
Vishnu & Lakshmi
Nachdem Krishna im 2. Kapitel der Bhagavad Gita die Grundlagen der Yoga Philosophie aus dem Standpunkt des Jnana- und Karma Yoga vermittelt hat, beginnt Arjuna nun weitere Fragen zu stellen die uns in die Tiefen führen. Arjuna deckt einen scheinbaren Konflikt auf und bemängelt die daraus für ihn resultierende Verwirrung, er bittet Krishna ganz konkret um einen klaren Weg durch den er zur Seeligkeit gelangen kann.
Handeln als Opfer
Krishna erläutert dann noch einige feinheiten zum Unterschied zwischen dem Weg des Wissens der keine Handlung erfordert da es nur um bloßes Erkennen geht, und dem Weg des Handelns der eine Aktivität in der relativen Ebene der Erfahrungen bedingt. Der Schlüssel dazu ist das Handeln als Opfer zu betrachten.
Letztlich leben wir in dieser scheinbar dualen Welt und haben einen Körper und Verantwortung, dem müssen wir uns stellen…
Bhagavad Gita, Kommentare zu den Versen 3.1-3.13
Die Verse 3.1 – 3.13 der Bhagavad Gita:
- Bhagavad Gita, Vers 3.1
अर्जुन उवाच |
ज्यायसी चेत्कर्मणस्ते मता बुद्धिर्जनार्दन |
तत्किं कर्मणि घोरे मां नियोजयसि केशव || ३ १ ||
arjuna uvāca
jyāyasī cetkarmaṇaste
matā buddhirjanārdana
tatkiṃ karmaṇi ghore māṃ
niyojayasi keśava
“Arjuna sprach: Wenn Du das Wissen der Handlung für überlegen erachtest, Oh Krishna, warum, Oh Keshava, verlangst Du dann von mir, dass ich mich an dieser furchtbaren Handlung beteilige.” - Bhagavad Gita, Vers 3.2:
व्यामिश्रेणेव वाक्येन बुद्धिं मोहयसीव मे |
तदेकं वद निश्चित्य येन श्रेयोऽहमाप्नुयाम् || ३ २ ||
vyāmiśreṇeva vākyena
buddhiṃ mohayasīva me
tadekaṃ vada niścitya
yena śreyo.ahamāpnuyām
“Mit diesen scheinbar widersprüchlichen Worten verwirrst Du gleichsam mein Verstehen; deshalb nenne mir nun klar den Weg, auf dem ich zur Seligkeit gelangen kann.” - Bhagavad Gita, Vers 3.3:
श्रीभगवानुवाच |
लोकेऽस्मिन्द्विविधा निष्ठा पुरा प्रोक्ता मयानघ |
ज्ञानयोगेन साङ्ख्यानां कर्मयोगेन योगिनाम् || ३ ३ ||
śrībhagavānuvāca
loke ’smindvi vidhā niṣṭhā
purā proktā mayānagha
jñānayogena sāṅkhyānāṃ
karmayogena yoginām
“Krishna sprach: In dieser Welt gibt es einen zweifachen Weg, wie Ich früher sagte, Oh Sündenloser; den Weg des Wissens der Sankhyas und den des Handelns der Yogis.” - Bhagavad Gita, Vers 3.4:
न कर्मणामनारम्भान्नैष्कर्म्यं पुरुषोऽश्नुते |
न च संन्यसनादेव सिद्धिं समधिगच्छति || ३ ४ ||
na karmaṇāmanārambhān
naiṣkarmyaṃ puruṣo ’śnute
na ca saṃnyasanādeva
siddhiṃ samadhigacchati
“Weder durch das Nichtausführen von Handlungen erreicht der Mensch Handlungslosigkeit, noch gelangt er durch bloßes Entsagen zu Vollkommenheit.” - Bhagavad Gita, Vers 3.5:
न हि कश्चित्क्षणमपि जातु तिष्ठत्यकर्मकृत् |
कार्यते ह्यवशः कर्म सर्वः प्रकृतिजैर्गुणैः || ३ ५ ||
na hi kaścitkṣaṇamapi
jātu tiṣṭhatyakarmakṛt
kāryate hyavaśaḥ karma
sarvaḥ prakṛtijairguṇaiḥ
“Wahrlich, niemand kann auch nur für einen Augenblick untätig verweilen; denn in der Tat wird jeder Mensch durch die aus der Natur geborenen Eigenschaften hilflos zum Handeln getrieben.” - Bhagavad Gita, Vers 3.6:
कर्मेन्द्रियाणि संयम्य य आस्ते मनसा स्मरन् |
इन्द्रियार्थान्विमूढात्मा मिथ्याचारः स उच्यते || ३ ६ ||
karmendriyāṇi saṃyamya
ya āste manasā smaran
indriyārthānvimūḍhātmā
mithyācāraḥ sa ucyate
“Wer die Handlungsorgane beherrscht und im Geist an die Sinnesobjekte denkt, während er sitzt, und dessen Verstehen getrübt ist, wird ein Heuchler genannt.” - Bhagavad Gita, Vers 3.7:
यस्त्विन्द्रियाणि मनसा नियम्यारभतेऽर्जुन |
कर्मेन्द्रियैः कर्मयोगमसक्तः स विशिष्यते || ३ ७ ||
yastvindriyāṇi manasā
niyamyārabhate.arjuna
karmendriyaiḥ karmayogam
asaktaḥ sa viśiṣyate
Wer aber die Sinne durch den Geist beherrscht, Oh Arjuna, und mit den Handlungsorganen, ohne Verhaftung, Karma Yoga übt, ist vortrefflich. - Bhagavad Gita, Vers 3.8:
नियतं कुरु कर्म त्वं कर्म ज्यायो ह्यकर्मणः |
शरीरयात्रापि च ते न प्रसिद्ध्येदकर्मणः || ३ ८ ||
niyataṃ kuru karma tvaṃ
karma jyāyo hyakarmaṇaḥ
śarīrayātrāpi ca te
na prasiddhyedakarmaṇaḥ
“Tue (Deine) Pflicht und Schuldigkeit, denn Handeln ist Nichthandeln überlegen, und in Untätigkeit wäre es dir nicht einmal möglich, deinen Körper zu erhalten.” - Bhagavad Gita, Vers 3.9:
यज्ञार्थात्कर्मणोऽन्यत्र लोकोऽयं कर्मबन्धनः |
तदर्थं कर्म कौन्तेय मुक्तसङ्गः समाचर || ३ ९ ||
yajñārthātkarmaṇo ’nyatra
loko ’yaṃ karmabandhanaḥ
tadarthaṃ karma kaunteya
muktasaṅgaḥ samācara
“Die Welt wird gebunden durch Handlungen, die nicht als Opfer getan werden; daher handle Du, Oh Arjuna, einzig aus diesem Beweggrund (allein als Opfer), frei von Verhaftung.” - Bhagavad Gita, Vers 3.10:
सहयज्ञाः प्रजाः सृष्ट्वा पुरोवाच प्रजापतिः |
अनेन प्रसविष्यध्वमेष वोऽस्त्विष्टकामधुक् || ३ १० ||
sahayajñāḥ prajāḥ sṛṣṭvā
purovāca prajāpatiḥ
anena prasaviṣyadhvam
eṣa vo.astviṣṭakāmadhuk
“Der Schöpfer, der zu Beginn die Menschheit gemeinsam mit dem Opfer geschaffen hat, sagte: „Dadurch möget ihr euch Fortpflanzen; lasst dies die Milchkuh eurer Wünsche sein.” - Bhagavad Gita, Vers 3.11:
देवान्भावयतानेन ते देवा भावयन्तु वः |
परस्परं भावयन्तः श्रेयः परमवाप्स्यथ || ३ ११ ||
devānbhāvayatānena
te devā bhāvayantu vaḥ
parasparaṃ bhāvayantaḥ
śreyaḥ paramavāpsyatha
“Damit speise du die Götter, und die Götter mögen dich speisen; indem ihr euch also so gegenseitig speist, wirst du das höchste Gut erlangen.” - Bhagavad Gita, Vers 3.12:
इष्टान्भोगान्हि वो देवा दास्यन्ते यज्ञभाविताः |
तैर्दत्तानप्रदायैभ्यो यो भुङ्क्ते स्तेन एव सः || ३ १२ ||
iṣṭānbhogānhi vo devā
dāsyante yajñabhāvitāḥ
tairdattānapradāyaibhyo
yo bhuṅkte stena eva saḥ
“Da du die Götter im Opfer gespeist hast, werden sie dir das Gewünschte geben. Wer also genießt, was die Götter ihm geben, ohne ihnen dafür (als Gegenleistung) zu opfern, ist in der Tat ein Dieb.” - Bhagavad Gita, Vers 3.13:
यज्ञशिष्टाशिनः सन्तो मुच्यन्ते सर्वकिल्बिषैः |
भुञ्जते ते त्वघं पापा ये पचन्त्यात्मकारणात् || ३ १३ ||
yajñaśiṣṭāśinaḥ santo
mucyante sarvakilbiṣaiḥ
bhuñjate te tvaghaṃ pāpā
ye pacantyātmakāraṇāt
“Die Rechtschaffenen, die die Reste der Opfergaben verzehren, werden von allen Sünden befreit; die Sündigen aber, die Speisen (nur) für sich selbst zubereiten, nehmen wahrlich Sünde zu sich.”
Handeln als Opfer bedeutet, dass wir uns frei machen von allen materiellen Begierden und uns auf eine rein spirituelle Ebene begeben, um die Lehren des Dharma und Karma bereitwillig zu befolgen. Dies bedeutet, dass wir handeln müssen, ohne zu hinterfragen oder zu vergleichen oder materielle Gedanken anzunehmen. Handeln als Opfer heißt auch, das Erfahrene anzunehmen, ohne in Versuchung zu geraten und so die Grundlage für innere Ruhe und ein friedvolles Leben mit Gott zu schaffen.