Bhagavad Gita – Quintessenz indischer Philosophie & eine Quelle des Yoga

Krishna Gopala

Eine umfassende Einführung in die Bhagavad Gita und ein Überblick zu den von mir erstellten Artikeln zur Bhagavad Gita, dem „Göttlichen Gesang“ findest du in diesem Artikel.

Bhagavad Gita- wichtigster Text des Hinduismus

Die Bhagavad Gita भगवद्गीता  gilt als der wichtigste Quelltext des Yoga, des Indischen Subkontinentes und des Hinduismus im allgemeinen.

Dieses uralte philosophische Werk enthält die Grundlagen der indischen Geisteswelt und sie ist ein kostbarer Schatz an Denkansätzen und Inspirationen für jeden spirituell Suchenden.

Indologen schätzen den Ursprung der Bhagavad Gita auf etwa 400 v.Chr. bis 400 n.Chr, wobei sie wohl vorher mündlich weiter gegeben wurde. Die Bhagavad Gita ist aber laut indischer Auffassung ziemlich genau im Jahre 3141 v.Chr. verfasst worden, nämlich zum Beginn dieses „dunklen Zeitalters“ (dunkel, da wir uns i.d.R. unserer Göttlichen Natur nicht bewusst sind) wurde sie vom großen Rishi Veda Vyasa aufgeschrieben. Genau lässt sich der Ursprung der Gita aber nicht belegen, weil Indien traditionell einen etwas anderen Umgang mit Geschichte hat, es zählt nur die Gegenwart und die Ewigkeit. Letztlich ist die Bhagavad Gita eine Zusammenfassung der alten indischen Denkschulen und mystischen Ansichten und gilt als die Quintessenz der indischen Spiritualität und des Hinduismus.

  • Die Bhagavad Gita gilt nach dem Ikea-Katalog und der Bibel als drittmeist gedrucktes Buch der Welt!

Bhagavad Gita

Für mich ist die Bhagavad Gita eine unerschöpflicher Quelle der Inspiration, ich habe sie schon oft gelesen und finde immer wieder neue Aspekte des spirituellen Weges die mir helfen mich innerlich auszurichten. Ich bin mir sicher, dass dieses Werk niemals seine Kraft und Wirkung auf mich verlieren wird, da es so viele verschiedene Ebenen dee Erkenntnis in sich birgt. Und so bin ich der Meinung, dass jeder spirituell interessierte Mensch die Bhagavad Gita lesen sollte, wobei man die Gita nicht wie einen Roman liest sondern man nimmt sich Zeit über die Verse nachzudenken.

Was ist die Bhagavad Gita?

Der gesamte Text der Bhagavad Gita ist im Grunde ein Dialog zwischen der Gottinkarnation Krishna und dem Menschen Arjuna als Lehrer und Schüler, die auf einem Schlachtfeld unmittelbar vor dem Aufeinandertreffen zweier Armeen von eng verwandten Familien und deren Partner. Bei dieser epischen Schlacht fällt Arjuna die Rolle des Anführers einer Armee zu und er reitet mit seinem Kutscher Krishna in die Mitte des Feldes. Nach einem Nervenzusammenbruch bittet Arjuna seinen Freund und Lehrer Krishna um Hilfe, Krishna antwortet mit seiner umfassenden spirituellen Lehre.

„Keine der in Indien so zahlreichen religiösen Erbauungsschriften wird von den Indern so eifrig studiert wie die Bhagavadgitä, viele wissen sie auswendig, und nicht wenige betrachten es als eine religiöse Pflicht, sämtliche 700 Doppelverse des Gedichtes täglich mit Andacht herzusagen“ Paul Deussen

Die 700 Verse (nach mancher Rechnung 701) der Bhagavad Gita werden von 4 verschiedenen Leuten gesprochen:

  • Dhritarahtra: 1
  • Sanjaya: 41
  • Arjuna: 84
  • Krishna: 584

weshalb nun bei dieser Rechnung insgesamt 710 Verse gezählt werden, zeugt von der unzuverlässigkeit mancher Internetquellen… 😉

Einführung & Hintergründe der Bhagavad Gita

Ich habe hier die Aufnahme eines Vortrages von mir als Einführung in die Bhagavad Gita, dabei geht es um die Entstehung, Bedeutung, Wirkung und Einordnung dies Textes:

Vorgeschichte zur Bhagavad Gita aus dem Mahabharata

Die 18 Kapitel und 700 Verse der Bhagavad Gita sind ein kleiner Teil des großen Mahabharata Epos (6.Buch, Kapitel 25-42) der nicht weniger als 100.000 Doppelverse umfasst und als größter Epos der Menschheit zählt, der Situation auf dem Schlachtfeld geht eine unglaublich tiefe und komplexe Geschichte um eine Familienfehde des Geschlechtes der Nachfahren des Königs Bharata vorraus die im Mahabharata erzählt wird. Die ganze Geschichte habe ich 2016 nochmals neu aufgenommen, als Ergebnis einer langen Recherche rund um das Mahabarata und die vielen Handlungsstränge die zur Bhagavad Gita führen, hier findest du noch etwas mehr Infos dazu.

Hier also die ganze Story, kurzweilig und humorvoll:

Diese Geschichte wirkt tatsächlich teilweise recht absurd, aber es wird gesagt:

„Was hier gefunden wird, kann auch woanders gefunden werden. Was hier nicht gefunden werden kann, kann nirgends gefunden werden.“

Die 18 Kapitel der Gita sind letztlich ein Dialog zwischen Gott und Mensch bzw. Lehrer und Schüler der stattfindet unmittelbar vor einer grossen epischen Schlacht.

Es gibt noch weitere so genannte „Gita“ Texte, so z.B.

Aber es ist normaler Weise immer von der Bhagavad Gita die Rede wenn das Wort „Gita“ Genutzt wird.

Zitate über die Bhagavad Gita

Auch grosse Denker des Abendlandes ließen sich gerne von der Gita inspirieren. So haben Schopenhauer, Hölderlin, Hegel, von Humbold, Steiner und Goethe viele ihrer Gedanken der Bhagavad Gita entnommen, was in diesen Zitaten über die Bhagavad Gita deutlich wird.

Arthur Schopenhauer:

„Aus jeder Zeile dieses unvergleichlichen Buches treten uns tiefe, ursprüngliche, erhabene Gedanken entgegen. Es ist die belehrendeste und erhabenste Lektüre, die auf der Welt möglich ist.“

Albert Einstein:

“Wenn ich die Bhagavad Gita lese, frage ich mich, wie Gott das Universum erschaffen hat; alles andere erscheint überflüssig.”

Hermann Hesse:

“Das Wunderbare an der Bhagavad Gita ist, daß… in ihr eine ungelehrte, erlebte Weisheit sich als helfende Güte offenbart. Diese Schöne Offenbarung, diese Lebensweisheit, diese zu Religion erblühte Philosophie ist es, die wir suchen und brauchen.”

Johann Wolfgang von Goethe:

„Das Buch, das mich in meinem ganzen Leben am meisten erleuchtet hat.“

Aldous Huxley

„… eine der eindeutigsten und ausführlichsten Zusammenfassungen der philosophia perennis

Mahatma Gandhi:

„In der Bhagavadgita finde ich einen Trost, den ich selbst in der Bergpredigt vermisse. Wenn mir manchmal die Enttäuschung ins Antlitz starrt, wenn ich verlassen, keinen Lichtstrahl erblicke, greife ich zur Bhagavadgita. Dann finde ich hier und dort eine Strophe und beginne zu lächeln, inmitten aller Tragödien, und mein Leben ist voll von Tragödien gewesen. Wenn sie alle keine sichtbaren Wunden auf mir hinterlassen haben, verdanke ich dies den Lehren der Gita.“

und desweiteren:

„Von Anfang an, seit ich 1889 Bekanntschaft mit ihr machte, ist die Gita für mich wie eine Mutter gewesen. Bei jeder Schwierigkeit wende ich mich ihr zu, um mich von ihr leiten zu lassen, und die gewünschte Führung ist immer da gewesen. Aber du musst dich Mutter Gita in aller Ehrerbietung nähern, willst du von ihrer Fürsorge etwas haben. Wer den Kopf auf ihren friedenschenkenden Schoß legt, wird nie enttäuscht, sondern erfreut sich vollendeten Glücks. Diese spirituelle Mutter gibt dem, der sie verehrt, in jedem Augenblick seines Lebens neues Wissen, neue Hoffnung und Kraft.“

Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt:

„Ich danke Gott, dass er mich so lange hat leben lassen, um dieses Buch kennenzulernen, das schönste, ja vielleicht das einzige wahrhaft philosophische Gedicht, das alle uns bekannten Literaturen aufzuweisen haben.“

Henry David Thoreau:

„Jeden Morgen bade ich meinen Intellekt in der gewaltigen und weltschöpferischen Philosophie der Bhagavad-gita … dagegen scheint unsere moderne Zivilisation und unsere Literatur kläglich und trivial.“

Thomas Merton

„Die Gita kann als wichtigster literarischer Stützpfeiler der religiösen Zivilisation Indiens, der ältesten lebenden Kultur der Welt, angesehen werden…“

Allerdings formulierte es auch Albert Schweizer etwas negativer:

„Weil sich in ihr so wunderbare Sätze von der innerlichen Losgelöstheit von der Welt, von der hasslosen und gütigen Gesinnung und von der liebenden Hingebung an Gott finden, pflegt man das Nicht-Ethische, das sie enthält, zu übersehen. Sie ist nicht nur das meistgelesene, sondern auch das meist idealisierte Buch der Weltliteratur.“

Der jüdisch-deutsche theoretische Phyiker Oppenheimer gilt mit seinen Ideen als „Vater der Atombombe“ und bereute dieses sehr, er nutzte ein Zitat aus den Versen 12 und 32 des 11. Kapitels um das Gewicht seiner Erfindung zu betonen:

„Wenn das Licht von tausend Sonnen / am Himmel plötzlich bräch‘ hervor / das wäre gleich dem Glanze dieses Herrlichen, und ich bin der Tod geworden, Zertrümmerer der Welten.“

Es heisst es auch der wahnsinnige Obernazi Himmler hätte gerne die Bhagavad Gita gelesen. Allerdings denke ich, dass er ebenso wie Schweizer nicht wirklich den tiefen Sinn erfasst hat. Denn es heißt zB im Beginn des 16. Kapitels welche Eigenschafften der Mensch entwickeln sollte:

„Vergebung, Zornlosigkeit, Entsagung, Frieden, Nichtverleumdung, Mitleid mit allen Lebewesen, Begierdelosigkeit, Milde, Bescheidenheit, Beständigkeit, lichtvolle Stärke, Reinheit, Fehlen von Feindseligkeit, Nicht-Hochmut“

Und diese Eigenschaften des Menschen lassen kaum Spielraum für den Hass und die Verblendung der Nazis und ebenoswenig für das genannte „nichtethische“.

Audio Kommmentare zur Bhagavad Gita von mir

Ich bin dabei schrittweise wichtige Verse der Bhagavad Gita mündlich zu kommentieren und diese Kommentare dann hier zu veröffentlichen, alle Aufnahemen sind aus öffentlichen Vorträgen entstanden. Wenn du tiefer in die Lehren der Bhagavad Gita eintauchen willst, kann ich dir empfehlen diese Vorträge zu nutzen. Natürlich sind meine Kommentare subjektiv, aber das lässt sich nicht vermeiden. 😉

Bhagavad Gita Übersetzung

Bhagavad Gita kann sehr unterschiedlich übersetzt werden…

Gerne möchte ich an einem der Verse aus der Bhagavad Gita darstellen, wie unterschiedlich aus dem Sanskrit übersetzt werden kann, und wie sehr bereits eine Übersetzung aus dem Sanskrit eine gewisse Interpretation enthält. Daher ist immer auch beim Studium der Bhagavad Gita zu beachten, dass es sehr unterschiedliche Interpretationen gibt und man idealer Weise verschiedene Verse miteinander vergleicht. Auch sollte man darauf achten aus welchem Standpunkt der Übersetzer bzw. auch der Kommentator die einzelnen Verse betrachtet. Bei diesem wunderschönen und überaus wichtigen Vers aus dem 2. Kapitel der Bhagavad Gita ist mir besonders der Unterschied aufgefallen. Den Vers 2.46 mag ich sehr gerne.

  • „Für den Brahmanen mit Selbsterkenntnis sind alle Veden ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.“ Swami Sivananda Englisch ins Deutsche
  • „To the Brahmana who has known the Self, all the Vedas are of as much use as is a reservoir of water in a place where there is a flood.“ Swami Sivananda im original
  • „So viel ein Brunnen nützt, in den das Wasser strömt von allerwärts, So groß ist für die Priesterschaft der Nutzen, den der Veda bringt.“ Leopold von Schröder, lyrische Übersetzung
  • „Für den Erleuchteten Brahmanen haben alle Veden keinen größeren Nutzen als ein kleiner Brunnen an einer Stelle, die allseits von Wasser überflutet ist.“ Maharishi Mahesh Yogi
  • „So viel ein Brunnen nützt, in den das Wasser strömt von allerwärts, So groß ist für die Priesterschaft der Nutzen, den der Veda bringt.“ Bhaktivedanta Swami Prabhupada
  • „So viel Nutzen wie dort ein Brunnen hat, wo von allen Seiten Wasser zusammenfließt, so viel Nutzen ist in allen Veden für den wissenden Brahmankenner.“ Ramakrishna Paramahamsa
  • „Denn soviel Nutzen ein Brunnen in einem Land hat, wo überall reine Quellen fließen, soviel Nutzen haben all die Veden für einen Brahmanen, der das Selbst erkannt hat.“ Pushpak.de Mahabharata Projekt
  • „Soviel Zweck in einer Wassertränke , in die von allen Wasser zusammenfließt, soviel auch in allen Wissen [Veden] für den Kraft<-Kenner> [Brahmanen], der unterscheidet.“ Dieter Koch, Indologe
  • „Soviel Nutzen ein Teich hat in den von allen Seiten her das Wasser strömt, soviel nutzen haben die Veden für den Weisen der erkennt.“ Arjuna Fischer

Ich würde bei diesem Vers noch weitere Sanskritworte ins deutsche Übersetzen, damit ergibt sich gekürzt etwa:

„Es nutzt das Wissen dem Erkennenden soviel, wie ein Wassergefäss bei einer Flut.“

Mögen wir die Essenz der Bhagavad Gita zwischen ihren Zeilen erkennen und sie nicht auf ihre Worte reduzieren, denn Worte sind nur die Oberfläche und sie deuten immer auf etwas größeres hin!

Übrigens: Die Gottinkarnation Sri Krishna ist der Lehrer der Bhagavad Gita und wird mit insg. 27 Namen angesprochen, diese sind: Anantarupa, Achyuta, Arisudhana, Krishna, Kesava, Kesanishudana, Kamalapatraksha, Govinda, Jagadpatih, Jagannivasa, Janardhana, Devedeva, Devavarah, Purushottama, Bhagawan, Bhutabhavana, Bhutesah, Madhusudhana, Mahabahu, Madhavah, Yadava, Yogaviththama, Vasudeva, Varsheya, Vishnuh, Hrisikesa und Harih.

Meine Essenzen der Bhagavad Gita:

Das Gita Dhyanam, eine einführende Anrufung zum Beginn des Studiums der Bhagavad Gita nennt den Text einen:

„Regenschauer des Nektars des Advaita“

was auf die Tiefe dieses Textes deutet.

Im Laufe der Zeit habe ich zu verschiedenen Themen jeweils die wichtigsten Verse herausgesucht die ich dann nochmals einzeln kommentiert habe.  Dabei ist natürlich klar, das diese Auswahl subjektiv ist und die Kommentare nur aus meinem bescheidenen Blickwinkel geschrieben wurden…

Krishna Govinda

Zusammenfassung der Bhagavad Gita

Da die Bhagavad Gita mit ihren 700 Versen recht umfassend ist und ebenso komplex, haben verschiedene Menschen immer wieder versucht die Lehre der Gita auf unterschiedliche Weisen zusammenzufassen.

Es gibt traditionelle Essenzen der Bhagavad Gita die ich in diesem Artikel aufgezählt und im einzelnen kommentiert habe. Sicherlich ist dieses eine sinnvolle Vertiefung der Inhalte und ein ebenso guter Einstieg in die Geisteswelt der Bhagavad Gita.

Klassischer Weise wird der folgende Vers als Ekasloki bezeichnet, ein einzelner Vers der als Zusammenfassung der Bhagavad Gita dient:

XVIII.78 „Überall, wo Krishna, der Herr des Yoga ist, überall, wo Arjuna, der Bogenträger, ist, dort sind Reichtum, Sieg, Glück und feste Grundsätze; davon bin ich überzeugt!“

Es gibt auch eine traditionelle Weise die Bhagavad Gita in 7 Verse zusammenzufassen, die „Sapta Sloki Gita“:

Es sind die Verse:

  • VIII.13, XI.36, XIII.14, VIII.9, XV.1, XV.15 und XVIII.65

Jedoch gefällt diese mir nicht wirklich, daherhabe ich selbst meine 7 Top Verse herausgesucht.

„Narada Sapta Sloki Gita“ – 7 Topverse der Bhagavad Gita als Zusammenfassung

Ich lese seit vielen Jahren immer mal wieder in der Bhagavad Gita und mag es gerne Übersetzungen und Kommentare von verschiedenen Meistern zu den Versen zu vergleichen. Viele Passagen der Bhagavad Gita haben eine unglaubliche Tiefe und haben das Potential den inspirierten Leser über Wochen zu beschäftigen. Manche Verse aber sind in meinen Augen (sicher bin ich noch nicht so weit) aber auch langweilig und nichtssagend. Hier habe ich mir die Mühe gemacht die ganze Bhagavad Gita in 7 besonderen Versen zusammenzufassen. Diese sind nur eine Auswahl aus meiner beschränkten Sicht, jeder andere würde sicher eine andere Auswahl treffen…

Die nun folgenden Übersetzungen aus dem Sanskrit sind aus der Englischen übersetzung Swami Sivanandas von meinem Freund Sumitra Shang ins Deutsche übertragen worden, ich habe sie noch etwas angepasst. Weiter unten kommentiere ich noch diese 7 Verse.

II.42 „Blumige Worte finden die Unweisen, die an den rühmenden Worte der Veden gefallen finden, und sich sagen: Es gibt nichts anderes!“

IX.18. „Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Herrscher, der Beobachter, die Wohnstatt, die Zuflucht, der Freund, der Ursprung, die Auflösung, die Grundlage, die Schatzkammer und der unvergängliche Same.“

IX.26. „Wer mir ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser mit Hingabe darbringt, dessen so hingebungsvoll und mit reinem Geist gegebenes Opfer nehme Ich an.“

III.19 „Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste“

VI.29. „Wenn sein Geist durch Yoga harmonisch geworden ist, sieht er das Selbst in allen Wesen wohnen und alle Wesen im Selbst. Er sieht überall dasselbe.“

XIII.29 „Derjenige sieht, der sieht, dass alle Handlungen allein von der Natur ausgeführt werden, und dass das Selbst handlungslos ist.“

II.46 „Für den Brahmanen mit Selbsterkenntnis sind alle Veden ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.“

Bhagavad Gita: Arjuna und Krishna

Top 7 Verse der Bhagavad Gita

Die sieben Verse enthalten die Grundlegenden Konzepte der Bhagavad Gita, es geht im einzelnen um:

  1. Statement gegen Dogmatismus
  2. Was ist Gott?
  3. Bhakti Yoga – Weg der Hingabe
  4. Karma Yoga – Weg des Handelns
  5. Jnana Yoga – Weg der Erkenntnis
  6. Gunas – Wirkkräfte der Natur
  7. Loslassen von Wissen

Hier nun also eine kurze Interpretation der 7 Bhagavad Gita Verse:

  • Bhagavad Gita, 2.42 „Blumige Worte finden die Unweisen, die an den rühmenden Worte der Veden gefallen finden, und sich sagen: Es gibt nichts anderes!“

Krishna schimpft in der Bhagavad Gita des öfteren über Dogmatiker und Anhänger des Ritualismus der alten Veden. Genau wie die Bibel gilt es auch die alten indischen Texte nicht immer wörtlich zu nehmen, sondern zwischen den Zeilen zu lesen und zu abstrahieren.

Swami Sivananda sagt:

„Auch Teufel können aus den Schriften Zitieren!“

Die Bhagavad Gita vermittelt viele verschiedene Ansichten und Wege zum spirituellen Ziel, für den Suchenden ist es sehr wichtig verschiedene Wege miteinander zu vergleichen und keinem blind zu folgen. Noch wichtiger ist es, seinen eigenen Weg nicht für den einzig wahren zu halten, denn das grenzt ab und trennt. Ich stelle diesen Vers an die erste Stelle, weil ich genau dies für eines der großen Probleme der Menschheit halte. Krishna sagt hier, das eben die „unweisen“ mit rühmenden Worten von ihrer Wahrheit sprechen und alles andere ausschliessen. Dieses ein klares Statement gegen jeglichen Fundamentalismus.

  • Bhagavad Gita, 9.18. „Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Herrscher, der Beobachter, die Wohnstatt, die Zuflucht, der Freund, der Ursprung, die Auflösung, die Grundlage, die Schatzkammer und der unvergängliche Same.“

Hier spricht Gott in Form von Krishna darüber was er genau ist, sicher gibt es noch unzählige weitere definitionen  die Gott beschreiben, jedoch finde ich diese aus der Bhagavad Gita recht umfassend. Diese 12 Punkte geben ein umfassendes Bild von Gott, wobei Gott natürlich jenseits aller Vorstellungen ist. Diese Worte sind wie Pfeile die auf etwas hindeuten, aber eben nicht die Wahrheit selbst. Um das Problem mit den Vorstellungen von Gott zu umgehen, gibt es im Christentum das Gebot „Du sollst dir kein Bild machen von Gott!“ Ich denke, dass „Gott“ keine Persönlichkeit ist, „es“ sich jedoch als solche offenbaren kann. Ich mag „Gott“ gerne als Variable „x“ benutzen, wo jeder sein eigenes Konzept einfügen kann.

Hier die einzelnen Begriffe nochmals kurz erläutert:

  1. Ziel – Jeder Mensch möchte eins mit Gott sein, oder es erkennen, ob man es weiß oder nicht.
  2. Erhalter – Gott ist die Kraft die das Universum erhält, dem können wir vertrauen.
  3. Herrscher/ Meister- Gott lenkt und kontrolliert alles, auch in Form des eigenen Selbst.
  4. Beobachter/ Zeuge- Gott ist reines Gewahrsein jenseits aller Manifestation.
  5. Wohnstatt/ Reich – Gott ist unser zuhause, das was wir wahrlich sind.
  6. Zuflucht – Gott ist unsere Zuflucht, das wo wir im inneren Trost finden.
  7. Freund – Gott ist unser liebster Freund der immer für uns da ist.
  8. Ursprung/ Schöpfung – Gott ist die Kraft hinter dem Urknall, Schöpfer der Evolution.
  9. Auflösung/ Vernichtung – Gott ist nicht (nur) lieb, er ist auch für das vergehen zuständig.
  10. Grundlage allen Seins – Gott ist das Absolute, der Urgrund, das alldurchdringende.
  11. Schatzkammer/ Ruhestätte – Gott ist das allerinnerste und höchste in jedem Wesen.
  12. unvergänglicher Same – Gott hat unendliches Potential neues zu erschaffen.

Wir finden natürlich in der Gita viele Verse die klar formulieren, dass Gott eine Wesenheit ist, nämlich Krishna. Ich denke es ist wichtig den Begriff „Gott“ offen zu interpretieren und das Konzept nicht festzulegen, es hat wohl genug Kriege darüber gegeben!

  • Bhagavad Gita, 9.26. „Wer mir ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser mit Hingabe darbringt, dessen so hingebungsvoll und mit reinem Geist gegebenes Opfer nehme Ich an.“

Unabhängig davon was das Wort in jedem von uns für eine Bedeutung hat, also auch wenn wir atheistisch heran gehen und z.B. sagen Gott ist eine Energieform, die  Intelligenz hinter der Evolution o.ä., ist es aus spiritueller Sicht wichtig eine persönliche Beziehung zu diesem Göttlichen aufzubauen. In der Bhagavad Gita ist immer wieder die Rede von „Opfern und Dienen„. Beide Worte haben in unserer Kultur einen faden beigeschmack, daher schlage ich vor statt „Opfern“ das Wort „Schenken“ zu nehmen, und statt „Dienen“ das Wort „Helfen“ einzusetzen. Krishna sagt also er nimmt jedes Opfer an, wenn es mit Hingabe „geschenkt“ wird.

Swami Sivananda sagt in seinem Kommentar zu diesem Vers:

„Du brauchst ihm keinen goldenen Tempel zu bauen, baue einen goldenen Tempel in deinem Herzen!“

Gott oder das Göttliche wird sich uns nach und nach offenbaren, wenn wir immer wieder mit ihm in Verbindung treten und bereit sind zu schenken, zu opfern, etwas darzubringen. Wenn, und das ist entscheidend, es mit tiefer Hingabe und aus ganzem Herzen und mit reinem Geiste geschieht. Das bedeutet wir Opfern Gott etwas (Blatt, Blume, Frucht und Wasser sind nur Symbole) ohne dafür etwas zu erwarten.

  • Bhagavad Gita, 3.19 „Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste“

In diesem Vers steckt die Essenz des Karma Yoga, des Weges über die geistige Einstellung im alltäglichen Handeln. Das Karma Yoga ist wohl eines der wichtigsten Themen der Bhagavad Gita. Im letzten Vers wurde Bhakti Yoga erklärt was letztlich bedeutet all sein Handeln Gott zu schenken und ihm zu helfen sich auszudrücken. Im Karma Yoga geht es nun vor allem darum, alles was man von Gott bekommt, also quasi jede Erfahrung die man macht, nicht als Frucht seines Handelns zu betrachten, sondern als Geschenk von Gott. So kommen wir zu einer Win-Win Situation: Wir schenken alles Gott und bekommen dafür alles von Gott zurück. Dadurch lösen wir uns nach uns nach von den Identifikationen die wir mit unserem Körper und vor allem unseren Gedanken haben und kommen mehr und mehr zum Selbst. Verhaftungslos handeln bedeutet stets zu tun was vor der Nase liegt, unser bestes zu geben zum Wohle aller Beteiligten und dann eben zu akzeptieren und dankend anzunehmen was wir bekommen. Ich denke Karma Yoga ist für eine tiefgreifende spirituelle Transformation entscheidend, denn hierdurch wird das Ego transzendiert.

  • Bhagavad Gita, 6.29. „Wenn sein Geist durch Yoga harmonisch geworden ist, sieht er das Selbst in allen Wesen wohnen und alle Wesen im Selbst. Er sieht überall dasselbe.“

Nachdem in den letzten beiden Versen die Essenz von Bhakti- und Karma Yoga vermittelt wurde, wird hier das Ziel und der Weg des Jnana Yoga vermittelt. Wenn also durch die Praxis des Yoga im weitesten Sinne der Geist zur Harmonie gekomen ist, kann erkannt werden. Dann kann das Einehitsbewussstsein offenbart werden, welches Krishna hier so schön beschreibt. Aus der Sichtweise des Jnana Yoga ist alles eins, ist die Welt Nondual und überall das Selbe als höchste Wirklichkeit zu sehen ist das Ziel.

Auch Srila Prabhupada übersetzt in diesem Sinne:

„Ein wahrer Yogi sieht Mich in allen Wesen und alle Wesen in Mir. Wahrlich, die selbstverwirklichte Seele sieht Mich überall.“

Also das höchste Ziel ist die Verwirklichung dieses Einheitsbewusstseins, also zu erkennen das der Wesenskern des Selbst mit allem verbunden ist und man niemald  getrennt war. So formulieren es die Jnanayogis, wohingegen ein Bhakta nicht das Ziel hat eins mit allem (Gott) zu werden, sondern Gott in allem zu sehen und diesem zu dienen. Ich denke es ist beides das Selbe, nur eben eine andere Formulierung. Dorthin kommen wir durch die Praxis des ganzheitlichen Yoga.

  • Bhagavad Gita, 8.29 „Derjenige sieht, der sieht, dass alle Handlungen allein von der Natur ausgeführt werden, und dass das Selbst handlungslos ist.“

Dieses ist auch wieder eine sehr vedantische Sichtweise, die letztlich auch der Samkhya-Lehre kommt und auch Grundlage anderer Philosphien Indiens ist. Es wird gesagt das wahre Selbst ist z.B. Stille, Frieden, Sein, Bewusstsein, Bewegungslos, Liebe, etc. und dadurch ist es auch alldurchdringend, unbeschreibbar, untätig und alles übersteigend. Das Selbst ist immer Subjekt und niemals Objekt, es ist das Gewahrsein an sich und ist nichts was man beobachten oder wahrnehmen kann. Also tut das Selbst nichts, sondern die Wirkkräfte oder Eigenschaften der Natur sind es die Handeln. Es sind diese Gunas, die das ganze manifeste Universum durchdringen und lenken. Das Selbst ist handlungslos und lediglich sehend, so sagt es Krishna hier, und nur dann sehen wir tatsächlich, wenn wir selbst nicht mit dem Geschehen identifiziert sind.

  • Bhagavad Gita, 2.46 „Für den Weisen mit Selbsterkenntnis ist alles Wissen ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.“

Letztlich ist jede Praxis und jede Theorie im Sinne des Yoga nur Mittel zum Zweck. Jedes Konzept welches wir aus heiligen Texten oder von Meistern übernehmen sind wie eine Brücke um zum Ziel zu kommen, aber sie sind weder die Wahrheit noch die Wirklichkeit. Um zur höchsten Erkenntnis oder zur letzten Befreiung zu gelangen, müssen wir alle Vorstellungen, Konzepte, und Denkweisen loslassen, denn diese berschränken den Blick auf das Unbeschreibliche.Wenn wir die Selbsterkenntnis erlangt haben, wird alles andere wertlos, weil alles Eins ist.  Allerdings ist es gut auch dann gängige Konzepte und Terminologien zu benutzen, um damit nicht noch mehr Verwirrung zu schaffen. Und so ist dieser letzte Vers der Narada Sapta Sloki Gita wieder den engstirnigen Intellektuellen gewidmet, die nicht zum Ziel kommen werden wenn sie weiter an ihren Denkweisen festhalten.

Hari Om Tat Sat!

Die folgenden Bhagavad Gita Verse kamen übrigens auch in die engere Auswahl und sind aus meiner bescheidenen Sicht auch sehr wichtig, ich werde sie an anderer Stelle nochmals Kommentieren:

18.66. „Gib alle Vorstellungen von Dharma (Pflicht, Religion, Tugend, Gesetz) auf und suche Zuflucht nur bei Mir alleine: Ich werde dich von allen schlechten Taten befreien; sorge dich nicht“

3.19 „Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste.“

7.24. „Die Törichten meinen, Ich, das Unmanifestierte, hätte Erscheinungsformen, da sie Mein höheres unveränderliches und überaus erhabenes Wesen nicht kennen.“

6.35. „Zweifellos, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, der Geist ist schwer zu beherrschen und ruhelos. Aber durch Abhyasa und Vairagya kann er bezähmt werden.“

4.18. „Wer Akarma in Karma sieht und Karma in Akarma, ist weise unter den Menschen; er ist ein Yogi und führt alle Handlungen aus.“

12.05. „Schwieriger ist es für Menschen, deren Geist auf das Nichtmanifeste gerichtet ist; denn das Ziel, das Nichtmanifeste, ist für den Verkörperten sehr schwer zu erreichen.“

 

Bhagavad Gita Szene: Krishna und Arjuna auf der Kutsche