Soma – entheogenes Rauschgetränk der Veden

Der Begriff Soma ist sicherlich bekannt aus Aldous Huxleys Roman „schöne neue Welt“. Huxley beschreibt eine düstere Zukunftsvision in der die Menschen sich mit einer Droge Namens „Soma“ beruhigen und euphorisieren um die sozialen Mißstände zu ertragen.

„Die warme, die farbreiche, die unendlich freundliche Welt des Soma-Feiertags, wie freundlich, wie gut aussehend, wie freudig amüsant er war!“ Huxley, Schöne neue Welt

Der Ursprung von Huxleys Konzept lag in den Veden. Das Rig Veda ist das älteste der 4 Veden und es besteht zu einem großen Teil aus Hymnen an den Göttlichen Trunk Soma Rasa. Das ganze 9. Mandala (Buch) des Rig Veda besteht aus 114 Hymnen an Soma und wird „Soma Mandala“ genannt.

Soma – zentrales Thema im Rig Veda

Es gibt in den Veden kein so prominentes Thema wie das Soma, die Hymnen an Soma sind eine der frühesten Zeugnisse von Intoxikationskulten. Die Rolle des göttlichen Trunks wird in der heutigen Betrachtung des Yoga und Hinduismus heruntergespielt und umgedeutet.

„Die Wogen überholend rinnt der berauschende Rauschtrank Soma in die Seihe, die Unholde vertreibend, nach dem Gotte verlangend.“ 9.17.3. Rig Veda

Direkt in der 2. Hymne des Rig Veda beginnt die Verherrlichung des Psycho-Trunks:

„Komm her, du Gerngesehener; diese Somasäfte sind fertig. Trink davon, erhöre den Ruf!“ Rig Veda 1.2.1

Soma Identität war immer geheim

Das Wissen vom Somagebrauch und seiner Herstellung gilt ebenso wie die Essenz der Lehren der Veden als „Madhu-Vidya„, also als sog. „Honig Lehre“ die man nur von kompetenten Lehrern bekommen konnte. Dem Soma wird in den Veden die Fähigkeit zugeschrieben den Konsumenten unsterblich zu machen oder ihm die Tore zum Himmel zu öffnen.

„Wir haben jetzt Soma getrunken, Unsterbliche sind wir geworden; wir sind zum Lichte gelangt, wir haben die Götter gefunden. Was kann uns jetzt die Mißgunst antun, was die Hinterlist eines Sterblichen, o Unsterblicher?“ 8.48.3. Rig Veda

Es geht hier also offenbar um eine bewusstseinserweiternde Substanz die offenbar das Potential hat den Suchenden zur Befreiung zu führen. Es gibt einen Fachbegriff für Substanzen die mystische bzw. religiöse Erfahrungen auslösen: Entheogene. Wobei man das Soma auch als ein Synonym für den „Nektar des spirituellen Erwachens“ betrachten kann, also die Energie welche freigesetzt wird wenn sich tiefsitzende Blockaden lösen.

konkrete Pflanze oder abstrakter Zustand?

Grundsätzlich gibt es zwei Deutungsebenen zum Soma:

  1. Es ist eine entheogene Pflanze bzw. eine Mischung aus verschiedenen Pflanzen
  2. Es ist ein erhabener spiritueller Zustand bzw. eine Erfahrung

Vieles spricht dafür, dass es sich bei Soma um den sagenhaften „Nektar der Unsterblichkeit“ handelt, den wir durch Yogapraxis in uns selbst entdecken können aber ebenso gut kann es sich um eine Droge handeln.

Zwar ist die moderne Yoga-Bewegung vor allem von Sattwa (Reinheit) geprägt, aber die alten Yogis wussten auch um besondere Potentiale mancher Pflanzen:

„Übersinnliche Fähigkeiten können durch Geburt, Drogen, Zaubersprüche, Askese oder Überbewusstsein erreicht werden.“ Yoga Sutra 4.1

Dem Soma werden sagenhafte Eigenschaften zugeschrieben:

„Dieser Soma ist der Spielgewinner, nicht zu fassen, allbesiegend, durchschlagend, ein durch Sehergabe beredter Rishi. Was nackt ist, bedeckt er; er heilt alles, was krank ist. Der Blinde sieht durch ihn, der Lahme kommt von der Stelle.“ Rig Veda 8.79.1-2

Es wird sogar das Soma als Ursprung für die Götter bzw. die Göttlichkeit benannt:

„…brüllend hat er die Götter erzeugt!“ 9.42.4. Rig Veda

Und im selben Atemzug wird Soma als höchster Gott beschrieben:

„Dieser Gott über alle Götter…“ 9.42.2. Rig Veda

Das Wort Soma

Wörtlich übersetzt bedeutet Soma: „Destillieren, extrahieren, bestreuen, ausgepresst“. Das deutet auf den Herstellungsprozess des Trunks hin, es kann aber damit auch die spirituelle Praxis gemeint sein.  Soma ist auch ein Name für den Mond bzw. den Mondgott und eine bestimmte Pflanze. Man nimmt heute an, dass die vedische Kultur mit der frühen iranischen Kultur und dem Zoroastrismus zusammenhängt, so gibt es auch ein Pendant des Soma im Alt-Persichen, das „Haoma“ bzw „Sauma“, eine „göttliche Pflanze“.

Woraus besteht Soma?

Es ist (leider) unklar aus welchen Pflanzen der sagenumwobene Somatrunk erstellt wurde, es wird allgemein angenommen, dass die ursprüngliche Pflanze ausgerottet wurde. zumindest ist es so, dass erfolgreich geheim gehalten wird aus welcher Pflanze oder aus welcher Mixtur der Trunk hergestellt wurde. Natürlich interessiert sich auch die Wissenschaft für den Ursprung des Somamythos und es wird viel spekuliert über die Ursprüngliche Pflanze des Soma.

Verschiedenste als entheogen bekannte Pflanzen werden mit Soma in Verbindung gebracht:

  • Amanita Muscaria, der Fliegenpilz. Er trägt seinen Namen nicht wegen der Fliegen, sondern wegen seiner psychoaktiven Wirkung. In vielen Kulturen wird er als schamanische Droge eingesetzt.
  • Ephedra Sinica. Eine aufpuschende und euphorisierende Pflanze aus der TCM die sicherlich unterstützend wirkt bei kriegerischen Tätigkeiiten wie sie im Veda beschrieben werden.
  • Psylocybe Cubensis. Der Zauberpilz gilt bei richtiger Dosierung als stark reigiöse Erfahrungen auslösend. Da er gerne auf Kuhwiesen wächst wird auch eine Verbindung zur heiligen Kuh gezogen.
  • Peganum Harmalla, Syrische Steppenraute. Gilt als älteste Halluzinogen-genutzte Pflanze, da sie die einzige passende Pflanze im Iran ist, wäre es plausibel.
  • Cannabis Sativa, die Marihuanapflanze wird auch desöfteren verdächtigt, sie ist auch stark mit dem Hinduismus verbunden, jedoch vermutlich zu schwach. Ausserdem wird „Bhang“ im Atharvaveda als eine andere Pflanze als Soma erwähnt.
  • Nelumbo Nucifera, der indische Lotus enthält euphoorisierende Inhaltsstoffe und würde auch zu manchen Beschreibungen passen.

Viele weitere Pflanzen und Mischungen werden in dem Zusammenhang genannt, die botanische Identität der Wunderdroge bleibt weiterhin ungeklärt. Am weitesten verbreitet ist heute die Auffassung, dass es sich beim Soma um einen Trunk aus dem Fliegenpilz handelt, wobei der Konsum von halluzinogenen Pilzen ein großes Risiko birgt den Konsumenten in psychosen zu bringen.

Manche Verse verweisen auf ein gewisses Risiko des Somakonsums:

„Sei uns freundlich, mildtätig; ohne den Geist zu verwirren, ohne Wind zu machen, bekomm, o Soma, unserem Herzen wohl!“ Rig Veda 8.79.7

Es scheint aber eher eine Mischung zu sein aus verschiedenen Pflanzen, darauf deuten jedenfalls viele Textstellen der Veden. Im ayurvedischen Text Sushruta Samhita werden 24 Somapflanzen und 18 Somaähnliche Pflanzen benannt.

Ich persönlich glaube es muss sich um eine Pflanze mit einem DMT-ähnlichen Wirkspektrum handeln, beispielsweise wird die Erfahrung mit Ayahuasca sehr ähnlich beschrieben.

Mondnektar

Es ist auch der „Nektar des Mondes“, also vor allem das Licht welches an einem Vollmondtag eine spürbare Energie trägt. Man sagt der blaue Lotus öffnet seine Blüten im Vollmondlicht und nach einer Weile bilden sich Tropfen im inneren der Blüte, der „mondschweiss“, diese Tropfen haben besondere Kräfte. Gibt man je einen Tropfen ins Auge öffnet sich die Sicht auf die astrale Welt. Wobei es im Kundaliniyoga auch den Mondnektar gibt der beim Pranayama durch fokussierung auf Chandrachakra erzeugt werden soll.

„Warum magst du nicht einfach Soma nehmen, wenn du diese schrecklichen Vorstellungen von dir hast, du würdest alles vergessen, und anstatt dich miserabel zu fühlen, wärst du lustig!“ Huxley, Schöne neue Welt

„Es ist eindeutig eine Krise zwischen zwei Dingen: Des Bewußtseins und der Konditionierung. Wir haben die technologische Macht und technischen Fähigkeiten, um unseren Planeten zu retten, zur Heilung von Krankheiten, die Hungrigen zu speisen, den Krieg zu beenden, aber uns fehlt die geistige Vision, die Fähigkeit, unsere Meinung zu ändern. Wir müssen uns von 10.000 Jahren schlechtem Verhalten dekonditionieren. Und das ist nicht einfach.“ – Terence McKenna

Soma

Shiva Altar am Anasuya Devi Mandir

 

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