Patanjali Yoga Sutra. Kaivalya Pada – das vierte Kapitel

Narada Marcel Turnau 2017

Narada in Ramanas Höhle

Nach insgesamt 8 Jahren ist mit dem 4. Kapitel nun endlich der erste Teil des Projektes Yoga Sutra zu Ende gegangen. Alle 195 habe ich neu übersetzt, Wort für Wort und Vers fürvers. Dabei habe ich 15 verschiedene Referenzen verwendet um möglichst nahe an Patanjalis Intention zu sein, und auch in der Übersetzung bereits mehrere Deutungsebenen aufzuzeigen.

Im ersten Kapitel „Samadhi Pada“ des Yoga Sutra geht es vor allem um das Ziel des Raja Yoga. Das zweite Kapitel „Sadhana Pada“geht dann genauer auf die Praxis ein. Im dritten Kapitel „Vibhuti Pada“ liegt der Fokus auf den Fähigkeiten, die der Yogi auf seinem Weg entwickeln kann. Das vierte Kapitel widmet sich dann sehr transzendenten Aspekten des Raja Yoga Weges.

Aus meiner Sicht das interessanteste Konzept im 4. Kapitel ist das Dharma Megha Samadhi, das Überbewusstsein der Wolke der Lehre. Dieser Begriff wird im Yoga und Buddhismus kontrovers diskutiert, ich habe versucht die Diskussion ein wenig abzubilden in meinem Kommentar.

Yoga Sutra Kaivalya Pada – Abschnitte des 4. Kapitels

Patanjalis Yoga Sutra, 4. Kapitel komplett in deutsch

4.1 „Übersinnliche Fähigkeiten können durch Geburt, Drogen, Zaubersprüche, Askese oder Überbewusstsein erreicht werden.“

4.2 „durch das Überfluten mit der eigenen, inneren Natur entsteht der vollkommene Wandel.“

4.3 „Was dem Fluss der Natur im Wege steht wird gebrochen, wie im Reisfeld so im Menschen.“ oder „So wie ein Feldbesitzer die Wasserschleusen des Reisfeldes zur rechten Zeit öffnet, kann auch unser Wille kein schnelleres Wachstum zur wahren Natur erzeugen.“

4.4 „Das individuelle Gemüt entsteht nur durch die Ich-Identifikation.“

4.5 „Die verschiedenen Tätigkeiten des Geistfeldes werden durch den einen Geist beherrscht.“

4.6 „Bewusstsein aus Meditation entwachsen ist frei von persönlichen Eindrücken.“

4.7 „Handlungen sind für den Yogi weder schwarz noch weiß, für andere sind sie dreifach.“

4.8 „Daher werden die Programmierungen durch die Früchte des Handelns offenbar.“

4.9 „Da Erinnerungen und Programmierungen ähnlich erscheinen, gibt es eine ununterbrochene Kontinuität in der Wiedergabe dieser Merkmale, auch wenn Geburt, Ort und Zeit dazwischen liegen.“

4.10 „Sie (Samskaras und Smritis) sind anfangslos und durch Wünsche endlos.“

4.11 „Ursache, Wirkung, Basis und Objekt halten sie aufrecht, mit diesen verschwinden sie.“

4.12 „Die eigene Form existiert auch in Vergangenheit und Zukunft, Unterschiede in den Wegen folgen einer Ordnung.“

4.13 „Sie (Samskaras und Smritis) sind wahrnehmbar oder subtil in der Guna Natur.“

4.14 „Durch die Entwicklung zum Wesentlichen erkennt man die wahre Natur der Erscheinungen.“

4.15 „Die gleichen Objekte werden durch Bewusstseins-Zustände in unterschiedlichen Wegen verschieden erfasst.“

4.16 „Objekte existieren unabhängig davon ob sie vom Medium der Wahrnehmung erfasst werden.“

4.17 „Je nachdem wie stark das Bewußtsein ein Ding wahrnimmt und verfärbt, ist es bekannt oder unbekannt.“

4.18 „Das wahre Bewusstsein ist ewig unveränderlich, es nimmt die Impulse im Geist wahr.“

4.19 „Der Geist ist nicht selbst-erleuchtend, da er wahrnehmbar ist.“

4.20 „Es ist nicht beides zugleich erfassbar.“ oder „Es kann nicht zweierlei zugleich erfasst werden.“

4.21 „Würde ein Geist einen anderen Geist wahrnehmen, dann gäbe es die Absurdität von Wahrnehmung der Wahrnehmung sowie eine Verwirrung der Erinnerung.“

4.22 „Wenn der Geist nicht mehr umherzieht, kommt die Erkenntnis der wahren Form.“

4.23 „Daher ist das Geistfeld durch den Wahrnehmenden das Wahrgenommene gefärbt und hat das Potential Objekte direkt zu erfassen.“

4.24 „Auch wenn die unzählbaren Konditionierungen vielfältig im Geist wirken, ist sein wahrer Sinn zu Kooperieren.“

4.25 „Erkennt man den Unterschied, kommt der zweifelnde Geist zur Ruhe und man erkennt das wahre Selbst.“

4.26 „Dann hat der Geist Unterscheidungstiefe, und steht vor der Befreiung.“

4.27 „Impulse aus den alten Programmierungen unterbrechen die Unterscheidung.“

4.28 „Diese werden beseitigt, wie bei den Kleśas gesagt.“

4.29 „Ist bei der Meditation jeder Wunsch verschwunden, kommt die dauerhafte Unterscheidung, man erreicht die Dharmawolke und ist im Samadhi.“

4.30 „Damit endet Leid und Karma.“

4.31 „Von allen Schleiern und Schmutz befreit, wird das relative Wissen des Geistes winzig gegenüber der unendlichen Erkenntnis.“

4.32 „Ist das Ziel erreicht, endet der Wandel der Gunas.“

4.33 „Die Beziehung einzelner Momente wird wahrnehmbar und Veränderung kommt als Folge zum Ende.“

4.34 „Wenn alles Streben sich in Leere auflöst und die Gunas transzendiert sind, wird die Befreiung den Geist erfüllen. Ende.“

Soweit also das 4. Kapitel des Yoga Sutra.

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