Wie Jnaneshwara die Kundalini beschrieb

Der heilige Jnanadev, der später meist Jnaneshwara genannt wurde und manchmal Gyaneshwar geschrieben wird, lebte im 13. Jahrhundert (womöglich 1275–1296) im heutigen Maharashtra und er gilt als einer der wichtigsten Meister der Yogageschichte. Er lebte nur bis zu seinem 22. Lebensjahr und hat in der kurzen Zeit vieles bewegen können, einiges von seinem Wissen ist bis heute überliefert.

Jnanadev – Nathyogi, Kundalini & Bhakti Meister

Goraksha, Gorakhnath, Gorakh, Gorakshanath

Gorakhnath

Jananeshwara war ein Meister des Bhakti- und Kundalini- Yoga und er hat einen berühmten (manche sagen den besten) Kommentar zur Bhagavad Gita hinterlassen. Er ist einer der wichtigen Nath-Yoga Meister gewesen, diese haben Hatha Yoga und Kundalini Yoga als Weg zu Gott definiert und ausgearbeitet. Ich möchte an dieser Stelle einiges über ihn schreiben und ein paar Zitate aus dem „Jnaneshwari“ bzw. „Bhavartha Dipika“ sowie dem „Amritanubhav“ bringen über die Kundalinikraft und -Praxis.

Jnanadev und seine Geschwister hatten das Problem Ausgestossene zu sein, da ihr Vater aus der Priesterkaste verbannt wurde aufgrund eine heimlich abgelegten Entsagungsgelübtes, eine lange Geschichte kurz zusammengefasst.

Jnanadevs Bruder und späterer Guru Nivrittinath hatte nach der Flucht vor einem hungrigen Tiger (man sagt es war die Göttin Durga die ihn trieb) Zuflucht in einer Höhle gesucht und traf dort den großen Nath Meister Gahininath, einem Schüler von Gorakshanath, der wiederum Schüler des großen Matsyendranath war, der sein Wissen von Adinath Shiva direkt bekam. Also eine wahre meisterliche Linie der Tradition der Naths. Nivrittinath hat in kürzester Zeit von Gahininath das notwendige Wissen erlernt um ein Nathyogi zu sein, er wurde daraufhin Guru seiner jüngeren Bruders Jnanadev.

Jnanadev hat durch die Führung seines Bruders eine sehr starke Hingabe und Liebe entwickelt und es geschah bei einem Tribunal zur Rehabilitierung in die Priesterkaste, dass er einen Stier dazu brachte Verse aus den geheimsten heiligen Texten zu rezitieren. Daraufhin wurde dem Volk klar, dass es sich bei Jnanadev um einen Heiligen handelt, und er wurde fortan Jnaneshwara genannt. Jnaneshwaras Liebe zu Gott sowie sein Ruhm im Volk wuchs schnell und er wurde einer der größten Heiligen seiner Zeit.

Hier ein Audiokommentar von mir zu Jnaneshwaras Erfahrhungen:

Jnaneshwara über die Kundalini in seinem Gita Kommentar

Hier einige Auszüge aus dem 6. Kapitel des „Jnaneshwari“, dem Gita Kommentar von Jnaneshwara, diese Sätze gelten als die ältesten ausführlichen Beschreibungen der Kundalinikraft:

„Wenn sie alles Schwere aufgelöst hat, durchdringt sie erneut das ganze Wesen und erfüllt es mit seiner Energie. Dabei strömen die Winde des linken und des rechten subtilen Kanals in die Mitte, doch läßt die Kraft der Kundalini es noch nicht zu, daß sie sich vereinen, sondern trennt sie durch die trennenden Verzweigungen der Chakren.“

Sozusagen müssen die entsprechenden Themen der Chakren zuerst bearbeitet werden bevor dann die Kundalinikraft schrittweise aufsteigen kann. Es werden die Energiekanäle Ida und Pingala gereinigt & ausgeglichen damit die Energie dann durch die Sushumna fliessen kann. Was man heute in jedem Yogamanual lesen und leicht googeln kann, war damals geheimstes Wissen.

„Völlig gelöst und befreit aller Fesseln und Bande der Illusion, verbleibt nur die Urkraft der Lebens der Wind der Vibrationen im Körper.“

Die Kundalinikraft verselbständigt sich im Körper und die große Transformation findet statt. Sie ist eine Manifestation der göttlichen Mutter und durchflutet das ganze System.

„Die Kundalini tritt nun in den Kanal der Mitte ein – den Shushumna. Die Kräfte der linken und rechten Seite vereinen sich und die Verbindung der Chakren wird vollkommen. Der vollkommene Nektar des Lebens, der über allen Wesen ruht, fließt über, während die Kundalini ihn berührt und ergießt sich in alle Kanäle, die von ihr geschaffen wurden, und erfüllt alle Regionen die von ihrem Wind der Vibrationen aufgeschlossen werden.“

Die Kundalini durchströmt die komplette Aura und wandelt alles um damit es im Einklang mit dem Göttlichen weilt. Der „Wind der Vibrationen“ ist diese vibrierende kosmische Kraft die den großen Wandel herbeiführt.

„Während die Göttin Kundalini eintritt in diese Sphäre der Leere, erfüllt sie dieses Reich der Essenz mit ihrer Herrlichkeit.“

Die Kundalini erfüllt das ganze Wesen und macht es zu einem heiligen Gefäß.

„In ihrer eigenen Herrlichkeit löst sich die Göttin selbst auf und verströmt in der unendlichen Weite des Herzens. Kraft fließt in Kraft, Energie in Energie. Alles löst sich auf in ihrer Kraft, und selbst sie – die Kraft – ist nicht mehr wahrnehmbar.“

…alles wird eins, nicht nur als Erkenntnis sondern in solchen extatischen Momenten auch auf der Erfahrungsebene.

„Jene vollkommene Rückkehr ins Absolute vermag jedoch nur jener zu verstehen, der es selbst erfährt. Unmöglich ist es Worte zu finden, die jenen vollkommenen Zustand zu beschreiben vermögen. Der Lebenswind selbst vermag keinen Laut aus jenen Regionen der Vollkommenheit in die Form menschlicher Worte zu gießen, wenn er sich in der absoluten Vollkommenheit des Brahmarandhra auflöst. Deshalb kann es durch Worte nie erreicht werden.“

Jnaneshwara weiter in seinem Amritanubhav

In Jnaneshwaras „Amritanubhav“ (Der Nektar mystischer Erahrung) gibt es im 7. Kapitel weitere Beschreibungen seiner tiefen spirituellen Erfahrungen. Diese gehen dann allerdings eher in eine Vedanta Richtung.

„Da Illusion der Gegensatz zu Wissen ist, kann sie nicht existieren im Wissen, auch ist sie nicht unabhängig.“

nachdem die Verse oben im Gegensatz zur Jnana Yoga Lehre zu stehen scheinen, wird hier deutlich, dass er die Advaita Vedanta Sichtweise mit einbezieht. Oder anders gesagt: Die Kundalini Praxis zielt auf die Transformation der Erfahrungsebene hin, die wiederum im Vedanta eine untergeordnete Rolle spielt. Doch am Ende wird dann detlich, dass Maya nicht existent war, da dann bloß die asolute Sichtweise verbleibt.

„Das reine Selbst lässt im Grunde nicht den Namen „Selbst“ zu, wie sollte Unwissenheit da ihren Platz haben?“

Das Selbst ist jenseits von Körper & Persönlichkeit, es liegt jeder Individualität als universelle Essenz zu Grunde, daher ist der begriff des Selbst irreführend, so benutzen die Buddhisten auch die Formulierung „nicht-Selbst“. Wodas wahre Selbst erkannt wird ist die Unwissenheit darüber nicht mehr möglich.

„Wenn in der Mathematik die 1 von der 1 subtrahiert wird, verbleibt die Null und es ist ausgelöscht. Das gleiche geschieht wenn sich der Wahrnehmende und das Wahrgenommene vereinen.“

Im Advaita Vedanta spricht man von Moksha (Befreiung) wenn erkannt wird, dass Subjekt und Objekt in wahrheit eins sind, also der Wahrnehmende mit dem Wahrgenommenen eins wird. Dieses ist allerdings nicht als eine Erfahrung zu verstehen, sondern als Erkenntnis. Wobei es zB über den Kundalini Yoga Weg auch zu einer konkreten Erfahrung werden kann. Tatsächlich ist das Ziel diese Einheit allen Seins zu erkennen, dabei löst sich dann die Illusion ein begrenztes Individuum zu sein völlig auf. Oftmals werden diese verschiedenen Ansätze vermischt und sie führen zu Verwirrung.

Jnanadev verfasste ein berühmtes Gebet, das Pasayadan

Mit diesen Worten schliesst Jnanadev seinen Kommentar zur Bhagavad Gita.

PASAYADAN

Das Geschenk Göttlicher Gnade

Mögen diese geopferten Worte dem Selbst des Universums gefallen und dessen Gnade mit mir sein.

Mögen die Sünder nicht länger böses tun, möge deren Sehnsucht gutes zu tun stärker werden und mögen alle Wesen in Harmonie miteinander leben.

Möge die Dunkelheit der Unwissenheit verschwinden, möge das Universum das Licht des bewussten Selbst erkennen und möge die Sehnsucht aller Lebewesen erfüllt werden.

Mögen alle die Begegnung mit Gottergebenen Weisen suchen, möge Gott sie mit seinem Segen übergießen.

Heilige laufen durch Gärten mit wunscherfüllenden Bäumen, sie leben an Orten mit wunscherfüllenden Schätzen, ihre Worte sind wie Ozeane voll Nektar.

Sie sind Monde ohne Makel und Sonnen ohne Hitze, mögen diese Heiligen die Freunde aler Menschen sein.

Mögen alle Wesen in allen Welten mit Freude erfüllt sein und mögen sie für immer Gott ehren.

Mögen alle für die dieses Buch geschrieben ist in diesem Leben mit Erfog gesegnet sein, in dieser Welt und in der nächsten.

Laut Nivrittinath, dem großen Meister, wird dieser Segen gewährt, dies bringt Jnaneshwara große Freude!

Der Weg vom vasudhara Fall zurück nach Badrinath

Der Weg vom Vasudhara Fall zurück nach Badrinath

Dieser Film zeigt die Lebensgeschichte von Jnaneshwara:

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Über uns Narada

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