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Jesus Christus und die Lehren des Yoga und Vedanta

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Matthiaskapelle




Jesus Christus war sicher neben Buddha der einflussreichste Mensch der Geschichte. Zweifelsohne war Jesus einer der größten spirituellen Lehrer die je auf dieser Erde aktiv gewesen sind. Das wesentliche über die Lehren Jesu liegt heute völlig im dunkeln, es ist unklar was Jesus der Nachwelt hinterlassen wollte, und kann somit von wem auch immer auf vielfältige Weisen interpretiert werden. Zunächst mal ist seine Zeit sehr lange her und es wurden eben auch seine Lehren im laufe der Zeit verfälscht. Alles was man heute hat sind einige Texte die von seinen Nachfolgern verfasst, und dann wiederum von deren Nachfolgern verändert wurden.
Aber neben dem was überliefert wurde, kann man zu Jesus starker und liebevoller Energie leicht Zugang bekommen, und das ist letztlich was zählt!
Ich bin klar der Meinung, dass es nur ein universelles spirituelles Prinzip geben kann, welches für alle Menschen gleich und für jeden einzelnen Verschieden ist. So wie die Inder es in ihrem ältesten Text (Rig Veda) bereits vor 4500 Jahren ausgedrückt haben:

“Die Wahrheit ist eines, die Weisen benennen sie verschieden!”

Und so ist die Lehre des Vedanta ein spiritueller Weg der ganz nüchtern und ohne Symbolsprache und ähnliches die Wahrheit aus zu drücken vermag. Aus dem Blickwinkel des Vedanta bekommen die Aussagen der Bibel die auf Jesus Christus zurückgeführt werden eine ganz andere Dynamik.
Hier möchte ich nun einige Aussagen des neuen Testamentes aus meiner vedantisch/yogischen Sichtweise beleuchten und hoffe damit eine Brücke zu schlagen.
Mögen meine Ideen zu den Worten Jesus nicht seiner wahren Intention widersprechen!
Hinzufügen möchte ich dem noch gerne, dass ich mich druchaus als Christ verstehe und Mitglied der Katholischen Kirche bin. Ich möchte hier nicht als kritiker gesehen werden, sondern die Worte Jesu in einem anderen licht interpretieren.

Zu den Begrifflichkeiten der Vedanta Lehre (deren Kenntnis ich hier vorraussetze) kannst du dir gerne diesen Artikel über die wichtigsten Konzepte des Vedanta Ansehen!

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht erfasst.”
Prolog des Johannes Evangeliums

Die indische Philosophie in ihren verschiedenen Ausprägungen geht meist von einer Entstehung des Universums aus Gott selbst heraus aus. Die Welt die aus Gott entstand wird als Körper Gottes oder seine grobstofflichen Manifestation betrachtet. Die Tantra-Philosophie sagt die Welt sei aus Shiva- dem reinen Bewusstsein heraus entstanden, die Vaishnava-Lehre nennt das Bild vom Nabel Vishnus aus dem zuerst der Schöpfer und dann die Welt entstanden ist und im Vedanta ist aus Brahman heraus die Maya und die manifeste Welt entstanden. Das Erste was aus dem reinen Bewusstsein heraus entstanden ist, ist der Urklang oder die Urschwingung des Om. Also “das Wort” welches bei Gott war. “Gott war das Wort”- also der Klang, der dem Göttlichen entsprungen ist, war auch Gott selbst. “Alle Dinge sind durch das Selbe gemacht” bedeutet für mich klar, dass alles was aus dem selben gemacht ist, in seiner Esssenz auch gleich Gott ist. Die Aussage Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.” entspricht den drei Sätzen des Adi Shankaracharya: “Brahma Satyam, Jagan Mithyam, Jivo Brahmaiva Napara”, die friedrich Rückert wie folgt zusammenfasste: “In drei Sätzen sei es verkündet, was man in Tausend Büchern findet: Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein. Das Selbst ist nichts als Brahman allein.” Also alles ist letztlich auf das selbe Göttliche Prinzip begründet. “Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht erfasst.” …vedantischer kann man es kaum ausdrücken! Das Licht Atmans strahlt in den Upadhis, bzw. drückt sich darin aus. Verstrickt man sich in den Upadhis kann man Atman nicht erkennen. So wie ein Auge sich nicht sehen kann, kann das Licht Atmans nicht auf sich selbst scheinen, sondern erlechtet seine Manifestationen.

“Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.”
Johannes 14, 6

Dieses Zitat wird gerne genutzt um den allein-seeligmachenden anspruch der christlichen Lehre zu befestigen. Ich persönlich glaube nicht im geringsten daran, dass Jesus gemeint haben könnte, dass nur noch seine eigene Lehre zu Gott führt, und alle anderen Wege in die Verdammnis führen! Ich halte es für naiv und unreflektiert zu meinen, dieser riesengrosse runde Planet und dieses unendliche Göttliche Prinzip hätte nur einer Person den goldenen Schlüssel zum erreichen des höchsten Zieles überreicht! Was aber wird dann wohl Jesus damit gemeint haben? Eine verwirklichte Seele wie es zB Jesus Christus gewesen ist stellt sich und die funktionen des Körpers ganz dem Göttlichen zur Verfügung. Anders gesagt: Atman strahlt durch die Upadhis und identifikationen mit den Upadhis sind aufgelöst. Und so kann ein erleuchteter klar sagen “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.”, denn es ist nicht mehr nur die Person die diese Aussage tätigt, sondern das Göttliche welches durch sie hindurch strahlt. Brahman ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, es ist Sat-Chid-Ananda mit anderen Worten! Sat ist das wahre Sein, also der Weg. Chid ist das Wissen, das Bewusstsein oder eben die Wahrheit. Ananda ist die Glückseeligkeit oder die Liebe und damit auch das Leben. Nagut, dieser Vergleich ist ein bischen weit hergeholt, da die Worte andere sind, aber Sinngemäss wollte er womöglich sein Selbst beschreiben. Jesus sagt hier “Ich bin…“, ich bin dieses Selbst, dieses Göttliche, es strahlt durch mich hindurch. “Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.” Anders formuliert: Niemand wird Gott erfahren der nicht das Selbst sucht. Oder: Gott ruht im Selbst, suche in dir danach! Im Sinne einer wünschenswerten friedvollen Welt sollten wir uns überlegen, ob ein Konzept wie “Niemand kommt zu Gott ausser durch die Kirche” noch zeitgemäß ist!

Kleiner Einwurf aus dem alten Testament

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Versteinerter Mönch


Die Annahme das das Individuum eins mit allem ist, ist eine der Grundaussagen des Vedanta, und auch anderer spiritueller Traditionen. Das Selbst ist nicht verschieden von den Objekten der Wahrnehmung. Solange wir verstrickt sind mit den Objekten der Welt, erkennen wir nicht das Selbst und die Einheit von allem was ist. Eine der Schlüsselstellen der Bibel ist im Buch Moses zu finden. In der Bibel erscheint Gott den Menschen das erste mal “von Angesicht zu Angesicht” in Form eines brennenden Dornbusches und gibt Anweisungen. Auf die Frage in wessen Namen er die Anweisungen kund tun soll, sagt Gott also im 1. Buch Moses 3.14, hier in verschiedenen Versionen:

(Elberfelder Übersetzung) “Da sprach Gott zu Mose: “Ich bin, der ich bin.” Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der “Ich bin” hat mich zu euch gesandt.”

(Luther Übersetzung) “Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.”

(Einheitsübersetzung) “Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.”

(English Standart Version) “God said to Moses, “I am who I am.” And he said, “Say this to the people of Israel, ‘I am has sent me to you.””

Da ich lange Zeit in Elberfeld gelebt habe, vertraue ich der Elberfelder Bibelübersetzung. Gott will also “Ich bin” genannt werden. Der Name ist im Hebräischen “Jehowa” oder im Tetragramm (Viebuchstabenwort) “JHWH”, da er nicht ausgesprochen werden soll. Aus meiner bescheidenen Sicht offenbart Gott dem Menschen hier das grösste Geheimnis: “Ich bin”.  Alles andere ist Teil der Illusion, nur das unmittelbare Sein, verbunden mit allem ist die letztendliche Wirklichkeit. Die Formel “ich bin” führt uns zu dieser Erfahrung. Du kannst diese Formel ausprobieren, wiederhole sie wie ein Mantra und spüre die Einheit mit allem

und ein weiteres Zitat aus dem Neuen Testament:

“Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.
1. Johannes 4, 8

Wie schön diese Worte sind! Eine der Eigenschaften Gottes (sofern man seine unendlichkeit und unfassbarkeit in Worten begrenzen mag) ist also die Liebe: “Gott ist Liebe.” diese Liebe die wir in uns tragen, und in eine allumfassende Liebe zu transformieren vermögen, ist als Gott selbst! Gott ist also erfahrbar, in jedem von uns, in jedem Moment! Er sitzt nicht strafend mit langem Bart auf einer Wolke sondern wohnt in unserem Herzen. Und so ist die Ausdehnung der Liebe der einfachste und direkteste Weg zu Gott. “Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt…” Man kann also jemanden der Gott kennt daran erkennen ob und wie er liebt. Das bedeutet für mich auch: Je mehr Liebe man lebt, desto mehr wirkt Gott durch einen hindurch. Es ist so einfach! Die Botschaft Jesu war die Liebe, das was wir im Yoga “Bhakti” nennen: Die Liebe und die Hingabe gegenüber Gott in allem!

Desweiteren heisst es im selben Abschnitt:

“Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner!
1. Johannes 4.20

Man erkennt also die wahre Gottesliebe in einem Mitmenschen daran, wie er mit seinem nächsten umgeht! Die Nächstenliebe ist ja ganz klar eines der zentralen Konzepte der Christenheit, die jedoch leider in der Praxis der Kirchengeschichte oft zu wenig Bedeutung gefunden hat. Für mich es dies eine klare Anweisung, seine nächsten zu lieben. So sollte doch sicher eine solche Aussage in heutiger Zeit mehr Umsetzung in der Praxis erfahren:

“Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.”
Römer 12.18

Wie kann man aber wahren Frieden Leben, wenn man zB nicht die Andersgläubigkeit des Nächsten akzeptiert?Bedeutet frieden nicht das man den Nächsten so sein lässt wie er gerne sein möchte? Oder kann es nur Frieden geben wenn alle Menschen der selben Interpretation von Gott verehren und den einzigen Sohn Gottes anbeten? In dem Zusammenhang ein großartiges Zitat von Rosa Luxenburg:

“Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!”

Das Konzept der Nächstenliebe findet sich in allen Religionen und ethischen Philosophien. Im Christentum wurzelt es im alten Testament:

“Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.”
3. Buch Mose 19.18

Im Original heißt es hier wie oben erläutert nicht “Ich bin der Herr” sondern auch “Ich bin der Ich bin”.

Die Frage die sich hier aufdrängt ist dann doch: Wer ist der “Nächste”? Ist es jeder dem wir begegnen, oder nur jemand den wir als ebenbürtig erachten? Ich denke es geht klar darum, in jedem eine manifestation des Göttlichen zu sehen, genau wie man selbst. Eine noch viel wichtigere Botschaft jedoch steckt in der Aussage “deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, nämlich sich selbst zu lieben! Das ist letztlich der Schlüssel, sich selbst mit dem “Ich bin”, dem “Sein” bewusst zu sein und sich zu lieben, denn nur so können wir auch die Liebe auf andere ausdehnen. Und das ist auch der Weg zur Heilung, zum Heil werden. Gott in Form der Liebe in sich wirken zu lassen!

Noch ein paar Worte über die Kirche und die Liebe…

Die alten Kirchenväter wussten um die wichtigkeit der wahren Liebe. Nur leider lässt sich das kaum mit den Kreuzzügen, dem Kondomverbot und den Machenschaften der Kirche vereinbaren:

„Liebe und tu, was du willst. Schweigst du, so schweige aus Liebe. Redest du, so rede aus Liebe. Kritisierst du, so kritisiere aus Liebe. Verzeihst du, so verzeih in Liebe. Lass all dein Handeln in der Liebe wurzeln, denn aus dieser Wurzel erwächst nur Gutes.”
Augustinus von Hippo

Interessanter Weise findet Papst Benedikt der XVI in seiner “Deus Caritas es” sehr blumige Worte für die Nächstenliebe und die damit verbundene Gottesberührung.

“Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche Bild in ihm nicht erkennen. Wenn ich aber die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur, fromm’ sein möchte, nur meine, religiösen Pflichten’ tun, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch, korrekt’, aber ohne Liebe.”

In seinem Umgang mit anderen Glaubenskonzepten spiegelt sich diese Liebe leider nicht. Wenn er zB in seiner Regensburger Rede sagt “der Prophet Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes gebracht…” So wird zB auch seit 1570 in Rom immer an Karfreitag für die “treulosen Juden” gebetet, die ja Schuld waren an Jesus Tod. Moment mal… waren das nicht die Römer selbst? Naja… Es wird gebetet Gott möge den Juden “den Schleier von ihren Herzen wegnehmen”, sie ihrer “Verblendung” und ihren “Finsternissen” entreißen und sie zu Christen machen. frieden unter den Völkern also durch Bekehrung zum wahren Glauben… Zwar wird seit dem 2.Vatikanischen Konzil zugestanden, dass es auch in anderen Religionen “Strahlen der Wahrheit” geben mag, aber die Wahrheit hat der Papst unfehlbar für sich gepachtet.

Möge die Kirche ihr Herz für die bedingungslose Liebe öffnen!

Zum Ende noch ein Zitat von Krishnamurti:

“Die wahre Liebe ist nicht auf eine bestimmte Religion begrenzt,
und wenn organisierte Religionen sie benutzen, hört sie auf zu existieren.”

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