Satsang Talk: Gott in der 1.,2. & 3. Person – das 1,2,3 Gottes

das 1,2,3 Gottes

Maha Shiva in Haridwar

Wir können den Begriff Gott sehr unterschiedlich interpretieren, jedoch liegt das Göttliche weit jenseits dessen was wir mit Worten beschreiben können.

Man sagt, dass Worte und Konzepte niemals dem gerecht werden können was Gott in Wirklichkeit ist. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass jede Spirituelle Erfahrung rein subjektiv ist und nicht mit anderen geteilt werden kann. Dennoch ist es wichtig über Gott nachzudenken und sich mit den verschiedensten Konzepten zu beschäftigen.

Was ist Gott?

Dieses Konzept von Gott in der 1.,2. und 3. Person bzw. das das 1,2,3 Gottes habe ich bei einem Vortrag von Andrew Cohen kennengelernt und ich finde es sehr hilfreich um die verschiedenen Sichtweisen in den unterschiedlichen Yoga-Wegen zu differenzieren. Wenn wir Gott und das Göttliche nicht bloß als Denkkonstrukt sehen wollen, sondern für uns ein mystischer Weg zur Erfahrung und Erkenntnis dessen möglich scheint, ist es gut verschiedene Sichtweisen in Betracht zu ziehen.

Vortrag und Transkription

Gott in der 1., 2. und 3. Person

Ich finde, eine der schönen Sachen an der Yoga-Wissenschaft ist, dass wir keine starren, festen Überzeugungen haben, sondern dass wir verschiedene philosophische oder weltanschauliche Konzepte nebeneinander stehen haben. Also ganz so wie es in der ältesten Schrift der Inder, im Rigveda, heißt:

„Es gibt nur eine Wahrheit, aber die Weisen benennen sie unterschiedlich.“

Mit Gott sind jede Menge Konzepte verbunden

So haben wir verschiedene philosophische Ansätze, mit denen wir arbeiten, die zunächst mal völlig widersprüchlich zu sein scheinen. Und sie es auch sind im Detail.

Wir sagen, es ist eben nicht „entweder… oder…“, sondern es ist „sowohl… als auch…“. Man kann die Dinge auf die eine oder die andere Weise sehen. Und so ist das auch in Bezug auf das Göttliche.

Gott ist ja ein ganz schwieriges Wort. Jeder versteht darunter etwas ganz anderes und damit sind jede Menge Konzepte verbunden. Auch im Yoga haben wir ganz unterschiedliche Ansätze zu versuchen zu erklären, worum es bei Gott geht.

Ein sehr schönes, wie ich finde, ist das Konzept, Gott in der ersten, zweiten oder dritten Person zu betrachten.

Gott in der 1. Person: Mein wahres Wesen ist identisch mit Gott

Wenn wir also sagen, Gott ist in der ersten Person (Singular), dann heißt es: Ich bin Gott.

Das bedeutet jetzt nicht, dass ich als Person Gott bin. Sondern das, was ich in Wirklichkeit bin, jenseits von Körper und Persönlichkeit, jenseits voKörper was vergänglich ist, das, was mein wahres Wesen ist, ist identisch mit dem Göttlichen.

Das, was ich in Wirklichkeit bin, ist das reine Bewusstsein, welches alles umfasst bzw. die Grundlage von allem ist. Und alles, was als Erfahrung wahrgenommen wird, oder alles, was an Erscheinungen in diesem Bewusstsein auftaucht, findet nur in diesem Bewusstsein statt. Das, was ich in Wirklichkeit bin, ist also die göttliche Präsenz, das göttliche alldurchdringende Bewusstsein. Und alles, was durch mich erfahren wird, ist eben das Kommen und Gehen der unterschiedlichen Erfahrungen, die im göttlichen Bewusstsein stattfinden.

Gott in der ersten Person ist das, was wir im Jnana Yoga vor allen Dingen betreiben.

Gott in der 2. Person: es ist das, was mir gegenüber steht ‒ das Du

Im Bhakti Yoga betrachten wir Gott in der zweiten Person: Gott ist Du. Es ist das, was mir unmittelbar gegenüber steht.

Gott ist etwas, eine Wesenheit oder eine Persönlichkeit, auch eine Kraft, die mir unmittelbar gegenüber steht, vor der ich mich verneigen kann, zu der ich beten kann, mit der ich in eine persönliche Beziehung treten kann, mit der ich eine klare Verbindung haben kann.

Aber Gott ist immer außerhalb von mir. Gott ist immer das, was mir gegenüber steht, das Du.

Gott in der 3. Person: eine Kraft, die Gnade und Segen gewährt

Im Karma Yoga, im Kundalini Yoga oder auch im Raja Yoga betrachten wir Gott eher in der dritten Person: Gott ist weder das, was ich bin, noch ist es das, was Du bist, weder mein wahres Selbst noch das, was mir unmittelbar gegenüber steht, sondern es ist eine Kraft oder ein Bewusstsein, auf dessen Gnade ich hoffe. Oder dessen Kraft und Segen ich irgendwann zu erleben hoffe. Gott ist also irgendetwas drittes, sozusagen Es.

Und so haben wir Gott in der 1., in der 2. und in der 3. Person. Wobei natürlich auch beim Karma Yoga, Kundalini Yoga und Raja Yoga klar ist, dass es darum geht, letztlich zu erkennen oder zu erfahren, dass Gott in der 1. Person existiert. Aber wir gehen davon aus, dass wir erst mal mit unserem begrenzten Bewusstsein nicht so weit sind, dass wir das erkennen können. Und so gehen wir erst einmal von dieser Idee, dass Gott in der 3. Person ist, aus.

Das Göttliche ist sowohl konkret als auch absolut

Dann sagen wir auch, dass Gott sowohl konkret als auch absolut ist. Wir können Ihm also sowohl als konkrete Wesenheit betrachten, mit der wir vielleicht sprechen können, zu der wir beten können, mit der wir in eine klare Verbindung treten können. Aber die Schriften sagen auch ganz klar, Gott ist jenseits von Namen, Formen und Eigenschaften. Er/Sie/Es ist nicht greifbar. Das Göttliche ist nicht beschreibbar. Gott ist auch überhaupt nicht in irgendeiner Form als etwas außerhalb von uns erfahrbar.

Und das haben wir beides gleichzeitig. Es scheint widersprüchlich zu sein, zum Beispiel auf der einen Seite zu sagen, Gott ist Shiva, also eine konkrete Wesenheit, oder Gott ist Krishna, mit konkreten Eigenschaften versehen und ganz vielen verschiedenen Namen. Und andererseits zu sagen, Gott ist das Bewusstsein oder die Kraft oder der Segen oder die Intelligenz hinter der Schöpfung.

Solange wir auf dem Weg sind, scheint es diese Widersprüche zu geben. Und wir müssen damit arbeiten und versuchen, immer tiefer zu verstehen, was damit gemeint ist. Und irgendwann erkennen wir, dass beides richtig ist.

Gott ist jenseits von Konzepten: eine Variable x

Was ich auch sehr gerne mag, ist das Wort Gott als eine Variable x zu verwenden. Der eine setzt dann also „Allah“ oder „Manitu“ ein, der nächste setzt „Krishna“ oder „Shiva“ ein. Und ein Atheist setzt vielleicht „das große Mysterium“ oder „die mysteriöse Kraft, die das Universum durchdringt“ für x ein. Oder was auch immer man für ein persönliches Konzept von Gott hat.

Ich glaube, wir sollten uns immer darüber bewusst sein, dass das Göttliche jenseits von Konzepten ist, dass Gott nicht beschreibbar ist. Wenn jemand das Wort Gott benutzt, dann meint er einfach damit die Variable x ‒ und da kann dann jeder sein Konzept einfügen.

Dann gibt es weit weniger Streit, wenn wir die Dinge so betrachten. Denn jeder, der eine felsenfeste Überzeugung darüber hat, was Gott ist, bei dem können wir davon ausgehen, dass er Gott noch nicht erfahren hat.

Soweit ich die Schriften verstehe, ist Gott nicht konkret beschreibbar. Und wenn jemand meint, dass das aber so sei, dann glaube ich, hat er es noch nicht erfahren. Denn Gott ist eben unendlich und unbeschreibbar und einfach unfassbar für uns.

Spirituelle Erfahrungen sind stets subjektiv

Dann haben wir das Problem, dass spirituelle Erfahrungen, egal wie sie sind, immer subjektiv sind. Sie finden immer nur im Bewusstsein des Erlebenden statt. So wie auch Carl Gustav Jung gesagt hat: Religiöse Erfahrungen sind absolut.

Also wenn z.B. Ben uns erzählt, er hätte heute Morgen Gott gesehen, dann ist das schön für Ben. Und jemand, der Ben nicht kennt, wundert sich vielleicht und zweifelt. Aber ich kenne Ben und vertraue ihm, also würde ich denken: Wenn Ben Gott gesehen hat, dann scheint da ja irgendwie etwas dran zu sein. Trotzdem bedeutet das für mich erst mal noch nichts, denn es hat ja in Bens Geist, in Bens Bewusstsein stattgefunden.

Es kann sein, dass Ben sich zum Positiven verändert durch diese subjektive Erfahrung. Aber das ist für mich noch kein Beweis. Es lässt sich ja in keiner Weise irgendwie belegen. Auch wenn Ben mir erzählt, dass ein Chakra aufgegangen ist oder er die reine Liebe erfahren hat, sind das alles Dinge, die vollkommen subjektiv, nicht teilbar und nicht beweisbar sind.

Der Weg zu Gott ist individuell

Und das wird auch immer so bleiben. Es wird keinen Beweis für Gott geben, es wird keine Möglichkeit geben, spirituelle Erfahrungen universell erfahrbar oder belegbar zu machen. Das Göttliche hat immer mit Glauben oder Vertrauen zu tun. Mit Glauben daran, dass es möglich ist. Und mit Vertrauen darauf, dass an dem irgendwie etwas dran ist, was diejenigen berichten, die „Es“ erlebt haben.

Yoga ist dann also eine Erfahrungswissenschaft. Uns reicht es nicht zu hören, „Gott ist so und so“ und „Wenn du dich so und so verhältst, wirst du Gottes Gnade erfahren“. Sondern wir wollen tatsächlich die Gnade erfahren, wir wollen tatsächlich Gott erleben.

Yoga ist eine mystische Praktik, bei der es darum geht, dass wir das Göttliche selbst erfahren können, dass wir es selbst erkennen und erleben können. Da hat jeder seinen eigenen individuellen Weg. Da gibt es keine festgelegte Vorgehensweise, wie wir durch Handlung a dieses Ziel b erreichen können.

Jeder hat seinen individuellen Weg, auf dem wir uns natürlich orientieren an der Yoga-Wissenschaft und an spirituellen Lehren. Aber den Weg müssen wir eben selber gehen.

Demut und Lebensfreude auf dem Weg zu Gott

Für mich sind zwei Punkte wichtig, um zu schauen, ob jemand wirklich spirituell sozusagen einen Schritt weiter ist: Das eine ist Lebensfreude und das andere ist Demut.

Für mich ist ganz entscheidend, dass ein spiritueller Weg mit diesen beiden Punkten zu tun hat. Dass jemand eine Demut gegenüber der Schöpfung, gegenüber seinen Mitmenschen und letztlich gegenüber Gott hat. Und dass dieser Weg mit Lebensfreude beschritten wird. Denn wir sind ja nicht nur hier um zu lernen, sondern auch um das Leben zu genießen.

das 1,2,3 Gottes

Vivekananda und Mahashiva

 

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Über uns Narada

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