzieren auf die relative Perspektive. All diese wunderbaren Eigenschaften liegen nicht in der Zukunft sondern sie beschreiben unsere wahre Existenz die es zu erkennen gilt, wir müssen dazu bloß unsere Augen öffnen und aufwachen in die Einheit.

4. Ich bin ewig, ich bin frei von Makel, ich bin formlos, ich bin unzerstörbar und unveränderlich. Meine Natur ist höchste Seligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Die zweite Zeile der meisten Verse endet mit: „svarūpo’hamahamevāhamavyayaḥ“ also in etwa: „Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.“ wobei jeweils andere Eigenschaften davor stehen, hier im 4. Vers z.B. „akhaṇḍānanda“, also „nicht endende Freude“, dies wird in dieser Übersetzung nicht ganz deutlich. Das was ICH in wirklichkeit BIN ist nicht beschreibbar, jedoch können die gewählten Worte eine grobe Idee bringen um sich dem anzunähern. Das Selbst ist bereits makellos und perfekt, da Makel nur eine Bewertung aus dem begrenzten dualen Denken ist.

5. Ich bin reines Bewusstsein, ich schwelge in meinem eigenen Selbst. Meine wahre Natur ist unteilbare (konzentrierte) Seligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Wenn ich das alles-umfassende Bewusstsein bin, dann bin ich folglich eins mit allen Objekten die scheinbar durch mich als Subjekt erfahren werden und dann bin ich immer in absoluter Fülle. Die Ganzheit oder Fülle bedeutet auch, dass es nichts (mehr) zu erreichen gibt und nichts mehr nötig ist um glücklich zu sein, denn eins sein impliziert bedingungslose Zufriedenheit.

6. Ich bin das innewohnende Bewusstsein, ich bin ruhig (frei von jeglicher Aufregung), ich bin jenseits von Prakrti (Maya), meine wahre Natur ist ewige Seligkeit, ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Wenn ich weiß, was ich bin, also bewusst darüber bin Bewusstsein zu sein, dann bin ich von Stille erfüllt und es gibt nichts was mich aus dieser Ruhe bringt, denn ich bin jenseits der Erfahrungen. Prakriti oder Maya ist die duale Perspektive auf die Welt, also: Ich bin der Wahrnehmende der Objekte. Aber in Wirklichkeit bin ich alles, die Objekte sind Ereignisse in mir und ich bin vollkommen unberührt von ihnen bzw. mit allem gleichwertig eins.

7. Ich bin das höchste Selbst jenseits aller Kategorien / Klassifizierungen (wie Prakriti, Mahat, Ahamkara, usw.), ich bin der höchste Glückverheißende, jenseits all jener in der Mitte. Ich bin jenseits von Maya. Ich bin das höchste Licht. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Zwar werden viele Worte verwendet um über das Selbst zu berichten, jedoch ist das wahre Selbst nicht beschreibbar, da es immer mehr ist als Worte. Aus diesem grund wird auch gesagt, dass es keine Kategorien, klassifizierungen oder Konzepte gibt die einer Beschreibunng des Selbst gerecht werden könnten. Das Selbst ist zwar das höchste Glück welches als Ananda bezeichnet wird, jedoch ist dieses nicht zu verwechseln mit Extase oder einem himmelhochjauchzendem Glück, sondern es ist die ganz gewöhnliche bedingungslose Zufriedenheit.

8.Ich bin jenseits aller verschiedenen Formen. Meine wahre Natur ist reines Bewusstseins. Niemals bin ich dem Niedergang unterworfen. Meine wahre Natur ist Seligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Hier wiederholt Shankara nochmals seine wichtigsten Ausführungendas Selbst ist Bewusstsein und jenseits aller Formen, es ist auch unberührt von Vergänglichkeit. Das was ich tatsächlich bin ist bedingungslose Glückseligkeit.

9. Weder Maya noch ihre Auswirkungen wie der Körper existieren für mich. Ich bin von derselben Natur und selbstleuchtend. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Maya ist die kosmische Täuschung, sie ist bloß eine Illusion. Maya endet wenn wir die Einheit allen Seins erkannt haben, mit dem Ende von Maya endet auch unser Leiden. Das was ich bin ist allumfassend und es beinhaltet also auch die duale Perspektive, dualität ist ein scheinbarer Teil dess Einen.

10. Ich bin jenseits der drei Gunas – Sattva, Rajas und Tamas. Ich bin sogar der Zeuge von Brahma selbst und anderen. Meine wahre Natur ist unendliche Seligkeit. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Das was ich in wirklichkeit bin jenseits aller Konzepte und Illusionen ist das reine Sein ohne Eigenschaften bzw. Gunas. Ich bin bezeugendes Bewusstsein und als solches wahrnehmer und wahrgenommenes zugleich. Da ich alles bin, bin ich zugleich absolut zufrieden.

11. Ich bin der innere Aufseher, ich bin unveränderlich, ich bin all-durchdringend. Ich selbst bin das höchste Selbst. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Ich bin das höchste, wirkliche und einzige Selbst welches alles umfasst und nicht wandelbar ist.

12. Ich bin frei von Bestandteilen. Ich bin handlungslos. Ich bin das Selbst von allem. Ich bin der Ursprung. Ich bin der Uralte, Ewige. Ich bin das direkt erkannte Selbst. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Das Eine lässt sich nicht teilen, da es alles ist handelt es auch nicht, höchstens geschieht im Selbst Handlung.

13. Ich bin der Zeuge aller Gegenteilensatzpaare. Ich bin unbeweglich. Ich bin ewig. Ich bin der Zeuge von allem. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Ich denke so langsam wird die Erläuterung immer klarer, da die Natur des wahren Selbst immer genauer beschrieben wird. Die Gegensätze sind Ereignisse im Bewusstsein, also im Selbst, ebenso wie alles andere was bezeugt wird. Das Selbst bewegt sich nicht, aber in ihm findet scheinbar Bewegung statt, das Selbst hat weder Anfang noch Ende.

14. Ich bin ein großes Maß an Erkenntnis und Bewusstsein. Ich bin weder ein Handelnder noch ein Erfahrender. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

Handlung und Erfahrung findet im Selbst statt, aber das Selbst lässt sich nicht darauf reduzieren.

15. Ich bin ohne jegliche Unterstützung, und ich bin die Unterstützung von allem. Ich habe keine Wünsche die zu erfüllen sind. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

tatsächlich sind solche Aussagen absurd, sie fordern unseren Geist heraus, denn wir müssen letztlich all unsere Konzepte loslassen.

16. Ich bin frei von den drei Arten von Beschwerden – denen im Körper, denjenigen von anderen Wesen und jenen, die durch höhere Mächte verursacht sind. Ich bin von den groben, subtilen und kausalen Körpern verschieden. Ich bin der Zeuge der drei (Bewusstseins-) Zuständen des Wachens, Traums und Tiefschlafs. Ich bin das wirkliche Selbst, unzerstörbar und unveränderlich.

…denn ich bin die Grundlage all dessen! Ich bin wie diie strahlend-weiße Leinwand die vollkommen unberührt ist vom Film. Nichts was mir widerfährt berührt die Essenz meines Seins, da es alles umfasst.

17. Es gibt zwei Dinge, die von einander verschieden sind; diese sind der Seher und das Gesehene. Der Seher ist Brahman, und das Gesehene ist Maya. Das ist, was der gesamte Vedanta öffentlich verkündigt.

Also die Maya ist die scheinbare Trennung vom Seher mit dem Gesehenen, tatsächlich ist alles eins: Brahman. Jedoch müssen wir um diese Einheit als absolute Wahrheit zu erkennen durch das Nadelöhr der Trennung gehen, denn die Maya ist aktiv bis wir sie als Illusion erkannt haben.

18. Derjenige, welcher nach wiederholtem Nachdenken begreift, dass er ein bloßer Zeuge ist, er allein wird befreit. Er ist der Erleuchtete – Aufgeklärte – Vorurteilsfreie. Dies wird vom Vedanta öffentlich verkündigt.

Dieses „wiederholte Nachdenken“ ist der Weg: wir reflektieren solange über unsere wahre Natur bis wir sie erkannt haben.

19. Der Topf, die Wand usw. sind allesamt nichts anderes als Lehm. Gleichermaßen ist das komplette Weltall nichts anderes als Brahman. Dies wird vom Vedanta öffentlich verkündigt.

Maya macht aus Lehm einen Topf, tatsächlich ist alles Brahman.

20. Brahman ist echt, das Weltall ist Mithya. Der Jiva ist Brahman selbst und nicht (von Ihm) verschieden. Das sollte als richtige Shastra Lehre verstanden werden. Dies wird vom Vedanta öffentlich verkündigt.

Diese Aussage „brahma satyam jagan mithya jivo brahmaiva naparah“ ist wohl Shankaras bekannteste Aussage, die er auch in anderen Texten wie zB dem Viveka Chudamani gemacht hat. Das Weltall ist Mithya, also „täuschend, unrichtig, verkehrt, fälschlich, falsch, unwahr, lügnerisch, unwirklich, scheinbar; ohne wahren Zweck, vergebens“, denn alles was als „gesehenes“ und daher getrenntes erfahren wird ist Mithya, tatsächlich gibt es keine Trennung zwischen mir und den Objekten meiner Wahrnehmung.

21. Ich bin der Glückverheißende, das innere Licht und das äußere Licht, das inwendige Licht, höher als das Höchste, das Licht aller Lichter, selbstleuchtend, das Licht, welches das Selbst ist.

Ich umfasse alles was ist.

ओम् तत् सत्

Shankara und Schüler, Shankaracharya, Advaita Vedanta, Upanishads

Bhagavadpada Adi Shankaracharya

 

Facebook Kommentare

comments

Über uns Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und versuche meinen Lebensunterhalt als Reiseveranstalter zu erwerben. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge… :-)