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Jesus Christus und die Lehren des Yoga und Vedanta

Matthiaskapelle



Jesus Christus war sicher neben Buddha (und wie sich später noch erweisen wird Frank Zappa) der einflussreichste Mensch der Geschichte. Die überlieferten Ideen von Jesus Christus sind gar nicht so weit entfernt von den Lehren des Yoga und Vedanta.

Jesus und Yoga

Zweifelsohne war Jesus einer der größten spirituellen Lehrer die je auf dieser Erde aktiv gewesen sind. Das wesentliche über die Lehren Jesu liegt heute völlig im dunkeln, es ist unklar was Jesus der Nachwelt hinterlassen wollte, und kann somit von wem auch immer auf vielfältige Weisen interpretiert werden. Zunächst mal ist seine Zeit sehr lange her und es wurden eben auch seine Lehren im laufe der Zeit verfälscht. Alles was man heute hat sind einige Texte die von seinen Nachfolgern verfasst, und dann wiederum von deren Nachfolgern verändert wurden.

Aber neben dem was überliefert wurde, kann man zu Jesus starker und liebevoller Energie leicht Zugang bekommen, und das ist letztlich was zählt! Ich bin klar der Meinung, dass es nur ein universelles spirituelles Prinzip geben kann, welches für alle Menschen gleich und für jeden einzelnen Verschieden ist. So wie die Inder es in ihrem ältesten Text (Rig Veda) bereits vor 4500 Jahren ausgedrückt haben:

„Die Wahrheit ist eines, die Weisen benennen sie verschieden!“

Und so ist die Lehre des Vedanta ein spiritueller Weg der ganz nüchtern und ohne Symbolsprache und ähnliches die Wahrheit aus zu drücken vermag. Aus dem Blickwinkel des Vedanta bekommen die Aussagen der Bibel die auf Jesus Christus zurückgeführt werden eine ganz andere Dynamik.

Hier möchte ich nun einige Aussagen des neuen Testamentes aus meiner vedantisch/yogischen Sichtweise beleuchten und hoffe damit eine Brücke zu schlagen. Mögen meine Ideen zu den Worten Jesus nicht seiner wahren Intention widersprechen! Hinzufügen möchte ich dem noch gerne, dass ich mich druchaus als Christ verstehe und Mitglied der Katholischen Kirche bin. Ich möchte hier nicht als kritiker gesehen werden, sondern die Worte Jesu in einem anderen licht interpretieren.

Zu den Begrifflichkeiten der Vedanta Lehre kannst du dir gerne diesen Artikel über die wichtigsten Konzepte des Vedanta Ansehen!

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht erfasst.“ Prolog des Johannes Evangeliums

Die indische Philosophie in ihren verschiedenen Ausprägungen geht meist von einer Entstehung des Universums aus Gott selbst heraus aus. Die Welt die aus Gott entstand wird als Körper Gottes oder seine grobstofflichen Manifestation betrachtet. Die Tantra-Philosophie sagt die Welt sei aus Shiva- dem reinen Bewusstsein heraus entstanden, die Vaishnava-Lehre nennt das Bild vom Nabel Vishnus aus dem zuerst der Schöpfer und dann die Welt entstanden ist und im Vedanta ist aus Brahman heraus die Maya und die manifeste Welt entstanden. Das Erste was aus dem reinen Bewusstsein heraus entstanden ist, ist der Urklang oder die Urschwingung des Om. Also „das Wort“ welches bei Gott war. „Gott war das Wort“– also der Klang, der dem Göttlichen entsprungen ist, war auch Gott selbst. „Alle Dinge sind durch das Selbe gemacht“ bedeutet für mich klar, dass alles was aus dem selben gemacht ist, in seiner Esssenz auch gleich Gott ist. Die Aussage Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ entspricht den drei Sätzen des Adi Shankaracharya: „Brahma Satyam, Jagan Mithyam, Jivo Brahmaiva Napara“, die friedrich Rückert wie folgt zusammenfasste: „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in Tausend Büchern findet: Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein. Das Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Also alles ist letztlich auf das selbe Göttliche Prinzip begründet. „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht erfasst.“ …vedantischer kann man es kaum ausdrücken! Das Licht Atmans strahlt in den Upadhis, bzw. drückt sich darin aus. Verstrickt man sich in den Upadhis kann man Atman nicht erkennen. So wie ein Auge sich nicht sehen kann, kann das Licht Atmans nicht auf sich selbst scheinen, sondern erlechtet seine Manifestationen.

„Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“
Johannes 14, 6

Versteinerter Mönch

Dieses Zitat wird gerne genutzt um den allein-seeligmachenden anspruch der christlichen Lehre zu befestigen. Ich persönlich glaube nicht im geringsten daran, dass Jesus gemeint haben könnte, dass nur noch seine eigene Lehre zu Gott führt, und alle anderen Wege in die Verdammnis führen! Ich halte es für naiv und unreflektiert zu meinen, dieser riesengrosse runde Planet und dieses unendliche Göttliche Prinzip hätte nur einer Person den goldenen Schlüssel zum erreichen des höchsten Zieles überreicht! Was aber wird dann wohl Jesus damit gemeint haben? Eine verwirklichte Seele wie es zB Jesus Christus gewesen ist stellt sich und die funktionen des Körpers ganz dem Göttlichen zur Verfügung. Anders gesagt: Atman strahlt durch die Upadhis und identifikationen mit den Upadhis sind aufgelöst. Und so kann ein erleuchteter klar sagen „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“, denn es ist nicht mehr nur die Person die diese Aussage tätigt, sondern das Göttliche welches durch sie hindurch strahlt. Brahman ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, es ist Sat-Chid-Ananda mit anderen Worten! Sat ist das wahre Sein, also der Weg. Chid ist das Wissen, das Bewusstsein oder eben die Wahrheit. Ananda ist die Glückseeligkeit oder die Liebe und damit auch das Leben. Nagut, dieser Vergleich ist ein bischen weit hergeholt, da die Worte andere sind, aber Sinngemäss wollte er womöglich sein Selbst beschreiben. Jesus sagt hier „Ich bin…„, ich bin dieses Selbst, dieses Göttliche, es strahlt durch mich hindurch. „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ Anders formuliert: Niemand wird Gott erfahren der nicht das Selbst sucht. Oder: Gott ruht im Selbst, suche in dir danach! Im Sinne einer wünschenswerten friedvollen Welt sollten wir uns überlegen, ob ein Konzept wie „Niemand kommt zu Gott ausser durch die Kirche“ noch zeitgemäß ist!

Kleiner Einwurf aus dem alten Testament

Die Annahme das das Individuum eins mit allem ist, ist eine der Grundaussagen des Vedanta, und auch anderer spiritueller Traditionen. Das Selbst ist nicht verschieden von den Objekten der Wahrnehmung. Solange wir verstrickt sind mit den Objekten der Welt, erkennen wir nicht das Selbst und die Einheit von allem was ist. Eine der Schlüsselstellen der Bibel ist im Buch Moses zu finden. In der Bibel erscheint Gott den Menschen das erste mal „von Angesicht zu Angesicht“ in Form eines brennenden Dornbusches und gibt Anweisungen. Auf die Frage in wessen Namen er die Anweisungen kund tun soll, sagt Gott also im 1. Buch Moses 3.14, hier in verschiedenen Versionen:

(Elberfelder Übersetzung) „Da sprach Gott zu Mose: „Ich bin, der ich bin.“ Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt.“

(Luther Übersetzung) „Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.“

(Einheitsübersetzung) „Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.“

(English Standart Version) „God said to Moses, “I am who I am.” And he said, “Say this to the people of Israel, ‘I am has sent me to you.““

Da ich lange Zeit in Elberfeld gelebt habe, vertraue ich der Elberfelder Bibelübersetzung. Gott will also „Ich bin“ genannt werden. Der Name ist im Hebräischen „Jehowa“ oder im Tetragramm (Viebuchstabenwort) „JHWH“, da er nicht ausgesprochen werden soll. Aus meiner bescheidenen Sicht offenbart Gott dem Menschen hier das grösste Geheimnis: „Ich bin“.  Alles andere ist Teil der Illusion, nur das unmittelbare Sein, verbunden mit allem ist die letztendliche Wirklichkeit. Die Formel „ich bin“ führt uns zu dieser Erfahrung. Du kannst diese Formel ausprobieren, wiederhole sie wie ein Mantra und spüre die Einheit mit allem…

im neuen Testament findet man mehr Ähnlichkeiten mit dem Yoga:

„Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“
1. Johannes 4, 8

Wie schön diese Worte sind! Eine der Eigenschaften Gottes (sofern man seine unendlichkeit und unfassbarkeit in Worten begrenzen mag) ist also die Liebe: „Gott ist Liebe.“ diese Liebe die wir in uns tragen, und in eine allumfassende Liebe zu transformieren vermögen, ist als Gott selbst! Gott ist also erfahrbar, in jedem von uns, in jedem Moment! Er sitzt nicht strafend mit langem Bart auf einer Wolke sondern wohnt in unserem Herzen. Und so ist die Ausdehnung der Liebe der einfachste und direkteste Weg zu Gott. „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt…“ Man kann also jemanden der Gott kennt daran erkennen ob und wie er liebt. Das bedeutet für mich auch: Je mehr Liebe man lebt, desto mehr wirkt Gott durch einen hindurch. Es ist so einfach! Die Botschaft Jesu war die Liebe, das was wir im Yoga „Bhakti“ nennen: Die Liebe und die Hingabe gegenüber Gott in allem!

Desweiteren heisst es im selben Abschnitt:

„Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner!“
1. Johannes 4.20

Man erkennt also die wahre Gottesliebe in einem Mitmenschen daran, wie er mit seinem nächsten umgeht! Die Nächstenliebe ist ja ganz klar eines der zentralen Konzepte der Christenheit, die jedoch leider in der Praxis der Kirchengeschichte oft zu wenig Bedeutung gefunden hat. Für mich es dies eine klare Anweisung, seine nächsten zu lieben. So sollte doch sicher eine solche Aussage in heutiger Zeit mehr Umsetzung in der Praxis erfahren:

„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“
Römer 12.18

Wie kann man aber wahren Frieden Leben, wenn man zB nicht die Andersgläubigkeit des Nächsten akzeptiert?Bedeutet frieden nicht das man den Nächsten so sein lässt wie er gerne sein möchte? Oder kann es nur Frieden geben wenn alle Menschen der selben Interpretation von Gott verehren und den einzigen Sohn Gottes anbeten? In dem Zusammenhang ein großartiges Zitat von Rosa Luxenburg:

„Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!“

Das Konzept der Nächstenliebe findet sich in allen Religionen und ethischen Philosophien. Im Christentum wurzelt es im alten Testament:

„Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“
3. Buch Mose 19.18

Im Original heißt es hier wie oben erläutert nicht „Ich bin der Herr“ sondern auch „Ich bin der Ich bin“.

Die Frage die sich hier aufdrängt ist dann doch: Wer ist der „Nächste“? Ist es jeder dem wir begegnen, oder nur jemand den wir als ebenbürtig erachten? Ich denke es geht klar darum, in jedem eine manifestation des Göttlichen zu sehen, genau wie man selbst. Eine noch viel wichtigere Botschaft jedoch steckt in der Aussage „deinen Nächsten lieben wie dich selbst„, nämlich sich selbst zu lieben! Das ist letztlich der Schlüssel, sich selbst mit dem „Ich bin“, dem „Sein“ bewusst zu sein und sich zu lieben, denn nur so können wir auch die Liebe auf andere ausdehnen. Und das ist auch der Weg zur Heilung, zum Heil werden. Gott in Form der Liebe in sich wirken zu lassen!

Noch ein paar Worte über die Kirche und die Liebe…

Die alten Kirchenväter wussten um die wichtigkeit der wahren Liebe. Nur leider lässt sich das kaum mit den Kreuzzügen, dem Kondomverbot und den Machenschaften der Kirche vereinbaren:

„Liebe und tu, was du willst. Schweigst du, so schweige aus Liebe. Redest du, so rede aus Liebe. Kritisierst du, so kritisiere aus Liebe. Verzeihst du, so verzeih in Liebe. Lass all dein Handeln in der Liebe wurzeln, denn aus dieser Wurzel erwächst nur Gutes.“ Augustinus von Hippo

Interessanter Weise findet Papst Benedikt der XVI in seiner „Deus Caritas es“ sehr blumige Worte für die Nächstenliebe und die damit verbundene Gottesberührung.

„Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche Bild in ihm nicht erkennen. Wenn ich aber die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur, fromm’ sein möchte, nur meine, religiösen Pflichten’ tun, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch, korrekt’, aber ohne Liebe.“

In seinem Umgang mit anderen Glaubenskonzepten spiegelt sich diese Liebe leider nicht. Wenn er zB in seiner Regensburger Rede sagt „der Prophet Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes gebracht…“ So wird zB auch seit 1570 in Rom immer an Karfreitag für die „treulosen Juden“ gebetet, die ja Schuld waren an Jesus Tod. Moment mal… waren das nicht die Römer selbst? Naja… Es wird gebetet Gott möge den Juden „den Schleier von ihren Herzen wegnehmen“, sie ihrer „Verblendung“ und ihren „Finsternissen“ entreißen und sie zu Christen machen. frieden unter den Völkern also durch Bekehrung zum wahren Glauben… Zwar wird seit dem 2.Vatikanischen Konzil zugestanden, dass es auch in anderen Religionen „Strahlen der Wahrheit“ geben mag, aber die Wahrheit hat der Papst unfehlbar für sich gepachtet.

Möge die Kirche ihr Herz für die bedingungslose Liebe öffnen!

noch ein Zitat von Krishnamurti:

„Die wahre Liebe ist nicht auf eine bestimmte Religion begrenzt,
und wenn organisierte Religionen sie benutzen, hört sie auf zu existieren.“

Ich denke das viele Gläubige die Worte der Bibel oftmals zu oberflächlich, zu wörtlich nehmen, ohne den tiefen spirituellen Gehalt die zwischen den Zeilen und hinter den Worten sehen zu können. Ich bin mit einem christlichen Hintergrund aufgewachsen und war in meiner Jugend Messdiener in der katholischen Kirche. Nach einer langen Abkehr vom Christentum und einer Hinwendung zu östlichen spirituellen Traditionen begann ich Jesus mit neuen Augen zu sehen, und die vielen Parallelen zur Philosophie des Yoga zu entdecken. Ich hoffe das dir meine Interpretationen der einzelnen Bibelstellen helfen, die Botschaft Jesu noch umfassender sehen zu können. Und ich hoffe im Sinne Jesu und zum wohle aller, den wahren Gehalt dieser Weisheiten im rechten Lichte interpretiert zu haben.

„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“
Lukas 17,20-21

Bruder Johannes-Maria und die Wolke der Nichtwissens

Die Erfahrung Gottes ist nicht zu vergleichen mit einer irdischen Erfahrung. Es ist nichts was mit den 5 Sinnen erfasst werden kann und nichts was man beschreiben kann. Es übersteigt den Verstand und die Welt der Objekte und Vorstellungen. Sie ist überall und nirgends zu finden, nicht an einem bestimmten Ort oder in einer definierten Erfahrung. Da Gott zugleich Urgrund der Welt ist als auch das was manifest ist, findet man Gott immer und überall. Oder um es mit Kants Worten zu sagen: „Gott ist zugleich Transzendent und Immanent!“ getreu dem alten Lateinischen Spruch über Gott: „Oculus non vidit, nec auris audivit“ zu deutsch „Was das Auge nicht gesehen, noch das Ohr gehört hat“. Jesus sagt also hier: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte“ Und so sagen wir im Vedanta: „Das Selbst (nicht das individuum sondern das dem zugrundeliegende Wesentliche) kann nicht gesehen werden, so wie das Auge nicht gesehen werden kann.“ weil es das Bewusstsein ist in dem all das stattfindet. Oft ist eine Kritik der Christen am Yoga und der indischen Philosophie, dass das Selbst identisch ist mit Gott. Da ist wohl eine Begriffsklärung von nöten, denn das Sansktitwort „Atman“ ist zwar am ehesten mit „Selbst“ zu übersetzen, es handelt sich hierbei jedoch nicht um Körper, Geist und Seele sondern um das dem zugrunde liegende. „Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ heißt es in der Elberfelder Bibel, in anderer Fassung „Sehet das reich Gottes ist in euch!“ Es sitzt also kein Gott zornig und strafend auf einer Wolke, sondern im herzen eines jeden von uns wohnt dieses Göttliche! Das letzte Zitat der Bibel veranlasste Tolstoi zu einem gleichnamigen Buch, welches Gandhi auf die Idee seiner Gewaltfreien Revolution brachte, ein schönes Beispiel für die Macht der Worte Jesu! Die Gotteserfahrung liegt nicht in weiter Ferne, weder zeitlich noch räumlich, sondern Hier und Jetzt. Wir sind schon in Gott, Gott ist bereits in uns! …es kann auch anders gar nicht sein.

„Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht.“
Johannes 1, 18

Niemand?

Also auch Jesus selbst hat „Ihn“ nicht gesehen, weil Gott nicht erfahren werden kann wie eine irdische Erfahrung. Die Erfahrung Gottes ist jenseits aller Vorstellungen und Konzepte, sie kann nicht mit Worten beschrieben werden. Jesus hat diese Erfahrung gemacht und möchte sie uns gerne vermitteln. Er benutzt seine eigenen Worte um das unbeschreibliche zu benennen. Seine Worte waren in der aramäischen Sprache und geprägt von seiner damaligen Kultur, und im laufe der 2000 Jahre hat sich oftmals die Deutung verändert. So wird jemand mit der selben Erfahrung an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit ganz andere Worte nutzen. Ein arabischer Wüstenvater, ein australischer Aboriginee, ein Nordamerikanischer Urainwohner und ein europäischer Grossstadtmensch kann die selbe Erfahrung machen, und wird sie verschieden benennen. Jesus hat seine Worte benutzt, sie deuten auf etwas hin, sind aber nicht die Wahrheit. Im Yoga sagt man „verwechsle nicht den Stock der auf den Mond zeigt mit dem Mond selbst!“. Übrigens ist das Wort für „Gott“ in der Sprache von Jesus Christus: „Allah“!

„Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“
Johannes 8,31-32

Diese Aussage von Jesus könnte exakt so in einem vedantischen Lehrbuch stehen!

Worte welche die Wirklichkeit hinter dem Scheinbaren beschreiben, haben die Kraft die Täuschung aufzuheben. Im Vedanta sowie im Christentum geht es um das Vertrauen gegenüber den Worten, um ein sich öffnen für die Wahrheit die den Worten zugrunde liegt. Zwar geht es im Yoga letztlich um Erkennen, dies erfordert aber zunächst ein Vertrauen. „Im Wort bleiben“bedeutet nichts anderes, dadurch werden wir dann die Wahrheit erkennen, nicht intellektuell sondern tatsächlich. So sagte auch Goethe:

„Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse.“

…und irgendwann wird Glauben zu Wissen und Wissen zu Erkennen! Es heisst dann auch in Johannes 17.17:

„Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“

Dazu passt sicher ein Zitat von Adi Shankaracharya, dem größten Vedantalehrer:

„Die Befolgung äußerlicher Vorschriften ist gut, um deine Gedanken rein zu erhalten, aber zur Wahrheit und Wirklichkeit führt sie dich nicht.“

Denn das ist letztlich ein Akt der Gnade und kann nicht durch Frömmigkeit oder Anstrengung erreicht werden. Auch wenn manche Christen und Yogis das gerne hoffen!

„Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Johannes 8,12

Licht ist eine Metapher für Erkennen, denn da wo Licht hinfällt können wir klar sehen und wo es dunkel ist sehen wir nichts. Wie zuvor angedeutet, spricht Jesus nicht von sich als Person, sondern als Kanal für Gott. „Ich bin das Licht der Welt“ bedeutet dann wohl eher: „durch mich strahlt das Licht der Welt“. Also er ist durchleuchtet oder erleuchtet vom Licht der Erkennntis, für ihn ist nurnoch das Licht aktiv, welches durch ihn hindurch in die Welt hinaus strahlt. In der Indischen Geisteswelt ist klar, solch ein erhabener Zustand ist für jeden erreichbar! Wenn wir seinem Beispiel folgen und das Licht in uns wirken lassen, werden wir das Licht des Lebens haben. Licht ist ein Bild welches in sehr vielen Traditionen genutzt wird, so zB sagt Khalil Gibran

„Das wahre Licht ist das Licht, das aus dem Innern der menschlichen Seele hervorbricht, das den Anderen das Geheimnis seiner Seele offenbart und Andere glücklich macht“

oder Ramana Maharshi, grösster vedantalehrer der Neuzeit:

„Maya oder die Gewalt des Scheins bewirkt, daß uns das nicht vorhanden und unwirklich erscheint, was allgegenwärtig und alldurchdringend ist: ganz vollkommen und Licht in sich selbst und in Wahrheit das Selbst, Kern unseres Wesens.“

und Laotse

„Nutzt man sein inneres Licht, um zur Erleuchtung zurückzufinden, so vergeht man nicht bei des Leibes Zerstörung.“

und so frage ich mich schon wieder: wie kann man glauben, es gibt nur einen Weg? Wo doch zB Meister Eckhard, einer der grössten Christlichen Mystiker, auch sagt:

„Was Gott an sich selbst ist, dazu kann niemand kommen, der nicht in ein Licht entrückt wird, das Gott selbst ist.“

Das Thema Licht, Leuchten, Erleuchten ist wohl sehr bedeutend, nicht nur im Christentum, sondern in einer universellen Spiritualität. In jedem von uns wohnt diese lichtvolle Kraft, der heilige Geist den wir wirken lassen können. Das ist worum es geht, in jedem Moment.

„Nicht, was ausserhalb des Mensch ist und in ihn hineinkommt, kann ihn verunreinigen; sondern was aus ihm herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt.“
Markus 7,15

Man ist oft vielzusehr darauf bedacht sich vor störenden Einflüssen zu schützen und sie von sich zu halten, viel wichtiger ist es doch sicher was wir nach aussen geben! Eine der wichtigsten Grundgedanken des Yoga ist, sich zu reinigen. Unsere wahre Natur ist bereits das Göttliche und muss nur entfaltet oder aufgedeckt werden. Unsere Identifikationen mit Objekten der Welt sind die Unreinheiten die das Licht unserer Seele nicht strahlen lassen. Und so müssen wir vor allem darauf achten, was aus uns heraus kommt.

„Es ist wahr: Wer zu Christus gehört, der hat sein selbstsüchtiges Wesen mit allen Leidenschaften und Begierden ans Kreuz geschlagen.“
Galater 5.24

Und hier ist schonwieder eine Aussage, die genau das wiedergibt, was im Yoga als Essenz der Lehre gesehen wird. So steht zB in der Bhagavad Gita: 3.39

„Verdeckt wird die Erkenntnis durch ihn, des Weisen ewigen Feind, dessen Wesen Wunsch ist, von schwer zu befriedigendem Feuer, Arjuna.“

und 2.55

„Wenn einer alle ihm in den Sinn gekommenen Wünsche fortlässt und allein schon in sich selbst durch sich selbst zufrieden ist, dann heißt es, er ist von gefestigter Weisheit.“

­­­Denn nur wenn wir lernen unsere „Leidenschaften und Begierden“ ans Kreuz zu schlagen, also geopfert oder getötet haben, können wir zum wahren Selbst kommen, bzw. zu Christus gehören. Das von Jesus so genannte „Selbstsüchtige Wesen“ ist der niedere Teil des Individuums, den es zu transzendieren gilt, um sich für die allem zugrunde liegende Wahrheit zu öffnen.

Allerdings möchte ich gerne an dieser Stelle empfehlen das Bibelstudium mit großer Vorsicht zu betreiben. Schliesslich galten Bibelzitate schon immer als legitime Rechtfertigung für großes Unrecht. Im Namen Jesus Christus wurden soviele Menschen getötet, gequält und unterdrückt wie sonnst unter keinem anderen Namen, dass muss man leider so sagen! Hier eine kleine Auflistung von Zitaten aus dem neuen Testament die mehr als zweifelhaft sind. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Jesus selbst solche Aussagen getätigt hat. Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand sieht sicher die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung der Bibel, so wie alle spirituellen Lehren mit Skepsis begenet werden sollte.

„Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien.“
Matthäus 10.34,35

Ach? ist er nicht Licht und Liebe? Will er nicht Frieden für alle? Da heißt es zwar, man solle die Verse immer im Zusammenhang betrachten, aber auch da erkenne ich nicht wieso es zu einer solchen Aussage kommt. Nun denn. Hier zu Frauenbild:

„Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden.“
1.Korinther 14.35

OK, ich denke das bedarf keiner weiteren Worte.

„Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden.“
Lukas 19.26

Das klingt für mich wie eine klare befürwortung des kapitalistischen Ausbeutersystems. Nicht schön, aber entspricht der Wahrheit. Dieses wird auch der „Matthäus-Effekt“ genannt, im Volksmund: „Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist“ oder auch „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“.

„Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten! Denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes“
Römer, 13.1-2

Uiui…

Aber glücklicher Weise gab es schon immer Weise die die Lehren Jesu verstanden haben. Die interessanten Geschichten über christliche Heilige zeugen davon. Für mich hat es eine gewisse Ambivalenz, einerseits von Licht und Liebe zu sprechen, aber auf der anderen Seite sich klar über andere zu stellen indem man meint nur über Jesus komme man zum Heil. Abschliessend noch ein Zitat von einem durchaus umstrittenen Kirchenvertreter, welches so auch in der Bhagavad Gita stehen könnte.

„Reserviere eine bestimmte Zeit für dich selbst und halte dich ruhigen Gemüts in Erfolg und Mißerfolg, frei von Unruhe und Verwirrung, sowohl bei frohen als bei traurigen Anlässen.“
Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuiten Ordens

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