Patanjali Yoga Sutra. Sadhana Pada – das zweite Kapitel

Hier eine Übersicht zu allen 55 Versen des 2. Kapitels „Sadhana Pada“ im Yoga Sutra des Patanjali . Zu jedem Vers gibt es hier 2 alternative Übersetzungen weil jeder Vers sehr verschieden interpretiert werden kann, ich hoffe mich damit der Intention von Patanjali zu nähern.

Sadhana Pada. Das zweite Kapitel des Yoga Sutra

Ich habe bei den Kommentaren versucht, verschiedene Sichtweisen darzustellen und mich dabei nicht zu weit vom Text zu entfernen. Wenn du auf einen der Verse klickst, kommst du zur jeweiligen Seite. Du findest dort die Devanagiri-Schreibweise nebst wissenschaftlicher Transkription, mögliche Übersetzungen der einzelnen Worte, mehrere Übersetzungen und meinen Kommentar. Diese Seite mit den einzelnen Verse kannst du gut benutzen um über die Verse zu kontemplieren, einfach jeweils die beiden Übersetzungen lesen und versuchen zu verstehen was Patanjali wohl gemeint haben mag. Mögen meine Worte nicht die Bedeutung der Verse verzerren, möge es dir helfen den wahren Gehalt des Patanjali Yoga Sutra zu erfassen!

Unter diesem Link findest du weitere Artikel zu Raja Yoga sowie die restlichen bisher fertiggestellten Verse.

Hier die Abschnitte des Sadhana Pada, 2. Kapitel Yoga Sutra

das komplette 2. Kapitel „Sadhana Pada“ im Yoga Sutra

  1. “Üben voller Hingabe, Selbstreflexion und Disziplin ist Yoga des Handelns.” oder “Askese, Selbstserforschung und Hingabe an eine höhere Macht bilden den Kriya Yoga.”
  2. “Ist die Praxis auf das Ziel ausgerichtet, dann werden die Leiden auf dem Weg verschwinden.” oder “Kriya Yoga vermindert die Ursachen des Leidens und führt Überbewusstsein herbei.”
  3. “Mangel an Erkenntnisfähigkeit, Identifikation mit dem Wandelbaren, der Glaube, durch äußere Umstände Glück oder Unglück zu erfahren und Todesangst sind die Leiden auf dem Weg.” oder “Unwissenheit, Selbstbezogenheit, Anziehung und Abneigung sowie Furcht vor dem Tod sind Ursachen des Leidens.”
  4. “Fehlende Erkenntnis ist der Nährboden für die übrigen Leiden, diese Unwissenheit kann schlummernd, keimend, ausgewachsen oder übermächtig sein.” oder “Unwissenheit ist die Ursache der nachfolgenden Leiden. Sie sind schlafend, gering, unterbrochen oder aktiv.”
  5. “Vergängliches mit Ewigem, Unreines mit Reinem, Leidbringendes mit Freudvollem, Nicht-Selbst mit dem wahren Selbst zu verwechseln, wird Mangel an Erkenntnis genannt.” oder “Vergängliches, Unreines, Leidvolles oder das Nicht-Selbst als Ewiges, Reines, Angenehmes oder das Selbst anzusehen- ist Unwissenheit”
  6. “Verwechslung Wahrnehmenden mit dem Wahrgenommenen wird Identifikation mit dem Vergänglichen genannt.” oder “Wird der Sehende mit dem Organ des Sehens gleichgesetzt, so ist das Ich-Bezogenheit.”
  7. “Verlangen ist das, was dem Wohlbefinden folgt.” oder “Anziehung ist das, was sich mit Vergnügen beschäftigt.”
  8. “Ablehnung ist das, was Unglück zu meiden sucht.” oder “Nichtmögen vermeidet Leiden.”
  9. “Die Todesangst besteht aus sich selbst heraus, auch Weise sind davon betroffen.” oder “Der Wunsch nach Beständigkeit ist, an der eigenen Persönlichkeit zu hängen, es geschieht auch den Weisen.”
  10. “Den subtilen Ursachen des Leidens soll an ihrer Wurzel entgegengewirkt werden.” oder “Werden die Leidensursachen beim aufkeimen gemieden, so bleibt ihr subtiler Einfluß gering.”
  11. „Die aktiven Formen der Leiden können durch Meditation überwunden werden.” oder “Durch Meditation werden die leidvollen Gedankenwellen vermieden.“
  12. “Aus den Leidensursachen resultieren Neigungen, aus denen sichtbare und unsichtbare Handlungen und deren Folgen entspringen.” oder “Grundlage des Leidens ist der Vorrat an Handlungskonsequenzen, der im gegenwärtigen oder im zukünftigen Leben erfahren wird.”
  13. “Wenn die Wurzeln da sind, zeigen sie sich als Status, Lebensspanne und Erfahrungen aus.” oder “Solange karmische Wurzeln verbleiben, äussert es sich als verschiedene sozialen Situationen, Lebenserwartungen und Art der Erfahrungen.”
  14. “Je nachdem ob die Ursache konstruktiv war oder nicht, ist das Ergebnis erfreulich oder nicht.” oder “Es wird Vergnügen oder Schmerz als Frucht geerntet, je nachdem, ob der Same Tugend oder Laster war.”
  15. “Weise wissen, dass im Leben durch Wandlung, Sehnsucht, Prägung sowie die Wirkkräfte der Natur die im Widerspruch zu eigenen Wünschen stehen, Leid entsteht.” oder “Für den Unterscheidenden ist alles Leidvoll, bedingt durch Veränderung, nicht existentes, den Eindrücken und dem unerwünschten Wirken der Eigenschaften.”
  16. “Zukünftiges Leiden sollte man vermeiden.” oder “Unmanifestes Leid lässt sich verhindern.”
  17. “Die Verbindung des wahren Selbst mit dem Veränderbaren ist die Ursache für Karma.” oder “Die Identifikation des Subjekts mit dem Objekt ist die Leidensursache und soll vermieden werden.”
  18. “Die Natur der Welt, die aus Licht, Bewegung und Stillstand besteht, wird durch die Elemente und Sinnesorgane erfahren, dient dem Zweck der Erfahrung und Befreiung und bildet das Wahrnehmbare.” oder “Das manifeste Universium, welches  aus den Elementen und den Wahrnehmungen der Sinnesorgane besteht, besteht aus Sattwa, Rajas und Tamas und existiert zum Zwecke der Erfahrung und der Befreiung.”
  19. “Die Wirkkräfte sind kategoriesierbar in benennbar, unspezifisch, symbolhaft und jenseits von Symbolen. oder “Die Grundeigenschaften der Natur haben jeweils die formbildenden Zustände ‘spezifisch’, ‘unspezifisch’, ‘benennbar’, und ‘unbenennbar’.”
  20. “Der Wahrnehmende nimmt zwar das zu Sehende vollständig wahr, es wird aber durch die Wahrnehmungsorgane verfärbt.” oder “Der Sehende ist reines, unveränderliches Bewußtsein und nimmt durch den Filter des Geistes wahr.”
  21. “Der einzige Grund für die Existenz physischer Objekte ist es, vom Selbst wahrgenommen zu werden.” oder “Prakriti gibt es nur für Purusha
  22. “Hat das wahrgenommene seinen Zweck erfüllt, verschwindet es nur für den Erkennenden, es bleibt für andere bestehen, da es für alle gültig ist.” oder “Ist der Zweck erreicht wird es für den Sehenden überflüssig ohne zu verschwinden, da es auch für andere noch einen Zweck zu erfüllen hat.”
  23. “Die irrtümliche Vereinigung (von Prakriti und Purusha= Samyoga) dient dazu, den inneren Meister und die innewohnende Kraft zu erfahren.” oder “Vereinigung ist die Ursache der Erkenntnis beider Mächte: des Erfahrenden und seines Herrn.” (Vivekananda)
  24. “Die Ursache ist Verwechslung” oder “Der Grund (für die irrtümliche Vereinigung) ist die Unwissenheit.
  25. “Wenn Unwissenheit schwindet, löst sich die Verbindung, dann ist das Selbst befreit.” oder “Durch Erkenntnis löst sich die Identifikation (Purusha und Prakriti) und der Sehende ist befreit.”
  26. “Ununterbrochene Unterscheidungskraft ist das Mittel zur Befreiung.” oder “Um es zu lösen, ist pausenloses Differenzieren nötig.”
  27. “Der Weg zum erkennenden Bewusstsein geht über sieben Stadien.” oder “Dieser Pfad zur Erkenntnis hat sieben Stufen.”
  28. “Übung der Yogaglieder führt zur Überwindung von Unreinheiten, strahlender Weisheit und fortwährender Unterscheidungskraft.” oder “Durch das Ausüben der Glieder des Yoga werden Schlacken geklärt und es leuchtet das Wissen der stetigen Unterscheidung.”
  29. “Achtung gegenüber Deinen Mitmenschen und gegenüber Dir selbst, Körperbeherrschung, Kontrolle der lebensenergie, Sinnesbeherrschung, Konzentration, Meditation und Ekstase, sind die Acht Glieder.” oder “Gutes Miteinander, eigene Beschränkungen, Körpertellungen, Atembeherrschung, Sinnesrückzug, Konzentration, tiefe Versenkung und höhere Bewusstseinszustände bilden die acht Teile des Yoga.”
  30. “Nicht verletzen, Wahrhaftigkeit, nicht stehlen, Entsagung und Unbestechlichkeit sind die Enthaltungen.” oder “Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, kein Diebstahl, das Göttliche in allem sehen und nichts begehren sind die Grundlagen des ethischen Miteinanders.”
  31. “Egal welche sozialer Schicht, Ort, Zeit und Situation, in allen Bereichen gilt es diese Achtung gegenüber den Mitmenschen einzuhalten, das ist eine grundlegende Pflicht.” oder “Diese wichtigen Regeln gelten unabhängig von Status, Platz, Zeitpunkt und Situation”
  32. “Reinheit,  Zufriedenheit, Selbstdisziplin, Selbststudium und Gottvertrauen ist die Achtung vor sich selbst.” oder “Klarheit, Genügsamkeit, Askese, Reflexion und Hingabe sind die Regeln im Umgang mit sich.”
  33. “Bei Zweifel und Peinigung (gegenüber den Yamas und Niyamas)ist das Gegenteil zu fördern.” oder “Wenn negative oder schädliche Gedanken den Geist stören , kann wissende Unterscheidung helfen.”
  34. “Zweifel und Gewalt, daraus resultiert Leid und Unwissenheit. Dabei ist es egal, ob ich der Täter, Veranlassender oder Befürworter bin und ob Habsucht, Zorn oder Täuschung zugrunde liegen und auch ob eine Handlung klein, mittelmäßig oder groß ist. Daher hilft Einstellung auf das Gegenteil.” oder “Schlechte Gedanken und Gewalt, ob selbst verübt, beauftragt oder geduldet, ob durch Gier, Ärger oder Täuschung  entstanden und ob mild, mittelmäßig oder in starker Intensität gegenwärtig, resultieren in endlosem Leid und Unwissenheit. Deshalb muß die Gegenposition kultiviert werden.”
  35. “Im Umfeld eines beständig Gewaltlosen, verschwinden Feindseeligkeiten.” oder “Wenn man im Nichtverletzen Bergündet ist, wird auch die Umgebung friedlich.”
  36. “Ist die Begründung in der Wahrhaftigkeit stabil, besteht eine Verbindung zwischen ursächlicher Handlung und der erfahrenen Wirkung.” oder “Ist man stabil in der Wahrheit, wird jede Aussage die Wirklichkeit kreieren.”
  37. “Ist der Geist von Nichtstehlen stabil, wird aller Reichtum da sein.” oder “Wer nicht klaut, bekommt alles.”
  38. “Handlung im Bewusstsein des Absoluten, bringt Lebenskraft.” oder “Wenn die sexuelle Kraft kontrolliert ist, wird kraftvolle Vitalität erlangt.”
  39. “Ist Bedürfnislosigkeit beständig, entsteht Wissen über den Sinn der Inkarnation.” oder “Mit der stabilität in Anspruchslosigkeit erlangt man Wissen über das Leben.”
  40. “Reinheit führt zu Abstand gegenüber dem eigenen Körper und dem Kontakt mit anderen.” oder “Durch die Reinheit lehnt man den eigenen Körper ab und meidet Berührungen mit anderen.”
  41. “Dadurch kommt  Klarheit, Heiterkeit, Einpünktigkeit, Beherschung der Sinne und die Fähigkeit zur Erkenntnis des Selbst.” oder “Ist der Körper gereinigt, das Gemüt heiter, der Geist einpünktig und die Sinne Kontrolliert, wird auch die Eignung zur Selbstverwirklichung erreicht.”
  42. “Durch Zufriedenheit gewinnt man unvergleichbares Glück.” oder “Mit Genügsamkeit findet man größtes Wohlbefinden.”
  43. “Durch Selbstdisziplin wird Unreinheit aufgelöst und man erlangt Kräfte über Körper und Sinne.” oder “Durch Askese lösen sich Schlacken auf, der Körper und die Sinnesorgane werden Kraftvoll.”
  44. “Das Lernen von sich selbst bringt die ersehnte Verbindung zum Lieblingsaspekt Gottes.” oder “Durch Studium des Selbst entsteht Vereinigung mit dem persönlichen Ideal.”
  45. “Durch Hingabe an Gott entstehen Selbsterkenntnis und Kräfte.” oder “Durch Gottesverehrung entsteht die Kraft Samadhi zu erreichen.”
  46. “Die Körperhaltung sollte Stabil und angenehm sein.” oder “Der Sitz ist fest und leicht.”
  47. “Das Eingehen in die Unendlichkeit wird durch Loslassen und Sammeln erreicht.” oder “Zum Meistern einer Stellung braucht es das Lösen der Spannung und die Meditation auf das Endlose.”
  48. “Dadurch überwindet man die Polaritäten.” oder “Daraus entsteht die Unberührtheit durch die Dualität der physischen Welt.”
  49. “Dann kommt die Beherrschung der Lebensenergie über Einatmung, Ausatmung und den Zwischenraum.” oder “Im Anschluss dann das Beruhigen der Bewegung von Aus- und Einatmung sowie der Atempause.”
  50. “Einatmung, Ausatmung sowie Atemhalten wird verlängert und verfeinert durch Kontrolle von Intensität, Dauer und Häufigkeit.” oder “Innen und Aussen stabil, durch Raum, Zeit und Zahl reguliert, lang und subtil.”
  51. “Das Vierte transzendiert Innen und Aussen.” oder “Die vierte Methode transzendiert Anhalten, Aus- und Einatmen.”
  52. “Dadurch wird der Schleier vom Licht des wahren Selbst gelöst.” oder “Dies zerstört die Verhüllung des Lichtes.”
  53. “Und der Geist wird auf Ausrichtung vorbereitet.” oder “Und die Gedanken Sammeln sich auf eines.”
  54. “Pratyahara führt zum natürlichen Zustand und ist durch das Zurückziehen der Sinne von ihren Objekten erreicht.” oder “Wenn man die Sinne vom Erfahrbaren abzieht, und die wahre Natur im Geiste durchscheint wird es Pratyahara genannt.”
  55. “Daraus entsteht die absolute Kontrolle über die Sinnesorgane.” oder “Daraus kommt die Meisterschaft über die Sinne.”

Soweit alle 55 Verse des Sadhana Pada des Yoga Sutra.

Saraswati - Göttin

Saraswati

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Über uns Narada

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