Spiritualität für Atheisten – ein paar Gedanken dazu.

Mit diesem Artikel möchte ich Spiritualität für Atheisten etwas aufbereiten, weil ich denke, dass man nicht an  „Gott“, „Erlösung“ oder andere transzendente Lehren glauben muss um sein Leben durch die spirituelle Ebene des Seins zu bereichern.

Spiritualität für Atheisten

Meine Erfahrung die ich in vielen Gesprächen mit Atheisten, Agnostikern und anderen Ungläubigen gemacht habe ist, dass sie häufig offen sind für die Idee der persönlichen, geistigen Entwicklung. Zwar lehnen sie aus verschiedenen Gründen, die ich durchaus nachvollziehen kann, jegliche übersinnlichen, transzendenten und nicht-empirischen Konzepte ab, jedoch denken sie kritisch und sind offen für neue Sichtweisen. Oftmals ist es sogar so, dass Leute die sich selbst als Atheisten bezeichnen besser mit Religion auskennen als manche esoterisch verblendete Sucher. Tatsächlich ist es eine hervorragende Qualifikation für den spirituellen Weg die Dinge kritisch zu betrachten und nicht alles zu glauben was an Konzepten in der Welt unterwegs ist. Getreu dem Buddha-Wort welches er kurz vor seinem Tod gesagt haben soll:

„Glaubt nicht an meine Worte bloß weil ich der Buddha bin, sondern hinterfragt sie und prüft für euch selbst!“

Es schließt sich also Spiritualität für Atheisten nicht aus, da Skepsis ein wichtiger Aspekt für den spirituellen Weg bedeute. Kritisch zu sein gegenüber Glaubenssachen ist in jedem Fall hilfreich. Im Gegensatz zu Religion, bei der es um das akzeptieren von Dogmen geht, hat die Spiritualität zum Ziel eben jene Dogmen zu überwinden und die Wahrheit jenseits aller Konzepte zu erkennen. Es geht um die Freiheit welche Jesus, Buddha und all die anderen Meister vor gelebt haben, nicht um die Begrenzungen die durch deren Schüler etabliert wurden. Konzepte sind im Spirituellen Kontext nicht dazu da um sie als Dogma anzunehmen, sondern um darüber zu reflektieren und die Bedeutung für das Eigene Leben zu verstehen.

Dazu gibt es in Indien ein wunderschönes Sprichwort:

„Wenn der Weise mit dem Finger auf den Mond zeigt, sieht der Idiot nur den Finger!“

Für mich hat der Begriff des Glaubens etwas naives und kindliches, nur wenn ich etwas nicht weiß und es selbst als wahr erkenne muss ich etwas glauben. Wieso glaubt man z.B. das jemand vor 2000 Jahren für mich gestorben sein soll? Und das ich nur daran glauben soll um dann nach meinem Tod in einen besseren Zustand zu kommen? Natürlich gibt es dafür aus spiritueller Sich auch nachvollziehbare Erklärungen, aber diese werden üblicher Weise im religiösen Kontext nicht gegeben, dort wird nur gesagt, dass man halt daran glauben soll. Sorry, aber das reicht mir nicht.

Glauben ist nicht Wissen!

…sagt der Volksmund, zu Wissen kommen wir nur durch skeptisches Hinterfragen bzw. durch eine genaue Analyse der Zusammenhänge

Den Begriff des Glaubens würde ich gerne mit „Vertrauen“ erweitern würde: wenn man eine spirituelle Weltsicht kultiviert hat und sich in diesem Sinne weiter Richtung Freiheit bewegen möchte, ist es von entscheidender Wichtigkeit Vertrauen in die Lehre und ggf. eine bestimmte Tradition oder einen bestimmten Meister zu entwickeln. Aber das ist etwas anderes als ohne zu Hinterfragen irgendwelche Konzepte zu akzeptieren.

Atheisten lehnen vor allem die Idee von „Gott“ ab, aus nachvollziehbaren Gründen, denn es gibt bis heute noch nicht einen klaren Gottesbeweis. Kein Wunder, denn wie C.G. Jung sagt:

„Religiöse Erfahrungen sind absolut!“

„Gott“ ist nur ein Wort…

Also „Gott“ wird nur subjektiv erlebt oder erkannt und und bewertet, es ist nicht teilbar, jede spirituelle Erfahrung findet nur im inneren Statt bzw. ist begrenzt auf das Subjekt. Wobei natürlich bedingt durch die rein subjektive Erfahrung bzw. Erkenntnis Gottes auch die Definitionen höchst verschieden ausfallen:

  • Für die einen ist es eine Vaterfigur, für die anderen eine Mutterenergie, die einen verehren es als Seele der Welt, die anderen sehen es als lenkende Instanz in der Schöpfung, manche geben „ihm“ bestimmte Namen, Formen und Eigenschaften, und andere betrachten ihn als nicht beschreibbar, einige haben schier unendlich viele Darstellungen, andere dürfen sich kein Bild machen, für die einen ist es eine mysteriöse Kraft, für die anderen ein konkreter Begleiter. Für die einen ist er Persönlich bzw. ein Wesen, für die anderen ist es gestaltlos, manche sehen es als abstrakt, andere als konkret…

Der Begriff Gott wird wie kein anderer überbewertet obwohl jeder etwas anderes darunter versteht. „Gott“ ist zunächst nur ein Wort, jeder füllt es sowieso mit dem eigenen Konzept, je nach Lust und Laune bzw. kulturellem Hintergrund. Also kann auch ein Atheist das Wort mit seinen eigenen Ideen füllen. Und man kann sagen:

„Ich glaube nicht an Gott, ich weiß das es Gott gibt!“

Und man kann sich dabei bewusst sein, dass ja jeder sowieso den Begriff mit seinen Überzeugungen füllt. Also wenn für mich „Gott“ ein Wort für „kosmische Ordnung“ ist, dann weiß ich, dass es diese gibt. Ich denke logischer Weise hat sich das Universum nicht aus Zufall zu solcher Komplexität entwickelt, es gibt offensichtlich irgend eine Art von Plan oder Ordnung.

Der Atheist

Aber der Atheist lehnt (wie der Name schon sagt) jede Idee von Gott ab, und das ist auch gut so. Es geht in der Spiritualität nicht darum Gott zu gefallen, an ihn zu glauben oder zu ihm zu kommen, sondern es geht (nur) darum mit sich selbst ins reine zu kommen und im Einklang mit der Welt zu leben. Es geht darum zu erkennen was das wahre Selbst ist jenseits von Körper und Person, diese Erkenntnis birgt die Freiheit von allen selbst gemachten Begrenzungen, da sie alls Konditionierungen und Konzepte auflöst. Der Ergründung der Frage: „Wer bin ich?“ ist die Essenz der spirituellen Suche, die Antwort ist nicht befriedigend in Worte zu kleiden, sie muss im inneren gefunden werden.

Der Agnostiker

Der Agnostiker lehnt die Idee einer wie auch immer gearteten spirituellen Befreiung ab, „Gnosis“ ist für ihn nicht relevant oder gar erstrebenswert. Menschen die sich als Agnostiker bezeichnen, lehnen solche Konzepte meist aus politischen Motiven ab, nach dem marxschen Motto:

„Religion ist das Opium des Volkes!“

Sie lehnen den Befreiungsweg ab, weil er nur davon ablenkt gegen die großen Probleme in der Welt zu kämpfen, sie wollen sich nicht vertrösten lassen auf eine bessere Welt im Jenseits. Das ist für mich absolut nachvollziehbar und ich war früher selbst davon überzeugt, dass wir erst mal die Welt retten müssen bevor wir uns um solchen Luxus wie Selbstverwirklichung kümmern sollten. Jedoch bin ich irgendwann zur Einsicht gekommen, dass ich der Welt nur helfen kann wenn ich selbst von Frieden erfüllt bin. Mehr noch: ich tue mehr für eine bessere Welt wenn ich daran arbeite jeden Moment von Liebe geleitet zu sein statt auf Demos zu gehen. Man muss nicht an die Befreiung glauben um daran zu arbeiten seinen eigenen Hass durch Liebe zu ersetzen und den Geist von Frieden zu erfüllen. Meditation und Selbst-Reflektion helfen in jedem Fall die Welt zu einer besseren zu machen.

Advaita Vedanta – Spiritualität für Atheisten

Die Grundlage indischer Spiritualität und Religion ist die monistische Lehre des „Advaita Vedanta“ was wörtlich bedeutet: „vollendetes Wissen der nicht-Dualität“. Diese Sichtweise ist sehr logisch, klar und frei von kulturellem Schnickschnack, sie begeistert durch ihre Bodenständigkeit und ist ideal um dem skeptischen Atheisten Erklärungen für seine transzendenten Fragen zu geben. Die Lehre fußt auf den ältesten Schriften der Inder und sie wird seit Jahrtausenden über eine ununterbrochene Kette von Lehrer und Schüler weitergegeben und verfeinert. Kernaussage des Advaita Vedanta ist: Subjekt und Objekt sind eins, alles ist als Bewusstsein das Selbst, jede gedachte Trennung ist eine Illusion und verursacht Leiden, die Einheit zu erkennen führt zur Freiheit.

Meine Empfehlung was Spiritualität für Atheisten angeht ist die uralte Lehre des Advaita Vedanta, nicht zuletzt weil dort ein sehr rationaler Umgang mit Gotteskonzepten gepflegt wird und das System durch und durch logisch ist.

Spiritualität für Atheisten

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Über uns Narada

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