Om ॐ – transzendenter Urklang und Symbol für das Göttliche

Om Zeichen

Om Symbol

Das Om Zeichen begegnet einem quasi an jeder Ecke im Zusammenhang mit Yoga und Indien, im Artikel geht es um die Bedeutung von Om.

Das „Om“ – Bedeutung und Erklärungen

Bevor sich das Universum über den Klang heraus manifestierte, gab es nur Brahman, das „Absolute“ jenseits aller Formen und Eigenschaften. Dieser absolute Leere Raum wird auch Shunyākāsha genannt. Der erste Klang, so sagt man, sei dann die Schwingung oder Vibration des Om, die Om Silbe gewesen, was auch im Tantra Spandana genannt wird. Eben das erste Wort welches „Gott Selbst“ war, wie es auch im Johannesevangelium gesagt wird. Man sagt es sei auch das Wort „Amen“ eine Ableitung des Om-lautes. Sicher ist es kein Zufall, dass das lateinische Wort „Omnis“ für „Alles“ steht.

ॐॐॐ

Om Symbol. Om Zeichen.

Der Laut des Om wird auch dargestellt als:

  • oṃkāra („Om-Silbe“),
  • ekākṣara („das eine Symbol“),
  • udgita („erhebender Gesang“)
  • praṇava („das Prächtig neue/frische“)

bezeichnet. Solche Worte wurden auch zu vedischen zeiten verwendet um das „om“ nicht öffentlich auszusprechen.

Die Eigenschaft „Adi Anadi“ wird dem Om zugeschrieben, ohne Anfang und Ende und alles umfassend. Om ist nicht nur Symbol für Gott, sondern wird auch als Manifestation des Götlichen betrachtet. Daher wird es auch als „Mahat Mantra„, als höchste Klangschwingung bezeichnet.

Das Johannes Evangelium beginnt mit einem sehr berühmten Vers, der auch von Yogis gerne als Verweis auf die Bedeutung des Om für die Schöpfung gesehen wird:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

Klang und Symbol des Om ॐ

Om enthält alle Klänge die der Mensch mit seinem Mund formen kann, so sagt man. Das Om ॐ ist zusammengesetzt aus A-U-M und der Stille, diese drei Buchstaben sehen für das Klangspektrum welches wir artikulieren können. Im Sanskrit Alphabet bilden die drei Buchstaben des Om Anfang, Mitte und Ende. Das „A“ kommt von ganz unten und wir können es tönen wenn wir Mund und Rachen öffnen und einen Ton bilden. Das „U“ wird etwa in der Mitte getönt und das „M“ am Ende mit geschlossenem Mund.

Om steht für die Trinitäten und das Vierte:

Die drei Klänge des Om stehen für die Trinität die wir in vielem sehen können. Die anschliessende Stille und der Punkt im Om-Symbol stehen gleichsam für „das Vierte“, das numinose und namenlose jenseits des Beschreibbaren.

  • Brahma, Vishnu und Shiva, die wichtigsten Götter Indiens, und Brahman- das Absolute.
  • Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft- und die Ewigkeit.
  • Das Wahrgenommene, der Wahrnehmende, die Wahrnehmung – und die Einheit dahinter.
  • Die Eigenschaften der Natur Sattwa, Rajas, Tamas- und das Eigenschaftslose.
  • Die drei Bewusstseinsebenen Wacht, Traum, Tiefschlaf- und das Überbewusstsein.

Letzteres Wird sehr deutlich in den Beschreibungen der Mandukya Upanishad zu den Bewusstseinsebenen, hier mein Kommentar zur Mandukya Upanishade.

In sehr vielen indischen Texten findet man Lobpreisungen über die heilige Silbe Om ॐ.

bedeutende Zitate über das OM aus wichtigen Texten des Yoga

Zunächst gibt es in der Bhagavad Gita einige gewichtige Aussagen zur Klangschwingung des ॐ.

im 13. Vers des 8. Kapitels der Bhagavad Gita sagt Krishna zu Arjuna:

„Om ity ekaksharam brahma“ 

„der einsilbige Name des Höchsten ist Om“

oder im weiteren Zusammenhang:

„Wer das einsilbige Mantra wiederholt wird zum höchsten finden.“

Also bietet Krishna mit der Wiederholung des Klanges ॐ eine Technik an die zum höchsten führt, es nennt das Om den namen des Herrn.

Im Kapitel 10 Vers 25 sagt Krishna (die Persönlichkeit Gottes) er sei identisch mit der Silbe Om, also hie eine Bekräftigung darüber, dass es nur einen Gott gibt der sich in vielen Formen zeigen kann.

„von den Klangschwingungen bin Ich das transzendentale OM“

Aber nicht nur Krishna wird mit dem Om in Verbindung gebracht. Es erscheint Shiva auch in seinem Aspekt als

Omkarnath„: „der Herr des ॐ“,

und ebenso wird Lord Ganesha auch

Pranava Swaroopa„: „der die Natur des ॐ hat“

genannt.

Om ist universell

In Indien verwenden nahezu alle spirituellen Strömungen das Om: Monisten, Dualisten, , Saivas, Vaishnavas, Seperatisten und sogar Atheisten.

Im Vers 17.23 der Gita heisst es:

„om tatsatiti nirdesho brahmanstrividhah samratah

„Seit urzeiten wurden die drei Silben om tat sat verwendet, um auf Brahman hinzuweisen.“

Also Kosmischer Klang, alles Manifestierte und die höchste Wahrheit deuten auf dieses unfassbare Göttliche hin.  So ist Die Silbe ॐ laut Bhagavad Gita also dreierlei: Das Höchste, der Name des Höchsten und eine Beschreibung des Höchsten.

Om in den Upanishaden

In der Mandukya Upanishad, welche zu den bedeutendsten Texten der Veden gehört und die sich mit dem Om befasst, steht direkt im ersten Vers die Aussage:

„Ōm ityetadakṣharam idam sarvam“ 

„Om ist alles was wir erfahren können“

und

„Sarvam Omkāra eva“

„Alles ist wahrlich om“

Und so wird im Yoga wie auch allgemein im Sanatana Dharma (Hinduismus), wie auch im Buddhismus, Jainismus und Sikhismus die Wichtigkeit dieser Silbe ॐ betont. Die Praxis der Wiederholung der heiligen Silbe ॐ ist wichtig und hat das Potential uns zur Erkenntnis der höchsten Wahrheit zu führen.

Der 1. Vers im ganzen:

„All dies ist das Unvergängliche,
ist der Laut OM.
Das wird auch so gesagt:
Was war, was ist, was sein wird –
das alles ist der Klang OM
Und was jenseits der drei Zeiten ist –
auch das ist der Klang OM.“

Desweiteren findet man in der Dhyana Bindu Upanishad auch die folgende sehr poetische Beschreibung:

„Om ist der Bogen. Der Geist ist der Pfeil. Brahman, das Absolute, ist das Ziel. Spanne den Bogen, indem du das OM konzentriert wiederholst mit dem Ziel, Brahman zu erreichen. Dann lasse los. Durch die Kraft des Bogens OM wird dein Denken und Fühlen eins mit Brahman, dem Absoluten“.

In der selben Upanishade steht im Vers 15,16:

„Alle Götter haben ihren Ursprung im Om.“

Und in der Katha Upanishad (1.2.15-16) steht geschrieben:

„Das Ziel welches alle Veden erklären, zu dem alle Bestrebungen führen und welches bewusste Menschen anstreben, wird in aller Kürze Om genannt.“

„Die eine Silbe (evākṣara, also aum( ist wahrlich Brahman. Diese eine Silbe ist das Höchste. Wer diese Silbe kennt wird all seine Wünsche erfüllen.“

In der Maitri Upanishad steht über das ॐ:

„Om ist der erste Klang im Universum, er ist Ausruck des Atman.“

Und im Siddha-Siddhanta-Paddhati, einem Tantrischen Text der Nath-Yogis, wird gesagt:

„Der Klang des Om, der als Gestalt des Bewusstseins gepriesen wird.“

So werden dem Om verschiedenste transzendente Bedeutungen zugeschrieben.

In einer weiteren Nath-Yogi Schrift, dem Goraksha Paddhati des Weisen Goraksha wird im vers 1.83 eine ganz konkrete Anweisung gegeben um „das höchste Licht des Om“ zu erreichen:

„Während er den Lotussitz einnimmt, Körper und Kopf aufrecht hält und den Blick auf die Nasenspitze fixiert, wiederhole er in der Einsamkeit den unvergänglichen Ton Om.“

Mit der Nasenspitze ist oft auch die Nasenwurzel, der Punkt zwischen den Augenbrauen gemeint.

Das Taittiriya Samhita ist ein klassisch vedischer Text aus dem Yajurveda und vor allem Rudra bzw. Shiva zugeordnet, wird über des ॐ gesagt:

„Om ist Brahman. Om ist alles. Om ist wahrlich die Erfüllung.“

In vielen weiteren Texten der alten Veden finden wir Lobpreisungen der heiligen Silbe auf verschiedene Weisen. In dem Vaishnava-Text „Caitanya-caritamrita“ (Madhya-lila 6.174) aus dem 15.Jahrhundert von Caitanya Mahaprabhu, der als Inkarnation von Krishna bezeichnet wird , wird gesagt:

„Die transzendentale Klangschwingung OM ist die Klangform der höchsten Persönlichkeit Gottes. Alles vedische Wissen und die gesamte kosmische Manifestation gehen aus OM hervor.“

In einem Uralten Vers, dem Shiva Shadakshara Stotram heißt es im ersten Vers über das ॐ:

Omkaram Bindu Samyuktam
Nityam Dhyayante Yoginaha
Kamadam Mokshadem Chaiva
Omkaraya Namo Namaha

Die Übersetzung ist sehr schön:

„Das Om ist verbunden mit dem Bindu, dem Unendlichen. Die Yogis meditieren immer wieder über dieses Mantra – und sie erreichen das Ewige. Dieses Om führt sowohl zur Erfüllung aller Sehnsüchte wie auch zur Befreiung. Ich verneige mich wieder und wieder vor diesem Om.“

Die Brahmavidya Upanishade sagt in Vers 1.2:

„Das innerste Feuer, die esoterische Wahrheit die dem Wissen über Brahman zugrunde liegt ist Brahman selbst, es ist Om, das Einsilbige ist das Brahman. So haben es die Begründer des Vedanta gesagt.“

Eine der ältesten Upanishaden ist die Chandogya Upanishad, dort steht in Vers 1.1.3.:

„Dieses (om) ist die Quintessenz der Essenzen, das Göttliche, das Höchste!“

Die andere als älteste Upanishade bezeichnete ist die Brihadaranyaka Upanishad, im Vers 5.1.1. steht:

“Om ist das Absolute, das höchste Wesen”

Die klassische Svetasvatara Upanishade sagt in Vers 4.17:

“Gott ist die Silbe Om.”

Sehr schön auch folgender Vers der Mundaka Upanishad 2.2.3-6:

„Meditiere über OM als das Selbst!“

So steht auch im Agni Purana, 358:

„Ich bin das Selbst, identisch mit dem mystischen Om.“

Und Ribhu Gita 10:22 sagt:

„Die Silbe Om ist das Selbst.“

Patanjali und das Om

Es gibt also in den unterschiedlichen Strömungen klassischer indischer Spiritualität offenbar keinerlei Zweifel an der bedeutsamkeit des ॐ. Auch in dem vermeidlich wichtigsten Text der Yoga Philosophie, den  Yoga Sutras des Weisen Patanjali, ist die Heiligkeit des ॐ unbestritten, so steht dort im 1. Kapitel, hier mit verschiedenen möglichen Übersetzungen, dass „om“ ideal für Bhakti ist:

27.
“Es (das Göttliche) manifestiert sich in dem Laut Om.”
oder
“Pranava ist ein Symbol für Ishvara.”

28.
“Wiederholung voller Demut und Bewusstwerdung der Bedeutung von OM führt zu Ishwara.”
oder
“Hingebungsvolle Wiederholung von OM mit Sinnhaftigkeit lässt Ishwara Erfahren.”

29.
“Dadurch offenbart sich der Erkennende und Hindernisse lösen sich auf.”
oder
“Durch sie ergibt sich das Selbst und die Beseitigung aller Hindernisse.”

…also die Wiederholung des ॐ, welches er hier Pranava nennt führt zur Erkenntnis des Göttlichen Kerns des Selbst. So wie es auch in der Amrita-Bindu-Upanishad formuliert wird:

„Der unvergängliche Klang ist das höchste Absolute. Wenn er verklingt so bleibt das Unvergängliche. Ersehnt der Erfahrende den Frieden des Selbst, so soll er dieses Unvergängliche tief kontemplieren.“

In seinem Kommentar zum Yoga Sutra sagte Adi Shankara:

„Om ist der Name des höchsten Gottes.“

Zitate über das Om

berühmte Lehrer sagten über das Om:

Swami Sivananda, Yoga Meister

„Om ist die heilige Silbe. Om ist der mystische Buchstabe. Om ist das unsterbliche Akshara. In Om ruht die Welt. In Om leben wir und bewegen wir uns. In Om ruhen wir. In Om finden wir das Gesuchte. Om ist das Symbol von Brahman. Om ist das Wort der Kraft. Om ist das Leben allen Lebens. Om ist die Seele aller Seelen. Om ist wahrlich Brahman. Om ist Satchidananda. Om ist Unendlichkeit. Om ist Ewigkeit. Om ist Unsterblichkeit. Om ist die Quelle von allem. Om ist der Schoß aller Veden. Om ist die Basis aller Sprachen. In Om verschmelzen alle Dreieinigkeiten. Von Om gehen alle Klänge aus. In Om existieren alle Dinge. Om ist das höchste Mantra. Om ist Soham. Om ist Om Tat Sat. Om ist eine Lampe auf Deine Füße und ein Licht auf Deinem Weg.“

Srila Prabhupada, Gründer der Hare Krishna Bewegung:

„Om ist die Repräsentation der Höchsten Persönlichkeit Gottes in Klangform. Diese Form Ihres Heiligen Namens wird als die transzendentale Klangschwingung (maha-vakya) anerkannt, kraft derer die zeitweilige materielle Manifestation ins Dasein getreten ist. Wenn man bei der Klangrepräsentation der Höchsten Persönlichkeit Gottes (omkara) Zuflucht sucht, kann man seine wesensgemäße Identität erkennen und sich im hingebungsvollen Dienst betätigen, obwohl man noch im bedingten Leben stehen mag.“

Osho, revolutionärer New Age Guru:

„Aum hat absolut keinen Sinn – es ist lediglich ein Ton.“

Satya Sai Baba, selbsternannte Inkarnation Gottes:

„Für den, der nach spiritueller Wahrheit sucht, ist es wichtig, das OM bei allem, was er tut, im Geiste mitschwingen zu lassen. Die Urschwingung ist die alles erhaltende Kraft und gleichzeitig das Ziel jeder Entwicklung. In der Schöpfung gibt es eine Entwicklung, die vom Grobstofflichen zum Transzendenten führt, bei der jede Stufe auf der vorangegangenen aufbaut. Sie führt von der Erde über das Wasser zum organischen Leben, dessen höchste Stufe der Mensch ist. Die Entwicklung setzt sich fort in der Sprache, dem geistigen Begriff, der göttlichen Intuition und führt zur Erkenntnis des OM. Diese acht Stufen – Erde, Wasser, Leben, Mensch, Sprache, Geist, Intuition, OM – werden gekrönt von der neunten, der höchsten Glückseligkeit. Diese letzte Stufe ist das Ziel des menschlichen Lebens.“

Alice. A. Bailey, Theosophin:

„Das OM, wenn richtig intoniert, befreit die Seele aus dem Bereich der Verblendung und des Entzückens. Es ist der Laut der Befreiung, die grosse Note der Auferstehung und des Emporhebens der Menschheit zur Geheimen Stätte des höchsten, wenn alle anderen Worte und Laute versagt haben.“

Guru Nanak, Begründer der Sikh Religion:

„Das eine Omkar ist der wahre Name Gottes.“

Swami Vivekananda, erster Yogi der in den Westen ging:

„Om ist kein Wort, es ist Gott selbst!“

Sri Anandamayi Ma, inkarnation der göttlichen Mutter:

„Das eine ewige Wort ist die erste Ursache des Universums.“

Pujaswami Dayananda Saraswati, Advaita Vedanta Koryphäe:

„Om ist der höchste Name Gottes und er enthält viele andere Namen Gottes.“

Lahiri Mahasaya, Kriya Yoga Meister:

“Pranava alone is Ishwara – Nur Om ist Gott.“”

Sri Ramakrishna Paramahansa, großer Yoga Meister im 19. Jahrhundert

„Der Klang des Om ist Brahman. Die Rishis und Heiligen entsagten um den Klang des Absoluten zu erkennen. Wenn du der Spur des Om wirst du Brahman erreichen, dessen Wort das Symboll ist. Dieses Brahman wurde in den Veden als höchstes Ziel beschrieben.“

ॐॐॐ

Om Zeichen, Pranava, Omkara, Urlaut, Heilige Silbe

 

Om Namah Shivaya

 

 

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