Tantra, Bhakti& Vedanta – kaum zu trennen

Ein kleiner Altar mitten in Varanasi

Vishnu, Hari, Narayan & Lakschmi, Lakshmi, Laxmi, Altar in Varanasi

Indische Spiritualität übt seit Mitte des 19.Jahrhunderts eine große Faszination auf den westlichen Denker aus, da es eine gänzlich andere Herangehensweise an die Wahrheit als das westliche Denken hat. Seit die großen Indologen wie Paul Deussen und Max Müller die heiligen Texte Indiens zugänglich gemacht haben, werden die Aussagen über die Wirklichkeit vom Westen aufgesogen. So sind beispielsweise Denker wie Humbold, Schopenhauer, Hegel und Goethe sehr inspiriert von indischer Philosophie und Bewegungen wie die Theosophie und die Anthroposophie sind stark durch den Hinduismus beeinflusst.

Hinduismus hat auf viele Weisen den Westen beeinflusst

Man kann drei große Strömungen der Hinduistischen Ideen im Westen unterscheiden die allesamt hilfreich sind um dem Suchenden zu helfen sich auf dem ungewissen Weg der Spiritualität zu orientieren. Diese drei sind im Westen auf unterschiedliche Weise weit verbreitet und ein tieferes Verständnis derer ist sicher hilfreich um ein Umfassendes Bild des indischen Denkens zu bekommen.
Oftmals entsteht der Eindruck die verschiedenen Wege der indischen Spiritualität die sich mehr und mehr im Westen verbreiten stünden in Konkurenz zueinander und sie würden sich grundlegend Widersprechen. Jedoch denke ich, dass es ganz klar drei Blickwinkel auf die Selbe Wirklichkeit sind, die sich ergänzend bereichern und es entscheidend ist die Gemeinsamkeiten zu sehen und sie nicht zu weit von einander abzugrenzen.

„Darshanas“ sind Anschauungen des Hinduismus

So ist im Hinduismus auch die Rede von den sogenannten „Darshanas“ was in etwa „Schau“ oder „Blickwinkel“ bedeutet, Darshanas sind Anschauungen von jeweils anderen Standpunkten.  Es geht um die selbe Wahrheit die eben aus unterschiedlichen Richtungen betrachtet wird, es kann nur hilfreich sein die Konzepte über die Wahrheit immer wieder zu erweitern indem man den Stanpunkt wechselt und dadurch tiefer blicken kann.
Es hat in der Vergangenheit mehr als ausreichend Kriege und Streit gegeben um philosophische Konzepte und Meinungen, nach dem Motto: „mein Gott ist größer und länger“. Ich denke es ist an der Zeit und von höchster Wichtigkeit, dass wir modern denkenden Menschen mehr die Gemeinsamkeiten betonen statt immer nur Abzugrenzen und zu Trennen. Und gerade in der spirituellen Szene sollten wir sehr achtsam sein wenn es um den Umgang mit anderen Richtungen geht die sich oberflächlich betrachtet von der Unseren (welche auch immer) zu widersprechen scheint.
Klar ist es wichtig sich zu definieren und eine klare Ausrichtung auf einen bestimmten Praxisweg zu haben, jedoch solle man immer sehen, dass es um ein einheitliches Ziel geht, welches unterschiedlich benannt werden kann.
Und damit fängt es schon an:
Wie definieren wir das Ziel der einzelnen Wege und trennen uns damit bereits von anderen?

  • Der aufrichtige Bhakta (BhaktiYoga- der Weg der Hingabe) möchte Gott dienen, der Jnani (JnanaYoga/ Vedanta– der Weg der Erkennntis) möchte erkennen, dass er eins ist mit Gott und der Tantriker (Tantra– der Weg der Verschmelzung) möchte eine Gotteserfahrung in höchster Extase machen.

Aber ich denke es sind bloß unterschiedliche Worte für ein und das Selbe, wir wollen Glück, Freiheit, Harmonie und Frieden oder wie auch immer wir es benennen wollen. All diese Wege führen zum selben Ziel, nur das dieses sehr unterschiedlich definiert wird.
Auch im Yogabereich wird viel zu sehr getrennt zwischen den verschiedenen Wegen, womöglich um sich selbst mit seinem gewählten Weg von den anderen etwas abzuheben. Beispielsweise wird das Vedanta oft als „zu Kopflastig“ abgelehnt, das Bhakti Yoga als zu „Gefühlsbetont“ verurteilt und das Tantra als „zu sehr auf Vergnügen ausgerichtet“ bezeichnet.
Swami Sivananda, der mich auf meinem Weg am meisten inspiriert hat, war immer bemüht zu betonen wie wichtig es ist integral zu denken und die verschiedenen Ansätze miteinander zu verbinden. Sein „Yoga der Synthese“ hatte als Idee den spirituellen Weg als universellen Pfad mit vielen Schwerpunkten zu vermitteln und damit auch der Trennung in einzelne eigenständige Pfade durch Swami Vivekanandas „viele Wege“-Idee entgegenzuwirken. Die Idee der Trennung der einzelnen Ebenen des Yoga zu eigenen Wegen zum Ziel hat sich leider als Konzept sehr weit verbreitet und ist wie ich meine kontraproduktiv, da es zu trennung führt. Will man das Ziel des Yoga erreichen, gilt es alle trennung aufzulösen und weit und offen zu werden für alles und jeden.
Das System des Yoga ist ein ganzes mit vielen Teilen, um Erfolg im Yoga zu haben ist es meiner Meinung nach ganz entscheidend die verschiedenen Ansätze miteinander zu einem einzigen ganzen zu verbinden und dieses eben auf individuelle Weise. Man kann und sollte Schwerpunkte in der spirituellen Praxis setzen, jedoch sollte man damit nicht die anderen Wege ausgrenzen sondern schauen wie man sich durch sie bereichern kann.

Bhakti, Vedanta, Tantra – jeweils im anderen enthalten

Die drei von mir genannten Standbeine des Hinduismus die vom Westen geprägt sind und sich großer Beliebtheit erfreuen funktionieren im Grunde nicht ohne die Ansätze der anderen, damit meine ich im einzelnen:

  • Bhakti: Der Weg der Hingabe ist zwar eigenständig, enthält jedoch auch die beiden anderen Pfade. Es braucht auch eine Erkenntnis um die Gefühle ganz auf Gott auszurichten und entsprechend braucht es einen pilosophischen Überbau um die Erfahrungen im rechten Lichte einzusortieren, also Vedanta bzw. Jnana Yoga. Ebenso ist der tantrische Ansatz im Bhakti Yoga wichtig, nämlich das verschmelzen mit den Erfahrungen in der Welt trotz der Liebe zu dem was jenseits der Welt liegt.
  • Vedanta: Der Weg der Erkenntnis ist an sich ein kompletter Weg, jedoch betonen die Meister des Vedanta immer wieder, dass dieser die anderen Wege auch enthält. So kann die höchste Erkenntnis nicht kommen wenn man keine Demut gegenüber der Schöpfung und seinem Herrrn hat. Ebenso kann man nicht über die Welt der Maya hinausgehen indem man sie bloß verleugnet, man lebt in der maya und es ist wichtig auch mit der Maya zu leben und das ist durcaus der tantrische Ansatz.
  • Tantra: der Weg des verschmelzens mit der Ebene der Erfahrungen, so kann man sagen, ist das Tantra. Um gänzlich eins zu werden mit dem Feld der Erfahrungen braucht es eben auch die Hngabe an das Ganze und auch ein tiefes verstehen bzw. Erkennen der Natur der Wirklichkeit, also Bhakti und Vedanta als Ergänzung des Tantra sind unabdingbar.

Und so hoffe ich mit diesem beitrag deutlich gemacht zu haben, dass es letztlich nur einen Weg zu Gott gibt, den Eigenen. Dieser steht nicht im Widerspruch zu den Wegen der Anderen sondern drückt sich nur individuell anders aus. Jeder Suchende sollte seinem Herzen folgen um die nächsten Schritte auf dem Weg zu Gott zu finden, aber niemals meinen der eigene Weg sei besser als der der anderen. Jeder Mensch versucht entsprechend seiner Möglichkeiten sein bestes zu geben und gemäß der eigenen Erfahrungen seinen Weg zu finden. Wenn wir mehr auf die Gemeinsamkeiten achten statt auf die Unterschiede leisten wir einen großen Beitrag für den frieden unter den Menschen. Abgesehen davon können wir niemanden erreichen indem wir ihn belehren, sondern dadurch, dass wir ihn unterstützen und fördern auf seinem individuellen Weg. Ramana Maharshi fragte zB immer siene neuen Schüler welche spirituelle Praxis sie ausüben, unabhängig von der Antwort sagte er immer:
„das ist gut, mach weiter so! Und: stelle dir die Frage: Wer bin ich?“

Facebook Kommentare

comments

Über uns Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und versuche meinen Lebensunterhalt als Reiseveranstalter zu erwerben. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)