Narada Bhakti Sutra. 25.-33. „Bhakti ist den anderen Wegen überlegen.“

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In diesen Versen des Narada Bhakti Sutra geht es Narada um die Überlegenheit des Bhaktiweges gegenüber den anderen Wegen des Yoga, vor allem im Bezug auf das Jnanayoga/ Vedanta. Die Philosophen streiten sich seit urzeiten darüber welcher Weg wohl der bessere sei, die Hingabe gegenüber Gott (Bhakti) oder die Erkenntnis der Göttlichen Natur (Jnana). Ich sehe es ganzheitlich und möchte ganz wertfrei beide Wege als wichtig für den spirituellen Weg empfehlen.

Verse 25-33 des Narada Bhakti Sutra „Bhakti ist anderen Wegen überlegen“

25. Bhakti steht über Karma, Jnana, und Yoga.

Ohne Bhakti kann keiner der anderen Wege zum Ziel führen, weil nur Bhakti uns loslassen lässt und nur die Hingabe zu etwas größerem das individuelle mit dem universelle eins werden lässt. Die anderen Wege sind auch wichtig: Karmayoga löst Muster auf und transzendiert das Handeln, Jnanayoga gibt uns einen Überblick und lässt uns erkennen und Rajayoga (hier einfach traditionell als Yoga bezeichnet) hilft uns Körper und Geist zu beherrschen und darüber hinaus zu gehen.

26. Denn Bhakti ist das Ziel all dieser Pfade.

Bhakti ist zugleich der Weg und das Ziel, nur durch üben von Hingabe erreichen wir die Hingabe und wenn diese vollkommen ist wird die spirituelle Sehnsucht erfüllt. Die anderen genannten Wege führen letztlich auch zu dieser Hingabe, nur eben nicht so direkt wie das Bhakti. So empfehlen die Meister eine integrale Praxis wo man an verschiedenen Bereichen parallel arbeitet.

27. Bhakti steht am höchsten, weil Gott der Stolz missfällt und Er die Demut liebt.

Karmayoga, Jnanayoga und Rajayoga und wie ich meine besonders Hathayoga können dazu führen Stolz zu werden bzw. das Ego aufzublähen, das ist kontraproduktiv für das Kultivieren von echter Liebe zu Gott. Daher sagt Narada, dass Bhaktiyoga der Höchste Weg ist. Gott können wir nur durch Demut begegnen.

28. Manche glauben, dass durch bloßes Wissen zu Bhakti kommen.

Das ist ein klares Statement gegen das reine Jnana Yoga und es ist tatsächlich so, dass Jnanayoga nicht ohne Bhaktiyoga funktioniert. Nur durch die Hingabe gegenüber Gott können wir unser Ego wahrhaft transformieren, nur durch Wissen alleine kann keine echte Transformation stattfinden.

29. Andere sind der Meinung, dass Wissen und Hingabe sich wechselseitig bedingen.

Viele Meister betonen die Wichtigkeit Jnana und Bhakti zugleich parallel zu üben, und somit die beiden wichtigsten Ebenen des Seins tiefgreifend zu wandeln. Jnana Yoga bringt tiefe Erkenntnisse über das Wesen des Seins und Bhaktiyoga öffnet das herz für die Liebe, beides zusammen bringt schnelles tiefgreifendes Wachstum.

30. Narada sagt, dass die Verwirklichung von Bhakti aus sich selbst herrührt.

Im Bhaktiyoga ist der Weg auch zugleich das Ziel, also die Liebe zu Gott zu leben ist die Praxis und sie zu vervollkommnen ist das Ziel. Im weiteren Text macht Narada nochmals die Überlegenheit von Bhakti gegenüber Jnana deutlich.

31. So wie auch im Fall des Königs, des Heims und des Essens.

Narada spielt in diesem Vers auf drei traditionelle indische Geschichten an:

  1. König: Hier geht es um einen Weisenknaben der erfährt, dass er eigentlich ein Prinz ist. Es ändert sich dadurch nichts an der Tatsache, dass er immer schon Prinz war, jedoch ist er sich nun dessen bewusst. Also wenn man erfährt, dass man „das nonduale Bewusstsein“ ist, ändert es erstmal nichts.
  2. Heim: Bei dieser Geschichte geht es um einen reisenden der wieder nach Hause kommt. Obwohl er viel erlebt hat und sich verändert hat ist sein Heim noch so wie es vorher war. Also wenn man auch tiefe Erfahrungen macht und Erkenntnisse hat, die Gewohnheiten bleiben tief sitzen.
  3. Essen: Bei der dritten Geschichte geht es um einen Hungrigen der endlich etwas zu essen bekommt. Er wird dadurch keinen besonderen Zustand haben, sondern nur die natürliche Zufriedenheit wiedererlangen. Also laut Narada ist damit nicht viel erreicht.

Diese 3 Andeutungen besagen, dass durch Jnanayoga nichts neues erreicht wird, sondern nur das wiedererlangt wird was schon immer die Grundlage war. Bhakti möchte aber mehr…

32. Dadurch wird man weder ein König, noch wird der Hungrige gesättigt.

Also durch Jnanayoga wird kein neuer Zustand erreicht und die natürliche Zufriedenheit stellt sich ein aber es gibt keine letztendliche Befriedigung. Das Bhakti will aber in einen Zustand der reinen Liebe zu Gott die eine völlige Befriedigung bringt.

33. Daher sollte das Ziel der nach Befreiung Suchenden die höchste Liebe sein.

Durch diese Ausführungen macht Narada deutlich, dass der Bhaktiweg dem Jnanaweg überlegen ist. Das einzige Ziel des nach Befreiung suchenden sollte die reine Liebe sein und nichts anderes.

हरी ओम् तत् सत्
Hari Om Tat Sat

Dem muss ich nun allerdings als Vedantin bzw. integralem Yogi hinzufügen, dass die Argumente des Weisen Narada nicht „das Ganze“ im Blick haben. Zwar steht im Jnanayoga/ Vedanta die Erkenntnis im Vordergrund, aber mit dem Erkennen des wahren Wesens der Existenz findet auch zugleich ein tiefgreifender Wandel statt, es ist damit alleine nciht getan. Das Licht des Selbst strahlt durch das Loslassen der falschen Konzepte durch das gesamte Wesen und transformiert alles, die reine Liebe ist das Ergebnis. Daher sagen die Meister:

 

„Jnana führt zu Bhakti und Bhakti führt zu Jnana!“

Alhamdulillah!

Ein kleiner Altar mitten in Varanasi

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Über uns Narada

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