Satsang Talk – die 6 inneren Feinde. Arishadvargas

Es gibt in der indischen Philosophie das Konzept der 6 inneren Feinde „Arishadvargas“, welches gerne benutzt wird um die Hindernisse auf dem Weg aufzuzeigen. Über diese 6 inneren Feinde sollte reflektiert werden um sie zu überwinden und frei zu werden, also Moksha zu erreichen. Es ist also empfohlen sich selbst zu analysieren und zu schauen wo diese inneren Feinde das Motiv oder der Ursprung des Handelns ist. Tatsächlich greift hier das deutsche Sprichwort:

„Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“

Die 6 inneren Feinde- Arishadvargas

  1. kama — Lust
  2. krodha — Wut
  3. lobha — Gier
  4. moha — Wahn
  5. moda — Stolz
  6. matsarya — Neid

Ein bisschen erinnert dieses Konzept an die „Todsünden“ der Katholischen Lehre, dazu habe ich dieses tolle Zitat von Papst JP3 gefunden, er nennt…

„…denjenigen Akt eine Todsünde, durch den ein Mensch bewusst und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zurückweist, indem er es vorzieht, sich selbst zuzuwenden oder irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, irgendeiner Sache, die im Widerspruch zum göttlichen Willen steht“.

Passend hierzu noch die „sieben Todsünden der modernen Welt“ von Mahatma Gandhi:

  • Reichtum ohne Arbeit
  • Genuss ohne Gewissen
  • Wissen ohne Charakter
  • Geschäft ohne Moral
  • Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  • Religion ohne Opferbereitschaft
  • Politik ohne Prinzipien

Hier noch der ganze Text des Vortrages Transkribiert:

6 innere Feinde, aus der indischen Philosophie

Wir haben ja im Yoga eine unglaubliche Vielzahl an Konzepten, die uns helfen sollen, die Welt zu verstehen. Und wenn man sich genauer mit Yoga beschäftigt, dann realisiert man irgendwann, dass diese Konzepte auch nicht die Wahrheit sind, sondern dass sie auch nur Hilfsmittel sind, um auf die Wahrheit hinzudeuten.

Ihr habt sicherlich schon von den 4 Grundbedürfnissen des Menschen, den 7 Chakras usw. gehört. Da gibt es ganz viele von diesen Konzepten.

Eins von diesen Konzepten, das nicht so bekannt ist, das ich aber ganz hilfreich finde, ist das Konzept der 6 inneren Feinde: Arishadvarga. (Shad heißt „sechs“, ari ist der Feind und varga heißt etwa „Gruppe“.)

Hindernisse in der Welt sind nur der Spiegel unserer inneren Hindernisse

Das Konzept der 6 inneren Feinde kommt aus dem Srimad Bhagavatam. Das ist eine BhaktiSchrift und da heißt es: Das, was uns im Wege steht, um unser wahres Selbst zu erkennen, ist diese Gruppe der 6 inneren Feinde.

Wir sind natürlich geneigt, unser Unglück im Leben immer an äußeren Dingen festzumachen. Aber das Yoga ist da ganz klar, es sagt: Zum Glück braucht es keine Veränderung der äußeren Umstände, sondern eine Modifikation der inneren Einstellung. Und das ist ja das, woran wir arbeiten.

Wir arbeiten daran, unsere innere Einstellung zu wandeln. So wie man um das Spiegelbild zu verändern nicht am Spiegel arbeitet, sondern an sich selbst.

Die Welt und die äußeren Umstände sind ein Spiegel von unserem Inneren. Und so gilt es, am Inneren zu arbeiten und zu schauen, dass sich das Äußere ändert.

Die 6 inneren Feinde im Einzelnen

Die sechs inneren Feinde sind: kama, krodha, lobha, moha, mada und matsarya. Auf Deutsch etwa: Lust, Wut, Gier, Wahn, Stolz und Neid. Das sind sechs Eigenschaften, die wir vermeiden sollten.

Kama ‒ der erste der 6 inneren Feinde:
Sinnesfreuden sind Hindernisse, solange wir ihnen hinterherlaufen

Das Wort kama kennt man beispielsweise vom Kamasutra. Kamasutra ist der Leitfaden, um Sinnesfreuden zu verstärken. Aber im Yoga sind Sinnesfreuden nichts, was wir verstärken wollen, auch nichts, was wir vermeiden oder gar unterdrücken wollen, sondern sie sind ein Hindernis, solange wir ihnen hinterherlaufen.

Es gibt so ein schönes Zitat von Swami Sivananda. Er sagt: „Du sollst die Blumen am Wegesrand genießen, aber sie nicht vermissen, wenn sie nicht da sind.“

Das heißt, wir dürfen unsere Sinnesfreude genießen, sollten unser Handeln und unser Streben aber nicht davon abhängig machen. Und wir sollten unser Unglück nicht davon abhängig machen, dass wir beispielsweise mal keine Sinnesfreuden haben ‒ wie das so häufig im Leben vorkommt.

Wenn es also heißt, Lust ist einer der inneren Feinde, dann bedeutet das nicht, dass wir lustfeindlich sind oder etwas gegen Leidenschaften haben, sondern es geht darum, dass wir die Lust oder die Befriedigung der Sinne nicht als das Motiv unseres Handelns haben sollten.

Das Leben wird von selbst ‒ es ist ja ein ständiges Auf und Ab, ein ständiges Hin und Her ‒ immer wieder Gelegenheiten zu Sinnesfreuden geben. Dann sollten wir diese auch genießen, aber wir sollten eben nicht all unser Handeln davon abhängig machen.

Krodha ‒ der zweite der 6 inneren Feinde:
Verantwortungsvollen Umgang mit Wut lernen

Krodha ist die Wut. Es gibt immer wieder Gründe, wütend zu sein. Aber wir sollten lernen, einen sinnvollen Umgang mit Wut zu haben und uns zum Beispiel nicht unseren Alltag von unserer Wut versauen lassen.

Wenn es etwas gibt, worauf wir wütend sind ‒ da gibt es ja Gründe genug ‒, dann können wir uns fragen: Was ist das genau, worauf ich wütend bin? Was ist das in mir, was mich dort wütend sein lässt? Und was mache ich jetzt mit dieser Wut?

Wir sollten diese Wut weder auf Unbeteiligte stülpen (was so häufig passiert) noch sollten wir sie in uns hineinfressen. Wir sollten schauen: Wo kommt die Wut her? Wo gehört die Wut hin? Und derjenige, der dafür gesorgt hat, dass wir jetzt wütend sind, der darf unter Umständen auch mal was davon abbekommen.

Wir sollten nicht meinen, spirituell oder yogisch heiße, immer lieb und nett zu sein, und diese Wut für uns behalten. Sondern wir sollten einen sinnvollen Weg damit finden und nicht uns unseren Alltag versauen lassen, indem wir die ganze Zeit in der Wut feststecken.

Lobha ‒ der dritte der 6 inneren Feinde:
Zufriedenheit lernen mit dem, was man hat

Der nächste Punkt ist lobha, die Gier. Einer der wesentlichen Punkte, um glücklich zu sein im Leben, ist zu lernen, zufrieden mit dem zu sein, was man hat, und nicht ständig danach zu gieren, etwas anderes oder mehr zu haben.

Nicht schauen, was man nicht hat, sondern das zu sehen und wertzuschätzen, was man hat ‒ und damit eben glücklich zu sein.

Ich hab mal beim Skifahren in der Schweiz einen 80 Jahre alten Mann kennengelernt. Und da er aus derselben wunderschönen Stadt wie ich kam, aus Wuppertal, haben wir uns sehr gut verstanden. Er hat mir so ein bisschen aus seiner Lebensgeschichte erzählt, unter anderem dass er in Stalingrad war. Und er hat erzählt, dass es in Stalingrad so war, dass die Leute, die bescheiden waren, die ihr Brot untereinander geteilt haben, diejenigen waren, die überlebt haben. Und die Mackertypen, die sich um jedes Stück Brot geprügelt haben, waren die ersten, die draufgingen.

Ihm war das ganz wichtig, mir anhand dieser Geschichte mitzuteilen, dass Bescheidenheit eine der wichtigsten Tugenden im Leben ist: einfach zu sehen, was da ist, das auch noch zu teilen und eben zu lernen einfach so glücklich zu sein, ohne dass man ständig meint, man brauche noch irgendetwas.

Moha ‒ der vierte der 6 inneren Feinde:
Wir sollten versuchen, die Welt und unsere Mitmenschen so zu sehen, wie sie sind

Dann gibt es moha, der Wahn oder die Illusion. Die Welt nicht so sehen, wie sie ist, sondern verzerrt wahrnehmen. Das ist natürlich etwas, was schwierig ist, wieder gerade zu rücken, was aber wichtig ist, zum Beispiel auf die Signale zu achten, die unsere Mitmenschen uns geben und zu versuchen, eine gewisse Objektivität zu entwickeln auf die Dinge.

Mada ‒ der fünfte der 6 inneren Feinde:
Die Gefahr der Überheblichkeit

Mada ist der Stolz. Es gibt so eine Art von sattvigem Stolz oder reinem Stolz. Man darf, wenn man etwas Gutes gemacht hat, sich natürlich auch freuen. Aber Stolz artet schnell in Egoismus aus, in Überheblichkeit.

Das ist auch durchaus eine Gefahr, wenn man zum Beispiel Yoga unterrichtet. Man hat 20 Schüler und jedes Mal, wenn man eine Yogastunde gibt, kommen ein paar und sagen „Mensch, das ist toll, das war so schön, ich konnte so tief entspannen!“ Es ist ganz wichtig zu lernen damit umzugehen, positive Komplimente zu bekommen ‒ und eben nicht abzuheben.

Ich habe letztens mit meiner Frau darüber gesprochen, sie fragte mich, wie ich das mache. Dann ist mir aufgefallen, dass ‒ ich bin ja gelernter Koch ‒ ich meine ganze Berufskarriere schon immer von Leuten gehört habe „Oh Mensch, die Suppe, das war ja so toll!“. Für mich ist das einfach mein Beruf, ich koche einfach eine Suppe, wie das im Lehrbuch steht, und dann schmeckt sie.

Mich haben Komplimente einfach kalt gelassen. Ich sag dann immer „Ja, dankeschön. Freut mich, dass es dir geschmeckt hat.“, aber ich habe mir im Laufe der Jahre immer weniger darauf eingebildet. Denn zum Beispiel zu den Ashram-Mitarbeitern im Haushaltsteam sagt nie jemand „Oh Mensch, der Teppich ist so schön gesaugt. Dankeschön!“ Aber es ist im Grunde genau das gleiche: Sie machen einfach die Arbeit so, wie sie gemacht werden muss.

Es ist, glaube ich, eine wichtige Eigenschaft zu lernen auch mit Lob umzugehen. Und als Yogalehrer kann es passieren, dass man sehr viel Lob bekommt. Dann ist es umso wichtiger, dass man hier nicht in Stolz abdriftet. Sondern dass man das Lob ganz objektiv zur Kenntnis nimmt und sich sagt: „Okay, scheint irgendwie gut gewesen zu sein. Dann war das wohl sinnvoll, was ich gemacht habe.“

Matsarya ‒ der sechste der 6 inneren Feinde:
Nicht immer auf die anderen schauen

Der letzte Punkt ist matsarya, der Neid. Es geht darum, dass wir nicht immer danach schauen, wie gut es den anderen geht, was die anderen Tolles haben und was sie für ein tolles Auto mit Felgen haben 😉 Sondern dass wir mit dem, was wir haben, zufrieden sind und nicht immer auf andere schauen und so Neid entwickeln.

Selbstreflektion, um die 6 inneren Feinde in Harmonie zu bringen

Das sind diese 6 inneren Feinde, die es zu bekämpfen gilt. Zu bekämpfen heißt nicht, dass es in einen inneren Kampf ausarten soll. Das Mittel, das wir benutzen um diese 6 inneren Feinde sozusagen auszumerzen ‒ oder schöner gesagt: in Harmonie zu bringen oder zu sublimieren ‒, ist die Selbstreflektion, Svadhyaya.

Es geht darum, zu lernen, sich immer mehr selbst zu beobachten und eben daran zu arbeiten, nicht immer wieder in die Fallen und Tretmühlen dieser inneren 6 Feinde reinzutapsen.

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Über uns Narada

Ich bin als Lehrer & Ausbilder für Meditation, Yoga und Advaita Vedanta tätig und versuche meinen Lebensunterhalt als Reiseveranstalter zu erwerben. Nebenbei betreibe ich diese Seiten um meinem großen spirituellen Mitteilungsbedürfnis einen weiteren Kanal zu geben. Alle Inhalte meiner Seite stehen dir kostenfrei zur Verfügung und sie dürfen unter Angabe der Quelle gerne weiter verwendet werden! Wenn du mich bei meiner Arbeit unterstützen willst, Kommentiere, Like und Teile einfach meine Beiträge... :-)